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Jfo. 168. Dienstag, den S3 Juli 1878.

Aichener Wizciger

Anicigk- ul XmteMtttt fit itu Kreis Gießen.

Redaetion-bureaur Gartenstraße L. 165.

ExpedMonSbureaur Schulstraße 8. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montags.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

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Beistand.

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An unsere Leser in der Stadt Gießen.

Vielfache Beschwerden Seitens unserer Abonnenten, sowie verschiedene Unzuträglichkeiten bei der seitherigen früh Morgens erfolgten Ablieferung unseres Blattes, veranlaßt uns, denGießener Anzeiger" anstatt Morgens schon des Abends vorher in hiesiger Stadt austragen zu lassen. Wir ersuchen deshalb unsere geehrten Abonnenten, uns sofort Anzeige machen zu wollen, wenn ihnen der Anzeiger nicht Abends zugestellt werden sollte.

Mit dieser Aenderung verbinden wir zugleich die Bitte, alle Anzeigen, welche in dem am Abend erscheinenden Blatt Aufnahme finden sollen, bis spätestens 10 Uhr Morgens bei der unterzeichneten Expedition einreichen zu wollen.

Die Aptditm des Gießener Anzeigers.

Schulstraße.

Amtlicher Hßeit. Bekanntmachung.

Nach einer Mittheilung des Kommandos des Großh. Hessischen 2. Infanterie-Regiments Nr. 116 finden am 24., 25., 26. und 27. Juli, Vormittags von 8 bis 12 Uhr, Gefechtsschießen und am 30. Juli, Vormittags von 8 bis 10 Uhr, Prüfungsschießen statt.

Das Feuer wird von der Lahn her über die sogenannte Wismarer Schafweide gegen die Teufelsberge gerichtet. Zur Verhütung von Unglücksfällen sind die Teufelsberge zu der bemerkten Zeit nicht zu betreten und es wird der Weg von Wismar nach Salzböden, sowie die. Straße von Wismar nach Ruttershausen abgesperrt. ,, , n

Es wird dies mit dem Bemerken bekannt gemacht, daß den Anordnungen der aufgestellten militärischen Sicherheitsposten unbedingt Folge zu leisten ist. Die Großherzoglichen Bürgermeistereien haben in den betreffenden Gemeinden noch besondere Bekanntmachung dieserhalb zu erlaffen.

Gießen, den 20. Juli 1878. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boekmann._____________________________

" " Gießen, den 21. Juli 1878.

Betreffend: Die Verwerthung der Sterbfallszählkarten für die Ermittelung des Gesundheitszustandes.

Das Großherzogliche Kreis-Gesundheitsamt Gießen

an die Großherzoglichen Standesämter Beltershain, Beuern, Ettingshausen, Garbenteich, Klein-Linden, Lauter, Lumda, Mainzlar, Münster, Nieder-Besflngen, Odenhausen, Reiskirchen, Rodhcim a. d. Horloff, Staufenberg, Stockhausen, Watzenborn.

Wir erinnern Sie an sofortiae Einsendung der SterbfallsMkarten und Todesz-ugnifl- aus den beiden letzten Monaten.

Dr. Glasor.

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Die Socialdemocratie im Königreich Sachsen.

Die Socialdemocraten weisen mit Vorliebe aus die Thatsache hin, daß die Zahl der Anhänger ihrer Weltanschauung gerade in den Gegenden am bedeutendsten sei, in welchen die höchste und allgemeinste Volksbildung herrsche. So ist das brave und gemüthltche Königreich Sachsen im letzten Jahrzehnt seiner harmlosen politisch-socialen Stellung entriffen worden und hat sich als der Hauptherd der deutschen Socialdemocratie entpuppt. Es mag vielleicht salsch sein, diese Thatsachen auf eineiniges" Sachsen zu beziehen, denn man kann in socialer Beziehung 1) das patriotische Letztg mit seinem Bezirk, 2) das höfische und von fremden Elementen erfüllte Dresden und Umgegend, sowie 3) die zahlreichen Arbeiterdistricte nicht scharf genug trennen. Jedenfalls find die Verhältnisie in Sachsen hochtntereffant und lasten wir nachfolgend eine gewerkveretnliche Stimme aus einemsocialen Brief aus Sachsen" sprechen:

Unser Ländchen gilt als Herd der Socialdemocratie, weil fast ein Drittel unserer Reichsboten dieser Partei angehört; daher mag es kommen, daß man bei uns jedes Mittel gut zu heißen scheint, welches der Haß gegen die Anhänger Bebel's und Liebknechts eingibt. Sechsen war wohl das erste Land, wo man die Arbeiter, welche sich zur Socialdemocratie bekannten, ja nur socialistische Blätter lasen und Volksversammlungen besuchten, entließ. Die Arbeitgeber haben sich bei uns leider nie groß um das Wohl ihrer Arbeiter gekümmert, sondern sie nur möglichst ausgenutzt und dann heimgeschickt, wenn die Geschäfte schlecht gingen. Dieser Umstand hat den Soctalismus groß gezogen, denn jedes Versprechen, das auf Besterung des Looses der Arbeiter und aus die Machtbeschränkung der Fabrikherrn hinauslies, sand in den niederen Volkskretsen williges Gehör. Wenn die Arbeitgeber dies einsehen und mit dazu beitragen wollten, ihre Arbeiter bester zu pellen, so würde den Socialtsten eine Haupt­waffe entzogen werden. Statt dessen glaubten die Herren Fabrikanten die jetzige arbeitslose Zeit benutzen zu können, um diktatorisch aufzutreten und ihren Arbeitern selbst andere Ueberzeugung aufzudrängen.

Wollte man glauben, daß diese Maßregelungen nur die Socialdemocraten allein träfen, so würde man irren, denn viele unserer reichen Großindustriellen N leider so schlechte Politiker, daß sie Socialdemocratie und bürgerliche Democratte nicht unterscheiden können und vielleicht kein Bedenken tragen würden,

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einen Gewerkvereinler ebenfalls als Anhänger der Socialdemocratie zu ver­dächtigen. Wenn selbst die Mitglieder des Stadtrathes in Döbeln noch nicht einmal diesen Unterschied kennen, wie soll man es da einem nur kaufmännisch gebildeten Fabrikanten zumuthen?

Die Socialdemocraten sind wieder sehr rührig; sie stellen fast in allen Kreisen Sachsens wieder Candtdaten auf, forctren aber die Agitation besonders dort, wo sie die meiste Aussicht auf Erfolg haben. Leider hat sich unser Spteß- bürgerthum durch die Furcht vor den Socialdemocraten so in das Schlepptau nehmen lassen, daß es meist mit den Conservattven sraternisirt. Von letzteren haben die Arbeiter allerdings nichts zu erwarten, den sie taxiren den Menschen nicht nach seinem wahren Werth, sondern nur nach der Länge seines Stamm- baumes oder der Größe seines Geldbeutels.

In Chemnitz sieht es mit den Arbeiterverhältntssen trübe aus. Hunderte von Arbeitern haben noch keine regelmäßige Beschäftigung und muffen auf kärgliche Weise ihr Leben fristen. Wenn der Winter nicht bessere Zeiten bringt, so wird der Hunger vor mancher Thür Wache stehen. Die Kohlenpreise sind jetzt so niedrig, daß die Werke nur mit geringem Gewinn arbeiten können. Die Folge davon ist, daß die Arbeitslöhne herabgesetzt werden. Während in den Blüthejahren 18721874 mancher Hauer 30 Mark pro Woche verdienen konnte, vermag er es jetzt bet allem Fleiß kaum' auf die Hälfte zu bringen. Die Aussichten sind in jeder Hinsicht unerfreulich.

Deutschland.

Berlin. Eine nicht uninteressante Information bringt dasDeutsche Montagsblatt." Danach hätte Lord Beaconsfield die Convention betreffs Cyperns nicht an die Olffentltchkeit gelangen lassen, ohne zuvor rechtzeitig, ja sogar zu allererst den französischen Congreßbevollmächttgten Mitthetlung von dem Inhalt des Traktats gegeben zu haben, den das Cabinet von St. James unterm 4. Juni mit der Pforte abgeschlossen hatte. Lord Beaconsfield erkannte sehr wohl das Mißliche, welches in der Einleitung dieser Separatverständigung zwischen England und der Türkei für einen Staat wie Frankreich liegen mußte, dessen Handels-Interessen in der Levante bisher von allen seefahrenden Nationen die bedeutendsten waren. Der englische Staatsmann erklärte Herrn Waddington,