selben die Türkei in Respect halten werden.
London, 21. Juni. „Reuter's Bureau" meldet aus Konstantinopel: Oesterreich hat die Verhandlungen mit der Pforte wegen Repatriirung der bos- nischen Flüchtlinge suspendirt und wird die Angelegenheit aus dem Congresse zur Sprache bringen. — Dasselbe Bureau berichtet aus Erzerum, daß die Armee Ismail Paschas reorganisit werde und Versenkungen erhalten habe. General Lazareff sei in Erzerum eingetroffen und habe Besitz von der Citadelle ergriffen.
Berlin, 21. Juni. Das Staatsministerium beschäftigte sich in seiner gestrigen Sitzung mit der Erörterung allgemeiner, aus die innere Lage bezüglichen Fragen. Der Bundesrath und die vereinigten Ausschusie desselben für Justiz, Elsaß-Lothringen, Handel u*b Verkehr hielten heute Sitzungen. Dem Personale des Congresies sind der österreichische Oberlieutenant Thömmel, der türkische Escadron-Ehef Husiein Nazim Bey und der Attache Riza Bey hinzugetreten.
— Die „Nordd. Allg. Ztg." veröffentlicht den Wahlaufruf der Deutsch- Conservativen. Danach stellen sich dieselben offen aus die Breite der Reichsregie- rung und sind bereit, der Regierung diejenigen besonderen Vollmachten zu gewähren, welche geeignet sind, den aus Umsturz gerichteten Bestrebungen der Socialdemokraten erfolgreich entgegenzutreten, sind indeß. nicht der Ansicht, daß durch diese Vollmachten allein die Socialdemokratie zu überwinden sein werde. Vielmehr sei es nothwendig, daß alle erhaltenden Elemente sich vereinigten, um die politische und sociale Ordnung durch Stärkung und Neubelebung der con- seroativen Grundlagen zu bewahren. Die deutsch-conservative Partei wolle das deutsche Kaiserthum und die monarchischen Institutionen vertheidtgen gegen alle Gelüste, die dahin gingen, die Autorität immer mehr durch die Herrschaft der Majorität zu ersetzen.
Als fernere Punkte des Partei-Programms werden aufgefuhrt: Erhaltung der deutschen Wehrkraft, keine Schwächung derselben, Befferung der zerrütteten wirtschaftlichen Verhältniffe, Befolgung einer weisen Handelspolitik, wie sic dem Zollverein zur Blüthe verholfen, Steuerreform mittelst Eröffnung von ausgiebigen Quellen indirecter Steuern unter Entlastung des Volkes von direc- ten Steuern. Bezüglich des Tabaks als Steuer-Object werde das Resultat der angestellten Enquete eine weitere Grundlage bieten. Vor Allem betont wird die Pflege des religiösen Lebens des Volkes und Erziehung der Jugend tzur Frömmigkeit und Gottesfurcht. Der Ausruf schließt: Wir brauchen Ver treter, die dem Wohle des Ganzen dienen, nicht von Fractionspolitik und ein-
Auszug sus drn Kirchenbüchern der Itsdl Gießen.
Evangelische Gemeinde.
Getraute. _
Den 16. Juni. Konrad Bork, Fuhrmann dahier, des verst. Tagloyners zu Fellingshausen Avdreas Bork, ehel. Sohn, und Dorothea Brück, deS Schweinehirten zu Rödgen Konrad Brück, ehel. Tochter.
Getaufte. ,
Den 16. Juni. Dem Kaufmann Friedrich Schaaf dahier, eine Tochter, toutjc, 1 Denselben. Dem Dienstknecht Heinrich Seng dahier, eine Tochter, Katharine, Denselben. Dem Schneider Peter Hexamer dahier, eine Tochter, Marie Magdalene, geb. den 16. April
Gingesandt.
Gießen, 22. Juni. Die Zeichen patriotischer Gesinnungen und Kundgebungen mehren sich in erfrenlicher Weise. „
Die gestrige Gesangunterrichtsstunde des hiesigen kaufmännischen Vereins begann mit einer warmen Ansprache des Vorsitzenden anläßlich des wiederholten ruch osen Mordanschlags auf das geweihte Leben unseres greisen HeldenkatserS, die in einem Zfachcn Hoch gipfelte, in das die Versammlung begeistert einstimmte.
In der Beiseitesetzung des planmäßigen Uaterrichtspensums gelangten: »Heil Dir im Siegeskranz-, ferner das schöne Lied von Ernst Moritz Arndt: ,-L>ind wir vereint u. s. w." zur Aufführung, denen sich noch viele patriotische Gesänge und Toaste anschlo^em frenntc sich die Versammlung mit dem festen Vorsatze, stets treu zu Kaiser und Reich zu sieben und nach besten Kräften mitzuwirken an dem üuurni Aufbau unseres Deutschen Vaterlandes, damit die mit so vielen theurem Hel^enblute erkauften Errungenschaften nicht schmählich wieder verloren gehen, durch die Irrlehren einer vaterlandslosen Partei, durch das, alles Gesetz und Ordnung zerstörende Gift des SocialiSMus.
Wien, 21. Juni. Meldungen der „Polit. Eorresp.". Rom. Das Befind cn des Papstes ist in den letzten Tagen schlechter geworden; die Aerzte rrethen zum Verlassen des Vatikans, was aber der Papst bestimmt ablchntc. — Athen. Es geht das Gerücht, der Ausstand in Epirus und Thessalien drohe bald wieder auszubrechen. 12,000 Flüchtlinge aus allen Gegenden der Türkei verweigern die Rückkehr in ihre .heimath. Die griechische Regierung beabsichtigt wegen des Räuberunwesens in Theffalien Truppen an der Grenze zu concentriren.
London, 21. Juni. Im Unterhause erwiederte der Staatssecretär der Colonien Hicks Beach auf eine Anfrage von James: Er habe feine Nachricht darüber, daß der Kiieg mit den Zulukaffern ausgebrocheu, jedoch sei eS mög lut), daß Angesichts der unruhigen Zustände jener Gegend Verstärkungen vom Cap babm abgegangen seien.
Berlin, 22. Juni, Morgens. Se. Maj. ber Kaiser hat btc vergangene Nacht sehr gut geschlafen.
Eingesandt.
In der warmen Jahreszeit kann, bei enlsprechendem Gesundheitszustand, besonders zur Abhärtung der Haut und um körperliches und geistiges Wohlbefinden im Allgemeinen zu steigern, die vernünftige maßvolle Anwendung der Bä)er tm fließenden Wasser nicht genug empfohlen werden- Freilich ist auf der anderen Seite ebenso vor einem voreiligen Baden im Vorsommer unter allen Umständen nachdrücklichst zu warnen; jedenfalls sollte es, wenn Überhaupt, nur mit der größten Vorsicht geschehen. In diesem Jahre jedoch erschien eine derartige Mahnung ganz überflüssig, da das gefährliche Frühlingsgeschäft der Schwärmer für die kühlen Wellen unsere« Flüßchens sich durch die forlwahrenve Ungunst des HtmmelS bi« heute von selbst legte. Es dauerte diesmal, aus bekannten Gründen, ungewöhnlich lange, bis die sehnlichst erwartete, gehörige Badeeinnchtung wirklich zur Einladung berechtigte. Hatte doch schließlich und bis tn die letzten Tage herein der bewährte, um die Gesundheit der Stadtbewohner verdienstvolle Vorsteher der aus der Asche erstandenen, nun so appetitlichen, äußerst zweckmäßig und schön eingerichteten, hiesigen Badeanstalt, seine große Noth, dieselbe beim letzten, unerwartet rasch eingetretenen hohen Wasserstand vor der Gesahr der Zerstörung zu retten und vermöge fast übermenschlicher Anstrengung wohl zu erhalten. — Seitdem hat sich übrigens Alles zum Bessern gewendet und freundlich gestaltet. Die Jung und Alt lockende Anstalt ist sicher geborgen und trotzt nun Wind und Wetter- Die liebe Lahn scheint endlich Miene zu machen, nicht länger „die geschwollene" spielen zu wollen- Und wir dürfen uns gewiß, nach den vielen unfreundlichen, anhaltend naßkalten Monaten nun zuversichtlich der Hoffnung auf Sonnenreichen Sommer htngeben, so daß Versäumtes noch reichlich nachgeholt und in den um so zahlreicher herbeieilenden Gästen Anerkennung und einiger Ersatz gefunden werden kann für die zur Neuherrichtung der fo fegen« reichen Anstalt nöthig gewordenen, neuen, großen Opfer an Arbeit und Geld- *•
ßngkand.
London, 18. Juni. Gestern wurden zwei Leute, die zur Mannschaft des „Großen jiuisürsten" gehört hatten. an's User geschafft und mit militari scheu Ehren beerdigt. Die Namen werden von der „Times" als Haakfeldt und Schumacher angegeben. Diele Leute folgten dem Leichenzug.
Die in Haydock stattstndenden Ausgr-bunge-Arbeiten zum Zweck- des Herausschaffens der verunglückten Arbeiter sind durch einen Einsturz des Daches zur Zeit gehemmt. Bis zum Freitag waren 138 Leichen an's Licht gebracht.
Italien.
Rom, 19- Juni. Die Curie ist beunruhigt über die Abnahme des Peterspsennigs; Frankreich hat um vier Fünftel weniger eingrschickt, als in der entsprechenden Zeit des vorigen Jahres. ___________________________
Auszug s. b. Standesamtsregistern des Standesamts Gießen.
Dom 15. bis 21. Juni 1878. Nufg ebote.
15. Juni. Bierbrauer Alois Blum von Gräffingen mit Sophie Rühl von Dorf-Gill. 18. Juni. L-ckirer Ludwig Georg Karl Gottlieb Nauheimer oen Ließen mit Wilhelmine Louise Hoch von Gießen. 19. Juni. Der Oeconomiehandwerker im II. Großh. Hessischen Infanterie-Regiment Nr. 116 Ernsi Koch von Meßen mit Helene Elisabeth Karoline Massing von Gießen. 19. Juni. Schneider Wilhelm «stumpf von Maulbach mit Wilhelmine Elisabethe Deine« von Ermenrod.
Geborene.
8. Juni. Marie, ein außereheliches Kind von auswärts. 14. Juni. Eduard Julius, Sohn des Schreiners Georg Lind. 12. Juni. Eine Tochter (noch ohne Vornamen) des Cigarren-Fabrikanten Gustav Brunet. 15. Juni. EMe Tochter (noch ohne Vornamen) des Kaufmanns August Wehn. 17. Juni. Heinrich Martin Ludwig, oobn des Weichenstellers bei der Cöln-Mindener Bahn Heinrich Rusaq. ".Juni. Margarethe Elise Karoltne Marie Natalie, Tochter des Schlossers Leopold Atzelhofer. 18-M Emma, Tochter des Obergüter-Jnspectors bet der Oberhessischen Bahn Christoph Nies. 15. Juri. August Heinrich Christian, Sohn des Weichenstellers Wilhelm II
14. Juni. Christian Karl, Sohn des Wagners Johann Georg Zeiß. 17. Juni. Karl Georg Adolf Christian, Sohn des Kaufmanns Ludwig Martin Konrad Friedrich Karl Vogt 19. Juni. Ein Sohn (noch ohne Vornamen) detz Kaufmanns Samuel Elsoffer. 18. Juni. Louise Katharine Marie, Tochter de« Kaufmanns Heinrich Krug. 16. Juni. Friedrich Karl, Sohn des Steigers im Braunsteinbergwerk Johannes Appel. 19. 3unt Emil Philipp Adam, Sohn des Schuhmachers Johannes Steck, *9. Juni. Eine Tochter (noch ohne Vornamen) des Schuhmachers Karl Orth- ^2unt. Matte Alma, Tochter des Maschinenwärters Karl Etmert. 20. Juni- Friedrich Andreas Christian Karl, Sohn des Bremsers bet der Cöln-Mtndener Bahn Christian Rumps.
Gestorbene.
17. Juni. Ein tobtgeborencr Sohn des Fabrikarbeiter« Eduard Lind. 19. Juni. Anna Katharine, 1 Jahr 11 Monate 10 Tage alt, Tochter de« Taglohners Ludwtg Jung- 19. Juni- Adam, 2 Monate 20 Tage alt, em außereheliches Kind von au«- wärt«. 20.' Juni. Marie Emilie Wilhelmine Louise Elisabeth, 3 Jahre 9 Monate 7 Tage alt, Tochter des Bauunternehmers Julius Hoch. 20. Juni. Bleichunternehmer Johannes Monk, 38 Jahre alt. 20. Juni. Katharine, 3 Jahre 7 Monate alt, Tochter des Steindruckers Johannes Odenweller von Bieber bei Offmbach a. M.
seifigen Theorien sich leiten laffen.
Berlin, 21. Juni. Die „Post" veröffentlicht den Wahlaufruf der „deutschen Reichspartei." Darnach will dieselbe die Grundlagen des gesellschaftlichen und staatlichen Lebens gewahrt wissen -, zur Bekämpfung der sich außerhalb der staatlichen Ordnung stellenden Partei seien außerordentliche Vollmachten, welche den Vorzug vor einer allgemeinen Beschränkung der bürgerlichen Freiheit verdienten, für hinreichend zu erachten. Tas Staatswesen sei ebensowohl vor Reaction wie vor überstürzendem Radicalisinus zu bewahren. Fermer werden als Forderungen der deutschen Reichspartei ausgestellt: Verbesserung der Gcwerbegesetzgebung, Festhalten an den guten Traditionen der Handelspolitik des Zollvereins, Regelung der Zolltarife nach Maßgabe der zunehmenden Kräftigung der deutschen Gewerbthätigkeit und des Entgegenkommens der Nachbarstaaten, Selbstständigkeit des Reiches in seinen Finanzen, Beseitigung der Martrikülarbeitrüge, Entlastung von directen Steuern mittelst ausgiebiger Benutzung indirecter Steuerguellen. Tie Partei wolle keine größere Steuerbelastung des Volkes, als die Bertlieidigung des Vaterlandes und Erfüllung der Eultnrausgaben erforderten. Schließlich wird die Erwartung ausgesprochen, daß eine Mehrheit solcher Männer aus den Wahlen hervorgehe, welche gewillt seien, zur Unterstützung der Politik der leitenden Staatsmänner, die das Vaterland zn ungeahnter Höhe geführt und diesem die verdiente Achtung der Welt erworben habe.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'« telegr. Eorrespondenz-Bureau.
London, 21. Juni. Der deutsche Botschafter Graf Münster ist gestern nach Hannover abgereist und wird am 3. Juli hier zurückerwartet. - Das deutsche Aoiso-Boot „Loreley" ist mit Tauchern an Bord bei Folkestone angelangt. — Die Beerdigung des Königs Georg findet am 24. Juni in der Georgs-Capelle zu Wmdsor statt. — Die britische Regierung beschloß, eine größere Anzahl Truppen und Kriegsmaterial nach der Cap-Colome zu senden.
Nom, 21. Juni. „Diritto" constatirt, daß die italienischen Congreß- bevollmächtigten die Zulassung Griechenlands zum Congreffe lebhaft unterstützt haben.
Berlin, 21. Juni. Bulletin von 10 Uhr Vormittags. Der Kräfte- zustand Sr. Maj. des Kaisers schreitet stetig vor; in dem Heilungsvorgaug der Verletzungen ist keine Störung eingetreten.
(Unterz.) v. Lauer, v. Lanzenbeck. Wilms.
Straßburg, 21. Juni. Das „Mainzer Journal" ist in den Reichs- lanben verboten worden. . r
Petersburg, 21. Juni. Das „Journ. de St. Pötersbourg bespricht die Haltung, welche die türkischen Congreßbeoollmächtigten den Meldungen auswärtiger Blätter zufolge annehmen, und weist dem gegenüber darauf hin, daß die Türkei sich den Entscheidungen des Congreffes zu fügen habe; die Pforte suche das Einvernehmen der Mächte zu stören, indem sie alarmirendeNachrich ten verbreiten lasse. Das Journal meint, die Mächte würden den Werth des Widerstandes der Türkei zu ermessen wissen und äußert die Hoffnung, daß die-


