Ausgabe 
23.5.1878
 
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1878

Ko. 116

Kichener Mnzeiger

AllMk- 11b AmtsblM sil bei Kreis Kikßki

Erscheint tEgttch mit Ausnahme des «-«tags.

Baden-Baden begeben. <

Die Nachrichten über das Befinden des Fürsten Bismarck lauten ' diesmal leider nicht günstig. Der Reichskanzler leidet so stark an neuralgischen Schmerzen, daß sein Arzt ihm von Neuem angerathen hat, sich für längere Zelt , von den Geschäften fern zu halten, und seine Familie sogar daraus dringt, er solle sich ganz in's Privatleben zurückziehen. Sein Zustand hat ihn jedoch nicht gehindert, mit dem Grafen Schuwaloff, der ihn in Friedrtchsruh aus- suchte, eine lange, sich tief in die Nacht hineinziehende Unterredung zu pflegen.

Der Reichstag beschäftigte sich hauptsächlich mit der Novelle zur Gewerbeordnung, in welcher es sich um Errichtung von Gewerbegerichten, Rege­lung der Kinderarbeit und des Lehrlingsverhältntsies, Einführung der Arbeits­bücher, Einschränkung der Sonntagsarbeit und ähnliche, zur Abhülfe allgemein beklagter Uebelstände dienende Maßregeln handelte. Leider war der Reichstag sehr getbeilt in seinen Ansichten und kamen die Abstimmungen über die wichtig­sten Gegenstände, wie z. B.^über das Verbot der Sonntagsarbeit in Fabriken und bei Bauten, meist mit nur sehr geringer Mehrheit zu Stande. Es steht daher zu erwarten, daß seine Beschlüße bei der bevorstehenden dritten Lesung tn mancher Beziehung anders ausfallen werden. Bei der Debatte über die Tabakssteuer-Enquete, an welcher der neue Finanzminister Hobrecht sich zum ersten Mal betheiligte, wurde es klar, daß das Haus die von der Regierung zur Enquete geforderten Mittel zwar bewilligen, aus dem betr. Gesetzentwurf aber gewisie ihm vexatorisch erscheinende Bestimmungen ausmerzen wird. Die Sam­stags-Sitzung, welche der Rechtsanwaltsordnung galt, wurde durch die Nach­richt von dem Attentat unterbrochen. Das Präsidium des Hauses beeilte sich, dem Kaiser zu seiner Errettung aus Lebensgefahr Glück zu wünschen, konnte indeß, da das Diner schon begonnen hatte, nicht mehr vorgelasien werden; üdoch hatte der Präsident v. Forckenbeck am folgenden Tage Gelegenheit, die Glückwünsche der Volksvertretung in einer besondern Audienz darzubringen. Der Reichstag selbst stimmte, als der Präsident am Montag über den Verlauf der Audienz Bericht erstattete und den kaiferlichen Dank für diese Kundgebung der Theilnahme überbrachte, in ein dreimaliges begeistertes Hoch aus den

Kaiser ein., r

Was den Culturkampf betrifft, so erhält sich zwar immer noch das Gerücht von Verhandlungen zwischen Rom und Berlin; der Kultusminister Dr. Falk soll indeß kürzlich geäußert haben, er sei bisher noch nicht zu ernst­lichen Erwägungen über Herstellung eines Ausgleichs zwischen Staat und Kirche veranlaßt worden. Die leidenschaftlichen Auslastungen, welche einige Mitglieder der Centrumspartei jüngsthin im Reichstage zum Besten gegeben haben, lasten daraus schließen, daß ihre Hoffnungen auf baldige Beendigung des Conflicts an der Festigkeit der Regierung zu scheitern drohen.

In Oesterreich-Ungarn ist die Ausgleichsaction tn vollem Zuge; in Pesth hat sich schon die Majorität des Unterhauses für den zwischen beiden Ministerien vereinbarten Compromiß ausgesprochen und das österreichische Ab­geordnetenhaus scheint denselben ebenfalls gutheißen zu wollen. Nicht minder günstige Aussicht auf Genehmigung haben die Regierungsvorlagen wegen Deckung der betr. Anthetle an dein 60-Millionen-Credit.

Zu Parts ist am 11. d. nunmehr auch die bekanntlich nur mit Gemälden und Sculpturen beschickte .deutsche Ausstellung eröffnet worden. Einen günstigen Eindruck machten allerseits die Reden, welche dabei gehalten wurden.

batterieHelgoland" statt.

Die Einladung der Vereinigten Staaten Nordamerikas zur Be­schickung einer internationalen Münzconferenz behufs Feststellung des Werthtzer- hältnistes zwischen gemünztem Gold und Silber ist von der holländischen und französischen Regierung angenommen, von der deutschen hingegen mit richtigem Tacte abgelehnt worden.

Der deutsche Botschafter Fürst Hohenlohe versicherte: wenn Deutschland keinen bedeutenderen Antheil an dem Wettstreit der Nationen genommen, so sei dies nicht aus Feindseligkeit oder aus Eifersucht geschehen, sondern lediglich aus Gründen volkswirthschastlicher Natur; Deutschland sehe in seiner Betheiligung eine neue Bürgschaft für die guten Beziehungen, welche jetzt in so erfreulicher Weise zwischen beiden Ländern herrschten. Desgleichen beglückwünschte der französische Handelsminister in seiner Antwort beide Regierungen zu dem freund­schaftlichen Verhältniffe, welches sich aus der Betheiligung Deutschlands ergeben habe. Mit diesen Aeußerungen stimmen auch die Erklärungen überein, welche der Minister deS Auswärtigen einige Tage vorher in der Kammer aus Anlaß einer die orientalische Frage betr. Interpellation über die guten Beziebungen Frankreichs zu allen Mächten ohne Ausnahme gab. Einen glänzenden Sieg hat das gegenwärtige Ministerium durch die mit großer Majorität erfolgte Annahme des Eisenbahngesetzes Seitens des Senates erfochten.

In England bebält Lord Beaconsfield nach wie vor das Heft in den Händen. Die Opposition im Unterhause hat zwar ihre Angriffe auf die Politik der Regierung wieder ausgenommen, dabei aber ebensowenig Erfolg erzielt, wie Gladstone und die übrigen Friedensfreunde mit ihren Agitationen außerhalb des Parlaments.

Die dänische Regierung hat Angesichts der Eventualität eines Krieges zwischen England und Rußland, während deffen sie die Hauptstadt nicht gern von Truppen entblößt sehen möchte, beschlossen, die Lagerübungen in diesem Jahre nicht wie bisher in Jütland, sondern auf Seeland abhalten zu lasten. In Kopenhagen fand am 9. d., als am Jahrestage des Seetreffens bei Helgo­land, in Gegenwart des Königspaares der Stapellauf der neuerbauten Panzer-

Gartenstraße B 165. t «chnlstraße B. ih.

Das hervorragendste Ereigniß der letzten Tage war das Attentat, welches ein Klempnergeselle und Colporteur socialdemokratischer Schriften aus Leipzig auf unfern allverehrten, theuren Kaiser machte. Die Nachricht von dieser Frevelthat rief in der ganzen cimlifirtcn Welt die tiefste Entrüstung hervor, in den Herzen aller wahren Deutschen aber zugleich das Gefühl freu­digsten Dankes, daß der Allmächtige das Leben unseres greisen Heldenkaisers gnädig bewahrt hat. In Berlin gab sich die Freude darüber in enthusiastischen Hochrufen der zu vielen Tausenden um das kaiserliche Palais versammelten Menge, sowie durch Fahnenschmuck und Illumination der Häuser kund. Bon allen europäischen Höfen langten Glückwunsch-Telegramme an. Die Glück wünsche, welche auS allen Theilen Deutschlands von Behörden und Privatper­sonen, von Korporationen und Vereinen einliefen, waren zahllos. Glücklicher Weise ist der beklagenswerthe Vorfall aus den Gesundheitszustand des Kaisers ohne nachtheiligen Einfluß geblieben: er ließ nicht einmal das bald nachher stattfindende Diner, zu welchem Einladungen ergangen waren, absagen und zeigte sich Abends der Bevölkerung sowohl im Opern- wie im Schauspielhause, wo er der Gegenstand begeisterter Ovationen wurde. Aus der sonstigen Thä- tigkeit des Kaisers ist zu melden, daß er wiederholt Vorträge des Staatssecretärs im Auswärtigen Amt, des Kriegsministers und des Admiralitätschess entgegen­nahm, dem neuernannten Gesandten der Vereinigten Staaten, Taylor, behufs Ueberreichung seines Beglaubigungs-Schreibens eine Audienz ertheilte und auch den aus der Durchreise nach Petersburg befindlichen russischen Botschafter in London, Grafen Schuwaloff, empfing. Daß der Kaiser den gewohnten Früblingsbesuch in Wiesbaden für dieses Jahr definitiv aufgegeben, bestätigt sich. Dägegen hat sich die Kaiserin in gewohnter Weise zur Kur nach

Zweites Blatt Sonntag, den 19. Mai-

Loka l - N o t i z.

Gießen, 18. Mai. (Sitzung der Stadtverordneten am 16. Mai.) Ehe in die heutige Verhandlung getreten wurde gedachte der Herr Bürgermeister mit warmen und erhebenden Worten der Errettung unseres Kaisers vor der verruchten Mörderband. Zur Zustimmung erhob sich die Versammlung von ihren Sitzen. ES wurde sodann folgendes Telegramm nach Berlin abgesandt.-

©einer Majestät Kaiser Wilhelm, Berlin.

Im Namen der Stadt Gießen spricht der zur Sitzung versammelte Stadt­vorstand Ew- Kaiserlicher Majestät seinen tiefen Schmerz aus darüber, daß eine frevelhafte Hand dos Leben des Neubegründers des deutschen Reiches, unseres erhobenen Kaisers Wilhelm bedroht hat, indem er zugleich mit dankbarem Herzen zu der Vorsehung sich wendet, welche unseren geliebten Herrscher gegen die Mörderhand in Schutz nahm und mit Bewunderung der heldenmüthtgen Tochter gedenkt, welche für die Erhaltung des Lebens des ehrwürdigen greisen Vaters das eigene Leben zu opfern bereit war. »ramm, Bürgermeister."

Nach einer Mittheilung des Schulvorstandes befinden sich in den städtischen Lehr­anstalten zusammen 1930 Schüler, welche sich wie folgt vertheilen: Realschule 319, Vorschule derselben 287, erweiterte Mädchenschule 525, Stadtknabenschule 476 und Stadtmädchenschule 323 Schüler. Ein hübsches Contingent! In letzter Sitzung war man sich über den Gehalt desWachtmeisters" der Schutzmannschaft noch nicht schlüssig geworden, sondern betraute die Finanzdeputation mit der Aufgabe Vorschläge hierüber zu machen. Dieselbe proponirte nun heute einen Anfangsgehalt für einen Wachtmeister mit 1400 at, sowie nach Ablauf von 6 Jahren weitere 100 JL und nach Ablauf von 12 Jahren nochmals 100 at, so daß der höchste Gehalt 1600 betragen würde. Die Versammlung genehmigte mit nicht großer Mehrheit diesen Vorschlag der Finanz­deputation, ferner den weiteren, daß zur Anschaffung der nothwendtgen Kleidung und Ausrüstung ein einmaliger Zuschuß von je 150 at pro Mann von der Stadt beige- schoffen werbe. Die Erbauung eines Schlachthauses erregte eine sehr lange und mitunter auch recht animirte Debatte. Ursprünglich war als Bauplatz hierfür die Stadtwiese unterhalb den Bade-Anstalten vorgesehen, auch schon die nothwendtgen Pläne rc. angefertigt worben. Großherzogliches Kreisamt nahm aber Veranlassung in einer Zuschrift aufmerksam zu machen ob dieser Platz nicht der Stadt, durch Auffüllen, Correklur der Lahn, etwaige Processe mit den Mühlenbesitzern rc., der Stadt nicht zu Iheuer käme. Es wolle an und für sich gegen das Projekt nichts einwenden, gebe jedoch dem Stadtvorstande anheim sich die Angelegenheit nochmals zu überlegen und auch die Projekte refp. Plätze zu prüfen, welche nach feiner (des Kreis am ts) Ansicht in Betracht gezogen werden könnten. Es liegen nun heute fünf Plätze vor und find diese 1. an den Bleichen am Krofdorfer Weg refp. Lohbach, 2. auf der Insel unterhalb der Pulvermühle, 3. die Stadtwiese unterhalb den Bade-Anstalten, 4. der Schmied M ay'sche Garten am Mühlgraben unterhalb der Neumühle und 5. die Spitze der Insel wo die Wieseck in die Lahn mündet am Viadukt der Main-Weser-Bahn, welche Spitze der Stadt gehört und s. Z. von derselben zur Erbauung der Veterinär-Anstalt erworben worben. Die Discussion über die einzelnen Plätze, war wie oben schon gesagt zuweilen recht animirt. Von einer Erbauung auf dem rechten Lahnufer wurde wegen der Entfernung und auch wegen Verunreinigung des Wassers überhaupt abgesehen, der Platz auf der Stadtwiese unterhalb der Bade-Anstalten wurde dann fallen gelassen, weil einestheils derselbe einer Ueberschwemmung ausgesetzt eoent. bei einem Eisgang gefährdet sein konnte, 2. weil das Wasser der Badeplätze verunreinigt wird und 3. ein Proceß mit der Neumühle in Betracht gezogen werden könne. Die Hauptdebatte ent­stand über den Platz wo der Mai'sche Garten liegt und der Jnselsvitze, welche der Stadl zusteht. Gegen bas letztere Projekt wurde geltend gemacht, daß die Wieseck tm Sommer zu seicht, das Wasser der Wieseck durch das Hineinfließen der Stadtbach nicht rein und schließlich an ein baldiges Bauen nicht zu denken sei, weil die Main-Weser- Bahn ihren Bahnkörper an dieser Stelle crbreitern und die Wieseck z. Th. verlegen wolle, worüber noch Jahre hingehen könnten. Schließlich wurde beschlossen den letzteren

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