gemischte Commission, worin englische Staatsangehörige, die Majorität haben, zugestimmt habe. _ . , .,
Mons, 19. Oktober. Unter den Arbeitern in den hiesigen Stembruchen ist ein Strike ausgebrochen. Eine Abthetlung Gensdarmerie hat sich bereits nach b*t vißricte des Strikes begeben. Auch Linientruppen haben Befehl zum Abmarsch erhalten.
Krrgland.
London, 18. October. Da jetzt so viel von dem elektrischen Lichte die Rede ist, mag es von Jnteresie sein, zu erfahren, daß auf der englischen Flotte (und auch wohl auf derjenigen anderer Länder) die Electricität außer zur BelnVchtung auch zu artilleristischen Zwecken benutzt wird, nämlich zum gleichzeitig« Abfeuern mehrerer Geschütze und zur Abgabe vollständiger Breitseiten, die besouders darum wichtig sind, weil durch deutsche Versuche sich her- ausgestellt hat, daß Panzer, die Einzelschüffen gut widerstanden, eine Breitseite nicht auszuhalten vermochten. Die hierzu getroffene Anordnung besteht darti-, daß entsprechende Leitungen von den Geschützen nach einem auf dem Deck befindlichen Panzerthurm führen und dort zur Verfügung eines Osficters stehen, der bei frestr Umschau und unbeirrt von dem mit dem Laden verbundenen Geräusch seine Befehle zu zweckmäßiger Richtung der Geschütze geben und diese in einem ihm günstig scheinenden Augenblicke entweder sämmtlich oder theilweise durch bloßes Niederdrücken eines Hebels abfeuern kann. Für die jüngeren See- osficiere ist die vielfache Verwendung der Electricität auf der Flotte Anlaß zu einer erheblichen Erschwerung der von ihnen abzulegenden Prüfungen geworden
London, 19. October. „Daily News" melden aus Kasanli vom 18.: General Maude werde den Oberbefehl über ein Lager von 5000 Mann übernehmen, das bei Haffan-Abdul gebildet werden solle. Der Oberbefehlshaber werde ein Armeecorps commandiren, welches Kabul angreisen solle, General Neville Chamberlain ein zweites Corps.
— „Reuter's Bureau" meldet aus Konstantinopel: Die Ruffen bleiben in Babaesky und Lüleburgas und haben keine weitere Bewegung gemacht. Die Regierung von Bulgarien wird Agenten nach Belgrad und Bukarest senden.
— Der Bericht der Commission in der Untersuchungs-Angelegenheit der City os Glasgow Bank ist veröffentlicht. Derselbe hebt hervor, daß die Aktionäre ein Deficit von mehr als 6 Mill. L. zu ersetzen haben. Der Bericht legt ferner dar, daß sich die Bank einer systematischen Täuschung schuldig gemacht habe. Dieselbe habe seit Anfang dieses Jahres die wöchentliche Bilanz, welche ste der Regierung zustellen muß, gefälscht, indem sie dem Betrage des wirklichen baaren Geldes eine imaginäre Summe hinzufügte, um den Glauben zu erwecken, daß sie immer eine den im Umlauf befindlichen Noten der Bank entsprechende Summe baaren Geldes besitze. In den den Acttonären vorgelegten Rechenschaftsberichten habe die Bank oft die vorhandene Reserve in baarem Gelde übertrieben dargestellt und ferner die Gewohnheit gehabt, Schulden als disponible Acttva hinzustellen. In Glasgow herrscht in Folge dieses Berichtes große Niedergeschlagenheit.
Italien.
Rom, 19. October. Ein Artikel der „Opinione" befaßt sich mit der italienischen Politik in Betreff Bosniens und der Herzegowina und untersucht die Frage, ob die Annexion dieser Provinzen an Oesterreich im Jntereffe Italiens liege. Die befriedigendste Lösung der orientalischen Frage wäre nach der „Opinione" die Autonomie der verschiedenen Nationalitäten. Dies sei jedoch schwierig wegen des Racengemtsches und weil Rußland dieses Prtncip verkannt habe, indem es die Slaven schützte, dagegen die Rumänen verletzte und die Griechen aufgab. Die „Opinione" fragt, ob es im Jnteresie der Civilisatton und im speciellen Jnteresie Italiens gelegen sei, daß Rußland schrankenlos im Orient herrsche oder ob der russische Machteinfluß durch Oesterreich gemäßigt werden solle. Die „Opinione" constatirt die ctvilisatorische Action Oesterreichs, das das schwierige Problem gelöst habe, mit verschiedenen, geeinten Nationalitäten ein Reich zu bilden. Die „Opinione" glaubt, daß das Jnteresie Italiens em starkes, geachtetes Oesterreich erheische, weil, wenn Oesterreich zerstört oder geschwächt würde, der Panslavismus sich des ganzen Orients bemächtigen und Deutschland wahrscheinlich die Gelegenheit ergreifen würde, zum adriatischen Meere zu gelangen. Italien müffe demnach Oesterreich seine herzliche Mitwirkung leihen, demselben bei jeder Gelegenheit hülfretch sein und auf diese Weise könnte man leichter jene billigen Grenzrecttficationen erlangen, die von Italien gewünscht würden, denen man aber nicht das Heil und den Frieden des Bater- terlandes opfern dürfe.
Rom, 19. Oktober. Der Marineministershat'gletchfalls seine Demission gegeben. — Cairoli begab sich heute nach Monza, um mit dem Könige zu confe- rtren und wird hierauf nach Rom zurückkehren.
Telegraphische Depeschen.
Wag«er'» telegr. <Ptrefp»«6eita • ttatea*
London, 20. October. In Birmingham sand gestern anläßlich des Besuches des Schatzkanzlers Northcote eine sehr zahlreich besuchte Versammlung statt. Northcote hielt eine Rede über die innere Lage und die auswärtigen Altgelegenheiten. Derselbe erklärte, er wolle nicht leugnen, daß die Vermehrung der Ausgaben der Regierung große Sorge mache; man dürfe aber nicht ver- geffen, daß diese Vermehrung bis zu einem gewiffen Punkte aus legislative Maßregeln der Vorgänger der jetzigen Regierungs-Mitglieder zurückzuführen sei. Der Export und Import hätte sich während der letzten 22 Jahre verdoppelt; das Land könne also eine hierzu im Verhältntß stehende Vermehrung der Ausgaben ertragen. Er glaube nicht, daß es nöthig sein werde, dem Lande neue Opfer auszuerlegen. — Zu den auswärtigen Angelegenheiten übergehend, con- statirte Redner, daß die Bestimmungen des Berliner Vertrages bis auf die Montenegro betreffenden befriedigend ausgeführt würden. Ein wichtiger Augenblick würde aber eintreten, wenn im nächsten Mat die Evacuation Seitens der Rusien vollständig durchgeführt sein müsse. Er sei aber überzeugt, daß die europäischen Mächte nicht zulasien würden, daß die Bestimmungen des Berliner Vertrages bei Sette gesetzt werden. Dte Regierung werde auch fernerhin eine feste, vorsichtige und maßvolle Haltung beobachten. Das große Princip der Regierungspolitik sei die Erhaltung des türkischen Reiches. Er wolle die Schäden der Türkei nicht vertheidigen, aber welche Nation könnte man an ihre Stelle setzen ? Die Idee, die Türket durch Griechenland zu ersetzen, sei unhaltbar. Die Pforte habe die Vorschläge Englands bezw. der Reformen sehr ermuthigend ausgenommen. Die Regierung glaube eine wichtige Verbesierung
der Verwaltung der asiatischen Türkei durchzusetzen und auf diese Weise die Jateresien Englands in dieser Region zu fördern. — Bezüglich Cyperns erklärte Northcote, daß die Regierung bei Besetzung der Insel militärische Gründe gehabt habe, die sie indesien nicht öffentlich tücutiren wolle. England habe durch die Besitznahme Cyperns gleichzeitig einen Punkt erworben, von welchem aus es die Ausführung der Reformen in der Türkei überwachen könne. — Schließlich wendete sich Redner zur afghanischen Angelegenheit und stellte die Behauptung in Abrede, daß die Mission Chamberlain's eine kriegerische gewesen sei; derselbe habe nur eine zum Schutze gegen die Barbarenstämme nothwen- dige Escorte gehabt. Die Nation könne sicher sein, daß die Regierung sich gegen Insulten vertheidigen werde, welche Ehre und Prestige Englands im Orient schädigen könnten. Alle event. Maßregeln würden nur die Aufrechterhaltung der gegenwärtigen Grenze bezwecken. — Northcote schloß mit der Erklärung: der gegenwärtige Zeitpunkt erfordere Klugheit und Festigkeit; es sei wohl möglich, daß sich Leute finden würden, welche die Aufmerksamkeit Englands von dem Hauptziele — der gerechten und vollkommenen Ausführung des Berliner Vertrages — ablenken möchten.
Pesth, 20. October. In der heute zur Eröffnung des Reichstags vom König gehaltenen Thronrede wird erklärt, daß in Folge der gegenwärtigen Lage der Regierung nicht auf jene wichtigen Agenden hingewiesen. werden könne, welche die Thättgkeit des Reichstags beanspruchen werden. Im Gefühle der Wichtz- kett dieser Agenden werde der König Sorge tragen, daß die Regierung des Landes möglichst zeitig sich in der Lage befinde, dieselben bezeichnen und vrr- faffungsmäßig behandeln zu können. Die Thronrede lenkt dte Aufmerksamkeit des Parlaments nur auf zwei Gegenstände, deren wenigstens provisorische Erledigung in kürzester Zeit nothwendig sei, nämlich die auf dte Wehrkraft bezügliche Verfügung und die mit dem Königreich Kroatien-Slavonien abzuschlteßende finanzielle Convention, da die Wirksamkeit der betreffenden Gesetze am Jahres- schluß abläuft.
Weiter heißt es in der Thronrede: Aus dem Congreffe zu Berlin hat Oesterreich-Ungarn bezüglich der Occupatton und Verwaltung Bosniens und der Herzegowina ein europäisches Mandat angenommen. Wir müffen unser Bedauern ausdrücken, daß die Lösung auf friedlichem Wege nicht bewirkt werden konnte. Dank der die größte Anerkennung verdienenden Haltung unserer tapferen Armee kann der erste Thetl der Ausgabe als beendet betrachtet werden. Es gereicht dem König zur Beruhigung, dem Reichstage, bis der Minister des Auswärtigen den Delegationen eingehende Aufklärungen wird geben können, die Mittheilung zu machen, daß das gute Einvernehmen, in welchem wir itt sämmtlichen Mächten stehen, dir Hoffnung gestattet, daß der rückständige Toetl der Aufgabe mit größter Schonung der Opferwilligkett der Völker wird effectui-t werden können. — Schließlich gibt die Thronrede der Hoffnung und dem Vertrauen Ausdruck, daß der Patriotismus, die Weisheit und Mäßigung des Parlamentes auch während dieser Reichstagsperiode Wege und Mittel finden werde, welche dem Wohle und Aufblühen Ungarns dienen.
Wien, 20. Octbr. Der russische Botschafter in London, Graf Schuwa- loff, ist heute hier eingetroffen und wird morgen Vormittag seine Reise nach Ltvadia fortsetzen.
London, 21. October. Heute findet die vorläufige Vernehmung der am Samstag verhafteten Directoren und Secretärs der City of Glasgow Bank statt.
Lokal-Notiz.
Gießen, 21. October. Wie aus dem Jnseratentheil zu ersehen, hat sich der hiesige „Socialdemokratische Arbeiterverein" sofort nach Bekanntwerden der Annahme des Socialtstengesetzes aufgelöst. Das Vermögen des Vereins soll nach dem Beispiele deö Offenbacher Vereins getheilt worden sein.
--Eingeheimst wurde in der Nacht von Samstag auf Sonntag ein Ausläufer wegen Ueberladung des Magens (?) und ein Commis wegen fortgesetzter Ruhestörung.
Vermischte
— Gerade wie in Deutsch land! Ein russischerOffictermeldet dem „Nowoje Wremial" aus Pultawa: „Soeben bin ich von der Armee aus der Türkei in dte Hetmath zurückgekehrt und kam in Pultawa in dem Augenblicke an, als türkische Gefangene nach der Türkei zurückbefördert wurden. Ich war nicht wenig erstaunt, zu sehen, wie unsere vornehmen Damen, darunter auch sechzehnjährige Gymnafialschülerinnen aus den besten Häusern, ohne zu erröthen, auf dem Bahnhofe erschienen, um von den heim- ztehenden Türken Abschied zu nehmen. Die Abschieds-Scene war ärgernißerregevd. Unsere Damen küßten und umarmten dte Türken, und mit Thränen in den Augen fielen sie aus Liebesgram in Ohnmacht; e8 war so scandalös, daß dte Polizei sich veranlaßt sah, zu interveniren und durch Anordnung der Räumung deS Bahnhofes dte sentimentalen Damen in ihrer LiebeSgluth abzukühlen. Wegen scandalösen Benehmens wurden fünf Gymnasialschülerinnen relegirt. Eine von den Gemaßregelten ist die Tochter eines höheren Beamten und Eine die des Protopopen. Der Pol'zeimeister von Pultawa hat streng die Wiederholung ähnlicher Abschteds-Scenen uno überhaupt das Erscheinen der Damen auf dem Bahnhofe bei der Rückbeförderung der türkischen Gefangenen verboten .... Wie anders hat man uns tn der Türket verabschiedet al6 nrr heimwärts zogen?! Nur Hunde, welche wir früher fütterten, gaben uns auf dem Weg daS Geleite!"
Darmstadt, 16.October. Der „Mz''. Azgr." schreibt über die GeschäftSoertrage mit dem Mtlitatr: Im geschäftlichen Leben kommt es nicht selten vor, daß Gewerd- treibende mit einzelnen Abthetlungen des Heeres, z. B. mit Regimentern, Bataillonen. Compagnien Verträge über Lieferungen u. s. w. abschltcßen. Solche Verträge haben, wie wir der Geschäftswelt zu Warnung mittheilen wollen, keine gesetzliche Gültigkel. Es kann aus demselben gegen die betreffenden Militärabthetlungen, falls diese eS nicht für gut finden, sich an solche Verträge zu binden, nicht geklagt werden. Auf dte gegen eine Compagnie aus einem solchen Vertrage, die von dem Hauptmann unterzeichna und von dem RegtmentScommandeur besonders genehmigt war, angestellte Klage M folgende richterliche Verfügung ergangen, deren gesetzliche Begründung ganz zutreffeno ist: „Nach den Bestimmungen des Allg. L.-R- kann dte Compagnie eine? Regiments als eine juristische Person, d- h. alS eine Person, der eine selbstständige VermogenS- fahtgkett gebührt, und die mit Corporationsrechten versehen ist, nicht aufaefaßt werden. Theil 2 Tit 6 und folgende Allg. L.-R. Beim Mangel einer solchen Persönlichkeit tarn sie daher auch weder actio noch passiv im Proz-sse vor Gericht auftreten. Sine CM- lettung Ihrer Klage muß deßhalb abgelehnt werden."
Literarische-.
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