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MedaMp«A»mee<Mr Sartenstr«ße B. 165.

SrpedMorrsvirreai»r Schulstraße B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme bee Montag».

Pret- oierlekjLhrttch 2 Mark 20 Pf. mit Bringerloh«.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

politischer Hheil.

Keutschkand.

Berlin, 18. Sept. Der Vorsitzende des Deutschen Tabak-Vereins, Herr G. Schöpplenberg, unterstützt von mehreren bedeutenden Tabak-Firmen, erläßt folgende Aufforderung an die Mitglieder des Deutschen Tab ak- Vereins:

Die laut Beschluß des Bundesraths vom 4. Juli er. ernannte Commission für Erhebungen über den Tabakbau, Tabakfabrtkation und den Tabakhandel wird binnen Kurzem die von ihr entworfenen Fragebogen zur Vertheilung bringen.

Dieselben enthalten keine Fragen, die nicht jeder Gewerbetreibende ohne Nachtheil für sein Geschäft beantworten könnte.

Die Commission hat, da sie die verschiedensten Steuersysteme zu erwägen hat, Fragen stellen muffen, die sich sowohl aus Monopol, Fabrikatsteuer, eng­lisches System 20. beziehen.

Es ist nun von der größten Wichtigkeit, daß auch diese Fragen mit aller Offenheit und wahrheitsgetreu beantwortet werden, da unrichtige Angaben, je nachdem die eine oder andere Steuer etngeführt wird, die schlimmsten Folgen für die Betreffenden nach sich ziehen können.

Wird z. B. unter Anderem der jährliche Umsatz niedriger, als er in Wirklichkeit ist, angegeben, jo würde diese Erklärung auf eine etwaige Ent­schädigung bei Einführung ves Monopols nachtheilig wirken und ebenso eine zu hohe Angabe des Umsatzes bet Einführung der Fabrtkatsteuer sich verderb­lich erweisen.

Daher volle Wahrheit!

Da es nun darauf ankommt, daß sämmtliche Fragen richtig und von allen selbständigen Fabrikanten und Hausarbeitern, welche für eigene Rechnung fabriciren, beantwortet werden, so ersuche ich die verehrlichen Mitglieder unse­res Vereins ganz ergebenst, die kleinen Fabrikanten bei Ausfüllung der Frage­bogen zu unterstützen und sie dringend auszufordern, keine Fragebogen zurück- zuwetsen.

Die Art der einzusührenden Steuer hängt gewiß wesentlich davon ab, daß die Tabaktndustrie in ihrer ganzen Ausdehnung bekannt wird.

Berlin, 19. Septbr. Das Genoffenschaftswesen in Deutschland hat trotz der Ungunst der Zeitverhältnisse für das Jahr 1877 wiederum Fortschritte zu verzeichnen, sowohl in Bezug aus die Zahl der Vereine und ihrer Mitglie­der, als auch in Bezug auf die Zunahme des Verkehrs. Der Genoffenschafts­anwalt, Herr Schulze-Delitzsch, giebt in dem von ihm herausgegebenen Jah­resbericht pro 1877 über die auf Selbsthülfe gegründeten deutschen Erwerbs- und Wirthschaftsgenoffenschasten interessante Zusammenstellungen über die Entwickelung dnser Genossenschaften, die gegen 3080 im Jahre 1876 die Zahl von 3123 im Jahre 1877 ausweisen, und zwar 1827 Kreditgenossenschaften, 622 Genossen­schaften in einzelnen Gewerbszweigen, 624 Consumvereine und 50 Baugenossen­schaften, so daß man, da die statistischen Erhebungen mit der Entstehung neuer Vereine nicht Schritt halten, die Gesammtzahl wohl auf 22003300 anzu­nehmen berechtigt ist, mit einer Mitgliederzahl von über 1 Million und einem Verkehr von mindestens 22OO Mill.Mk. gemachte Geschäfte, 15O-16O Mill. Mk. eigene Cnpitalien in Geschäftsanlheilen und Reserven, 400410 Mill. Mk tn verzinslichen Anleihen. Von 929 Creditgenoffevschasten sind die spectellen Rech­nungsabschlüsse der Anwaltschaft zugängtg gemacht. Dieselben weisen nach: 468,652 Mitglieder, 155Oi/z Mill. Mk. gegebene Vorschüsse und Prolongatio­nen, HO7/10 Mill. Mk. an Geschäftsanthetlen und Reserven und 351 Mill. Mk aufgenommene Anleihen.

Hesterreich.

Wien, 19. September. Gegenüber in den Zeitungen verbreiteten Ge­rüchten kann diePol. Corr." bemerken, daß allerdings ein thetlweiser Personal­

wechsel in den diplomatischen Vertretungen der Monarchie in Aussicht genommen sei, doch sei die Sache noch nicht so weit gediehen, um positive Meldungen zu begründen, weßhalb die bezüglichen Personalnotizen verfrüht seien. Fernere Meldungen derPol. Corr." Bukarest. Die Veröffentlichung eines Deeretö steht bevor, durch welches der Fürst das PrädicatKönigliche Hoheit" für sich a: nimmt. Die Agenten Rumäniens in Wien, Paris und Berlin werden fortan alsbevollmächtigte Minister" accreditirt. Belgrad. Nach bosnischen Be- L richten ist Hadschi Loja in Zwornik angekommeu. Die aus dem District Brecka vertriebenen Insurgenten hätten sich nach Bjelina zurückgezogen, wo sie sich ver­schanzten. Konstantinopel. Die Nachricht von der Annahme des englischer­seits vorgelegten Resormprojectes für die asiatische Türkei ist verfrüht; die Pforte ist noch mit dessen aufmerksamer Prüfung beschäftigt und dürfte dasselbe erheb­lich amendiren. Der deutsche Botschafter Graf Hatzfeldt überreichte gestern seine Creditive. Klapka>s asiatisches Eisenbahnproject soll princtpiell von der Pforte genehmigt sein.

Schweiz.

Bern. In der Schweiz ist nun endlich nach jahrelangen Verhandlungen bas MiUtärsteuergesetz in Kraft getreten. Hiernach ist jeder im dienstpflichtigen Mer befindliche, innerhalb oder außerhalb der Eidgenossenschaft wohnende

Schweizerbürger, welcher keinen persönlichen Militärdienst leistet, zur Zahlung eines jährlichen Ersatzes an Geld verpflichtet. Diesen Ersatz haben auch die niedergelaffenen Ausländer zu entrichten, sofern sie nicht zufolge Staatsvertrages davon befreit sind oder einem Staate angehören, tn welchem die Schweizer weder zu einer persönlichen Dienstleistung, noch zu einem Ersatz in Geld heran­gezogen werden. Der Militärpflichtersatz besteht in einer Personaltaxe von 6 Frcs. jährlich und in einem dem Vermögen und dem Personaleinkommen entsprechenden Zuschlag, doch soll das Maximum der Steuer den Betrag von 3000 Frcs. jährlich nicht übersteigen. Nach achtjähriger Dienstleistung, sowie von dem vollendeten 32. bis zum 44. Altersjahr ist nur die Hälfte der Steuer zu bezahlen. Für außerordentliche Jahre kann die Bundesversammlung den Militärpflichtersatz bis auf den doppelten Betrag erhöhen.

Arankreich.

Paris, 19. Septbr. Midhat Pascha ist heute Vormittag nach Mor­seille abgereist, um sich daselbst nach Kreta einzuschiffen. Sämmtliche republi­kanische Blätter billigen die Rede Gambetta's; nurTemps" undDubais" machen einige Vorbehalte, namentlich bezüglich derjenigen Stellen der Rede, welche sie für unvereinbar mit der Unabsetzbarkeit der Magistratur erachten. Die katholischen Zeitungen sehen die Rede als eine osficielle Kriegserklärung gegen den Katholicismus an. Die bonaparttstischen Blätter unterwerfen die­selbe ebenfalls einer strengen Kritik.

tzvgkand.

London, 19. Septbr. Das deutsche Kronprinzenpaar steuerte 50 Pfd. Sterl. zu dem Hülssfond für die durch den Schiffsunsall auf der Themse Be­troffenen bei. Unter-Staatssecretär Lowther hielt auf einem conservativen Banket in Jork eine Rede, worin er lebhaft die Ansprüche Griechenlands miß­billigte. Europa würde die Wiederbelebung der Orientfrage durch den über­triebenen Ehrgeiz der Griechen kaum geduldig mit ansehen.

Kfierr.

Bombay, 18. Septbr. Gholam Hussein, der Abgesandte der indischen Regierung, ist am 10. Septbr. in Kabul eingetroffen und gastfreundlich empfan­gen worden. Derselbe überreichte dem Emir das Schreiben des Vicekönigs. Mir Akhar, der Ueberbringer der Antwort des Emirs in Betreff der englischen Gesandtschaft wird demnächst erwartet.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'» telegr. Aorrespaudenz - «nrra».

Berlin, 19. September. In der heutigen Sitzung der Commission für das Socialisten- Gesetz brachte Hänel für den Fall der Ablehnung seiner gestern gestellten Anträge folgenvew Unterantrag zum Lasker'schen Antrag ein: Vereine, welche eine gewaltsame Veränderung der bestehenden Staats- und Gesellschafts-Ordnung bezwecken oder in denen auf eine derartige gewaltsame Veränderung gerichtete Bestrebungen in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise zu Tage treten, sind zu verbieten. Reichensperger schlug vor, dem Lasker'schen Antrag folgende Fassung zu geben: Vereine, welche den gewaltsamen Umsturz rc. bezwecken oder in denen auf gewaltsamen Umsturz gerichtete Bestrebungen in einer den öffentlichen Frieden oder die Eintracht der verschievenen Elasten der Bevölkerung gefährdenden Weise zu Tage treten, sind zu verbieten. Minister Graf Eulenburg erklärte sich gegen den Hänel'schen Unterantrag und äußerte die Hoffnung einer Einigung auf Grundlage der Lasker'schen Vorschläge. Darauf wurde der Antrag Lasker zu § 1 (wie bereits gemeldet) mit 13 gegen 8 Stimmen angenommen. § 1 a (Genossenschafts-Cassen sind in Verwaltung zu nehmen rc.) wurde in Lasker's Fassung mit der gleichen Majorität angenommen. Die $3 2 5 wurden vorläufig von der Berathung abgesetzt. § 6, betr. die Preffe, wurde, nachdem zahlreiche dazu gestellte Amendements mit sehr verschiedenen Majoritäten theils angenommen, theils abgelehnt worden waren, als Ganzes in der Schlußabstimmung abgelehnt; eine Verständigung darüber wird noch angestrebt.

Bukarest, 19. September. In Folge des guten Erfolges der letzten Mission des Ministers Cogalniceanu bei den auswärtigen Mächten und in Gemäßheit der Beschlüsse der Kammern und des Congreßbeschluffes bezüglich der Unabhängigkeit Rumäniens wird der Fürst Kraft Beschlusses des Minister- rathes (wie bereits gemeldet) den TitelKönigliche Hoheit" annehmen. Die diplomatischen Agenturen, welche Rumänien im Ausland unter offictösem Titel unterhielt, werden in osficielle Legationen umgewandelt. Durch fürstliches Decret wird das diplomatische Personal Rumäniens in 3 Klaffen eingekeilt: außer­ordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister, Ministerresidenten und Ge­schäftsträger. Die derzeitigen diplomatischen Agenten in Paris, Wien und Berlin: Kalimaki Catargi, Balatschano und Liteano werden zu bevollmächtigten Ministern ernannt werden. In Beantwortung einer Note des russischen Agenten Baron Stuart bezüglich des von Rußland für die Uebertraguug Bessarabiens oorgeschlagenen Verfahrens verwirft die rumänische Regierung die Einsetzung einer internationalen Commission zur Tracirung der neuen Grenzen, indem solche die Durchführung des Berliner Vertrages verzögern würde und auch überflüssig sei, da die Grenzen durch den Pruth und den Thalweg des Kilia-Armes gebildet würden. In der betreffenden Note wird ferner mitgetheilt, daß die rumänische Regierung ihre höheren Functionäre beauftragt habe, die auf die verschiedenen administrativen und gerichtlichen Geschäftszweige bezugnehmenden Fragen, sowie die Uebergabe der Archive mit den russischen Delegirten zu ordnen. Schließlich beklagt die Note die jüngste Uneinigkeit zwischen Rumänien und Rußland und beglückwünscht Rumänien zu dem Wunsche des Kaisers, die guten Beziehungen, wieder aufzunehmen.