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Kaiser, welcher uns das neue Reich schuf, uns so lange in unverminderter Rüstigkeit des Körpers und Frische des Geistes erhält, daß er sein Älter selbst über jene Grenze wachsen läßt, welche schon vor Jahrtausenden Jedem, der sie überschritt, die Ehrfurcht des Volkes zuwendete. In einem Alter zur Herr scherwürde berufen, wo die größte Mehrzahl Der Menschen von des Lebens Arbeit müde die Hände sinken läßt, wo das Gesetz sie theilweise schon befreit von der Verpstichtung zur Uebernahme öffentlicher Aemter, hat Kaiser Wilhelm mit unermüdlicher Hingebung den Pflichten seines hohen Amtes sich unterzogen, nicht sich beschränkend aus geistreiche Anregungen und gelegentliche Eingriffe in den Gang der Staatsangelegenheiten, sondern mit gewissenhafter Prüfung in alle Einzelnhetten eindringend und keine Sache von Wichtigkeit je aus den Augen verlierend. Die Pflichten seines Herrscheramtes haben ihm zu aller Zeit viel Mühe, schwere Arbeit gekostet.

D'rum ist aber auch sein Leben ein köstliches gewesen vor dem aller an­dern Herrscher seiner Zett. Glanzvoller hat die Sonne des Ruhmes über den Thaten eines Alexander des Großen geleuchtet, doch allzufrüh und fern der Heimath mußten die Freunde ihm an den Wassern Babylons den Scheiter­haufen rüsten. Unter den Kaisern Roms haben die, welche lange und glücklich über den orbis terrarum herrschten, das köstliche Vorrecht der Majestät, ein Volk zu beglücken, am meisten genoffen ; doch war ihre Zeit eine Zeit des Nie. Hergangs ; der Abglanz, der von ihrem Thron ausgtng, ein wehmüthiges Abend- roth, nach deffen Verlöschen eine öde Nacht heretnbrach. Jene reckenhaften Könige der Germanen, welche aussen Trümmern des Römerreiches ihre Throne errichteten, leben zwar, von der Sage verklärt, wie die göttergleichen Helden der Ilias im Volksmunde fort, tndeffen war ihr Glück in Wirklichkeit kein so beneidenswerthes, und ihre Stirn umwölkte schwere Schuld, die sich am eigenen Hause strafte. Selbst Karl der Große, der erste römische Kaiser deutscher Nation, nachdem er das mächtigste Reich feiner Zeit begründet hatte, bewahrte nicht bis zum Ende seines Lebens die heitere Ruhe, die des Greisenalters Ehrenschmuck ist; er schied mit tiefem Kummer im Herzen, daß sein Reich ihn Nicht lange überleben werde.

Kaiser Wilhelm, der im Felde glänzende Siege errang, über welche bei den fernsten Völkern schon heute die Sänger wie von einem Märchen berichten, hat kein Freund der Kriege stets schnell das Schwert in die Scheide gesteckt, um dem besiegten Feinde die Hand zum Frieden zu reichen. Wir dan­ken ihm die Schöpfung des neuen Deutschen Reiches, die Erweiterung feiner Grenzen und die Sicherung derselben. Wir danken ihm unsere entwickelungs- sählge Verfassung und eine Reihe hoch bedeutungsvoller Gesetze, welche auch eme freiheitliche Förderung der Jntereffen des deutschen Volkes gewähr­leisten. Wir danken ihm nicht nur die Ruhe und Sicherheit im Innern, welche ms mit Vertrauen auf die Zukunft erfüllt, so sehr auch die Reichsfeinde ihr Haupt erbeben, wir danken ihm vor Allem auch die Führerschaft in dem großen geistigen Kampfe, welchen Deutschland gegen das mittelalterliche Dunkel des Fürwitzes und Aberglaubens führt, auf deffen sumpfigen Boden Rom, die deutsche Cultur zu locken, vergeblich versucht hat, dem jungen Kaiserthum ein Canossa zu bereiten.

Wiederum nahen sich alle Glieder des Hohenzollern-Hauses, wiederum treffen tn Berlin viele Fürsten ein, um den Kaiser an seinem Wiegenfeste per. sönlich zu begrüßen, die Abgesandten der Herrscher des Auslandes überbringen ihre Glückwünsche, mächtiger aber als Alles ertönen die Segenswünsche des Volkes. Selbst Den Gegnern, welche Deutschlands Heil aus Wegen suchen, welche ihnen das Deutsche Reich gesperrt hat, nöthigt des Kaisers Bild Be­wunderung und Ehrfurcht ab. Wer sich aber Eins weiß mit dem Geiste seines Volkes, ist heute eingedenk der Thatsache, daß die Hand der Vorsehung auf unteren Kaiser sichtbarlich ihre höchsten Gaben und Gnaden gehäuft hat, und aus den tausenden von Glocken, die mit ehernen Zungen für das Volk zum Himmel sprechen, steigt das Gebet empor:Gott schenke unserem Kaiser Wilhelm noch viele Jahre einer gesegneten und glück- lichen Regierung k"

Deutschland.

Berlin, 19. März. Dem Bundesrath ist heute vom Kanzler ein Gesetz- *' ''vurf, betr. statistische Erhebungen über die Tabaksfabrikation und den Tabakshandel und die Feststellung eines Nachtrags zum Reichshaushalts-Etat für 1878/79, zur Beschlußnahme zugegangen. Der Entwurf enthält 8 Para­graphen. Für Kostendeckung der Aufnahme statistischer Erhebungen werden 200,000 Mk. gefordert. (Wir werden in nächster Nr. den Entwurf sammt Motiven unseren Lesern zur Kenntniß bringen. D. Red.)

Oesterreich.

Wien, 19. März, Abends. Ungarische Delegation (Fortsetzung.) Zu der auf der Tagesordnung stehenden Frage übergehend, verwies Andraffy auf seine früheren Erklärungen über die Anschauungen der Regierung bezüglich der Er- etgniffe der jüngsten Vergangenheit und des demnächst Geschehenden, worin er l't weit gegangen sei, als er bei Den gegenwärtigen Verhältnissen gehen könnte. Denjenigen gegenüber, welche seine Politik mißbilligten, ohne sagen zu können, w,e die Regierung es hätte bester machen sollen, bemerkte Der Minister, man wöge die Feststellung Der Bilanz jenem Augenblicke Vorbehalten, welcher den Erfolg oder die Erfolglosigkeit der sestgehaltenen Politik in das gehörige Licht stellen werde. Heute präsentire sich die Lage folgendermaßen: Der Friede be­stehe noch; die Erhaltung Desselben bilde Die Politik der Regierung, welche hoffe, daß er zu erhalten sei. Bis jetzt bestehe Die Hoffnung und der Glaube, daß die Vermittelung zwischen Den geschehenen Thatsachen, dem europäischen Rechtszustande und Den Jntereffen Der anderen Staaten erreichbar sei. Hätte die Regierung eine andere Politik befolgt, wie sie die Opposition wollte, so stünde die Bilanz heute anders; der sichere und langwierige Krieg mit dem großen Nachbarstaate und der unversöhnliche Haß der gesammten orientalischen Cbnstenheit wäre das Resultat einer solchen Politik gewesen. Redner confta- tirte mit Genugthuung, daß in Ungarn, wenn es sich um die großen Jntereffen der Monarchie bandle, kein Partemnterschied existire, und empfahl schließlich den Antrag der Majorität der Commission wr Annahme. Hierauf wurde (wie bereits gemeldet) Der Beschlußantrag Der Subcommission mit großer Majorität angenommen und der Credtt von 60 Mill. Gulden einstimmig ootirt.

England.

London, 19. März, Abends. Im Fortgänge der Unterhanssitzung er­widerte Schatzkanzler Nortbcote auf Befragen Goldsmid's: die Regierung habe

noch keine Mittdeilung Der Friedensbedingungen erhalten. Derselbe erklärte auf eine Anfrage von Dodson: da die Februarzinsen der garantirten türkischen Anleihe Seitens der Pforte ungedeckt geblieben seien, so habe die Regierung die Bank von England aufgcfordert, den Betrag vorzuschüßen, um der Pforte Gelegenheit zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen zu geben. Nach Ablauf Der gewährten Frist seien Die Gelder nicht einzetroffen, worauf die Regierung Den Betrag Der Bank ersetzt habe. Ein Therl des Geldes Härte durch Den egypti» schen Tribut gedeckt werden sollen; bis gestern sei der Tribut noch nicht emge- troffen. Auf Englands Vorstellungen habe der Khedive erklärt, ein kleiner Theil des Tributs würde gesandt werden. England habe diese Vorgänge an Frank­reich mitgetheilt. welches zur Hälfte beteiligt sei.

Auf Befragen Lefeore's checkte Unterstaatssecretär Bourke mit: die Unter­handlungen wegen Erneuerung des Handelsvertrages mit Frankreich seien auf Wunsch Frankre chs wegen Der gegenwärtigen L ige des Handels abgebrochen worden; auch sei die französische Regierung noch nicht im Stande zu bestim­men, wann sie die Verhandlungen wieder aufnehmen könne.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'« telegr. Esrrespondenz-Bureau.

Konstantinopel, 20. März. Die Pforte hat ihre Botschafter und Gesandten angewiesen, die Nachricht, daß die Gouverneure von Janina, Pre» vesa und Arta Befehl erhalten hätten, die in den Gefängnissen inhaftlrten Ver­brecher freizulaffen und gegen die Aufständischen in den griechischen Provinzen zu verwenden, kategorisch für unbegründet zu erklären.

Die Hobart Pascha zugeschriebene Absicht, gegen die Ortschaften der Aufständischen mit Feuer und Schwert vorzuzehen, wird von Seiten Der Regie­rung tn Abrede gestellt; derselbe habe Befehl, durch gütliche Ueberredung auf die Aufständischen einzuwirken und Gewalt nur anzuwenden, wenn gütliches Verfahren sich erfolglos zeige. Es heißt, mit den Führern der Insurgenten seien bereits Verhandlungen eingeleitet.9

Berlin, 20. März. Das Abgeordnetenhaus nahm heute Den Gesetz entwurf, betr. die Berliner Stadt-Eisenbahn, in zweiter Lesung unveränder nach den Commisstons-Anträgen an; die darauf bezügliche Petition der Deut, schen Eisenbahnbau Gesellschaft wurde durch die Beschlußfassung über den Gesetz­entwurf für erledigt erklärt.

Gutem Vernehmen nach wird dem Landtage Seitens Der Regierung noch eine Vorlage zugehen, welche folgende Anträge enthält: Abzweigung der Abtheilung für Domänen und Forsten vom preußischen Finanzministerium und deren Ueberweisung an das Ministerium der Landwirthschaft, ferner Bildung eines besonderen vom Handelsministerium abgezweigten Eisenbahnministeriums, endlich Uebertragung des etatsmäßigen Gehaltes von 36,000 Mk. des preußi­schen Ministerpräsidenten auf deffen Stellvertreter.

Die Nachricht, daß der Cultusminister Falk aus Anlaß von Minister- Combinationen oder sonst welcher Veranlaffung seinen Rücktritt in Aussicht ge­stellt habe, ist durchaus unwahr.

Baron Abraham v. Oppenheim aus Köln wurde vorgestern und gestern von Ihren Majestäten in Audienzen und heute zur kaiserlichen Tafel gezogen.

London, 20. März. Im Unterhause kündigte Williams folgende An­fragen an : Welche Kriegsschiffe sich tn den Dardanellen und Dem Marmara- Meer befänden; ob es wahr sei, daß diese Schiffe die Meerengen unter Dem Protest Der Pforte passirt hätten ; was die Zurückhaltung Der Schiffe im Mar- mara-Meer bezwecke, da ja Pie Pforte im Friedenszustand sei.__________

Mit Rücksicht auf den nächsten Samstag von Herrn Eduard Zachartä zu haltenden Vortrag entnehmen wir derDidaSkalta" das Folgende:

DaS Pianoforte mit Luftrefonanzwerk.

So kündigt sich eine neue Elfindung an, welche dermalen von dem Erfinder, dem Wiener Tonkünstler Herrn Eduard Zach ariä, in die W-lt gebracht und dem öffentlichen Urthetl übergeben wird. Dem genannten Werke liegt die Idee zum Grunde, daß die durch eine an beiden Seilen offene Tonröhre gebildete Luftsäule eine unglaub­liche Feinfühligkeit, d. h. die Eigenschaft besitzt, sich aufs leichteste erregen und in einen SchwingungSzuftand versetzen zu lassen die sogenannte stehende Schwingung! wodurch sie zur selbständigen Tonquelle wird. Ein nach den verschiedensten und fein­sten Maßoerhälln ff en ausgebildetes Tonröhrenwerk, welches, aus mehreren Thetlen bestehend, alle freien Räume des Claoierlnstrumentes ausfüllt, dient demnach zur brei­testen akustischen Grundlage für alle Ton und Klang-Entwicklung, welche dadurch so ganz außerordentlich und in so edler Weise gefördert wird, daß ein mit dem Luft- resonanzwerk aus gestattetes Klavier alles Bisherige weit überbittet.

Wir hatten kürzlich hier imJournalisten und Schriftsteller-Verein" Gelegen­beit, einem die wissenschaftliche Grundlage des Ganzen erläuternden Vortrag des Herrn Eduard Zachariä beizuwohnen und die musikalischen Wirkungen des neuen Werkes ein­gehend zu prüfen; wobei gewiß ein Jeder in der Versammlung von der Ueberzeugung durchdrungen wurde, daß es sich hier um einen unverkennbar großen Fortschritt handle, bei welchem Theorie und Praxis in gleicher Weise schlagend erscheinen. DaS Klavier- inftrument ist durch die neue Erfindung nicht nur theilweise tn einzelnen Tonlagen, sondern gleichmäßig im großen Ganzen aus eine ganz neue Stufe emporgehoben: Ton und Klang haben hier eine allseitige Ausbildung erfahren; und das Instrument zeichnet sich durch Fülle, Tragkraft, Gesangfähtgkeit, Ebenmaß tn allen Lagen, Klarheit der Tonbildung und der Tonbegrenzung, Möglichkeit der höchsten Steigerung bei stets gleich bleibender Rundung und Anmuth des ToneS tn einer so erstaunlich vortheilhaften Weise aus, daß man, einmal an diese herrliche Klangentfaitung gewöhnt, bei dem an; gestellten Vergleich jedes andere, selbst das beste Instrument daneben abfällig findet. Namentlich auf große Entfernung hin treten die neuen Klangwirkungen eklatant her­vor: man erkennt je noch den Tonfiguren deutlich etwas Orchestrales, eine Beimischung des Charakters der Stretch- und Bias-Instrumente, in den hohen und höchsten Lagen das Weiche, Flötenarttge. Und diese Wirkungen traten schon an einem Piantno zu Tage! Der mit dem Luftresonanzwerk ausgestattete Flügel muß daher um so mehr Großartiges leisten. Dabei ist es praktisch von großer Bedeutung daß das neue Werk keine Veränderung im bisherigen Klavierbau beansprucht, sondern sogar noch nachträg­lich den Instrumenten betgefügt werden kann. Die Erfindung mutz naturgemäß tn allen musikaltschen Kreisen bedeutendes Aufsehen erregen; und wir wollen hiermit das Unserige dazu beitragen, auf ein Werk hinzuweisen, welches ohne Zweifel eine große Zukunst hat und dem die allgemeine Anerkennuna nirgends fehlen kann.

Vermischtes.

Von der Schwalm, 13. März. Daß der alte Aberglaube noch nicht ausge­storben ist, haben wir im Dorfe W- dieser Tage erst wieder erfahren. Vor dem Dorfe hatte eine Zigeunerbande ihr Lager aufgeschlagen und alsbald durchbettelte die braune Gesellschaft das ganze Dorf. Auch zu dem Landwtrth D kam eine junge Zigeunerin und bat um ein Stück Fleisch. Der Alte sagte, Brod könnt ihr kriegen, aber fein Fleisch; und stützte wieder mit verdrießlichem Gesicht seine Backen auf die Ellenbogen. Die Zigeunerin hatte alsbald gemerkt, daß dem Alten etwas in die Quere gekommen sein mußte und auf ihr dringendes Zureden erfuhr sie bann, daß des Mannes Kuh vor vier Tagen gekalbt habe und noch feine Milch gäbe. Da hieß es denn, die Kuh ist be­hext und die Hexe muß eifannt werden; und wer die ganze Hexerei bannen wollte, war die Zigeunerin. Zunächst sollte der Mann btngehen und alles alte Geld, was er im Hause habe, aber ja fein neues, feine Marfstücke rc-, herbeiholen; das Geld wurde ge-

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