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der Charakter der Gortschakoff'schen Mitthetlung sei dazu angethan, die Hoff­r.ungen auf Erhaltung des Friedens zu stärken.

Aus Gibraltar wird gemeldet, daß die Canal-Flotte gestern dort an­gekommen ist.

Meer einlaufen werde.

Petersburg, 20. Febr. DieAgence Ruffe" erklärt die Nachricht derDaily News", daß am Mittwoch der direkte Frieden zwischen Rußland und der Türket unterzeichnet werden solle, für unbegründet. Die Pforte sei im Gegentbeil halsstarriger geworden. Durch den Umstand, daß die britische Flotte bis in die Mudanta-Bay zurückgegangen sei, werde die Wichtigkeit der Thatsache, daß dieselbe gegen den Willen der Pforte die Dardanellen passirt, nicht vermindert. Der Rückgang der Flotte bis in größere Entfernung von Konstantinopel beweise, daß englische in der Türket lebende Untertanen nicht bedroht seien. Die Durchfahrt sei demnach unnütz gewesen. Da dieselbe aber einfait accompli sei, so nöthige sie die russischen Truppen, gewtffe näher an Konstantinopel gelegene Punktt zu besetzen, um für jede Eventualität vorbereitet zu sein, welche die Christen bedrohen könnte. Die Lösung der Frage würde in dem Rückzüge der britischen Flotte nach der Besika Bay liegen; alsdann wür­den die russischen Truppen hinter die Demarkationslinie zurückgehen.

Wien, 20. Febr. Die gestrige Jnterpellationsverhandlung im deutschen Reichstage, speciell die Erklärungen des Fürsten Bismarck, werden hier mit Befriedigung ausgenommen. Man schöpft aus der Verhandlung die Zuversicht daß die Jntereffen Oesterreichs im Orient von Deutschland in ihrer vollen Be­deutung gewürdigt werden und man weit entfernt sei, Oesterreich-Ungarn in der entschiedenen Vertretung derselben entgegenzutreten.

London, 20. Februar. Das zu Donnerstag angesagte große liberale Arbeiter-Meeting, bei welchem eine Kundgebung zu Gunsten der Neutralität Englands stattfinden und Gladstone sprechen sollte, ist abbestellt worden, weil die Lage durch die Abfahrt der britischen Flotte aus der unmittelbaren Nach­barschaft von Konstantinopel verändert sei.

Baker erklärte in einer Zuschrift an verschiedene Zeitungen, er habe seine militärische Stellung in der türkischen Armee nicht aufgegeben, sondern sei nur auf Urlaub nach England gegangen.

Nom, 20. Febr., Abends. Die große Loge in der Vaticanischen Basilika wurde um 1 i/i Uhr geöffnet Der Kardinal-Diakon verkündigte die Papstwahl. Der neue Papst zeigte sich um 4i/2 Uhr, von einer großen Menschenmenge mit lebhaften Beifallsrufen empfangen. Der Papst war von dem Kardinal-Collegium umgeben und ertheille den Segen. Alle Kirchenglocken verkündeten die voll­zogene Papstwahl. Das JournalFanfnlla" berichtet über den Hergang bei der Wahl: Bei dem vormittägigen Scrutininm hatte Pecci 36 Stimmen, es fehlten ihm daher nur 5 Stimmen um gewählt zu sein. Als das Scrutininm beendigt war, beugte Kardinal Franchi und dessen Partei das Knie vor Pecci. Die Anhänger des Kardinals Segar (?) folgten diesem Beispiele. Letzterer benachrichtigte sodann den Papst, daß er ihm eine Million Francs als ersten PeterSpf nmg überreichen werde, welchen der französische Episcopat dem Papst

bezeichnen. , ,

Alle jene päpstlichen Verfügungen über die Jnquisttion und H^xenoerfolgung, jene Bullen, durch welche Fürsten abzesetzt, die Untertanen der Treue entbunden uno zum Aufruhr verpflichtet, durch welche der Mord Andersgläubiger gutgcheißen, ja ge­boten worden, sie können nicht mehr als Produkt einer finsteren, barbarischen Zeit hm- gei'.ellt werden, für welche die Kirche keine Verantwortung treff; nach dem Vati­kanum muh sie die Kirche als von dem unfehlbaren Papst verkündigte göttliche Geietze anerkennen und die Gläubigen zu ihrer Annahme im Gewissen verpflichten.

Deutschland sieht ohne Furcht und ohne Hoffnung der Wahl oes neuen Pontifex entgegen. Das deutsche Reich hat seine bestimmt vorgezeichnete Aufgabe, ob der nächste Träger der Tiara den Weg fiuger Mäßigung und praktischer Anvequemung an b?e gegebenen Verhältnisse einschlagen oder ob er gleich Pius IX. den unversöhnlichen Kampf fortsetzeu wird. Für Deutschland gäbe es nur eine Gefahr: wenn feine Re­gierung, verleitet durch kluges Entgegenkommen der Kurie, davon abstünde, durch die Weiterbildung der Gesetzgebung die Souveränetät und Ruhe des Staate» gegenüber den Ansprüchen und Machinationen der Kurie sicher zu stellen. Zu oft hat der Staat, hat besonders Deutschland es erfahren, daß jedes Rachzeben, jede der römischen Hier­archie gemachte Concession van dieser nur zum Schaden des Staates, der bürgerlichen Gesellschaft, ausgenützt worden ist. t x ..

Seit lange, besonders aber seit Papst Pius IX., hat d.e Kirche die Miffron: Pflegerin und Verbreiterin des christlichen Gedankens zu sein, ausgegeden. Diese Mcs sion hat heute der Staat übernommen und er ist in oem Matze chriillich geworden, als er sich von der Kirche emancipirt hat- Der christliche Grundsatz der Rechtsgleich­heit, sowie alle humanen Einrichtungen, welche den Völkern Erleichterung von geistigem und von materiellem Drucke gebracht, konnten nur unter beständigem Kampfe mit dcr römischen Papstkirche errungen und bewahrt werden. P'Us IX yat diele Wahrheit selbst feierlich bestätigt durch den Satz des Syllabus:Der römische Siuhl kann sich mit der modernen Etvilisation nicht versöhnen und vergleichen.'^

Wird der Nachfolger des Neunten Pius ebenso offen und entschlossen auf der Bahn fortwandeln, auf welche die herrschende Partei der Jesuiten die Kirche getrieben, wird er ebenso den Krieg gegen die Humanität erklären und jede geistige Auffassung des Christenthums verdammen, so sehen wir darin keinen Schaden, sondern eine gött­liche Fügung für die christ-katholische Welt: Noch ein Papst wie Pius IX und es muß endlich dahin kommen, daß die Urberzeugung: nur eine völlige Umkehr könne die Kirche retten, und die Sehnsucht nach dieser Umkehr in allen noch christlich denkrnden Katholiken starker und stärker werden, bis wir wieder zur alten Ecclesia, zu jener Ver­fassung zurückkehren, in welcher die christliche Gemeinde rote in der ersten aposto,Ischen Qett wieder zu ihrem Rechte kommt, in welcher wieder Bischöfe der Gemeinde Christi vorstehen, die, rechte Nachfolger der Apostel, treue Hirten ihrer Heerde, Hüter des Glaubens und des Evangeliums der Liebe sind nicht aber die Helfershelfer einer von Herrschsucht erfüllten Kaste, welche die göttliche Stiftung Christi zur Erreichung ; weltlicher Macht und irdischen Besitzes mitzbroucht.*

Papst Pius IX.

VIII.

(Schluß.)

Auch frühere Päpste hatten der Kirche schwere Schäden zuzefüzt Allzuoft be­fleckten Blutschuld und gräuliche Laster die Tiara und vom Stuhle Petri aus vcc breitete sich die Ruchlosigkeit über die Priester. Aber bet aller Verworfenheit der K.rchen- hüupter und des größten Thetls der Priesterschaft gab es in der Kirche stets hohe Gei­ser, die mit engelremer Sitte christliches Erbarmen und apostolischen Muth verbauen. Sie retteten den Glauben an die Heiligkeit der Kirche, wenn durch das Aergerniß am heiligen Ort die Gläubigen in Zweifel gerathen waren, ob eine Lehre wirklich von Gott sei, deren oberste Priester in so gräuelvolle Sünden versunken waren. Heute ist die Kirche in einem Einzigen concentrtrt, alle Jrrlhümer, alle sittlichen Gebrechen tnews Einen fallen auf die Kirche zurück. Wie im absolutistisch regierten Staat Die Fehler des Herrschers das Gemeinwesen zu Grunde richten, so wird es auch mit der Kirche gehen, und den Neunten Pius wird die Geschichte einst als denVerwüster der Kirche"

zu widmen gesonnen sei.

Bukarest, 20. Februar. Im Senate kündigte Demeter Ghtka eine Interpellation an folgenden Inhalts: Ob die auf Rumänien Bezug habenden Friedensbedingungen der Regierung mitgetheilt worden seien? welches Princip die Regterung hinsichtlich des Congreffes leiten werde? welche diplomatische Vorkehrungen getroffen worden seien, um die Jntereffen des Landes zu ver- tbeidigen?

Konstantinopel, 20. Februar. In Folge starken Schneefalls sind die Straßen unfahrbar geworden und ward dadurch die Räumung von Erze- rnm und Datum verzögert. Suleiman Pascha, der nach Konstantinopel berufen ist, soll vor ein Kriegsgericht gestellt werden.

(Via Odessa.) Die Telegraphen-Verbindung über Keschan, wo die Linien nach Otranto und Gradiska abzweigen, ist von den Ruffen derart in Anspruch genommen, daß nur die Kabelverbindung Über Odessa für den Pri­vatverkehr offen bleibt.

Nom, 20. Februar. Gestern fanden zwei Abstimmungen statt, der ersten veriheilten sich die Stimmen auf Pecci, Bilm und wenige

Kvkal-Ktotij.

Gießen, 21. Febr. Die Vorbereitungen zu dem im Sommer b. I in unseren Mauern ftatfinbenben 12. Gesangsfeste des Lahnthal-Sängerbundes machen die besten Fortschritte. Bereits sind der engere Festausschuß, dem auch der Stabtoeiorbnete Herr Th. Wortmann als Vertreter her Stadt angehört, und die erforderlichen Commis­sionen: Musik-, Finanz-, Bau- und Decorations-, Ordnungs- und VergnügungS-, so­wie Wirthschafts Commission, definitiv gebildet und in Thättgkett getreten.

Zu dem Feste hat außer den schon früher erwähnten 4 hiesigen Gesangvereinen nunmehr auch in Folge nochmaliger Einladung der Sängerkranz seine Mitwirkung zr^ gesagt, so daß man jetzt auf eine Betheiligung von 400 Sängern rechnen kann. Jcaaj

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr» Eorrespondenz Bureau«

London, 20. Febr.Morning Post" will wiffen, daß Rußland Galli­poli besetzen wolle, falls England nicht die Besetzung der Bosporus-Forts durch die Russen gestatte oder verspreche, daß die britische Flotte nicht in das Schwarze

Nina, in der zweiten fielen die Bilio und Nina gegebenen Stimmen dem obscuren Klosterbruder Martinelli zu, während Pecci 28 erhielt, so daß noch keine Zweidrittel Mehrheit erzielt ist. Heute wurde eine Rauchwolke von ver­brannten Stimmzetteln um 12^ Uhr sichtbar. , »

Nom, 20. Februar. DieAgenzia Stefani" erklärt die Nachricht aus­wärtiger Blätter, die Regierung habe die nachgesuchte Genehmigung zur Ab­haltung einer Versammlung, welche die Aufhebung der Garantiegesetze fordern solle, ertheilt, für unbegründet. DaS JournalFanfnlla" versichert, daß die französischen Cardtnäle ihre ursprünglichen Anschauungen in Folge einer Unterredung mit dem französischen Botschafter beim Vatican geändert hätten und sich nunmehr den österreichischen und spanischen Cardinälen, sowie Hohen- lohe behufs der Wahl eines gemäßigten Papstes anschließen würden.

Zum Andenken an Pius IX. soll in einem der neuen Stadttheile Roms eine Kirche erbaut werden. Der Cardinal-Patriarch von Liffabon ist gestern angekommen und am Abend in das Conclave eingetreten. Wie verlau­tet, würden die Cardinäle während des Conclave Briefe und Journale erhalten können, nachdem letztere zuvor von zuständiger Seite geprüft worden seien.

Konstantinopel, 20. Februar. Die hiesigeAgence Havaö" meldet: Namyk Pascha geht in außerordentlicher Mission nach Petersburg. Heute ist eine wichtige Depesche Savset Pascha's aus Adrianopel im Palais des Sultans eingetroffen, in Folge deffen ein Ministerrath abgehalten wurde.

* Nom, 20. Februar, Nachmittags. Die Würfel sind gefallen. Etwa 200 Personen befanden sich auf dem Petersplatz, als auf der Loggia über dem Eingangsthor ein Geistlicher mit weitglänzendem Kreuz erschien, hinter ihm em Cardinal in Violett und viele Geistliche. Der Cardinal verlas einige Worte, die man aus der Entfernung nicht verstand, worauf die Leute auf der Treppe Tücher schwenkten und riefen:Es lebe Leo XIII.!" Auch die Geistlich m auf dem Balcon schwenkten ihre Tücher. Bald darauf sammelte sich auf dem Petersplatz eine unermeßliche Volksmenge, die bereit war, den neuen Papst mit Enthusiasmus zu begrüßen, wenn er auf der Loggia erscheinen würde. Sie wartete vergebens. Leo XIII. zog es vor, einigen Hunderten in der inneren Kirche zu erscheinen, als Vorbedeutung und Symbol zugleich. (Vergl. jedoch dix Depesche des Wagn.Telegr.-Corr.-Bur." vom gestrigen, Abds D- Red.)

* Paris, 20. Februar. Der neue Papst gilt in unterrichteten Kreisrn für einen Mann von großer Energie und hartem Charakter, aber zugleich für einen gewandten Diplomaten uud Politiker, weshalb man es für möglich halt, derselbe werde früher oder später sich auf Unterhandlungen einlaffen. Die Rede Bismarck's hat in allen ernsten politischen wie auch finanziellen Kreisen durchaus befriedigt und einen dem Frieden günstigen Eindruck gemacht.

Italien.

Rom, 18. Februar. In derTimes" liest man:Der Camerlengo hat in dem Schreibepult des Papstes ein versiegeltes Paket mit Instructionen für deffen Ablieferung in die Hände seines Nachfolgers gefunden; ferner 400,000 Scudi in Gold und französischen Banknoten. Die Bestimmung über diese Summe wird wahrscheinlich in dem Testamente des Papstes angedeutet sein. Das Unterlaßene Vermögen des Papstes wird im Ganzen auf 120 Mill. Lire geschätzt und befindet sich größtentheils in den Händen des Hauses Rothschild in Paris." Der Stellvertreter Christi so reich! Es ist nicht möglich. Ein Jude fein Bankier 1 Es ist wunderbar!

Türkei.

Konstantinopel, 18. Februar. Die britische Flotte ankert gegen­wärtig vor Tuzla (Golf von Jsmid.) Die Ruffen räumten die in der neu­tralen Zone gelegenen von ihnen besetzt geweselien Redouten und stehen jetzt innerhalb der Demarcationslinie, concentriren aber große Streitkräfte in Tscha- taldja. Dte Ruffen verlangen, daß alle Muselmänner Bulgarien verlaffe«. Griechische FreiwllligewBanden sind in Epirus eingedrungen. Zwölf Depu- t:rte wurden angewiesen, Konstantinopel zu verlassen. Heute findet ein außerordentlicher Ministerrath statt.

Konstantinopel, 18. Februar. Layard hatte gestern Privat-Audienz beim Sultan. Ein britffches Panzerschiff ist von der Besika-Bay nach Bulair am Golfe Saros beordert worden.

Amerika.

Washington, 18. Februar. Die Blandffche Silberbill in der vom Senate beschlossenen Faffung ist heute dem Repräsentantenhause zugestellt wor­den ; innerhalb des letzteren werden Anstrengungen gemacht, eine Modification des vom Senat angenommenen Amendements, wodurch die Silberausprägung per Monat auf 4 Mill. Dollars festgesetzt wird, herbeizuführen.

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