Ho. 45»
Freitag, den 22. Februar
1878
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
re7?a
Deutschland.
drich Hilpert:
Der Cardinal Pecci hat schwierige Zeiten durchzumachen bvv„_. Vä,. öeigte sich stets sich selbst gleich: als ein Mann von großer Bedeutung, als kath. Theologe und als Politiker von großer Umsicht. Er hat für seine Priester eine St. Thomas-Akademie gegründet und ihren theologischen Disputen prästdirt. Er hat selbst eine sehr mannigfaltige Bildung, er macht sogar Gedichte. Gegenüber den Syndici, den Präfecten, den Behörden Italiens hat er eine über den Parteien stehende Haltung beobachtet.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
• 2, von L. van ra Schumann), iffenbach:
ob. Schumann,
Redaetionsbrrrea«r Gartenstraße B. 165.
Expcditionsbirreau r Schul st raße B. 18.
Violoncello, von 1 in modo d'una »ffenbach: ranz Schubert meister Fleisch-
Greßen, 21. Februar. Ueber den neuerwählten Papst Leo XIII. b'ingen wir nach der „N. Fr. Presse" folgende Personalbeschreibung: Cardinal Joachim Pecci*), jetzt Papst Leo XIII., geboren zur Carpineto in Italien, am 2. März 1810. Der Cardinal-Priester Pecci, Erzbischof von Perugia, ist eine der wichtigsten Persönlichkeiten des Heiligen Collegiums — gewichtig durch Charakter, Energie, Klugheit und geleistete Dienste. Er vereinigt aposto lische Sanstmuth mit administrativer Strenge. Er hat es verstanden, sich geliebt und gefürchtet zu machen. Er ist von hoher Gestalt; er hat die Hagerkeit eines Asceten. Sein Kopf fällt durch seine Feinheit auf. Die Linien seines Antlitzes sind fest, bestimmt, ein wenig eckig. Die Stimme ist sonor und glänzend, wenn er eine Rede hält, leicht näselnd, wenn er familiär spricht. In seinem Privatleben ist er einfach, einnehmend, liebenswürdig, geistvoll. Im Amtskletde, unter dem Purpur oder im bischöflichen Schmuck wird er ernst, erhaben, majestätisch: er scheint sich mit der Größe seines Amtes zu durchdringen. Man könnte sagen, er gtbt sich in plastischer Haltung, aber nein, er sucht diese Haltung nicht, sie ist ihm natürlich, sie ist der Ausdruck seiner patricischen Natur. Als Delegat in Benevent säuberte er diese Provinz vom Brigantenthum. Als Delegat zu Spoleto und zu Perugia zeigte er dieselbe Energie. In der letzten dieser Städte geschah es unter seiner Verwaltung, daß die Gefängnisse leer wurden. Als Nuntius zu Brüssel erreichte er es, daß Leopold I. für ihn vom Papst Gregor XVI. den rothen Hut begehrte. Gregor XVI. bewilligte denselben, indem er ihn in petto reservirte, und verbaute ihm die Diöcese Perugia an; er verwaltete sie bis jetzt.
Der Cardinal Antonelli hat ihn sorglich von Rom ferngehalten — er fürchtete einen Rivalen.
Darmstadt, 19. Februar. Se. König!. Hoheit der Großberzog baben allergnadigst geruht: am 8. Febr. den Lehrer au dem Gymnasium zu Gießen, Dr. Friedrich Curschmann, zum Lehrer an dem Gymnasium zu Darmstadt, mit Wirkung vom 15. April I. I. an, zu ernennen.
München, 19. Februar. Die Kammer der Abgeordneten hat den Ge- setzentwurf über Abkürzung der Finanzperioden bezüglich des Militärbudgets nach dem Anträge des Ausschusies angenommen. Die Forstschulfrage mußte von der Tagesordnung abgesetzt werden, weil der Finanzausschuß seine Vorbe- rathungen nicht beendigt hat. Der außerordentliche Militärcredit muß noch vor der Vertagung der Kammer erledigt werden.
Hesterreich.
Wien, 19. Februar. Das Abgeordnetenhaus nahm bei Fortsetzung der Specialdebatte über den Zolltarif nach einer längeren sehr beifällig aufge- nommenen Rede des Finanzministers bet namentlicher Abstimmung den Kaffeezoll nc ™{tJ 59 gegen 130 Stimmen an. Für gebrannten Kaffee wurden 25, für Kaffee-Surrogate 6 fl. beschloffen.
,, 19- Februar. Das Unterhaus hat in namentlicher Abstimmung
mit 219 gegen 183 Stimmen die Zollvorlagen als Grundlage der Specialdebatte angenommen.
England.
London, 19. Februar. Das Cabinet tritt heute zur Discussion über Gortschakoff's Depesche zusammen. Dem „Standard" zufolge würde in Gort- schakoffs Depesche für die Nichtbesetzung Gallipolis durch die Russen ein an- derwettlges Zugeständntß von England verlangt. — „Daily News" glaubt,
5. Promotionen an der Großherzoglichen Landes-Universität Gießen.
6. Dienstnachrichten. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben allergnä- dlgst geruht: am 16. Januar den auf die evang. PsarrsteUe zu Glauberg von dem Grafen zu Stolberg-Gedern - Wernigerode präsentirten evang. Pfarrer Friedrich Schuster zu Nieder-Moos für diese Stelle zu bestätigen.
Am 7. Januar wurde dem Heinrich Ludwig Bretsch aus Egelsbach das Patent als Geometer 1. Klaffe für den Kreis Darmstadt ertheilt; am 23. Jan. wurde dem^Schulamts - Aspiranten Adam Hoffmann aus Ober-Scharbach die Gemeinde-Schulstelle zu Siedelsbrunn übertragen; am 28. Jan. wurde der von dem Herrn Fürsten zu Solms-Braunfels auf die Gemeinde-Schulstelle zu Nieder-Bessingen präsentirte Schullehrer Emil Walther zu Wölfersheim für diese Stelle bestätigt; am 29. Jan. wurde dem Schullehrer Hermann Heßler zu Weckesheim die erste Gemeinde-Schulstelle zu Reichelsheim, am 30 Jan wurde dem Schullehrer Peter Weber zu Kelsterbach die zweite Gemeinde- Schulstelle daselbst übertragen; am 31. Jan. wurde der von der Frau Gräfin houise zu Erbach - Fürstenau Namens ihres minderjährigen Sohnes auf die dritte Knaben-Schulstelle zu Michelstadt präsentirte Schulamts-Aspirant Heinrich Ztmmer aus Ueberau für diese Stelle bestätigt.
7. Ruhestandsversetzungen.
Seit langer Zeit ist der Cardinal Pecci als Candidat für den päpstlichen Stuhl bezeichnet worden, aber Pius IX. hat, indem er ihn nach 30 Jahren Ungnade zum Camerlengo ernannte, seine Aussicht, wie es schien, ein wenig vermindert.
Der letzte Leo trug vom Jahre 1823—1829 die Tiara und war vor semer Erhebung auf den päpstlichen Stuhl als Nuntius seines Vorgängers Pms MI. vielfach thätig. Er verdammte schon in seiner Antrittsbulle die Freimaurerei und die Bibelgesellschaften, gab den Jesuiten das frühere Collegium zurück, schrieb ein Jubeljahr aus, ordnete dabei das Gebet um Ausrottung der Ketzer an und lebte mit den Höfen von Frankreich und Oesterreich in Spannung. Man darf glauben, daß dte Annahme dieses Names Leo XIII. Seitens des neuen Papstes nicht ohne Rücksicht auf den letzten Träger dieses Namens erfolgt ist. '
Vus Hessen, 18. Februar. Der vor einiger Zeit den Ständen zugegangene, in der Bevölkerung freudig begrüßte Gesetzentwurf, die Errichtung einer Laudescultur-Rentenkasse betr., ist im Finanzausschuß zweiter Kammer wegen einer noch rückstehenden Auskunft der Regierung noch nicht zur Berichterstattunggelangt. Umsomehr mag darauf hingewiesen werden, daß in neuerer Zett der Wunsch hervortritt, der fragl. Bank eine solche Ausdehnung zu geben, wie es bei der Naffauer Landesbank und der Boden-Creditbank in Caffel der Fall ist. Namentlich arbeitet der landwirthschaftliche Verein der Provinz Ober- heffen hieraus hinaus, indem er zum Zweck der Erörterung der fragl. Ausdeh- rw.ng deö Gesetzentwurfs eine Commission niedergesetzt hat. Wir wollen hoffen, daß dte betr. Arbeiten so zeitig den Ständen zugehen, daß die Berechtigung der zu stellenden Anträge noch im Finanzausschuß geprüft werden kann. m c Xtotmftabt, 18. Februar. Das Großherzogl. Regierungsblatt, Beil. Nr. o, enthält:
Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums der Finanzen, die zur Ausfertigung und zur Erledigung von Uebergangsscheinen ermächtigten Stellen betreffend.
. _ 2’ Uebersicht der für das Jahr 1878 von Großherzoglichem Ministerium des Innern genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal-Bedürfnissen Ni den Gemeinden des Kreises Bensheim.
3. Uebersicht der für das Jahr 1878 von Großherzoglichem Ministerium des Innern genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Communal-Bedürfnisse in den israelitischen Religions-Gemeinden des Kreises Dieburg.
4. Uebersicht der für das Jahr 1878 von Großherzoglichem Ministerium des Innern genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal-Bedürfnissen in den israelitischen Religions-Gemeinden des Kreises Alsfeld.
, *) gestrigen Privat-Depesche hieß es irrthümlich Perri, was wir zu
oenchngen bitten. D. Red.
ara Schumann:
tob. Schumann, ohn.
5 Uhr, Oeflnen zten Eisenbahnzüge Rückfahrt beny.it
ncertflügel.
durch verschiedene Termin für die Ein- >iscn bis Donnerstag - dabin von unseren widerruflich ander- n JL 3, reservier
ng und Rudolph-
ncerweins.
i i8tqutmbd)tdttn lu is bei Wiih.K°'er,
Kichener Wyeiger
Aykize- uni) Amisblnit für den Kreis Gießen.
e Anzeige.
rsriÄ
J mit Ä (ljw> 'B-l-dnE -------—
SS* zrau f11*
6 eine t
rein.
’Oxicert
Schmnann aos aus Giessen, nartettvereins auer> Kammer’ es Florentiner
8. Concurrenzeröffnuvgen. Erledigt sind; die zweite Gemeinde-Schulstelle z" Kaichen mit einem Gehalt von 685 c/ft 71 ; die Gemeinde-Schulstelle zu
Güttersbach mit einem Gehalt von 771 M. 71,$. Dem Herrn Grafen zu Erbach-Fürstenau steht das Präsentattonsrecht zu; dte Gemeinde-Schulstelle zu' Ober-Kainsbach mit einem Gehalt von 771 43 Dem Herrn Grasen
zu Erbach-Erbach steht das Präsentationsrecht zu; dte evang. Pfarrstelle zu Nieder-Florstadt; dotationsmäßiger Gehalt 3621 Das Präsentattonsrecht aehabt. (5ijlu bUIer. Stelle steht dem Frhrn. Löw von und zu Steinfurth zu, der jedoch dem Gesetz über die Classification des Diensteinkommens der Geistlichen vom 8. Jan. 1876 nicht betgetreten ist; die Gemeinde-Schulstelle zu Ober-Scharbach Ement Gehalt von 771 43^; die Gemeinde-Schulstelle zu Merlau
mit 685 JL 71-Lchul- und 85 71 Kirchendienst-Gehalt; die zweite
Gememde-^-chulstelle zu Ulrichstein mit einem Gehalt von 685 71 die
erste Gemeinde Schulstelle zu Ulfa mit einem Gehalt von 771 Jl. 43 &; die dielte Gemeinde-Schulstelle zu Neustadt mit einem Gehalt von 771 c/fL 43 X
Herri^ Fürsten zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg und dem Herrn Grafen zu Erbach-iL-chonberg steht das Präsentattonsrecht zu dieser Stelle zu; die Ge- melnde-Schulstelle zu Ensheim mit einem Gehalt von 685 72
o l 0- .Sterbefälle. Gchorben sind: am 14. Decbr. 1877 der Untversitäts- i Profeffor Dr. Johann Michael Franz Birnbaum zu Gießen; am 24. Decbr. der Obereinnehmer t. P. Steuerrath Kaspar Eduard Bollermann zu Worms; am 26. Decbr. der Lehrer Johann Kleinhaus zu Dorn-Dürkheim; am 13. Jan. 1878 der Förster i. P. Schnauber zu Friedberg; am 15. Jan. der Provmztal-Director, Territorial-Commissär und Kreisrath i. P., Geheime- rath Heinrich Karl Joseph Schmitt zu Mainz; am 17. Jan. dte Lehrerin Apolloma Keusch zu Mainz; am 22. Jan. der Oberförster Jochem zu Storn- dorf; der Revistons-Controleur t. P. Christian Opel zu Mainz; am 25. Jan. der Pfandmeister Karl Scriba zu Groß-Umstadt; am 26. Jan. der Lehrer i. P Feick zu Pfordt. '


