Nr. 272
Donnerstag, den 21. November
1878.
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Erscheint täglich mit Ausnahme deS MontagS.
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Berlin, 17. November. Der Bischof Retnkens hat betreffs der Ver- I hekrathung altkatholtscher Geistlichen folgende Bestimmungen erlassen: 1) Ein Geistlicher, welcher hetrathen will, hat dem Bischof davon Anzeige zu machen, init Angabe des Namens, Standes und Alters und sonstiger Verhältnisse der zu heiralhenden Person, und, falls er nicht auf ein Beneficium investirt ist, - über die Mittel zur Ernährung einer Familie Auskunft zu geben. 2) Die I Absicht der Verehelichung ist dem Kirchenvorstand mitzutheilen. Dieser hat entweder sein Etnverständniß schriftlich zu erklären oder dem Bischof seine Gründe gegen die Heirath mitzutheilen. 3) Das Aufgebot durch den Heiraths- Ca.ndidaren ist unzulässig. 4) Es versteht sich von selbst, daß ein Geistlicher nur in einer Ehe leben darf, welche kirchlich etngesegnet ist; diese Einsegnung darf nur ein von dem Bischof ausdrücklich dazu ermächtigter Geistlicher vornehmen. 5) Jede Uebertretung dieser Vorschriften fällt unter das Statut für die Handhabung der Dtsciplin über den Klerus.
Berlin, 18. November. Die „Nordd. Allg. Ztg." berichtet: Heute früh um 10 Uhr ' i feierliche Einweihung des neuen Apparateusaales im Central-Telegraphengebäude durch .... General-Postmeister Dr. Stephan statt. Noch bis in die Nacht hinein hatte man gearbeitet, M die letzte ordnende Hand an die Einrichtung zu legen. Zu der Feierlichkeit waren erschienen
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Ich sage meinen Dank dafür dem Herrn Generaldirector, den Herren von der General-Verwaltung, namentlich von dem Bauwesen und von der Ober-Postdirection; ferner dem Herrn Vorsteher des Haupt-Telegraphenamtes, den betheiltgten Beamten desselben, den Baumeistern und Bauführern, den Herren von der Technik und dem Handwerk, gleichwie allen Arbeitern, sie haben bis zum letzten Mann und bis zum letzten Tage, ich darf sagen bis zur letzten Nacht, eifrig und gewissenhaft an der Vollendung mitgewirkt. Sie dürfen sich mit Befriedigung sagen, daß sie ein Werk geschaffen haben, welches einen großen Erfolg erzielen und die Ehre des deutschen Namens über die Grenzen des deutschen Vaterlandes mit hinaustragen helfen wird. Mehrere Tausend Batterie-Elemente, Hunderte von Leitungen und Apparaten, bewegt durch geschickte und fleißige und auch durch zarte Hände, werden den geformten Gedanken des menschlichen Geistes in alle Städten des In- und Auslandes überliefern. Laßen Sie Ihren Blick schweifen über die Inschriften der Apparat-Tische in diesem Saale, so sehen Sie hier die directen Verbindungen von Petersburg und Paris, von Stockholm unv Mailand, von Wien und Kopenhagen, von Amsterdam und Pefth und von London bis Teheran durch die Wüsten und Weltmeere. Auf Erdachsenweite trägt der prometheische herabgeholte und gezähmte Blitz die Nachrichten und Mtttheilungen der Bewohner des Erdballes, als ob sie gegenwärtig wären, liebet die Weite darf aber die Nähe nicht vernachlässigt werden. Sie sehen deßhalb in der Abtheilung hier zu Rechten, wo der unbestreitbar schönere Theil des Personals augenblicklich beschäftigt ist, die zahlreichen Verbindungen, Leitungen und Rohrpoststränge für die verschiedenen Bezirke der Hauptstadt, die besonderen Leitungen zum Reichskanzler, dem Reichstage, Abgeordnetenhaus, für die Ministerien, den Generalstab, das Polizeipräsidium, für die großen Verkehrsinstitute, die Reichsbank und die Börse und für wissenschaftliche Anstalten wie die Sternwarte. Es bildet das für sich allein ein Netz von vielfach verzweigten Gehirngefäßen und Adern für den wichtigen telegraphischen Dienst der Hauptstadt des Reiches und den Schnellverkehr von mehr als einer Million Menschen. Gleichwie diese ganze Halle die Herzkammer bildet des telegraphischen Lebens des ganzen Vaterlandes, an Ihnen ist es dafür zu sorgen, daß ihre Pulsschläge pünktlich und regelmäßig, unablässig bei Tag und Nacht sich vollziehen, den Lebensstrom des Verkehrs unterhalten und den Ruf deutscher Arbeit über die Grenzen des Reiches bis in das fernste Ausland tragen. Und nun lasten Sie unS freudig an die Arbeit gehen im Namen GotteS mit dem Rufe, der überall als Panier vorschwebt, wo Deutsche sich zu gemeinsamer Thättgkeit für einen großen vaterländischen Zweck vereinigen, mit dem Rufe: Es lebe Seine Majestät der Kaiser!
Berlin, 18. November. Der „Reichs-A^z." schreibt: Französische Blätter bringen die Nachricht, daß die deutsche Regierung von den Samoa- Inseln Besitz genommen habe und dieselben zu einer deutschen Colonie zu machen gedenke. — Daß Deutschland die Erwerbung oder Gründung transatlantischer Colonien nicht beabsichtige, ist wiederholt in authentischer Form erklärt worden. Betreffs der Samoa-Angelegenheit hat die „Nordd. Allg. Ztg." vom 10. Novbr. eine eingehende Darlegung des Sachverhalts gebracht, woraus sich ergiebt, daß die deutsche Regierung in den Südsee-Jnseln keinen andern Zweck im Auge hatte, als die vertragsmäßig sestgestellten Rechte der Reichsangehörigen, welche sich auf Samoa angesiedelt haben, und die friedliche Entwickelung des deutschen Handels zu schützen. Die gegenwärtige Krisis auf den Samoa-Inseln wird ihre natürliche Lösung dadurch finden, daß die Landesregierung sich entschließt, mit den betheiltgten Staaten einen Vertrag abzuschließen, welcher denselben die Deutschland bereits zugesagte Stellung der meistbegünstigten Nation etnräumt und verbürgt.
— Die „Nordd. Allg. Ztg." bestätigt, daß Oesterreich den Antrag Deutschlands auf einjährige Verlängerung des Handelsvertrages ablehnte, und gleichzeitig andere Propositionen machte, die auf einen Meistbegünstigungs- Vertrag auf ein Jahr ober längere Dauer unter verschiedenen Modalitäten für den einen oder anderen Fall hmauslausen. Eine prtncipielle Verständigung scheine noch nicht erzielt, doch sei dem Vernehmen nach die deutsche Regierung geneigt, auf den Vertrag für ein Jahr einzugehen, namentlich falls der Veredlungsverkehr gegen Gewährung des Zollcartells gesichert werde.
Frankfurt, 17, November. Die früher bereits in den hiesigen Zei- tungen erwähnte Zusammenkunft von Delegirten sämmtltcher Krieger-Vereine Deutschlands behufs Schließung eines Verbandes, über welchen der Kaiser alsdann das Protectorat zu übernehmen geruhen werde, findet Ende dieses oder Anfangs nächsten Monats hier statt. Der Vorstand der Krieger-Kameradschaft Frankfurt a. M. ist von dem General der Infanterie, v. Glümer, bereits mit den nöfhtgen Vorbereitungen zu den Empfangsfeierlichkeiten betraut worden.
Kassel, 17. November. Es dürfte für die Leser wohl von Interesse sein, diejenigen Stationen und Haltestellen kennen zu lernen, welche auf der Neubaustrecke Letnefelve-Treysa-Lollar der Berlin-Coblenz-Metzer Bahn, soweit solche durch Ntederheffen und Oberheffen führt, nach dem jetzt feststehenden Plane angelegt werden sollen, resp. schon angelegt sind. Es sind dies folgende: A. Niederhessen: 1) Kreis Eschwege: Schwebda. Eschwege, Niederhone, Bisch- Hausen, Waldkappel und Burghofen; 2) Kreis Melsungen: Spangenberg und Malsfeld; 3) Kreis Homberg: Oberbeisheim und Homberg. B. Oberheffen: Kreis Ziegenhain: Frielendorf, Ziegenhain und Treysa (Einmündung in die Main-W-.serbahn). Die Strecke Treysa-Lollar (hessische Grenze) mit den Zwischenstationen Neustadt, Kirchhain, Cölbe, Marburg und Fronhausen wird bekanntlich mit der Main-Weserbahn gemeinschaftlich benutzt. Hoffentlich wird indeffen dieser Stationsplan kein definitiver sein, da z. B. bet Reichensachsen (zwischen Niederhone und Btschhausen) schon mit Rücksicht auf den dortigen Anhaltepunkt der Bebra-Göttinger Bahn die Anlage einer Haltestelle unabweisbares Bedürfniß ist.
Kiel, 18. November. Die Untersuchungs-Commission in der Angelegenheit des „Großen Kurfürsten" wird morgen die Admirale Jachmann und Klatt gutachtlich vernehmen.
Stuttgart, 18. November. Der „Staats-Anz." enthält das Verbot des Gewerkveretns der deutschen Gold- und Stlberarbeiter mit dem Vorort Gmünd.
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im Clubsaale.
2lus Oberhessen, 17. November. Man erinnert sich, daß bet Be- rathung der Amtsgertchissitze die zweite Kammer den Wunsch aussprach, die Regierung möge bli der neuen Organisation einzelne kleinere Untergerichte, namentlich diejenigen von Ltch und Laubach, etngehen laffen, während die erste Sammer sich für die Beibehaltung dieser Gerichte aussprach. Die Regierung Hit sich nun, in Ausübung ihres verfaffungsmäßtgen Organisations-Rechtes, überall für die Aufrechterhaltung des bisherigen Zustandes entschieden, was dadurch erleichtert worden ist, daß die betr. Gemeinden die Mittel für die nothwendigen Neubauten, bezw. Umänderungen der bisherigen Amtsgebäude bereitgestellt haben. Aus diese Weise sind finanzielle Ansprüche für Bauwesen an die Stände nicht zu erheben. (Fr. Journ.)
71 Darmstadt, 17. November. Die amtlichen Zollauswetse über die ersten neun Monate dieses Jahres constatiren, im Gegensatz zu den fast allent- baiben verlautenden Klagen über die allgemeine Geschäftslage eine fortschreitende Entwickelung unserer nationalen Industrie und zunächst der Eisenbranche, wo die Einfuhr gegen das Vorjahr sehr bedeutend gefunden, die Ausfuhr dagegen er- mI hrblich gestiegen ist. Ein gleiches Vcrhältniß ergibt sich bei der Baumwollen-, b Mas- und Kurzwaaren-Jndustrie, wie auch der Export von Bier und Rohzucker einen erheblichen Aufschwung genommen hat. Gestiegen ist dagegen die Einfuhr von K'ffee, Tabak und Fletsch, während die von Flachs einen Ausfall erlitten hat. Was den Fleisch-Import anlangt, so beträgt die Steigerung mehr als 50 pCt und die Gesammt-Einsubr von geräuchertem oder gesalzenem Fletsch bis Ende September über 500,000 Centner.
ter Genrral-Postrneister Dr. Stephan, General-Telegraphenditector Budde, Ober-Postdirector wachse, Geh. Rath Prof. Dambach, Prof. Helmholtz, die Geh. Räthe Elsoffer, Ludwig und ter technische Leiter der ganzen Einrichtung Postrath Oxford, Baurath Keßler, Baumeister Schmedding, Herr Siemens, der die Apparate geliefert, und Andere. Kurz nach 10 Uhr bestieg ter General Postmeister Dr. Stephan das reich mit Blumen und den Büsten des Kaisers, des Kronprinzen und des Fürsten Bismarck geschmückte Oberaufsichtspult und hielt, während die Apparate das Signal „warten" gaben, folgende Ansprache:
Es ist mir eine angenehme Pflicht, die kaiserl. Beamten des Haupt-Telegraphenamtes des Reiches in diesen schönen und würdigen Räumen zu begrüßen, welche fortan die Stätte ihrer cnUichen Wirksamkeit sein werden. Getreu dem alten Brauch des Richtspruches bei einem neu erstandenen Bauwerk, laffen Sie auch uns mit einem Spruch beginnen, mit den Bibelwarten: ,Gleichwie ein Haus, das fest ineinander verbunden ist, nicht zerfällt vom Sturmwind, also auch ein Herz, das seiner Sache gewiß ist." Auf das Innere kommt es an. Mag ein Bau sich Ilhön von außen vorstellen mit seinen ragenden Säulen und sich wölbenden Bogen, mag der Wohlklang seiner Verhältnisse unseren Schönheitssinn erfreuen, der Zierath seine Zauber ausüben, - das Wesentlichste bleibt doch, wie im Innern geschaltet und gewallet wird; und das hängt bicterum wesentlich davon ab, wie eß in dem Innern eineS jeden Einzelnen von uns ausfieht. Darauf ist der höchste Werth zu legen. Lassen Sie uns an diesen Spruch ein Dankopfer der bnnnerung anreihen für die großen Männer der Wissenschaft, deren Forschergeist diese bewunderns- derlheste Erfindung der Neuzeit ihr Dasein, ihre Entwicklung verdankt und deren Bildniffe binnen blizem von den Bogenblenden dieser Halle auf Sie gewiffermaßen anspornend hcrabschauen verden: Franklin, Galvani und Volta; Sömmering, Ampere und Oerstedt, von dem einen hoch- .ug eschenen Landsmann heute als unseren Gast zu begrüßen wir die Ehre haben. Dann das Meuchtende Zwiegestirn Gauß und Weber, denen in der Dienstaltersliste der Telegraphisten ier Welt unzweifelhaft die erste Nummer zukommt, dann Steinheil, Kirchhoff und Siemens, >Aorse und Hughes, Tompson und Wheatstone und Andere. Die meisten sind bereits heimge- xmigen in das große Jenseits, aber ihre Werke folgen ihnen nach und ihre Namen werden fort-- leben, so lange es eine physikalische Wissenschaft, eine telegraphische Kunst geben wird, ihre Manen werden mit Befriedigung heute auf diese Stätte herabschauen, welche ein glänzendes Zeu-gniß der großartigen Entwicklung gewährt; aber auch den Lebenden gebührt ihr Recht. Die Schöpfung ist wenigstens in ihrer Art nur möglich gewesen auf dem festen und großen Bau- Müde des wiedergeeinten Vaterlandes. Auch sie ist eine Frucht der Gesammtkraft des deutschen AoI kes und, seiner Waffen. Auch bezüglich ihrer «gebührt die Ehre Kaiser und Reich! Nicht Mi nger Anstrengung hat es bedurft, um in der kurzen Zeit von 1% Jahren diesen Bau zu 8ntre zu führen und mit seinen zahlreichen Maschinen und Vorrichtungen für umfaffendsten Betrieb bild' für das Wohlbefinden eines zahlreichen Personals. Alles steht, wie Sie sich überzeugen, in Mer Ordnung da im genauesten Zusammenwirken bis auf den feinsten und kleinsten Stift.
— Den dem „Berl. T gebl." zugehenden Andeutungen zufolge sollen die Frsahrungen, welche die von dem Reichskanzler nach Amerika entsandten Com- mtffarien über dte dortige Tabaksbesteuerung gesammelt haben, die letzten Jllu- . i L (tonen darüber beseitigen, als ob dte amerikanische Tabaks-Fabrikatsteuer sich in 11) VVeW. I tfC einen ober anberen Form sür das deutsche Reich eigne.
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