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Haupt des Ausstandes. Die Wünsche der Altserben sollen dem Kongresse in einer Petition übermittelt werden.

Berlin, 18. Juni. Der Wahlaufruf der Fortschrittspartei ist nunmehr veröffentlicht; es heißt darin: die Partei erwartet den bleibenden Sieg dek staatserhaltenden Kräfte nur aus dem Boden des gemeinsamen Rechtes und er klärt sich bereit, jede Vorlage der Regierung vorurteilsfrei w prüfen, welche Verbesierungen der bestehenden Gesetzgebung in dieser Richtung erstrebt. Die Partei lehnt es ab, den Gegensatz der Klassen, wie ihn die Soctaldemokratie thatjächllch ausreizt, gesetzlich anzuerkennen.

Paris, 18. Juni. DieAgence Havas" will Nachrichten aus Skutari erhalten haben, wonach der Kampf zwischen Türken und Montenegrinern sich aus einen Streit im Innern einer Kraina zwischen Einwohnern und Montene­grinern reducire. Es sei eine Untersuchung eingeleitet, um zu ermitteln, wer die Angreifer gewesen sind.

Berlin, 18. Juni. Die Staaten zweiten Ranges verfolgen die Ver­handlungen des Congresses in weiterer Hoffnung, consultativ gehört zu werden. Man nimmt seitens dieser Staaten an, daß Beschlüfle in der bulgarischen Frage noch nicht vorliegen und daß erst in der nächsten Congreßsitzung die eigentlichen Grenz- und sonstigen Festsetzungen für das zu etablirende Fürstenthum Bulgarien und den zu etablirenden autonomen Theil Bulgariens getroffen werden. Für diesen zweiten Theil Bulgariens interessirt die hervorgehobene Rücksichtsnahme auf das griechische Element. Man wünscht wenigstens, daß dieses nicht präju- dicirt werde, und möchte dem auch in dem Namen dieses Landesthetles Ausdruck geben. In dieser Richtung ist der NameRumelin" genannt worden.

Stuttgart, 18. Juni. Die Eingabe der Deutsch-Conservativen an den König wurde durch ein Schreiben des Cabinetschefs beantwortet, worin es heißt: Der König habe bemerkt, daß die vorgeschlagenen Maßregeln bereits getroffen, resp. beim Bundesrathe beantragt seien. Ein Hauptmittel zur Be­kämpfung des Socialtsmus sei aber ein festes Zusammenhalten und energisches Auftreten der gutgesinnten Bürger den Demokraten gegenüber.

Wien, 18. Juni. DiePolit. Corresp." meldet aus Konstantinopel vom 17. d. : Der türkische Aufstand erstreckt sich über den Balkan hinaus bis in die Districte von Gabrowa und Lowatz. Bei Bulair sind russische Ver­stärkungen eingetroffen. Die britische Flotte wird morgen bei den Prinzen- Jnseln ankern. Dieselbe Correspondenz meldet aus Ragusa: Die Monte­negriner räumten einige Ortschaften bei Propovopolje, wodurch das jüngste Zerwürfniß mit der Türkei beseitigt ist.

Berlin, 19. Juni. Ueber das Befinden Sr. Maj. des Kaisers wäh­rend der Nacht wird gemeldet: Obwohl die sog. Wallungen nicht eingetreten sind, war der Schlaf doch während der ersten Hälfte der Nacht mangelhaft; von 2i/2 Uhr an hat dagegen ruhiger Schlaf angedauert.

Paris, 18. Juni, Abends. Das Leichenbegängniß des ehemaligen Königs von Hannover verlief programmgemäß; eine Division erwies die mili­tärischen Ehren; der Sohn Mac Mahon's, der Prinz von Wales, König Franz de Assisi von Spanien, das diplomatische Corps und alle Militär-Attaches wohnten der Feierlichkeit persönlich bei.________________ ________

Lokal-Notiz.

Gießen, 19. Juni. In der Feuerwehr bleiben zwar grundsätzlich religiöse, wie politische Fragen unberechnet, Vaterlandsliebe aber erscheint als selbstverständliches oberstes Gesetz. Indem der 1. Hauptmann dies in der vorgestrigen Generalversammlung der Fr. städt. Feuerwehr geltend machte und bervorhob, daß zur Zeit keine Vereinigung Deutscher zufammentreten könne ohne des Kaisers zu gedenken, gab er den Gefühlen des äußersten Abscheues über die verruchten Mordpläne und Anfalle auf das der Nation geheiligte Haupt ihres größten Wohlthäters, ihres gerechten, milden und ritterlichen Kaisers entschiedensten Ausdruck. Feierlich erhob sich die Versammlung und wohl noch nie erklang aus vollerem Herzen ein Hoch, als daS, welches am Schluß dieser Ansprache dem geliebten Kaiser erschallte. c ci _ __

Gießen, 19. Juni. Wie wir vernehmen halt die hiesige Rudergesellschaft nächsten Sonntag den 23. d. M., Nachmittags 3 Uhr, zur Saison-Eröffnung ihre erste Regatta unter Mitwirkung der diesigen Miliiärkap.'lle ab.

Vermischte-.

Mainz, 16. Juni. Gestern Mittag fand die Beerdigung des am Freitag ver­storbenen Gr. Gymnasiallehrers Prof. Dr. Ferdinand Beck unter zahlreicher Betheiligung der Freunde, Collegen und Schüler des Verstorbenen statt- Herr Dfqrrer BÜstel hielt die Trauerrede. Er verlieb zunächst ber tiefen BetrÜbniß Ausdruck, welche alle Herzen bet der Nachricht v.yn dem frühen Hsttscheiden des allgemein beliebten ManneS ergriffen habe und gab dann in kurzen Zügen ein Lebensbild des Entschlafenen. Dr. Ferdinand Beck wurde am 27. März 1819 zu Höchst im Odenwalde, als der Sohn des dortigen Rentamtmanns geboren. Nachdem er an dem Grotzh. Gymnasium zu Darmstadt seine Vorstudien glänzend erledigt hatte, ging Beck, der inzwischen seinen Vater verloren, nach Gießen, wo er klassische Philologie studirte- An der Realschule zu Alzey trat Beck sein Lehramt an. Nachdem er längere Zeit in Alzey, wo er sich auch verhetrathete, segensreich gewirkt, wurde er im Jahre 1855 zum Lehrer am Gymnasium zu Gießen und 1873 Lehrer am hiesigen Gymnasium. Zum Schluß gedachte der Redner noch in tiefgefühlter Weise des Familienlebens, des vaterländischen und rclgiösen Sinnes des Verstorbenen. Im Namen der Lehrer und Schüler sprach der Großh. Gymnasialdirector Dr. Löhbach über die großen Verdienste, welche sich Prof. Beck in seiner stillen, aber desto nachhaltigeren Wirksamkeit um die Anstalt erworben hatte. Nach der bewegten Rede des Herrn Dtrectors wurde die Trauerfeier geschlossen. Ehre dem Andenken deS Entschlafenen I

Darmstadt, 16. Juni. (Zu dem Unglücksfall in GrieShetm.) Der Mann, welcher vor den Manipulationen mit der Granqte gewarnt hatte, ein Schwager des Bürgermeisters, ist mittlerweile am Bein amputirt worden. Die Verwundungen der zwei Männer, welche sich mit der Granate zu thun gemacht hatten, werden alS sehr schwer geschildert, namentlich der eine (G- Schaaf) ist an Leib und Brust sehr verletzt- Seine Frau, der die Beine abgeschlagen worden sind, ist bereits verstorben. Die Frau des andern (Heß) ist am Bein verletzt. Da ein Kind gleich tobt blieb und noch eine Frau Brandwunden am Gesicht erhielt, sind im Ganzen sieben Personen ver­unglückt, eine furchtbare Warnung für die Zukunft-

Marburg, 17. Juni- Am vergangenen Sonnabend wurde der Gutsbesitzer Lauer aus Niederwalgern wegen grober Majestätsbeleidigung in das hiesige Gefängnitz abgeliefert. Lauer war bekanntlich im hiesigen Wahlkreise bet der letzten Reichstagswahl als socialdemokratischer Candtdat aufgestellt. (Oberh Ztg.)

Darmstadt, 18. Juni. Die Vorbereitungen zu der am 20. beginnenden Pflanzen- und NosenauSstellung sind nahezu beendigt, die verschiedenen Ausstellungsräume prangen bereits im saftigen Grün der die Wände bedeckenden Decorationspflanzen und in buntem Farben­schmucke, die Fontänen sind bereit, ihre belebenden Strahlen emporzuschießen und cs erübrigt nur noch, den allmälig auch von auswärts eintreffenden Sammlungen ihre Plätze anzuweisen. Und fast hat es den Anschein, als ob die weiten Räume nicht ausretchten, alle angemeldeten Sammlungen, deren Zahl eine ungewöhnlich große ist, zu fassen. Zu der Verbandsausstellung beträgt dieselbe etwa 90, worunter von der weltbekannten Firma Jean Verschaffen zu Gent 6 Sammlungen exotischer Pflanzen, welche einen Raum von 120 qm beanspruchen, und selbst eine solche aus Oporto von Antonio Corrcia da Fonseca. Für die Rosenausstellung sind etwa 70 verschiedene Ausstellungen angemeldet, darunter reichhaltige Sortimente berühmter Rosenzüchter, so daß dem Rosenfreunde Gelegenheit gegeben ist, unter seinen Lieblingen alte Freundinnen zu begrüßen und neue Schönheiten kennen zu lernen. Auch wird beabsichtigt, eine Zusammenstellung der in jeder Hinsicht empfehlenswerthesten Rosen an die Liebhaber, welche die Ausstellung besuchen, gratis zu vertheilen.

In dem frei gehaltenen Theile des Gartens, auf der Terasse und im Gartensaale, wird die rühmlichst bekannte Restauration des Herrn Gaule den Besuchern der Ausstellung die erfor­derliche leibliche Stärkung verabreichen und finden bei Eröffnung der Ausstellung und an den Nachmittagen Concerte statt.

Die Ausstellung wird wohl eine der schönsten wd interessantesten werden, welche tm Bereiche des Rheinischen Verbandes bis jetzt gehalten worden sind, und ist nur zu wünschen, daß endlich besseres Wetter eintritt, damit dieselbe auch eines zahlreichen Besuchs sich zu erfreuen hat. Zu dessen Erleichterung haben die betheiligten Eisenbahn-Direktionen mit dankenswercher Zuvorkommenheit Preisermäßigungen oder sonstige Vortheile bewilligt, indem die Hessische Ludwigsbahn unv die Pfälzischen Bahnen auf ein einfaches Billet freie Rückfahrt gewähren, wenn an dem betreffenden Schalter gleichzeitig eine Eintrittskarte zur Ausstellung gelöst wird, die Badische Bahn, die MaiwNeckar-Bahn, Main Weser-Bahn und die Oberhessischen Bahnen die Gültigkeitsdauer der Retourbillett bis zu 5 und 6 Tagen verlängern.

Aus der Wetterau, 15. Ium. In dem Dorfe Nieder-Roßbach am Fuße der Vorhöhen des Taunus befindet sich ein Mineralbrunnen, der seither nur dem ört­lichen Gebrauch diente. Im vorigen Jahr hat die Gemeinde die Quelle vorbehaltlich des Mitbenutzungsrechts der seither Berechtigten für eine ansehnliche Summe an eine Gesellschaft Frankfurter verkauft, welche gegenwärtig den Brunnen neu fassen und die erforderlichen Gebäude und Maschinen aufstellen läßt, um das Nieder -Roßbacher Mineralwasser demnächst auf den Markt zu bringen. Herr Bergmeister Tecklenburg in Darmstadt, der früher in Nauheim stand und die Bodenbeschaffenhett hiesiger Gegend kennt, gibt in der letzten Nummer desGewerbeblattes für das Großherzogthum Hessen^ eine Beschreibung der geologischen Verhältnisse, unter denen diese Quelle zu Tage tritt.

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