ihrem Schicksale überlassen. Von diesem Augenblicke an sei sür die Mächte nur ihr eigenes Interesse in Frage gekommen. Rußland mußte demnach bei dem Beginne des Krieges drei Interessen im Auge behalten: das Interesse der Humanität und Rußlands, weiches die Ursache des Krieges gewesen, und das In- tereffe der angrenzenden Staaten und anderer Mächte, vorzüglich E iglanos, welches in löblicher, von Rußland freundschaftlich ausgenommener Absicht gleich Anfangs diejenigen seiner Interessen bezeichnet habe, welche eventuell durch den Krieg berührt werden könnten. Rußland habe diese Interessen zu respectiren versprochen und habe sie respectirt. Zn der That blieb der Weg nach Indien, der Suez-Canal und Egypten heute wie vordem die ausschließliche Domäne Englands, welche nicht im Entferntesten bedroht wurde. B-züqlich Konstantinopels sei Rußland wie zuvor der Ansicht, daß diese Frage Europa Vorbehalten bleiben müsse und daß Konstantinopel unter keinen Umständen einer der großen Mächte gehören dürfe. Die Jntereffen der angrenzenden Staaten respectirte Rußland gleichfalls im Kriege und werde sie ebenso im Frieden ver- theidigen, wie auch Oesterreich, das am unmittelbarsten interessirt sei, den dringendsten Anreizungen von innen wie von außen widerstanden habe. Die russischen Jnteressm waren von Anfang an zusammenhängend mit der Humanitären bulgarischen Frage. Legitimirt durch die europäische Conserenz^blieb die Vertretung dieser Rußland, weil Rußland allein aus Gründen der ^Dtammes- genossenschaft und der Religion sich entschloß, Blut und Geld hierfür zu opfern. — Sodann handle es sich um die Kriegsentschädigungen, welche jedem siegreichen Kriegführenden für die gebrachten Opfer gebühren. Der Frieden, welcher diese Jntereffen gegen wiederholte Nöthigung zum Kriege sicherstellt, müsse von Rußland als der kriegführenden Macht, entsprechend dem Völkerrechte, dem Gebrauche und der Billigkeit, direct geschlossen werden. Bei dem direcien Abschlusie habe Rußland die Jntereffen der angrenzenden Staaten und der anderen Mächte zu wahren, besonders E'glands, welches hauptsächlich interessirt sei, daß keine Veränderungen des Standes der Dinge seinem Wege nach Indien und seinem Einfluffe im Orient Eintrag thue. Eine zu Stande gekommene Präliminar Convention werde Gegenstand eines Congreffes werden
; können, um alsdann in die internationalen Verträge überzugehen.
— Das auswärtige Amt publicirt ein Blaubuch betr. das türkische Frte- i densgesuch; die darin enthaltenen Depeschen reichen vom 12. December bis i 14. Januar. Daraus ist Folgendes hervorzuheben: Am 24. Decbr. benachrichtigte Derby den Botschafter Layard, daß eine gemeinsame Mediation der Mächte in Folge der Weigerung Deutschlands gescheitert sei. Am 9. Januar berichtet Botschafter Loftus, Gortschakoff g'aube, daß der Frieden nur unter zwei Bedingungen erzielt werden könnte, nämlich daß die russisch; Armee vordringe und daß die Türken sich überzeugten, daß sie von England keinen Beistand zu erwarten hätten; nur dann würde die Pforte Bedingungen annehmen, unter denen der Frieden geschloffen werden könnte.
Prag, 18. Januar. Zwischen Skrejschowsky und dem Stadtrath Thuerbier kam es in der Druckerei des Journals „Politik" wegen eines gegen Rieger gerichteten Artikels zu einem Conflut, worauf Thuerbier aus dem zweiten Stock herabstürzte; derselbe trug schwere Verletzungen davon. Skrejschowskv erklärte vor Gericht, Thuerbier sei in berauschtem Zustande hinuntergefallen.
Rom, 18. Januar. Gestern wurde in vielen Städten Italiens Trauer- Gottesdienst gehalten. Alle Journale constatiren den tiefen Eindruck der Leichenfeier aus die Bevölkerung. Der Feier wohnten etwa 200,000 Fremde bei. Alle Bureanx und Läden waren geschloffen. Die Beisetzung der Leiche in der Grabstätte ist gestern Abend erfolgt.
Pesth, 18. Januar. Miletics ist wegen Hochverraths zu fünfjährigem Kerker verurtheilt.
Konstantinopel, 18. Januar. Die türkischen Bevollmächtigten für die Waffenstillstands-Unterhandlungen begaben sich heute von Adrianopel nach Tirnowa-Semeli (Eisenbahnstation zwischm Adrianopel und Philippopel), wo fich auch Großfürst Nikolaus befindet. Die Verhandlungen sollen morgen be- ^„nen. — Im Seraskieratffand heute unter dem Vorsitz des Sultans ein Conseil statt, welchem auch die früheren Großoezire Edhem und Rnschdt Pascha beiwohnten. — Aus Burgas und Umgebung sind 600 Flüchtlinge hier eingetroffen.
Petersburg, 18. Januar. Aus Schipka von heute ward amtlich ge- me.det: Das Garde Kavallerie-Detachement Karzow's vom Corps Skobeleff's
ist am 16. d. in Philippopel eingezogen. Bulgarische Hütten waren von den Türken angezündet; russijcherseits wurde das Feuer gelöscht. Weitere Details fehlen.
Petersburg, 18. Januar. (Amtliche Meldungen aus Kasanlyk.) Vom 15.: Heute erhielt Großfürst Nikolaus ein Telegramm Reuf Paschas, welches meldet, daß Server und Namyk Pascha als Bevollmächtigte nach dem russischen Hauptquartier unterwegs seien, wo dieselben am 17. oder 18. erwartet werden. Die Ruffen rücken rasch ohne Anhalten vor. — Vom 16.: In der Nacht zum 15. nahmen die Moskauer Kaiser-Dragoner die Schienen auf der Eisenbahnlinie Philippopel-Jamboli weg; der Bahnverkehr ist somit eingestellt. Dre Türken marschiren in der Richtung nach Adrianopel. Laut Erkundigung der Dragoner befindet sich Suleiman Pascha in Philippopel; derselbe soll angeordnet haben, Alles durch Sengen und Brennen zu zerstören. Bazardschik und Philippopel sollen angezündet sein. — Der Eisgang auf der Donau dauert fort, wodurch die Verbindung sehr schwierig gemacht ist.
— Aus Kasanlyk vom 15. d. M. wird amtlich gemeldet: Die Zählung der bei Schipka gewonnenen Trophäen dauert fort. Die Zahl der Gefangenen beträgt nicht 25,000, sondern 32,000, die der erbeuteten Geschütze 93, der Fahnen 10. Die Türken haben Kotet, Stacorjeka und Sliwno geräumt und sich bei Jambott concentrirt, alle Vorräthe unterwegs verbrennend. Twarditza wurde durch den Vortrab des Detachements von Malachoff besetzt. — Den Streiftruppen vom Detachement des Großfürsten Thronfolgers, welche am 13. nach Nakarkioi und Ajaslsr marschirten, kamen türkische Soldaten und Officiere entgegen, welche aussazten, es sei ihnen verboten, auf die Ruffen zu schießen, jedoch bäten sie die Ruffen, nicht weiter vorzugehen. — Die Türken flüchten allenthalben.
Konstantinopel, 17. Januar, lieber die Stellung der Armee Suleiman Paschas fehlt jede zuverlässige Nachricht. Das Nachmittags hier verbreitete Gerücht, wonach es Suleiman gelungen sein sollte, durch die russischen Linien bis nahe Adrianopel zu gelangen, erwies sich als unbegründet. — In einem vom Sultan präsidirten Ministerrathe wurde heute über die Mittel zur Vertheidigung Konstantinopels berathen. — Hier eingelaufenen Nachrichten zufolge waren in Remenli 2 Schwadronen Kosaken eingetroffen, um die türkischen Unterhändler nach Kasanlyk zu geleiten. Der türkische Commandeur hielt den Angriff der Ruffen für bevorstehend und ließ deshalb eine Eisenbahnbrücke sprengen.
London, 18. Januar. „Morning Post" meldet: das B adget für Heer und Flotte sei gemäß dem Friedensfuße entworfen und werde dem Parlament baldigst vorgelegt. „Daily Telegraph" berichtet aus Pera, daß die britische Flotte die Rückfahrt nach der Besika-Bai vorbereite.
— Die im Unterhause von dem Minister Northcote abgegebenen Erklärungen sind denen Lord Beaconssteld's analog. Derselbe hob noch hervor: Was die Stellung Englands angehe, so sei weder von Jsolirung noch von Demüihigung die Rede.. Die Regierung habe es auf sich genommen, sich offen anszusprechen, sobald sie es für nöthig erachte. Die Regierung kenne Rußlands Bedingungen noch nicht; man habe daher dem Parlamente jetzt keine Vorschläge zu machen. Was aber auch jene Vorschläge sein mögen, so sei in dem Falle, daß die Frtedensbedingungen internationale Abmachungen und nicht nur zwischen Rußland und der Türkei bestehende Verhältniffe ändern oder berühren, die Zu stimmung der anderen Mächte erforderlich. Die Stellung der englischen Regierung im jetzigen Augenblicke sei daher eine delikate. Redner wiederholt, daß die Regierung jetzt keine Vorschläge zu machen habe. Es dürfte aber deren Pflicht werden, die nöthigen Vorsichtsmaßregeln zu treffen. So besorgt wie die Regierung auch sei, die Sckrecken des Krieges zu vermeiden und den jetzigen Krieg zu Ende zu bringen, so glaube sie doch jetzt die Zeit gekommen, wo mittelst einer geeigneten Action weitere Verwickelungen verhindert werden könnten. Die Regierung habe keine geheimen Absichten. Sie könne aber nur auf Erfolg hoffen, wenn sie die erforderliche ehrliche Unterstützung des Parlaments besitze.
Petersburg, 17. Januar. Die „Agcnce Russe" bringt einen Artikel Über die augenblickliche Lage vom Gesichtspunkte der Thatsachen, des Rechtes und der Jntereffen aus. Die „Agence Ruffe" erinnert darin an den Ursprung des Krieges, welchen Rußland gegen seinen Willen in Folge der hartnäckigen Weigerung der Türkei, den Rathschlägen und Beschlüffen auf der Conferenz der vereinigten Mächte Folge zu geben, begonnen habe. Die Mächte hätten die Türkei auf die Folgen ihrer Hartnäckigkeit aufmerksam gemacht und fi£
Lokal-Mott z.
Gießen, 19. Jan. (Sitzung der Stadtverordneten vom 17. ds.) Die Sitzung, welcher der Magistrat vollständig sowie sämmtltche Stadtverordnete mit Ausnahme des erkrankten Herrn Dtery und nicht entschuldigten Herrn Hoch beiwohnten, bot im großen Ganzen wenig Interessantes. (Herr Hofg-Rath Pfannmüller war auch oeute noch nicht anwesend und wollen wir bei dieser Gelegenheit bemerken, daß der Protest gegen dessen Wahl nicht von 30 sondern nur 13 Personen unterzeichnet war ) Das Gartfeld und die Schwarzlach sind immer noch das Schmerzenskind unserer Stadt und bildeten verschiedene Eingaben oer Bewohner dieses Stadttheils heute mehrere Punkte der Tagesordnung. Herrn Wilh. Schäfer wird ad 1 gewährt, daß derselbe eine projektirte Einfriedigung bis Mitte April herrichte. — Eine Offerte desselben wegen Abtretung von Straßengetände konnte heute noch nicht accepttrt werden, weil die Meßbriefe Der in Anspruch genommenen Grundstücke von dem betr. Geometer noch nicht gefertigt sind und soll dieser Herr dringend an seine Arbeit gemahnt werden. — H'rr Wilh. Seuling hat an seinem Hause in der Schwarzlach sich einen Weg auf seine Kosten auffüllen und Herrichten lassen und muthet der e>tabt zu, daß dieselbe ihm die Auslagen vergüte Die Stadt ereiferte sich aber für diese Zumuthung nicht sehr, sondern lehnte dieselbe ab, gewährte ihm aber die Bitte, daß er einen weiteren Weg auf seine Kosten Herrichten lassen darf. — Einem weiteren Gesuch des Herrn Fabrikanten Bernhard wegen Fertigstellung der Straße sowie auch mehrerer Bewohner der Schwarzlach in gleichem Betreff wird berettwtlligst entsprochen sobald bessere Witterung die benöthigte Arbeit gestattet. — Damit das Gartfeld nicht so ganz öde aussehen soll, sind daselbst Anlagen projrktirt, einestheils zur Zierde und zum anderen Theile des Schattens wegen. Herr Gärtner Deines hatte dazu einen Plan entworfen, welcher jedoch nicht ganz dem Geschmacke der Baudeputation entsprach. Die Deputation beantragte ferner Entfernung der Schoorbäume an der betr. Stelle, was eine lebhafte Dtscussion zwischen Schatten- und Lichtfreunden hervorrief, welch letztere den Sieg davontrugen, indem die Versammlung den Antrag der Baudeputation auf Entfernung der Bäume genehmigte. — Um vom Asterweg nach dem Gartenfelde auch fahren zu können, mutz die Scheune, welche eben Frau Justizrath Klingehöffer benutzt, durch' brachen werden. Man fährt also vorläufig durch eine Scheunenwand nach dem Gart- selb, aber man fährt doch wenigstens. — Der Nioellirungsplan des Herrn Stadtbau- wetsters von der KavlanSgasse zur Neustadt fand die Zustimmung der Versammlung. — Ein College der Schwarzlach in Betreff der Salubrilät ist der Reichensand an seiner Ausmündung in die Neustadt, im Volksmunde der „Schipka-Paß" geheißen. Auch hier lag heute ein Gesuch wegen Herstellung der Straße vor und wird auch hier dem Bedürfmtz in kürzester Frist stattgegeben. — Genehmigt wird eine Kostenrechnung zur Pflasterung rc. des Reichensand, welche den Voranschlag überstieg. — Der Weg zur Burk'schen Kunstmühle soll, nachdem das Bedürfnitz allgemein anerkannt worden, gepflastert werden. —In der Sitzung vom 26. April 1877 beschloß die Stadtverordnetenversammlung ein Schlachthaus auf der städt. Wiese unterhalb Der Lade-Anstalten zu errichten und fanden heute die Pläne des Stadtbaumeisters über die Längen- und Querprofile der Lahnufer zwischen der Brücke und dem Wehr die Zustimmung der Versamm mng. — Auch die rechtsseitigen Bewohner der Grünbergerstraße wollen reinlicher in ihre Wohnungen gelangen wie seither und bitten in einer Eingabe löbl. Stadtoorftand um Pflasterung des TrottoirS. Ihr Gesuch wird anerkannt, jedoch ehe zur Ausführung Desselben geschritten wird, soll sich erst mit Großh. Kreisbauamt benommen werden über die näheren Details der Anlage und Ausführung. Bei dieser Gelegenheit wird von mehreren Herren der vorzügliche Zustand verschiedener Pflasterarbeiten gerügt und der Vortheil von sog. „Pfützen" gebührend hervorgehoben. Auch wir können dem beipflichten, müssm aber auch gerechterweise betonen, daß an den Thoren ausdrücklich durch große Schilder verboten wird, schweres sog. Lastfuhrwrrk durch die Skadt zu fahren, wenn es nicht unbedingt nothwenbtg ist. Wie dies Verbot gehandhabt wird, lehrt ein Vormittag, welchen man z B. am Neuenweger Thor zubringen könnte. — Damit verschiedenen stattgefundenen Unzuträglichkeiten für die Zukunft vorgedeugt wird, genehmigt die Versammlung, daß ein Uebergang mit oerschiießbarem Thor von der Entbindungsanstalt nach ber Schoor auf Wiederruf gebaut werden darf und wird von Der üblichen Vergütung hierfür abftrahirt. — Einen kitzlichrn Punkt traf poi. 13 ber Tagesordnung, eingehüllt in den unschuldigen Titel: Reparatnrarbeiteu an der Turnhalle. Dieses, nach Ansicht eines Herrn Stadtoerorbneten schöne unb der neuen Anlage zur Zierbe gereichende, nach eines anderen Herrn Ansicht der entgegengesetzten Seite huldigende Gebäude, besteht bekanntlich schon 12 Jahre. Dasselbe besitzt einen Dachstuhl, über dessen vorzügliche Construkiton oerschtebene Ansichten herrschen. Thatsache ist, daß der Dachboden in der Mitte ber Halle sich sehr geneigt hat, und zu befürchten steht, daß ein Sturm ober ein heftiger Schneefall bie ganze Geschichte zum Argen bringen kann. Der Herr Stadtbaumeister glaubt nun, um allen Eventualitäten zu begegnen, daß es nicht schaden könne, wenn ein berufnerer Techniker als er, sich den Bau einmal gründlich betrachte und seine Meinung äußere. Der Bau-Ausschuß, dem diese Meinung des Herrn Stadtbaumeisters vorgelegen, schlägt nun seinerseits vor: eher die Turnhalle zu veräußern und Den Turnplatz als Bauplätze zu verwerthen, als daß man weitere Tausende von Mark zur Reparatur bewillige. Die Debatte über diesen Punkt war eine äußerst animtrte. Man einigte sich schließlich für die Ansicht des Herrn Hetz: ad 1) einen Techniker heranzuztehen und dessen Gutachten zu hören sowie 2) den Bau- Au schuß zu beauftragen ein weiteres Projekt zur Errichtung von Turnsälen bei jeder städt. Schulanstalt auszuarbeiten, um nach Begutachtung des Ganzen definitiv über das Schicksal der jetzigen Turnhalle zu beschließen. — Der Weg von der Neuen Anlage nach ber Neuen Aula ist auch berart, baß man Wasserstiefel bis über die Knie tragen muß um durchzukommen und liegt dies hauptsächlich wohl an einem oder einigen Anwohnern. Die Stadt ist jedoch jederzeit entgegenkommend und beschließt, mittelst eines zu erbauenden hölzernen Stegs die Verbindung mit der StephanSstraße zu er-


