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1878

Freitag, den 19. Juli

Mchener Wl^eiger

Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.

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Ansprache:

Ich constatire, daß die Arbeiten des Kongresses beendet sind. Ich be­trachte es als die letzte Pflicht des Präsidenten, den Dank des Congresies aus- zusprechen für diejenigen der Bevollmächtigten, welche an den Commissionen Thetl nahmen, besonders Hetrn Desprez uNd Herrn Fürst Hohenlohe. Ich danke fernerhin im Namen der hohen Versammlung dem SecretarW sur'dest Eifer, von dem es Beweis lieferte und der die Arbeiten des Congresies zu erleichtern beitrug. Ich schließe in den Ausdruck dieser Erkenntlichkeit die Be- «inten und Osficierc ein, die an den Specialstudien der hohen Versammlung Thetl nahmen. Meine Herren! . Im Augenblicke unserer Trennung fürchte ich tie Behauptung nicht (je ne erains pas daffirmer), daß der Kongreß sich um Europa wohl verdient gemacht hat. Wenn es unmöglich war, alle Aspirationen der öffentlichen Meinung zu verwirklichen, so wird doch die Geschichte in allen Fällen unseren guten Absichten (intentions), unserem Werke Gerechtigkeit zu Thetl werden lasten und bk Bevollmächtigten werden das Bewußtsein haben, in den Grenzen des Möglichen Europa die große Wohlthat des Friedens, der |o schwer bedroht war, »erschafft «nd gesichert zu haben. Dieses Ergebniß lann nicht verringert werden durch irgend welche Kritik, die der Partetgeist der

Arbeiten unter uns bildeten, die guten Beztebungen unter unseren Regierungen tärken und consoltdiren werden. Ich danke nochmals meinen Kollegen für hre Geneigtheit hinsichtlich meiner und indem ich diesen Eindruck der hohen Dankbarkeit bewahre, hebe ich die letzte Sitzung des Congreffes auf."

Berlin, 16. Juli. Dee Meldung verschiedener Journale, der Kron­prinz beabsichtige sich demnächst nach Homburg zu begeben, ist authentischer Jn- ormation zufolge unrichtig. Der Kronprinz wird Berlin, resp. Potsdam in keinem Fall verlaflen, so lange der Kaiser hier verweilen wird.

Berlin, 16. Juli. Für die Hinterbliebenen der mit demGroßen Kurfürst" Verunglückten sind bei der hiesigen Ceniralstelle bis zum 12. d. Mts. 69,652 Mk. eingegangen. Das Wilhelmshavener Hülfscomitä hat nach dem ersten, am 24. Juni d. I. abgeschlossenen Verzeichniß zu gleichem Zweck

Rtvac1io«Sbureai»r Gartenstraße B. 165.

GxpeditionSbnreaur Schulstraße 8. 18.

Spanien.

Madrid, 17. Juli. Das Begräbniß der Königin hat heute mit großer Feicrlichkett stattgefunden. Alle Stüatsköiper, auswärtigen Gesandten, Groß- Würdenträger und mehr als 4000 Personen wohnten demselben bet. Der Erz­bischof von Toledo mit neun Bischöfen las die Mesie. Der Bischof von Salamanca hielt die Grabrede.

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Aentschland.

Berlin, 14. Juli. Nach Unterzeichnung des Friedens-Vertrages schloß Fürst Bismarck gestern die Verhandlungen mit folgender französischer

Die Handelspolitik.

Wir werden die Krisis, unter der wir leiden, überwinden, und zu erhöh- Wohlstande, zu erhöhter Arbeitssreudigkeit von Neuem gelangen, wenn wir unseren Verhällniffen entsprechende Handelspolitik einschlagen, und durch diese begünstigt in Qualität und Preis unserer Fabrikate mit den ausländischen Erzeugnissen concuirtren können. Einem radtcalen und doctrinären Standpunkt wüsten sich praktische, mit der Industrie vertraute Männer gegenüberstellen. Wir wollen weder einseitigen Schutzzoll, noch einseitiges Freihandels-Princtp, es muß die gegebene Lage der Verhältniste einer wahrhaft nationalen Zollgesetz- -ebung und den Handelsverträgen zu Grunde gelegt werden. Unsere erste Aufgabe muß sein, das, was wir besitzen, uns zu erhalten und uns einer ein- fettigen Principienreiterei zu begeben. Im Handel und in der Industrie ist solche am allerwenigsten am Platze. Die Politik der freien Hand und des größtmöglichsten Wort Heils für uns und unser Volk hat die allei­nige Richtschnur zu bilden, unseren vorhandenen Bedürfntffen ist Rechnung zu nagen. Fortdauernden Veränderungen auf dem industriellen Gebiete der Welt muß von einer rationellen Handelspolitik Rechnung getragen werden. Einer Katastrophe, wie der Einführung des amerikanischen Prohibitiv-Systemes oder dir französischen Zuckergesetzgebung, mußten wir längst mit entsprechenden Mit­teln begegnen. Die Handelspolitik ist zu behandeln wie die Politik des Aus­wärtigen. Wie im auswärtigen Amte, so bringt auch die Leitung des Handels und der Industrie für jeden Tag ihre Sorgen, die zu tragen und zu bewälti­gen sind. Aber es gehören hierzu Männer, die Kops und Herz und specielle K-nntniß für die Sache und für die Nation haben. Weder die Handelskam­mern noch die technische Deputation zu Beilin sind die einzigen und wahren Vertreter der Industrie. Der Weg zwischen den Bedürfnissen des Lebens und den Bureaus der Ministerien ist zur Zeit ein zu weiter. Das deutsche Volk hat die Berechtigung, zum Schutze seiner Arbeit kompetentere Stimmen, kom­petentere Leiter zu fordern. Es hat das Recht, eine seinen logischen Verhält- msfen und Bedürfnissen entsprechende Zollgesetzgebung zu beanspruchen, und die Pflicht, Handelsverträge mit den concurrirenden Völkern sich zu beschaffen, die auf Gleichberechtigung beruhen. Es hat das Recht, zu fordern, daß kompe­tente Männer der Industrie gehört und ihr Urtheil berücksichtigt wird. Diese Grundsätze haben bereits die Nachbarn jenseits des Rheines zur Ausführung gebracht. Der jetzige französifche Minister für Ackerbau, Industrie und Handel verordnete bei Einberufung eines Oberrathes für Handel, Ackerbau und Indu­strie^ daß das Departement des Ackerbau- und Handels-Ministeriums nicht den Anspruch erhebt, über die größten Interessen des Landes zu verfügen, ohne in allen Abstufungen die Jnteressirten zu befragen. Wir haben unsere Arbeiten , iährt er fort,damit begonnen, daß wir die Handelskammern befragten, und mir müssen sie fortsetzen, indem wir den obersten Rath befragen. Dieser Rath wird das bestehende System in gewisser Beziehung verbessern können, aber er wird es gewiß nicht umzustürzen suchen. Er wird das Maximum und das Minimum andeuten, zwischen welchen stch die Zollsätze zu bewegen haben. Fast wie Ironie erscheint es, daß gleiche, leider in Vergestenheit gerathene Grundsätze schon 1808 in Deutschland proclamirt wurden. Der große Staats­mann, der das Reis zum Baume der Freiheit und der Größe Deutschlands pflanzte, Freiherr von Stein, verordnete unter dem 15. Januar des genann­ten Jahres, wie folgt:Keine Aenderung darf in Preußen im Accisensystem, ohne sachkundige Männer zuzuziehen, geschehen." Diesen Grundsatz müssen wir in unserer Handelspolitik berücksichtigen!

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Berlin, 17. Juli. Fürst Bismarck ist heute früh nach Kisstngen

^chgeliefert

Kirn

15,513 Mk. erhallen. n

Berlin, 16. Juli. DieProv.-Corresp." bringt einen Artikel, welcher zwischen dem Central-Wahl-Comits der national-liberalen Partei und den Mit­gliedern dieser Partei zu unterscheiden sucht. Die ,,Magd. Ztg." wird darin heftig angegriffen, aber doch die Nothwendigkeit betont, daß die Regierung und die liberalen Parteien gegen die socialistische Gefahr zusammenstehen müßten. DieNordd. Allg. Ztg." sagt: Frankreich stehe trotz der Cypern-Affaire nicht gegensätzlich zu England. Man besorge keine Störung des durch den Congreß besiegelten guten Einvernehmens. Der Kaiser wünscht den Reichstag selbst zu eröffnen. DiePost" sagt: Das Socialisten-Gesetz wurde dem Kron­prinzen unterbreitet. Gestern wurde zum ersten Mal eine christlich-sociale Versammlung polizeilich aufgelöst.

Berlin, 17. Juli. Die Berufung des Reichstags soll zum möglichst spätesten Termine, also zum 9. September, erfolgen. v. Bennigsen ist zu Besprechungen hier eingetroffen. Frankreich beantragt ein gemeinsames Vor­gehen der Großmächte in Konstantinopel wegen der türkischen Gräuel in Thessaüen.^^^ Der Kaiser kann bereits seine linke Hand zum Esten

gebrauchen. Das Gehen wird ihm immer leichter.

Hesterreich.

Wien, 11. Juli. Der Termin für das Einrücken in Bosnien ist noch immer erst annäherungsweise festgesetzt; er dürste in der auf den Schluß des Congreffes folgenden Woche beginnen. Wenigstens ziehen stch die bisher in Bosnien stationirten Truppen schon jetzt allmälig zurück, um der Occupations- Armee Platz zu machen. Inzwischen aber vollziehen sich die letzten Reste der Mobilisirung. Aus Pesth sind gestern zwei Gebtrgsbatterien donauabwärts zu­nächst nach Eflegg abgegangen und morgen folgen ihnen drei wettere Batterien, die aus den Wiener Arttllerie-Regimentern zusammengepellt wurden. Eine noch länger andauernde Verzögerung des Einmarsches könnte indeß durch die kolossalen Lebensmittel-Anhäufungen geboten werden, welche die einmarschirenden Truppen in das vollständig ausg^sogene Land bcgleitcn wüsten, insofern nicht blos der Unterhalt dieser Truppen, sondern auch der mit ihnen zurückkehrenden 150,000 Flüchtlingen sicherzustellen ist. Außerdem aber wird die Möglichkeit nicht außer Rechnung bleiben dürfen, daß den Bewegungen der Occupations-Armee in Bos­nien selbst Hindernisse bereitet werden; der Oberbefehlshaber, Feldzeugmeister Filippovic, wenigstens hat in einer Ansprache bei dem ihm in Prag dargebole- : nen Abschiedsbanket betont, wie nöthig Energie und Beharrlichkeit werden könn­ten, um einem etwaigenpassiven oder activen Widerstand" mit Erfolg zu begegnen." (Karlsr. Ztg.)

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^ Konstantinopel, 16. Jutt. Die Commission, welche sich nach dem Rhodopegebirge begeber? hat, besteht aus 16 Mitgliedern, Darunter der deutsche Consul Müller, der französische Consul Chalet, der italienische Consul Graziani und dir russische Botschcifts-Secretär Dasily.

Ans Bairut wird genieldet, daß eine große englische Gesellschaft Schritte gethan hat, um die Concession zum Baue von Eisenbahnen von Skutart nach dem persischen Golf Und nach dem mittelländischen Meere w erlangen.

Berlin, 17. Juli. DiePost" schreibt: Von maßgebender Seue verlaufet, die Reichsregierung beabsichtige, den Reichstag so spat als,mog ich . . Ar... «TH- -K Ft wirb . Beat Se. Mal. l er

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v,, ..... Gottes Hülfe dauernd bleiben wird und daß Kaiser d/n dringenden Wunsch, wenn irgend möglich, den Reichstag Person

die persönlichen und freundschaftlichen Beziehungen, welche sich während unserer zu eröffnen.

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