geplant werden — so werden wir, statt uns auszuschließen, hoffentlich die Einladenden sein, und dann wird die deutsche Industrie zeigen, daß sie sich gesammelt hat und daß sie wieder im Wettstreit mit den Besten um die Palme zu ringen versuchen darf." Wir haben dem Nichts hinzuzusetzen. Möge die von sachverständiger Seite kommende ernste Mahnung nicht ungehört verhallen, sondern bet Allen, die es angeht, die gebührende Berücksichtigung finden.
(N. Frkftr. Pr.)
Deutschland.
Darmstadt, 13. Mat. Das heute ausgegebene Regierungsblatt Nr. 6 enthält eine Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des Innern, das Maß- und Gewichts-Wesen betreffend.
Darmstadt, 14. Mai. Nach einer amtlichen Mittheilung ist die Ein« fuhr lebender Pflanzen nach Spanien wegen der Gefahr einer Einschleppung der Reblauskrankheit durch königliche Verordnung verboten worden.
Atatte«.
Rom, 14. Mat. Sicherem Vernehmen nach wird der gewesene Unter- staatssecretär Vannutelli bei der ersten Veränderung in den Nuntiaturen zum Nuntius ernannt werden. — Morgen wird der Papst den türkischen Gesandten, Bedros Effendi, und am Montag den französischen Botschafter, de Gabriac, empfangen.
Nußlaad.
Petersburg, 12. Mai. Die „Agence ruffe", welche gestern die Unmöglichkeit betonte, die Vorschläge zu kennen, deren Ueberbrtnger Graf Schu- waloff sein solle, da diese Vorschläge doch nur zwischen ihm und dem Londoner Cabtnet verhandelt worden sein könnten, führt heute aus, die Vorschläge könnten nothwendtgerwetse sich nur auf zwei Lösungen beziehen, welche die Frage gegenwärtig überhaupt vertrage: entweder auf die Zerstückelung und Theilung des ottomanischen Reiches oder auf eine Combtnatton, welche einestheils die Lebensfähigkeit der Türket, anderntheils die vollständige Unabhängigkeit der christlichen tributflichttg bleibenden Volksstämme von der türkischen Verwaltung sichere. Die „Agence ruffe" weist nach, daß eine derartige Lösung für die Türkei die vortheilhasteste, allein weise und gegenwärtig ausführbare wäre, und deutet an, daß um das Werk ernst und vollständig durchzuführen, das im Con- greß vereinigte Europa Oesterreich mit der Verwaltung Bosniens beauftragen müsse, wo eine Selbstregierung den Begs gegenüber unmöglich sei. Gerade weil England ebenso wie Rußland die Zerstückelung der Türket nicht wünschen dürfte, sei eine Verständigung mit England wünschens werth und möglich.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'« telegr. Torrespvndenz-Bureau.
Petersburg, 15. Mat. Das „Journal de St. Pötersbourg" und die „Agence ruffe" beobachten über die Mission Schuwaloffs ihr bisheriges Stillschweigen. — Die „Börsenzeitung", welche eine friedliche Richtung verfolgt, tritt den pessimistischen Anffaffungen anderer Journale hinsichtlich der Situation entgegen und legt die Grundlosigkeit der Befürchtungen dar, welche hervorgerufen wurden durch das ganz zufällige Zusammentreffen der Ankunft Schuwaloffs mit der Aufforderung der Gesellschaft für Ausrüstung einer Freiwilltgen- Flottlle zur allgemeinen Subscription, sowie mit der Ernennung der Commandanten der Küstengebiete von Kronstadt und Sweaborg. Die „Börsenzettung" bemerkt weiter: Wenn die Situation auch Vorsichtsmaßregeln erheische, so berechtige sie andererseits doch zu ernstlichen Hoffnungen auf Verständigung.
Washington, 14. Mai. Eine Depesche aus Havannah meldet: Ein Erdbeben in Venezuela tödtete 600 Menschen. In Caracas wurde eine heftige Erschütterung verspürt.
London, 15. Mat. „Standard" erfährt aus Hongkong, die britische Escadre in China sei nach Dokohama gesegelt, um die russische Flotte in den Gewäsiern von Japan zu überwachen.
Konstantinopel, 15. Mai. Die hiesige „Agence Havas" meldet: Totleben erklärte, er werde strenge Maßregeln zur Beendigung des Aufstandes im Rhodopegebtrge ergreifen, wenn die Bemühungen zu dessen Beschwichtigung erfolglos blieben. In Folge der Erhebung der Lazhen sollen die russischen Positionen bet Brtum bedrückt sein. Der russische Botschafter Labrnoff besuchte die Minister Sadyk und Savset Pascha; morgen wird derselbe dem Sultan seine Credittve überreichen.
* Paris, 15. Mal. Gestern Abend fand eine Explosion innerhalb einer im Centrum der Stadt gelegenen Amorcen-(Zündholz-)Frbrik statt; das Fabrikgebäude wurde gänzlich zerstört; die Zahl der beschädigten Personen if noch nicht bekannt, doch jedenfalls groß.
* London, 15. Mai. Gestern Abend brachen ernste Ruhestörungen in Blackburne aus. Eine große Masse von Strikenden durchzog die Straßen, warfen bte Fenster in den Hauptmühlen ein und zerstörten die vordere Seite des Hauses des Arbeitgebers Hornby. Letzterer wurde durch Steinwürfe verwundet. Das'Haus des Obersten Jackson, des Vorsitzenden der Acbeitgeber- assoziation, wurde in Brand gesteckt und gänzlich zerstört. Starke Abtheilungen von Infanterie und Kavallerie sind angekommen. Der Tumult dauert fort.
Wien, 14. Mat. Das „Fremdenblatt" giebt der Entrüstung Ausdruck, welche das Attentat auf den deutschen Kaiser allerwärts, bei allen Parteien, ohne Ausnahme hervorgerufen. Die Glückwünsche, welche seit vorgestern von Paris nach Berlin gesandt worden, bewiesen, daß die Franzosen aller nationalen Empfindlichkeiten zum Trotze einsähen, welch hohen Werth das Leben des deutschen Kaisers für den Frieden Europas habe. Besonders herzlich seien die aus Oesterreich nach Berlin gelangten sympathischen Kundgebungen. Dieselben bewiesen die tiefe, ungeheuchelte Theilnahme der Monarchie für das befreundete Nachbarretch. Oesterreichs Volk sehe in dem Oberhaupte der deutschen Nation nicht blos den Freund seines Kaisers, sondern auch den treuen, zuverlässigen Bundesgenossen.
Paris, 15. Mai. Ein brennender Gegenstand, welcher gestern Abend über der Ausstellung hinflog, verursachte das Gerücht von einem Brandstiftungsversuche an dem Ausstellungsgebäude. Es ist aber nachgewiesen worden, daß es sich einfach um ein Luftschifffahrts-Experiment gehandelt hat.
Rom, 15. Mai. Der Papst empfing in feierlicher Audienz den Gesandten des Sultans Bedros Effendi, welcher eine Ansprache hielt, die der Papst erwiderte. Sodann hatte der Gesandte beim Papst Privataudienz und besuchte den Staatssekretär Franchi.
Paris, 15. Mat. Unter den Trümmern des durch die gemeldete Explosion zerstörten Gebäudes in der Rue Beranger sind bisher drei Todte aufgefunden worden; mehrere Personen werden noch vermißt. Die Zahl der Verwundeten ist groß; .bei einer Anzahl derselben wurden bereits Amputationen vorgenommen. Der Polizeipräfect hat eine Verwundung des Schenkels und Brandwunden an der Hand erlitten.
Belgrad, 15. Mai. Auf Veranlassung des deutschen Generalconsuls Grafen Bray fand heute wegen der glücklichen Errettung des Kaisers Wilhelm ein Tedeum statt, welchem der Minister des Auswärtigen Ristic, die Adjutanten des Fürsten und sämmtliche hier beglaubigte diplomatische Agenten mit den bezüglichen Personalen beiwohnten.
Tiflis, 14. Mai. Der Schah von Persien ist hier eiugetroffen und eierlich empfangen worden; die Stadt ist geschmückt und wird Abends illuminirt.
Nokohama, 14. Mai. Der Minister des Innern, Okude, ist ermordet, der Thäler verhaftet worden.
Nom, 15. Mat. Der Papst hat nach dem Beispiele einiger seiner Vorgänger eine aus den Cardtnälen Bilio, Panebianco, Ferrieri, Franchi und Gianelli bestehende Commission ernannt, mit der Aufgabe, Notizen über die hervorragenden Geistlichen zu sammeln, welche nach AuSwahl zu Bischöfen in Italien ernannt werden können. In dem gegenwärtigen System der Ernennung ausländischer Bischöfe tritt eine Neuerung nicht ein. — In der Antwort des Papstes an den türkischen Abgesandten BedroS Effendi dankte er für die im Namen des Sultans ausgesprochenen Gesinnungen, wünschte dem Sultan Wohlergehen und dankte ihm für den Schutz und die Freiheiten der Katholiken in der Türkei. Schließlich sprach der Papst die Hoffnung aus, dieser Schutz werde aufrechterhalten und zum Wohle des Reiches erhöht werden. Bedros Effendi erhielt das Großkreuz des Gregor-Ordens.
London, 15. Mai. In Blackburne sind Vormittags neue Ruhestörungen vorgekommen. Zahlreichen Häusern wurden die Fenster etngeworfen. Truppen zerstreuten die Tumultuanten.
Lokal-Notiz.
Gießen, 16. Mai. Die Frist zum Umtausch der aufgerufenen Banknoten der Preußischen Bank zu Einhundert Mark bet den Zweiganstalten der R-ichsbank dauert nur noch bis zum 1. Juni ds. IS. 9tach diesem Tage erfolgt die Einlösung nur noch bei der Reichsbankhauptkasse in Berlin.
Vermischte-.
Au8 Hessen, 12. Mai. Wie man unS heute von zweifellos competenter Sette meldet, sind die früher bereits erwähnten Dammrutschungen und Erdschwemmungen auf der Theilstrecke Heimsfeld-Treysa der Berlin - Eoblenzer Bahn (im Kreise Ziegenhain in Ntederhessen, unmittelbar vor der Einmündung der neuen Linie in die Matn- Weserbahn) bis jetzt noch keineswegs als beseitigt zu betrachten. Obwohl tn deS Wortes vollster Bedeutung ganze Berge ausgeschachtet, bezw. aufgetragen worden sind, auch die Lücken sofort wieder ausgefüllt wurden, ist daS Uebel nur gewachsen: das große Triebsandlager bewirkt auf der Erdoberfläche andauernd wellenförmige Hebungen und Senkungen tn großartigem Maßstabe, so daß die ganze Gegend tn stetem Aufruhr bleibt. Die nothwendig gewordenen Mehrarbeiten sollen bereits eine Ausgabe von 500,000 JL verursacht haben; auch ist eS sehr wahrscheinlich, daß diese leidigen Uebel- stände die Inbetriebsetzung deS Theilstrecke Ntederhooe-Treyfa verzögern werden.
(Wes.-Z.)
— (Zuverlässige Statistik.) Was mit der Statistik geleistet werden kann, dafür bietet die Linnicher Ortsstattsttk der Pokenepidemte von 1870/71 cm treff:ndeS Beispiel. Gemäß derselben starben von den ungeimpft Erkrankten 100p$t., wahren^ von den revacctntrt Erkrankten nur 44p@t. dem Tode erlagen. Die Frage, wie dies Ergebniß herauSgerechnet wurde, beantwortet Dr. Oidtmann xole folgt: In Linnich starb von den vielen „angehauften ungeimpften 3nbtg(bucn* (des ersten Lebensjahres) nur ein einziges; und zwar war seine zw:tmal geimpfte Mutter die Ersterkrankte. Dies ergibt tn der amtlichen Statistik die blende Zahl von 100pEt. Sterblichkeit der un- geimpften erkrankten Einwohner; denn eines erkrankt und eines gestorben, macht nach Adam Ries« tn der That 100pCt. Sterblichkeit der Erkrankten. Das sucht man au8 BÜrgermetfterlisten heraus, um den Segen der Impfung zu beweisen. Und wiewohl in Linnich fast nur Reoaccinirte, und zwar neunmal mehr al« ungeimpfte, an Pocken erkrankt und ebenfalls fast nur Reoaccinirte, und zwar viermal mehr als Uigetmofte, an Pocken gestorben waren, so bringt die wundersame Statistik doch nur 41 pEt. Sterblichkeit der reoaccintrt Erkrankten gegenüber den 100pEt. Sterblichkeit der un- getmpft Erkrankten (1 : 1) heraus."
Höherer Blödsinn. Die Wiener „Adookaten-Zeitung' bespricht in sehr abfälliger Weise eine gewiffe Sorte von Mitgliedern deS dortigen Barreaus und führt verschiedene Thatsachen in dieser Beziehung an, aus welchen wir folgende scherzhafte Fälle mitthetlen. Einer der Verthetdtger dieser Sorte hatte einen Findling zu vertreten und platdirte auf Anwendung des MilderungSumstandes der vernachlässigten Erziehung und führte geistreich aus: „Mein Klient ist ein Waisenkind, denn theilwetse Haler seine Eltern verloren, theilwetse hat er sie nie besessen!' — Bei einem sensationellen Prozesse, wo eine ganze Familie, Vater, Mutter und söhne, vor den Geschworenen des verbrechens des Betruges durch Wechselfälschung schuldig gesprochen wurde, rief der Verthetdtger der Mutter tm Platdoyer zur Straffrage emphatisch aus: .Diese Frau hat nicht bloS Wechsel gefälscht, sondern sie hat auch Kinder geboren!" — Ein Italiener stand wegen thätltcher Wachebeletdtgung vor dem ErkenntnißgerichtShofe. Der Sohn des heißen Südens hatte das Unglück, in angeheitertem Zustande einen Wachmann ganz gehörig durchzuprügeln. Das BewetSoerfahren ergab zur Eotdenz, daß der Wachmann, Der mit geschwollener Wange als Zeuge erschien, ganz gehörig durch zeprügelt worden war, nur über die Zahl der Püffe, die er erhalten, herrschte keine beruhigende Gewißheit. Einige zuzugeden war der Italiener aufrichtig genug, andere jedoch stellte er tn Abrede. Der Verthetdtger — von der pathetischen Sorte einer — platdirte jedoch auf Richtschuldig, indem er ausführte, er wolle nicht um Hiebe feilschen. „Allein nicht mein Klient," rief er mit dem Aufgebot eines Pathos, das eines Demosthenes würdig gewesen wäre, „hat den Wachmann geprügelt, Utn Blut, das wallende, an der Gluth- sonne des Aetna gewärmte Blut, ist der Schuldige und, meine Herren vom hohen Gericht! es ist das nämliche Blut, das in den Abern Rifael Sanzio's rollte, eS ist dasselbe Blut, dem wir die unsterblichen Werke eines Michel Angelo verdanken" . . . .!
— (Ein eigensinniger Reisender.) Bon Stuttgart nach Ulm sind bekanntlich die Eisenbahnzüge immer stark besetzt. Als deshalb vor Kurzem ein solcher Zug in Eßlingen anlangte, suchte ein dort wohnender Herr für seine Frau einen Platz in einem Waggon zweiter Klaffe; endlich fand er einen solchen, allein auf demselben lag eine Reisetasche. Er wendete sich deshalo an den Herrn gegenüber und nun entspann sich folgender Dialog. .Mein Herr, wollen Sie nicht so freundlich sein, diese Tasche wegzunehmen?" — „Noi, mit’ guat's Herrle", erwiderte der Gegen- übersitzende, „des Täschle werd' i' net wegnehme." — „Sie nehmen sie nicht weg?" — „Not, Herrle, noi!" — „In diesem Falle wäre ich genöthigt den Eonducteur zu rufen" — „Rufet Sie mir den Eonducteur." — „He, mein Freund", sagte der nun herbeigeeilte Eonducteur, Sie müaßet doch so gut sein und des Täschle weznehme." — „Noi, sel thua i' net — i' nehm's net weg." — „Dann muaß i cba den Herr Ober-Eonducteur rufa." — „Meinet wega, rufat Sie den Herrn Ober-Eonducteur." — Der Ober-Eonducteur kommt mit Amtsmiene angesegelt: „Mir ist g'sagt worda," fing er an, „daß Sie des Täschle net wegnehme wolla." — ,,Ja, ja, es ischt au so, I nehm's almal net weg." — „Spaßet Sie net, i müaß' wahrhaftig den Herrn Polizeidiener rufa." — Es geschieht und der Wächter des Gesetzes naht sich mit martialischem Gesicht und raffelndem Säbel. „Mein Herr," beginnt er. — „Sie befehlet, Herr Wacht moischter?" — „I frag' Sie im Nama des Gesetzes, ob Sie des Täjchle net wegnehmm wollet?" — „Noi, Herr Wachtmoischter, des thua i net." — Allgemeine Bestürzung. „Aber, in drei Teufelsname, warum wollet Se denn des Täschle net wegnehme?" — „Ja, meiner Seel', weils net mein ischt — i werd' do a fremd'S Täschle net wegnehme — i bin ja koi Dieb."
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