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eine befreundete Macht und der Besetzung Konstantinopels durch feindliche Truppen, was eine Verletzung des Waffenstillstandes sei und Unruhe Hervor­rufen werde. England könne nicht zugeben, daß irgend eine Beziehung zwischen der Entsendung der Kriegsschiffe und dem Einmarsch der Russen bestehe. Letz­terer sei durch keinerlei militärische oder andere Nothwendtgkett geboten; seine Folgen könnten für die Bevölkerung Konstantinopels unheilbringend werden. Am 13. Febr. unterrichtete Derby den Botschafter Loftus über eine am selbi­gen Tage gepflogene Unterredung mit Schuwaloff; Derby erklärte diesem, die englische Regierung hoffe zuversichtlich, daß Rußland keine Truppenbewegung gegen Gallipoli machen werde oder eine solche, welche die Verbindungen der britischen Flotte bedrohen könnte. In England fände man, daß eine solche Bewegung bei der gegenwärtigen Lage der Dinge die Sicherheit der Flotte bedrohen könnte, und er (Derby) würde keine Verantwortung für die Folgen übernehmen, welche sehr ernst sein könnten.

London, 16 Februar. Einer Meldung desReuter'schen Bureaus" aus Konstantinopel zufolge haben die Ruffen am 15. b. die Redoute Sarnidie in der Verthetdigungslinie von Konstantinopel besetzt. Ein Telegramm der Times" aus Petersburg will wiffen, die türkischen Delegirten hätten seit Ein­treffen der britischen Flotte vor Konstantinopel die vollständige Autonomie Bul­gariens für unzulässig erklärt.

London, 16. Februar. Nach einer der Admiralität zugegangenen De­pesche ist das PanzerschiffRaletgh" am 13. Febr. an der Insel Rabbit, süd­lich von Tenedos, aus den Grund gerathen. Das Schiff lag gestern noch am Ufer, hat aber sonst keinen Schaden gelitten.

Italien.

Nom, 16. Februar. Das Requiem für Victor Emanuel wurde heute in sehr feierlicher Weise in der Pantheonkirche abgehalten. Es wohnten dem­selben die Minister, die hohen Würdenträger, die fremden Botschafter sammt dem Personal der Civil- und Militärbehörden bei. Die Truppen waren aus­gerückt. Börse und Kaufläden waren geschloffen.

Rußland.

Petersburg, 17. Februar. Aus Adrianopel vom 11. d. wird amtlich gemeldet: Ehe der Befehl hinsichtlich der Waffenruhe eingetroffen war, hatten die Truppen des Generals Zimmermann am 3. Baltschik, Koslundscha und Prawody besetzt. Nach Empfang der Nachricht von der Waffenruhe sendete General Zimmermann den Oberst Powalo-Lrchweikoffsky und den Capitän Hörschelmann nach Varna, wo dieselben seitens des Prinzen Haffan von Egypten freundlich ausgenommen wurden, obwohl dieser nur im Besitz einer halbofficiellen Nachricht vom Waffenstillstände war. Am 6., ebenfalls vor Empfang der Nach­richt von der Waffenruhe, besetzte General Tschenerposubow den Ort Hummurd- schina an der Küste des ägeischen Meeres und zwar zu derselben Zeit, als im benachbarten Hafen Karagatsch die Überreste der Armee Suleiman Paschas eingeschifft wurden; der General hielt Hummurdschtna 24 Stunden besetzt und ging danach hinter die Demarkationslinie in der Gegend von Mestanly zurück, nachdem er über Gallipoli und Konstantinopel ein Telegramm des Generals Schnitnikoff aus Tschorlu betr. die Waffenruhe erhalten hatte. Suleiman be­fand sich um diese Zeit in Gallipoli. Die behufs Feststellung der Demar­kationslinie nach Montenegro abgesendeten Osficiere Oberst Baron Kaulbars und Ordonnanz-Lteutenant Fürst Obolensky nahmen den Weg dahin über Konstantinopel, wo sie von den türkischen Osficieren und Behörden sowohl wie von der Bevölkerung auf das freundlichste empfangen wurden, sie machten im Kaik des Kriegsministers eine Fahrt aus dem Bosporus. Am 8. reisten dieselben von Konstantinopel wieder ab in Begleitung der zur Ausführung der Demarkation beorderten türkischen Osficiere.

Amerika.

New'Aork, 15. Februar. Bayard Taylor wurde zum Gesandten in Berlin, William Goodloe zum Gesandten in Brüffel ernannt.

Telegraphische Depeschen.

Wagners telegr» Eorrespondenz-Bureau.

Wien, 16. Februar. DiePoltt. Corresp." meldet aus Konstantinopel vom 15. d.: Die britische Flotte ankert seit gestern bei den Prinzeninseln. Ueber die Haltung der Ruffen coursiren widersprechende Angaben; doch ist Thatsache, baß die Ruffen den Vormarsch zur Besetzung der innerhalb der neu­tralen Zone und in unmittelbarster Umgebung Konstantinopels liegenden Post- ttenen begonnen haben und sich innerhalb des Weichsbildes von Konstantinopel einquartiren. Der Einmarsch in Konstantinopel scheint von dem Ergebniß der zwischen den russischen Armee-Commandanten und dem Sultan schwebenden Verhandlungen abzuhängen.

Demselben Organ wird aus Petersburg von heute telegraphirt, daß der Zeitpunkt des Zusammentrittes des Congreffes noch gar nicht zu fixiren sei, da die erforderlichen Vorbereitungen mit den in Adrianopel zu eröffnenden Friedens­verhandlungen Zusammenhängen und wohl zwei bis drei Wochen in Anspruch nehmen werden. Bei den täglich sich inniger gestaltenden Beziehungen zwischen der Pforte und Rußland, welche in einem lebhaften freundschaftlichen und per­sönlichen Depeschenwechsel zwischen dem Sultan und dem Kaiser von Rußland ihren Ausdruck finden, sei zu hoffen, daß das endgültige Friedens-Instrument zwischen Rußland und der Türkei bis zum Zusammentritt des Congreffes unter­zeichnet fein werde.

Das Abgeordnetenhaus beschloß mit 204 gegen 56 Stimmen in die Specialdebatte über den Zolltarif einzugehen. DerPolit. Corresp." wird aus Belgrad gemeldet: Hier herrscht Bestürzung über die geringe Berücksich­tigung Serbiens in den Friedensbedingungen. Der Metropolit hat den Czaren aus telegraphischem Wege um größere Berücksichtigung gebeten. Ristic geht nach Adrianopel, um mit Jgnatieff zu conserireu.

Die in den Abgeordnetenhäusern zu Wien und Pesth gestellten Inter­pellationen bezüglich der orientalischen Frage werden im Lause der nächsten Woche von den Regierungen beantwortet.

London, 17. Februar. Das PanzerschiffRaleigh" ist laut der Re­gierung zugegangener Nachricht wieder flott geworden, ohne Schaden genommen zu haben.

Wien, 17. Februar. DieMontags-Revue" glaubt zu wiffen, daß alle Mächte dem Congreffe zugestimmt hätten, nur Rußland weiche insofern ab, als es seinen Beitritt erst principiell in Aussicht gestellt habe. Oesterreich be-

schreite den Congreß mit dem festen Entschluffe, alle seine Jntereffen zu wahren und den allgemeinen Friedens-Interessen volle Rechnung zu tragen.

Petersburg, 17. Februar. DerAgence Russe" zufolge ging nach dem Hauptquartiere der Befehl ab, daß Gallipoli von den Russen nicht be­setzt werde.

Die griechische Angelegenheit ist folgendermaßen beigelegt: Die Türkei wird keine Schiffe nach dem Piräus, auch keine Truppen nach Theffalien und Epirus senden. Griechenland rüst seine Truppen zurück und wird sich ruhig verhalten. Die Mächte werden auf der Conferenz die Ansprüche und Rechte Griechenlands, sowie dessen Beziehungen zu den türkischen Griechen regeln.

DieAgence Russe" erklärt die mehr oder weniger beunruhigenden Angaben von Wiener Telegrammen russischer Journale, betr. das Verhältniß zwischen Oesterreich und Rußland, aus das Entschiedenste für unbegründet.

Konstantinopel, 17. Februar. Die britische Flotte ist nach Mon- dania (Moutania?), 40 Meilen von Konstantinopel entfernt, zurückgezangen, und zwar soll dieses auf Wunsch des Sultans geschehen sein. Namyk Pascha ist zurückberufen worden, somit nicht nach Avrianopel abgereist.

London, 18. Februar. Der DampferLudworth" stieß mit dem PaffagierdampferC- M. Palmer" in der Nähe von Harwich zusammen. Der letztere ging nach 10 Minuten unter. 14 Personen werden vermißt.

* Paris, 17. Februar.Le Temps" bestätigt die Nachricht von der in diesem Jahre zu erfolgenden Zusammenziehung der Territorial-Armee.

Papst Pius IX.

V.

Die Dogmatisirung derunbefleckten Empfängniß", die er allein, ohne vorher- gegangene conciliarische Berathung im Jahre 1854 vornahm, war die Einleitung zu dieserinfptrtrten" Thättgkett des Papstes. Hiezu gehörten besonders jene zahlreichen Heilig- und Seligsprechungen, an welchen kein früheres Pontificat so fruchtbar war wie dieses letzte. Aber hier wird nicht nur der Wunderglaube des Papstes bemerkbar; noch eine andere Sette im Charakter desselben tritt hervor, die besonders im Hinblick auf sein greises Alter mit tiefem Bedauern und mit Trauer über die Abwege der menschlichen Natur erfüllen muß: es ist dteS die Heiligsprechung jenes spanischen Groß- tnqutsitois, Peter von Arbuez, der Tausende von Menschen dem (Scheiterhaufen über­liefert hatte wegenKetzeret".

Der Geist, welcher Pius die Heiligsprechung jenes Blutmenschen eingab, war eS auch, der ihn die Encycltca sammt Syllabus vom Jahre 1864 verkünden ließ, durch welche die Gewissensfreiheit, alle Errungenschaften des Geistes und der Humanität, unsere ganze Ctvilisation verflucht und verdammt worden. Aber er begnügte sich nicht mit dieser allgemeinen Verdammung. Vier Jahre später griff er direkt das Gesetze gebungsrecht des Staates an, indem er ein VerdammungSurthetl über die konstitu­tionelle und freiheitliche Neuordnung in Oesterreich aussprach. Er verdammte jenes unselige Gesetz, durch welches eine unbedingte Freiheit aller Meinungen und Preßer- zeugntfse, des Glaubens, deS Gewissens und der Lehre festgesteüt wird, durch welches den Bürgern jedes Kultus die Erlaubnitz erthetlt wird, Unterrichts- und Erziehungs­anstalten zu errichten, welches den Katholiken auferlegt, auf ihren Gottesäckern die Leichen der Ketzer zu beerdigen, wenn diese eigene Friedhöfe nicht haben". Kraft seiner .apostolischen Autorität" erklärte PiuSdiese Gesetze sammt ihren Folgerungen alS durchweg nichtig und immerdar ungiltig" und entband die Katholiken von der Pflicht, denselben zu gehorchen.

Nichts erbitterte Pius so sehr als die Duldung, welche in katholischen Ländern anderen Religionsbekenntnissen gewährt wurde. Er nannte diese Duldung Unter- drückung der Freiheit der Kirche und erging sich hierüber in Ausdrücken, durch welche ein Mann in minder erhabener Stellung sich in anständiger Gesellschaft unmöglich machen würde. Die evangelischen Geistlichen nannte erLehrer der Gottlosigkeit" in ihrenteuflischen Hallen". Er sprach von den Häusern der Sünde, die es in R<nn gibt und fügte hinzu:Aber das will noch nichts sagen, es sind auch protestantische Kirch:n hier." Man habe, sagte er,der katholischen Religion Schutz, dn Vortritt und volle Freiheit versprochen. Lügei Es ist jetzt einem Jeden erlaubt, Lehrkanzeln der Pestilenz zu errichten."

In gleicher Weise wie gegen Oesterreich ging Pius auch gegen andere Staaten vor, in welchen der Grundsatz religiöser Duldung zur Geltung kam.

Hätte sich Pius damit begnügt, den Anspruch der Päpste des Mittelalters: die höchsten Schiedsrichter über die Staaten zu sein, nur in Allokutionen und Bullen zu er­heben, so hätte die heutige Welt wohl erstaunen müssen, aber sie hätte sich nicht zu be­unruhigen gebraucht über diese Umkehr zum 11. und 13. Jahrhundert Aber cs tour-e der ganze mächtige Organismus der Kirche aufgeboten, um mit Anwendung aller Mittel der neuen Zett und besonders jener durch die verfluchten Gesetze garantirten Freiheiten, den Anspruch des Papstes durchzuführen. Es wurde über Klrckenverfolgung geklagt, der religiöse Fanatismus geschürt, der Aberglaube benützt, um die Massen aufzuregen und mit ihrer Hilfe die angestrebte Macht zu erreichen und die Grundsätze der Humani­tät, die endlich in den meisten Staaten Europas zur Geltung gelangt, wieder zu Der Nichten. Der Papste prophezeite vor Massendeputattonen den Ausbruch der Revolution, den Untergang der Staaten, welche die Kircheverfolgten", welche dieneuen Sektirer, diese Söhne des Verderbens mit ihrem Schutze deckten." Von den Unterthanen des deutschen Kaisers, des Königs von Italien gebrauchte er die gröbsten Invektiven, erhob er die schwersten Anklagen gegen diese Monarchen.Seien Sie vertrauend und einig", sagte er einer deutschen Deputation,denn irgend ein Stein wird vom Berge herab­fallen und die Verse deS Kolosses zertrümmern." Ein anderes Mal sagte er von Deutsch­land, dessen Zertrümmerung er verkündet hatte:Das Kaiserreich eines anderen Nero ist zurückgekehrt. An einem Ort sitzt er mit der Lira in der Hand, ober mit lügen­haften betrügerischen Worten; er scheint in Glanz zu strahlen, indessen aber verwüstet und zertrümmert er. An anderen Orten erscheint er mit dem Eisen in der Hand, und wenn er nicht die Straßen mit Blut befleckt, so füllt er doch die Kerker, vervielfältigt die Exile, brandschatzt und während er brandschatzt, flucht er und reißt die Jurisdik­tionen durch Gewalt an sich." In einer Anrede wagte der Papst die gänzlich erfundene Behauptung wie eine Thatsache hinzustellen: Das deutsche Kaiserreich ziele dahin,die katholische Religion nicht allein aus seinen Grenzen, sonoern von der ganzen Oberfläche der Erde verschwinden zu machen, und um diesen Zweck zu erreichen, sehe es alle Mittel in Bewegung und gerade die gewaltigsten, härtesten und ungerechtesten, die ein un­sinniger Fanatismus eingeben kann." Die Ucbel der Kirche seien in Deutschland zwar alt, sagte er beim Empfang der deutschen Kolonie in Rom,aber so schlimm wie jetzt, wo der böse, harte, grausame Mann, den ich nicht zu nennen brauche, dort regiert, ist es noch nie gewesen." Auch mit Attila, der Gottesgeisel, verglich er den deutsche» Kaiser. Den König von Italien betitelte er: Holofernes und Absolon, Herodes unb; Goliath; die Mitglieder der italienischen Regierung: Wölfe, Diebe, Lügner, Kinder des Satans, Ungeheuer der Hölle, eingefleischte Dämone u. s. f. in endloser Reihe.

Eingesandt.

Einsender verfehlt nicht, Freunde des Zitherspieles auf den auf seiner Durch­reise hier concertirenden Zither und Blasharmontum-Künftler Herrn I Reichardt aufmerksam zu machen. Seine Virtuosität auf beiden Instrumenten, namentlich aber auf der Zither, ist eminent und erreicht seinen Höhepunkt in dem Vortrag deS Pariser Einzuasmarsches, während welchem wir eine Legion Tambours, secundtrt durch die Sa­lutschüsse mehrerer Batterien, und die Klänge des Marsches selbst vom leisesten plant«- eimo gesteigert bis zum forte an unserem Ohr vorüberrauschen hören.

Herr Reichardt, ein echter Baier, der sich in den Kämpfen bei Weißenburg und Wörth als guter Deutscher tapfer mit de» Franzosen herumgeschlagen und dafür Auf­zeichnungen erhalten hat, producirt sich in der Regel am Schluffe deS Concerts now alS Bauchredner und amüsirt das Publikum durch ergötzliche Gespräche, die er mit zwei fingirten Kriegskameraden über die Erlebnisse während des Krieges führt. Alles in Allem können wir den Besuch der Concerte dieses Künstlers auf dos Angelegent» ltchste empfehlen.

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