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Herrn Ministerialpräsidenten Schleiermacher und Weicker, welche über die ihat sächlichen Verhältnisse Auskunft geben, bemerkt Abg. Osann, in der Antwort der Regierung cuf die gestellte Interpellation sei eigentlich eine Antwort nicht zu finden und das Ministerium trete der Kammer hier als ein Delpht'sches Orakel gegenüber- Namentlich hält er die Beschlagnahme der im Besitze des Schuldigen Vorgefundenen Werthpapiere für keine genügende Sicherheit und ist für ein processualisches Vorgehen gegen den betreffenden Kassier. Redner betont die Nothwendigkett der Vereinigung der StaatSschuldenttlgungskasse mit der Hauplstaatskasse und spricht sich entschieden gegen das bei ersterer Kaffe eingehaltene Verfahren aus, wonach Vorlagen nur nebenbei ge führt werden und in den Hauptrechnungen nicht vorkommen. Minifterialpräsident Schleiermacher betont, datz das Ministerium überall da, wo sich ein Mangel der bisherigen Einrichtungen gezeigt habe, eine Remedur habe eintreten lasten. An der Debatte betheiligtm sich weiter die Abgg. Wadsack, Hirschhorn und Weith. Der Gegenstand wird sodann verlassen. Nach längerer Debatte wird sodann dte Vorlage der Regierung, die Weiterbewilltgunp der Besoldungen und Kanzleikosten für die Staats­schuldentilgungskaste bis zum 1. Juli 1878 betreffend, beschlossen.

Darmstadt, 16. Januar. Den hessischen Städtetag betreffend hat Oberbürgermeister Ohly nachstehende Einladung an dte Bürgermeister der Städte des Großherzogthums ergehen laffen:

Da es dringend geboten erscheint, die wegen der beabsichtigten Aenderung des Reichsgesetzes über den Unterstützungs-Wohnsitz im Sommer v. Js. bereits eingeladene, wegen eingetreteuer Htnderniffe damals aber ausgesetzte Versamm­lung von Vertretern hessischer Städte nunmehr alsbald abzuhalten, so Hobe ich meine Herren Collegen aus den größeren Städt des Landes auf Samstag den 26. d. Mts., Vormittags halb 11 Uhr, auf das Rathhaus dahier eingeladen. Ich lade hiermit auch die Herren Bürgermeister kleinerer Städte, welche sich den auf Abwehr schlimmerer Zustände gerichteten Schritten der größeren Städte des Landes anzuschließen beabsichtigen, zu dieser Versammlung mit dem Ersuchen ein, mir von ihrer beabsichtigten Theilnahme bis zum 24. d. Mts. Nachricht zu geben.

Aus Ikheinheffen, 16. Januar. Der Bischofs-Sitz zu Mainz konnte bisher nicht besetzt werden, da die Regierung sämmtliche präsentirte Candidaten (worunter die Mitglieder des Dom-Capitels) als nicht genehm bezeichnet hat, nachdem sich dieselben geweigert, eine Erklärung abzugeben, daß sie sich den Staats-Gesetzen unterwerfen würden. Die BulleAd dominici gregis custo- diam hat nicht vorgesehen, welches Verfahren einzuleiten ist, wenn die Regie­rung sämmtliche Präsentirte verwirft, und deshalb wird, da die Regierung selbst kein Jntereffe an der Beschleunigung der Wahl hat, die Stelle des Bischofs wohl längere Zeit vacant bleiben. (Fr. Journ.)

Berlin, 16. Januar. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses wurde nach kurzer Berathung der Antrag Krech's, betr. die Ablösung der den geistlichen und Schul-Instituten zustehenden Realberechtigungen, angenommen. Demnächst nahm Bachem das Wort zur Begründung des von der Centrums- Fraction gestellten Antrages, betr. die Marpinger Angelegenheit. Redner be­merkte: er wolle dahingestellt sein laffen, ob eine übernatürliche Erscheinung vorliege, oder ob eine Sinnestäuschung oder gar Betrug stattgefunden habe. Das sei für den Antrag vollständig irrelevant. Es handle sich nur darum, ob die Polizeimaßregeln gerechtfertigt gewesen seien. Redner führte nun im Sinne der Motive des Antrages aus, daß diese Maßregeln unrechtmäßig gewesen seien. Zur Debatte über den Antrag hatten sich 9 Mitglieder gegen und 6 für denselben gemeldet. Zunächst ergriff Minister Friedenthal das Wort zu folgenden Ausführungen: der Antrag richte einen Tadel gegen dte Regierung; diele erachte denselben in allen wesentlichen Punkten für unzutreffend. Die ein­geleitete gerichtliche Untersuchung sei abgeschloflen. Die Anklage gehe auf Be­trug, Aufforderung zum Aufruhr und Landfriedensbruch. Inwieweit diese Vergehen und Verbrechen vorlägen, werde das vom Gericht zu fällende Er- kenntniß, welches die Regierung abzuwarten habe, beweisen. Der Minister rechtfertigte alsdann das Verfahren bezüglich der Entsendung eines Berliner Geheimpolizisten.Die Marpinger Vorgänge erschienen als das Glied einer Kette von Dingen, welche dte Regierung als gemeinschädltch erachten mußte und dte zu einer Dolkskrankheit von bedenklichstem Charakter, sowie zu gefahr­vollen Störungen der öffentlichen Ruhe zu führen drohten. Das energische Einschreiten der Behörden war durch die Vorgänge an sich und durch einzelne agitatorische Unternehmungen dringend geboten." Der Minister beleuchtete ferner das militärische Einschreiten, indem er nachwies, daß der Commandeur der Truppen vollkommen gesetzlich gehandelt habe. Die vorgekommenen Ver­letzungen seien zu beklagen , seien aber nicht zu vermeiden gewesen. Daß mit Rohheit und einer gewiffen Freude vorgegangen worden sei, könne aus dem Thatbestand nicht hergeleitet werden. Die erlaffenen Polizeiverordnungen seien ebenfalls durchaus gerechtfertigt gewesen. Die Beamten hätten, wenn man das Ganze in's Äuge saffe, ihre Befugnisse nicht überschritten. Einzelne Ausschrei­tungen könnten auf dem Beschwerdewege aufgedeckt werden, die Bestrafung werde nicht ausbleiben, wo gravirende Dinge vorlägen. (Die einstündige Rede des Ministers wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen). Sello (gegen den Antrag des Centrums) rectificirte mehrere wesentliche Punkte in den Motiven des Antrages. Kaufmann (als Mttantragsteller für den Antrag) richtete hef­tige Angriffe gegen das Verfahren des Berliner Criminalbeamten v. Hülleffem. Lipke sprach gegen den Antrag. Nachdem darauf noch Windlhorst (Meppen) zum Schluß das Wort, genommen, wurde der Vorschlag von Schorlemer's, den Antrag an die Gemeinde-Commission zu verweisen, abgelehnt, und dem­nächst der Antrag selbst verworfen. Nächste Sitzung am Freitag.

Marburg, 15. Januar. Nachdem der wegen bekannter Vorfälle (Stiefelputzer"-Broschüre) nach Adelnau in Posen versetzte Landrath Mayer in Folge deffen sein Mandat als Landtags-Abgeordneter des hiesigen Kreises niedergelegt, sand heute eine Neuwahl für denselben statt, bei welcher der nationalliberale Rechtsanwalt Dr. Wolff hier 70, Landrath Mayer nur 37 Stimmen erhielt; sonach ist Ersterer gewählt.

IranLreich.

Paris, 16. Januar. In der heutigen Sitzung der Budget-Commission sagte der Finanzminister Leon Say, in Betreff einer Conversion der Rente be- sragt: Welcher Meinung man auch über eine solche Maßregel sein möge, man darf im gegenwärtigen Zustande Europas nicht daran denken, dieselbe zur Ausführung zu bringen. Zur Realisirung einer so bedeutenden Reform bedarf es sehr sicherer Bürgschaften für den Frieden außerhalb Frankreichs.

Rußland.

Petersburg, 16. Januar. Heute Vormittag wurde in der katholischen Katharinen-Kirche eine große Leichenfeier für Victor Emanuel abgehalten. Prin­zessin Eugenie, die Herzoge von Leuchtenberg, die Minister, dte Großwürden­

träger , die Hoschargen und das gejammte diplomatische Corps wohnten der­selben bei. Der Kaiser war durch den Prinzen Suwarow und den Grafen Adlerberg, beide Ritter des Annunciaten-Oroens, das Ministerium des Aus­wärtigen durch Baron Jomini und den Geheimerath Giers vertreten. Der Metropolitan-Erzbischof Fialkowsky hielt den Gottesdienst ab. Italienische -Länger trugen das Verdi'sche Requiem vor. Die ganze Kirche war schwarz ausgeschlagen und mit den Wappen des Hauses Savoyen geschmückt. Der italienische Botschafter Nigra und die Botschasts-Secretäre machten bei der Ceremonie die Honneurs.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr» Eorrespondenz-Bureau.

London, 17. Januar.Times" meldet aus Athen vom 16. d.: Das Cabinet beschloß gestern, keine feindlichen Schritte während der gegenwärtigen Unterhandlungen zu thun, aber im Falle dieselben scheiterten, den Krieg zu er­klären oder die Türket zu zwingen, unverzüglich den Krieg zu erklären.

Lord Beaconsfield wird heute die Politik der Regierung und Glad­stone sich wahrscheinlich an der Adreßdebatte im Unterhause betheiligen.

Konstantinopel, 16. Januar. Die türkischen Journale sind ange­wiesen, bezüglich Rußlands eine-gemäßigte Sprache zu führen. Das Journal Wahrheit" wurde wegen seiner Angriffe aus den Kaiser von Rußland unter­drückt. Nachrichten über das Bombardement von Eupatoria, Aalta und Anapa werden amtlich bestätigt. Das englische Stationsschiff ist nach Bargas abgesegelt, um sich der dortigen Consular-Agentur zur Verfügung zu stellen. Mehrere Dampfer sind gleichfalls nach Burgas gefahren, um die Bevölkerung an Bord zu nehmen und wegzusühren.

London, 17. Januar. In einem heute veröffentlichten Schreiben er- theilt Lord Stratford de Redcliffe den Rath, England solle wachsame Neutra­lität halten, bis die russischen Friedensbedingungen bekannt geworden seirn. Nach seiner (Stratford's) Ansicht werde Rußland seine vertragsmäßigen Ver­pflichtungen respectiren.

London, 17. Januar. Das Parlament wurde heute um 2 Uhr eröff­net. Die Thronrede weist zunächst darauf hin, daß die frühe Einberufung des Parlamentes den Zweck habe, Mittheilung von den Bemühungen um Beendigung des Krieges zu machen und den Rath und die Assistenz des Parlamentes zu gebrauchen. Sodann wird auf die Schritte der Pforte und Englands gegenüber Rußland aufmerksam gemacht, von denen ernstlich zu hoffen sei, daß sie zu einer friedlichen Lösung führen würden, die England bestens unterstützen werde. Bisher habe keiner der Kriegführenden die Bedingungen der britischen Neutra­lität verletzt. Die Regierung glaube, daß die beiden kriegführenden Mächte bereit seien, so weit wie möglich, diese Bedingungen zu respectiren. So lange dieselben nicht verletzt seien, werde Englands Haltung dieselbe bleiben. Es könne jedoch nicht verkannt werden, daß im Falle der Verlängerung der Feind­seligkeiten ein unerwartetes Ereizniß Vorsichtsmaßregeln nothwendig machen dürfte. Dies werde ohne Vorbereitung nicht möglich sein. Die Regierung vertraue, daß das Parlament in seiner Freigebigkeit Mittel zu diesem Zwecke bewilligen werde. Bezügliche Schriftstücke würden dem Parlament sofort zu­gehen. Die Beziehungen zu allen fremden Mächten seien fortdauernd freund­schaftliche.

Paris, 17. Januar In der Madeleine-Kirche fand heute ein Trauer- Gottesdienst für den verstorbenen König von Italien statt, dem General d'Alzac als Vertreter des Marschall-Präsidenten, ferner die Minister, viele Mitglieder des diplomatischen Corps, Senatoren, Deputirte und ein sehr zahlreiches Publi­kum beiwohnten.

Loudon, 17. Januar, Nachmittags. Der auf die auswärtige Politik bezügliche Passus ^der Thronrede lautet folgendermaßen:Ich habe es für geeignet erachtet, Sie vor der gewöhnlichen Periode zu versammeln, damit Sie von Meinen Bestrebungen, den Krieg im Orient zu beendigen, unterrichtet werden und damit Ich den Rath und die Unterstützung des Parlaments in der gegenwärtigen Lage der öffentlichen Angelegenheiten erhalten kann. ES ist Ihnen bekannt, daß, nachdem Ich ohne Erfolg bemüht gewesen bin, den Krieg abzuwenden, Ich Meine Absicht erklärt habe, die Neutralität in einem Conflict zu beobachten, den Ich bedauerte, den zu verhindern Mir aber nicht gelang, so lange die Jntereffen meines Reiches, wie sie von Meiner Regierung definirt wurden, nicht bedroht werden würden. Gleichzeitig drückte Ich Meinen ernst­lichen Wunsch aus, jede Gelegenheit zu benutzen, um die friedliche Lösung der zwischen den Kriegführenden obschwebenden Fragen zu fördern. Die von den russischen Waffen in Europa sowohl wie in Asien errungenen Erfolge brachten die Pforte zu der Ueberzeugung, daß sie bestrebt sein müsse, die Feindseligkeiten zu Ende zu bringen, die ihren Untertanen große Leiden verursachten. Die Regierung des Sultans richtete daher an die neutralen Möchte als Teil­nehmer an den auf das türkische Reich bezüglichen Verträgen einen Appell an deren gute Dienste. Es schien jedoch der Majorität der so angerufenen Mächte nicht, daß sie der Aufforderung nutzenbringend nachkommen könnten und sie teilten diese Ansicht der Pforte mit. Letztere beschloß hierauf einen separaten Äppell an meine Regierung und Ich willigte sofort darin ein, bei dem Kaiser von Rußland anzufragen, ob derselbe Friedenseröffnungen in Erwägung ziehen wolle. Der Kaiser drückte den ernstlichen Wunsch nach Frieden aus und er­klärte gleichzeitig seine Ansicht hinsichtlich des zu Erreichung deffelben einzu­schlagenden Weges. Ueber diesen Gegenstand haben zwischen den Regierungen Rußlands und der Türkei durch Meine guten Dienste Communicationen statt­gefunden, und Ich hoffe ernstlich, daß sie zu einer friedlichen Lösung der streitigen Punkte und zur Beendigung des Krieges führen möge. Meinerseits sollen keine Bemühungen fehlen, jenes Ergebniß zu fördern. Bisher hat, soweit der Krieg seinen Verlauf genommen, keiner der Kriegführenden die Bedingungen verletzt, auf welche Meine Neutralität begründet ist, und Ich glaube gern, daß beide Parteien dieselben zu respectiren wünschen, soweit es in ihrer Macht sein wird. So lange diese Bedingungen nicht verletzt werden, wird Meine Haltung sort- dauern, dieselbe zu sein. Allein Ich kann mir nicht verhehlen, daß, falls die Feindseligkeiten unglücklicherweise verlängert würden, irgend ein unerwartetes Ereigniß Mir auferlegen dürfte, Vorsichtsmaßregeln zu ergreifen. Solche Maßregeln könnten ohne genügende Vorbereitung nicht wirksam getroffen werden und Ich hoffe auf die Freigebigkeit des Parlaments, um die Mittel, die für jenen Zweck nothwendig sein dürften, zu bewilligen. Die Documente über diesen Gegenstand werden Ihnen unverzüglich vorgelegt werden. Meine Beziehungen zu allen fremden Mächten sind fortdauernd freundliche."

Die Thronrede erwähnt im übrigen, daß die Hungersnoth in Ostindien