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1878

Samstag, den 19. Januar

No. 16

Meßmer MWiger

Anfkize- uni

Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.

luden

Deutschland.

defekte betreffend, ein. Herr Mintsterialpräsident Schletermacher bezieht sich auf SAbra, ein Hare« ^tlb au« MWarmgen die Antwort, welche die Regierung auf die Interpellation bereits ertheilt habe und die bei uns übliche allzu spate Rechnungsstellung.

* Zur wirthfchaftlichrn Lage.

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Darmstadt, 13. Jan. Die zweite Kammer genehmigte in ihrer gestrigen Sitzuna zunächst die Anforderung der Regierung für Errichtung der Güterstationen bet den Haltestellen Ranstadt und Mittel-Gründau der Oberhessischen Eisenbahn, sowie für Errichtung einer Wasserleitung in dem Bahnhose Gießen und trat sodann in die Besprechung der Interpellation der Abgeordneten Schroeder und Genossen, die bet der Staatsschuldenttlgungskasse vorgekommenen Veruntreuungen und Kassen-

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. B o e k m a n n.

machen zu laffen.

Gießen, am 2. Januar 1878.

PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

süat bei, daß die gegen den betreffenden Beamten eingeleitete Administrativuntersuchung noch nicht habe zum Abschluß gelangen können und das Ministerium eine genaue Kennt- nitz des Resultates derselben noch nicht habe. Da er vollständig damit einverstanden ei, daß dieser bedauerliche Gegenstand offen verhandelt werden müsse und alle nur mölllich» Aufklärung dem Lande gegeben werde, so ersuche er den Abg. Welckcr, welcher die Untetfr|ung als Gowmlffär «.führt 6obr, vom Regierungstisch aus der Kammer eingehendere Mittheilungen zu machen. Da sich eine lange Reihe von Jahren bet der unter Controle der Stände stehenden Staatsschuldentrlgungskasse Anstande in der Kasseführung niemals ergeben haben, so habe das Ministerium in dem Glauben gelebt, daß bei dieser Kasse Alles in Ordnung sei. Bet Beseitigung der ausgewachsenen Rückstände der Havpistaatskasse habe sich ergeben, daß diese Kasse ein Guthaben an die Staalsschuldentllgungskosse im Betrage von 8,300 «X habe. Die Forderung der Rückzahlung habe bei den Beamten der Stoatsschuldentilgungk'kasse insofern Aufsehen erregt, aie man diesen Posten längst berichtigt geglaubt habe. Es habe dies Veran- lossuvg gegeben, nunmehr den belr.fferd.n The» der Koss.nsührung einer ginoueren Untersuchung zu unterziehen und es habe sich sofort herausgestellt, daß die größten Un- rrgelmäßigkeiten vorgtkommen seien, dadurch, daß in d«m Abrcchnungsbuch zwar überall die Zahlen richtig standen, im Hauptbuch aber, welches dem ganzen Geschäft der Kaste zu Grunde zu liegen habe, bedeutende Abweichungen vorgekommen seien. Das Fir.anz- ministerium habe sofort die geeigneten Maßregeln ergriffen, die Verhaftung des Schul­digen erwirkt, welche später auf Grund eines dessen Unzurechnungsfähigkeit bestätigen­den ärztlichen Zeugnisses wieder aufgehoben worden fei, und die Beschlagnahme seines Vermögens veranlaßt. Redner schildert eingehend den bei derSlaatsschuldttiLilgung^ koste bestehende Gefchäftsusus, wonach das sogenannte Abrechnungsbuch sich lediglich in der Hand des Kafsiers befindet und der Buchhaltung unzugänglich ist, deren Vor­gesetzter zudem der Kassier war. Ihn persönlich habe der Vorfall sehr schmerzlich be­rührt und er beabsichtige auch gar nicht, sich, soweit es seine frühere Mitwirkung bei

der Stoatsschuldentilgungskasse betreffe, weißer waschen zu wollen, als er es verdiene; er wolle nicht bestreiten, daß cs der Direction gar nicht möglich gewesen wäre, diese Irregularitäten zu ertdecken. Nehme man jedoch die Verhältnisse, wie sie gewesen, so werde man oaiin zu einem nachsichtigeren Uriheil kommen. Abgeordneter Schroder spricht der Regierung seinen Dank für die Offenheit aus, mit welcher sie diese bedauer-

i liche Angelegenheit behandelt habe. Redner geht des Näheren auf die einzelnen Fragen . der Interpellation, refp. deren Beantwortung durch die Regierung ein und gtebt ' namentlich der Hoffnung Ausdruck, daß ungesäumt alle rechtlichen Schritte gethan wer- den, daß die verfügte Beschlagnahme des Vermögens des Beschuldigten in eine wirt- : [tcbe Besitzergreifung übergehe, weiter verbreitet er sich über das Mangelhafte der sett- , her bestandenen Controlmatzregeln ur d fragte, wer eigentlich die Verantwortung sur ; richtige Kosseführurg habe. Geh. Odersteuerrath Welcker erklärt, daß, wenn der . Controleur sämmtltche Einnahmen, also auch die Vorlagen controlirt'Albenwürd^

man sofort die Unterschleife entdeckt hätte; da dieser jedoch nur für die Führung feine-

i Amtes verantwortlich sei, so sei der Rechner allein ersatzpflichtig- ®en"üon

Seite behauptet werde, das Vorgekommene sei geeignet, den Credit des hessischen Staates zu schädigen, so müsse er dies unter Hinweis auf die anerkannte Pflichttreue unserer Kassebeamten bestreiten. Abg. Kugler bedauert, daß üerade bei d^ Staatsschulden- trlgungskasse ein solches Vorkommniß möglich gewesen, bet einem^Institute, welche, dazu begründet sei, eine sichere Verwaltung des Staatsschuldenwesens öer^rzurufen. Die Einrichtungen seien so zu treffen, daß auch bei weniger pflichttreuen^Beamten. keine Veruntreuungen vorkommen können. Redner spricht sich namentlich überdie bei der Kasse bestehende sogenannte Controle höchst mißfällig aus, wobei das Abrechnungsbuch das einzige Buch gewesen, welches auf Treue und Glauben als richtig angenommen worden sei. Abg. Frank hält es für die Aufgabe der Drrection, eine fehlerhafte Dienstinstruktion zu beseitigen, widrigenfalls die Stellen der Direct^en nur Sinekuren seien. Aba. Wolfskehl gibt dem Erstaunen Ausdruck, daß nach der Antwort der Regierung Heer nicht ein mit Raffinement gesponnenes Netz von Unredlichkeiten vor- ltege, sondern einfach die Führung eines Abrechnungsbuches durch den Kassier, welches seiner Ansicht nach geeigneter durch die Buchhaltung geführt worden wäre. Das Hauptgewicht lege er darauf, daß dieses Abrechnungsbuch nicht der gleichen Controle unterworfen worden sei, wie die übrigen Handbücher. Was bei der kaufmännischen Buchführung sich als unbedingt richtig herausstelle könne auch bei der Buchführung im Siaatsrechnungswesen nicht unbedingt falsch sein, da beide nur den Hauptzweck haben, An klares Bili^ aller AcschchAtchen Vorfälle »u^ben. ferner ^d-rR-dner

Gartenstraße B. 165.

«KledittonSbirremrr Schulstraße B. 18.

Verlauf Ullfrcr Frank

rt Herr» e h och (($(.

2Öir bitten, wir nicht äufen, f0 rech- ß bestellter lc, l-zUche fowie feinere Mit nur einem des entlegneren

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[Qi'f überni^f Spedition in

Das vergangene Jahr war eines der schwersten Prüsungs- und EntLeh- rungs-Jahre, welche die Massen des Volks heimgefucht haben. Obwohl die den wirthschastlichen Ausschreitungen folgende Krisis schon im Jahre 1873 zum , Ausbruch kam, so berührte sie doch jahrelang vorzugsweise nur die Leute an , bm Börsen und hat erst seit 1875 auch den Groß- und Kleinhandel, die Fabrik- und Handwerks-Industrie und die handarbeitenden Klassen aller Länder tu Mit­leidenschaft gezogen. Die reicheren und mittleren Klassen, welche in den Grün- dungsjahren ihre Capitalien in Bank-, Eisenbahn-, Bergwerks-, Bau- und Jndustrie-Actieu angelegt hatten, wollten es lange Zett nicht glauben, daß sie wirklich ärmer geworden seien und sich einschränken müßten. Nach und nach haben sich die Naturgesetze des wirthschastlichen Verkehrs immer unerbittlicher geltend gemacht und zur Rückkehr zu der so vielfach verlassenen Ordnung ge- mahnt. Der Springfluth ist die Ebbe gefolgt. Was faul oder auf Sand gebaut war, mußte zusammeustürzen. Viele vorzeitig begonnene Bergwerks­und Eifenbahnbauten haben verlassen werden müssen; zahlreiche Fabriken blieben halbfertig oder wurden bald wieder außer Betrieb gesetzt. Hunderte von Bai ken und Actiengefellschasten sind bankerott und langsam vollzieht sich die Ernüchte­rung und Einschränkung der Unternehmer, die Zurückziehung der Kapitalien aus riskanten Geschäften in sichere Erwerbszweige und die Nuckstromung vieler Arbeiter aus den Städten nach dem Lande, aus den Fabriken m die kleinen Werkstätten der Handwerker. Huuderttausende von jungen Burschen, welche in hen Grüi dungsjabreu ihren Lehrherren davon liefen und trotzdem eine Zeitlang unverdient hohe Löhne erhielten, werden jetzt von Bauplatz zu Bauplatz, von Werkstatt zu Werkstatt als unbrauchbar verbannt und müffeu erst wieder an^ saugen, etwas Ordentliches zu lernen. Alle Welt muß sich wieder einschränken und dies wirkt wieder auf die Herstellung von Waaren zurück. Es ist offen­bar am bequemsten, die Gesetzgebung und das hartherzige Capital und die Unternehmer für alle diese Uebelstände und Entbehrungen, für Arbeiter-Ent­lassungen und niedrige Löhne verantwortlich zu machen, aber nützlicher ist es. den Ursachen der socialen Erscheinungen nachzuforschen und die harten That- fachen des Lebens verstehen zu lernen, anstatt sie zu beschimpfen. Wenn auch manche Unschuldige von der Krisis betroffen worden, so ist die Mehrzahl der Verluste doch nicht zufällig und unverdient. Auch das kleine Bürgerthum wollte seine bescheidenen Ersparnisse lieber 6 und 8 pCt. anstatt zu 4 pCt. verzinsen und förderte dadurch auch seinerseits den Tand um das goldene Kalb. Es ziemt daher allen Volkskreisen hübsch in sich zu gehen und nach kurzem Traume von raschem Erwerben und leichten Gewinnsten zu größerer Arbeitsam- leit und Sparsamkeit, zu Ordnung und Zucht zurückzukehren. Noch immer gilt Franklin's Wort:Aendert Euch selbst, so werden sich die Zeiten ändern l" _____________

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Betreffend: Das Ersatz-Gesckäft für 1878.

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tCriUkfle$ßir machen -ualeich darauf aufmerksam, daß diejenigen, welche die Anmeldung unterlassen, zu gewärtigen haben, daß sie mit einer Strafe bis zu 30 Mark^der mit Haft bis zu drei Tagen belegt, von der Theilnahme an der Loosuug ausgeschloffen und ihrer etwaigen Ansprüche auf Zuruckstellung rc. "Erlustig BeglichÄrjN-nigen Militärpflichtige», welche zur Zeit abwesend find, sind deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brod- und Fabrikherrn zu diesen An- "eld°"»^,^Aherz°glichen Bürgermeistereien des Kreises werden beauftragt, Vorstehendes in ihren Gemeinden noch besonders auf ortsübliche Weise bekannt

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