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18.9.1878
 
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Nr. 217. Mittwoch, den 18. September 1878.

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i Das Eisen und die Handelspolitik.

Viele Länder vermögen selbst bet den höchsten Zöllen so wenig ihren eige- Bedarf an Eisen selbst zu decken, wie wir die von uns gebrauchte Baumwolle im Jnlande ernten können. Wenn je ein Land durch seine natürlichen Anlagen berufen ist, eine mächtige Eisenindustrie zu schaffen, so ist es Deutsch­land. Unsere Eisenindustrie würde nicht den geringsten Schutz haben wollen, wenn sich das Ausland entschließen könnte, sie auf seinen Märkten frei concur- rtren zu lasten. Die Franzosen, Oesterreicher und Rusten wisten aber so gut wie wir selbst, daß ihre Eisenindustrie von der unsrtgen, wenn sie sich aus ihren Schutzwehren in's offene Feld hinaus wagen sollte, schnell und wuchtig zermalmt werden würde. Niemals werden daher diese Völker ihre Eisenzölle gegen uns gänzlich fallen lasten. Ob sie nicht wenigstens eine Zollermäßigung vornehmen werden, wenn wir andernfalls mit Retorsionszöllen aus Wein, Ge­treide, Spiritus, Vieh und Holz drohen, soll dahingestellt bleiben.

Wenn man auf Benennungen Gewicht legt, so ist die deutsche Eisenindustrie ihren vitalsten Jnteresten zufolge entschieden freihändlertsch. Sie will, daß überall Freihandel herrsche nur will sie nicht, daß Deutschland allein Freihandel treibe, während alle übrigen Länder hohe Zölle erhe­ben; nur will sie nicht, daß wir durch die Oeffnung unseres Marktes einen thatsächltchen Schutzzoll zu unseren Ungunsten denjenigen Ländern gewähren, welche uns nicht Gleiches mit Gleichem erwidern. Vielleicht nicht minder wichtig würde es sein, wenn wir auf Eisenerze einen möglichst prohtbitiv wir­kenden Ausfuhrzoll legen würden. Die Aufhebung des bis 1873 bet uns be­standenen Lumpenausfuhr-Verbots hat bekanntlich nur den deutschen Groß- Lumpenhändlern genützt, dafür aber die deutsche Papierindustrie auf den Aussterbe-Etat gesetzt und Tausenden fleißiger Arbeiter ihr Brod entzogen. Die Ausfuhrerschwerung von Eisenerzen durch Ausfuhrzölle vertheuert den Bel­giern und Franzosen ihr Rohmaterial, verringert ihre Concurrenzfähigkeit in der Eisenindustrie und wird sie am letzten Ende zwingen, uns anstatt der Eisen­erze unsere fertigen Eisenwaaren abzukaufen. Der Centner des aus Luxemburg zur Ausfuhr gelangenden Eisenerzes berechnet sich auf 12 Pfg., das ist nicht viel mehr als der hundertste Theil des Preises für einen Centner Stahl. Nach der Reichsstatisttk haben wir aus dem Zolltnlande im Jahre 1877 über 16 Millionen Centner Eisenerze ausgeführt, welche weit überwiegend nach Bel- gten und Frankreich gegangen sind. Die Absperrung der billigen und bequemen Bezugsquelle ihres Rohmaterials würde einer der empfindlichsten Schläge sein, welche der belgischen und französischen Eisenindustrie zugefügt werden können. Vielleicht schilt man eine solche Handelspolitik, wie sie hier vorgeschlagen wird, als altfränkisch, feindselig und engherzig. Derartige Vorwürfe wird aber das deutsche Volk eher ertragen, als die Lobsprüche, welche ihm jetzt wegen seiner freisinnigen" Handelspolitik vom Auslande dargebracht werden. Bester man beneidet uns trotz unserer Thorheit, als man lobt uns wegen unserer Weisheit; bester die deutsche Industrie hätte die Rolle der nordamerikantschen oder fran­zösischen zu Philadelphia gespielt, als daß sie dort ihr Sedan gefunden; bester sie erregte jetzt zu Paris die Bewunderung der ganzen Welt, als daß sie zu Hause bleiben muß; endlich bester, daß unsere Jndustie für gut und unsere Han­delspolitik für schlecht, als daß unsere Industrie für schlecht und unsere Han­delspolitik für gut gilt. Es ist richtig, daß eine thatkräftige Zollpolitik kein Act besonderer Gefälligkeit gegen die übrigen Völker ist. Aber geschah es, um uns zu gefallen, daß England sich einst die Navigaticns-Acte gegeben, daß es früher sich selbst und jetzt seine Colonien absperrt? Ist es ein Beweis auf­richtigen Wohlwollens, daß Rußland, Oesterreich und Frankreich sich unsere Fabrikate fern zu halten suchen, und ist es nicht ein bloßes Danaergeschenk, welches die Franzosen uns durch die titres daequits ä caution gewähren? So lange wir unsere Grenzen allein verthetdtgen, unsere Schlachten allein schlagen, unsere Steuern allein zahlen, unsere Schulen allein unterhalten müssen, so lange wir eine eigene und freie Nation sein und bleiben wollen, werden wir auch eine nationale Handelspolitik treiben müssen.

Deutschland.

Darmstadt, 16. Septbr. Se. Königl. Hoheit der Großherzog in Be­gleitung der beiden Flügeladjutanten, Hosmarschall Oberst v. Westerweller und Major v. Herff, begaben sich heute früh zu den Manöver» der Großherzogl. Division nach Alsfeld und werden im Laufe des Tages wieder hierher zu­rückkehren.

Berlin, 15. Septbr. Zur Frage der Wiedereinführung der Wucher­gesetze wird derMagd. Ztg." aus Weimar geschrieben:Es ist schon öfter davon die Rede gewesen, daß beim Bundesrathe die Wiedereinführung der sog. Wuchergesetze in Anregung gebracht worden. Wie ich zu wtffen glaube, ist ein in dieses Gebiet einschlägiger Antrag von der diesseitigen Regierung eingebracht worden. Veranlaßt ist dieser Schritt besonders durch den im Eisenacher Ober­lande zum Schaden der bäuerlichen Bevölkerung wahrhaft freventlich getriebenen Wucherunsug und die daraufhin eingegangenen Gesuche der Beztrksverwaltung. Daneben haben freilich auch ultramontane und protestantische Orthodoxe nicht

ermangelt, die Wucherei herzloser Handelsleute zu Angriffen auf die Libe­ralen rc. auszubeuten. Der Bezirksausschuß hat in seinen Anträgen die Regie­rung ersucht, beim Reiche dahin wirken zu wollen, daß: 1) Bauern und kleinen Handwerkern die Wechselfähiqkett entzogen, 2) das Bundesgesetz vom 14. Nov. 1867 bezüglich der vertragsmäßigen Zinsen aufgehoben und ein Maximal- Zinsfuß von 6 pCt. für Ntchtwechselfähige festgesetzt werde, 3) die ctvilrecht- liche Unverbindlichkeit wucherischer Geschäfte und deren strafrechtliche Verfolg­barkeit ausgesprochen werde. Ob die Regierung all' diese Anträge oder nur einen Theil derselben zu den ihrigen gemacht, ist noch nicht bekannt."

Zur Präsidentenwahl beklagt sich das hiesige Organ derCentrums­fraktion" darüber, daß man selbst in dieser Legislaturperiode derstärksten" Fraktion, dem Centrum, keine Vertretung im Präsidium des Parlaments habe zu Theil werden lassen, und meint, essei zum Gedächtntß der Nachwelt wieder einmal auf die formellste Weise constatirt worden, daß im neuen Deutschen Reiche die Katholiken vollberechtigte Bürger sind, wenn es sich um Steuerzahlen und um Kriegsleistungen handelt, daß sie aber an manchen Stellen als Deutsche zweiter Claffe betrachtet werden, sobald es sich um die Geltendmachung anderer Rechte handelt." Wie lächerlich unwahr l Weiß denn das Blatt der Herren Wtndthorst und Schorlemer nicht, daß sogar der Präsident des Reichstages ein Katholik ist?

Hcsterreich.

Wien. Diealbanesische Liga" hat sich in der letzten Zett erheblich verstärkt und sollen nicht weniger als 13O,OO(b(?) mit Martini-Gewehren be­waffnete Albanesen und andere Muhamedaner des Winkes der Pforte gewärtig sein, um sich auf den von ihr bezeichneten Feind zu stürzen. Sie haben dem bosnischen Aufstande schon beträchtliche Unterstützung zugewandt und sie sind noch im Besitze der 29 Kanonen, die sie, wie man sagt, nicht ohne Wiffen Hafiz Pascha's von Serajewo weggesührt haben. Dieser sehr zweideutige General soll bis zum letzten Augenblick den Bosniern nützliche Anweisungen und Rathschläge erthetlt haben. Die albanesische Liga besteht heute aus drei Haupt­gruppen. Die erste, die ihren Sitz in Prtzrend hat, wo sich auch das ständige Comtte der muselmänischen Begs befindet, bereitet die Verthetdtgung des Bezirkes von Novibazar vor. Jetzt befinden sich nur fünf Bataillone regulärer Truppen zwischen Novibazar und Mttrovttza; aber nach Versicherungen unterrichteter Persönlichkeiten sollen 25 Bataillone Baschtbozuks genügen, um die stärkste Armee in Schach zu halten und den Engpaß siegreich zu vertheidtgen. Nur vom serbischen Gebiete aus wäre das Eindringen nicht schwer. Im Seras- kierat spricht man ganz laut, daß das in Kossowo zu bildende Lager eine Vor­sichtsmaßregel gegen die Oesterreicher ist, die, wenn sie einmal in Mttrovttza wären, leicht versucht sein könnten, einen Abstecher von Salonichi zu machen. Das Lager zählt bereits 25 alte Bataillone von Hafiz Pascha und andere Bataillone sollen unverweilt von Konstantinopel dahin gesandt werden. Die zweite Gruppe der albanesischen Liga hat ihren Sitz in Janina und hält sich bereit, gegen die Griechen zu kämpfen, wenn diese einen Aufstand versuchen oder die griechische Armee in Epirus oder Thessalien etnfallen sollte. Die dritte Gruppe endlich hat ihren Hauptsttz in Salonichi und in Macedonten Unterab- theilungen. Diese Gruppe hat den Aufständischen im Rhodope-Gebirge ein zahl­reiches Kontingent geliefert und es steht fest, daß die dem aufständischen Bezirke zunächst gelegenen Städte auf Befehl des Prizrender Comites eine gewisse Anzahl Leute für den Aufstand zu stellen gehalten sind. Etwas nördlicher stehen Baschi- bozuks, deren Führer wiederholt einen Angriff auf die Ruffen in Kustettdil unternehmen wollte und sich nur durch einen ausdrücklichen Befehl der Pforte davon abhalten ließ. Die Führer der Bewegung kündigen übrigens eine all­gemeine Erhebung aller Muselmänner Macedoniens und die gleichzeitige Wieder­aufnahme der Feindseligkeiten im Rhodope-Gebtrge an.

England.

London, 14. Septbr. Es ist Befehl ergangen, dieEurydtce" aus­einander zu nehmen. Der Hilfsfonds für die durch den Untergang der Princeß Alice" in Noth Gerathenen beträgt bereits 12,000 L. Eine ganze Reihe von Damen, nicht nur in London, sondern in Manchester, Birmingham, Bristol, Edinburgh und anderen entlegenen Städten, haben sich bereit erklärt, Waisen an Kindesstatt anzunehmeu.

London, 15. Septbr. Nachrichten aus Cairo bestätigen, daß Wilson nunmehr den Posten des Finanzmintsters mit Bewilligung Englands definitiv übernommen hat; zum Minister für Bauten und Landwirtschaft würde ein Franzose ernannt. Es heißt, daß die von Wilson abgeschlossene Anleihe genü­gen würde, um die localen Schulden, insbesondere die Rückstände an Beamte und Unternehmer zu regeln, sowie die Einlösung des nächstfälligen Coupons der untficirten Schuld zu sichern. Die Minister Nubar und Riza Pascha haben alle Steuererheber nach Cairo berufen und denselben unter Darlegung der ein­getretenen Veränderungen im Beisein von europäischen Beamten die Anweisung erthetlt, daß künftighin keinerlei andere Befehle als die vom Ministerium aus- gegangenen befolgt werden dürfen.