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18.8.1878 Erstes Blatt
 
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1878.

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Nr. 191. Zweites Blatt Sonntag, den 18. August

Kichener "Anzeiger

Anrcigk- m!> AmtsdlM für iren Kreis Gießen.

Siebenen.

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Aotilischer THeit.

Wochenübersicht.

Die Kur des Kaisers in Teplitz macht dauernd erfreuliche Fortschritte.

Bezüglich der Kissinger Verhandlungen ist man nach wie vor auf Ver« muthungen angewiesen. Nur soviel ist sicher, daß die Besprechungen nicht ohne Resultat geblieben sind, während kein Anzeichen dafür vorltegt, daß diejenigen Schwarzseher, welche alsbaldCanossa!" ausrtefen, im Rechte bleiben sollten Baldige Klarstellung wäre dringend wünschenswerth. Die Konferenz der Finanz- Minister zu Heidelberg ist am 8. d. geschlossen worden. Worauf das dort erzieltevollständige Einverständniß in Betreff der Steuerreform" sich bezieht, theilt derReichs-Anzeiger" nicht mit.

Ju Berlin starb der Wirkliche Geh. Oberregierungsrath Dr. jur. Franz Förster im 60. Lebensjahre. Sein Tod bezeichnet für das Ministerium der geistlichen u. s. w. Angelegenheiten, bet welchem er Dtrector der geistlichen Abthetlung war, einen schmerzlichen Verlust.

Bei den zahlreichen Stichwahlen zum Reichstage hat sich unwiderleg­lich herausgestellt, daß die ultramontane Partei, wo dies in ihrer Hand lag, jedesmal ru Gunsten der socialdemokrattschen entschieden hat und umgekehrt. Der Reichstag ist auf den 9. September einberufen.

Der Fehler der österreichischen Regierung, ohne vorherige bestimmte Abmachungen mit der Pforte, in Bosnien etnzumarschtren, hat sich schwer ge­straft. Man hat so allerdings die fatale Alternative, entweder die Hoheitsrechte des Sultans ausdrücklich anzuerkennen, oder sich direct in Gegensatz zu denselben zu setzen, umgangen, aber die großen Schwierigkeiten und die nicht zu unter­schätzenden Verluste bei der Besetzung entfallen dadurch ausschließlich unter die eigene Verantwortlichkeit. Die österreichischen Truppen haben mehreren Tau­senden, noch durch Redtfs verstärkten, Aufständischen eine Niederlage bei Zepce bngebracht und sind dann mit der Hauptcolonne am 10. d. von dort auf bei­den Ufern der Bosna weitergerückt. Am 8. d. hat eine andere Division 5000 Aufständische bei Jaice geschlagen, drei Geschütze erbeutet und Jaice selbst besetzt. Während somit die Truppen langsam vorrücken, will der Fürst von Montenegro die hervorragenden Häupter der Bevölkerung der Herzegowina in Grahowo zu einer Berathung versammeln. Obgleich diese Berathung gewiß nicht in einem Oesterreich freundlichen Sinne erfolgen wird, so hofft man doch, daß es diesem gelingen werde, die bosnische Angelegenheit zu localisiren und in Neu-Oesterreich" geordnete Zustände herzustellen.

Der Nationalrath in Bern hat die vom Bundesrath beantragten 672 Millionen Francs Bundeszuschuß für die Gotthardbahn mit 69 gegen 36 Stimmen genehmigt. Auf diesem Wege werden die Schwierigkeiten, welche die Kantönchenspolttik dem großen Unternehmen noch in letzter Stunde bereitet hatten, beseitigt wenn nicht etwa dasVolk", dessen Abstimmung schließlich die Subventtonsfrage doch noch unterliegen wird, abermals sein Veto einlegt.

Die belgische Deputirtenkammer hat den Gesetzentwurf, betr. die Bil­dung eines Ministeriums des öffentlichen Unterrichts, mit 63 gegen 50 Stim­men angenommen. Die liberale Majorität bewährt sich.

Die durch Francht's Tod erledigte Stelle des Staatssecretärs bei der römischen Kurte ist durch Cardinal Nina (geb. 1812, zum Cardinal ereilt 1877) neu besetzt worden. Derselbe hat in einem an die Nuntien gerichteten Rundschreiben den Antritt seines Amtes notificirt und Jenen ein kluges Ver- h ilten empfohlen, um gegenüber den Staatsregierungen keine unnützen Ver­legenheiten hervorzurufen. Die liberale italienische Presse hat sich von Anfang an mit großem Mißtrauen über die Kissinger Verhandlungen ausgedrückt. Das stärkste nach dieser Seite hin leistet derEmancipatore Cattolico", das Organ der national-katholischen Kirche in Neapel, welcher Bismarck's und Deutschlands Untergang als Folge der Verhandlungen voraussehen will. Natürlich fehlen jedoch ihm ebensogut positive Anhaltspunkte zur Beurtheilung der Lage der Sache wie uns.

Die englische Regierung hat sich nun entschieden, einen Theil der in­dischen Truppen unmittelbar nach dort zurückzusenden. Für ein umfangreiches Winterlager auf Cypern hat man einen geeigneten Platz bestimmt.

Eine Schaar Aufständischer, die sich in Navalmoral in der spanischen Provinz Caceres in Estremadura gezeigt hatte, ist auseinandergesprengt worden. 19 Aufständische wurden gefangen eingebracht, 4 Gensd'armen, die in die Hände derselben gefallen waren, wieder befreit.

Deutschland.

Berlin. Die Präsidentenwahl im Reichstage dürfte diesmal nicht so glatt abgewickelt werden, wie in den früheren Sessionen. Bekanntlich war es nach Bildung der Centrumspartei sowohl im preußischen Abgeordnetenhause, als auch im deutschen Reichstage Usus geworden, diese Partei grundsätzlich von der Präsidentenwahl auszuschließen. Ein solches Verfahren ließ sich, so lange die beiden liberalen Parteien die unbestrittene Majorität inne hatten, wenn auch nicht rechtfertigen, so doch durchführen, jetzt aber, wo die Centrumspartei und ihr sonstiger Anhang numerisch die stärkste Partei im Reichstage fein wird, Dauben wir nicht, daß das früher beliebte Verfahren gegen diese Partei noch länger aufrechterhalten werden kann. Recht und Billigkeit fordern, daß aus

der Mitte der Centrumspartei mindestens der erste Vicepräsident hervorgeht die Partei wird sich damit auch gewiß bescheiden und Herrn v. Forckenbeck als ersten Präsidenten einstimmig wiederwählen. Es werden auch bereits Stimmen laut und zwar nicht blos aus der Centrumspartei welche sich über das bisherige Verfahren mißbilligend äußern, so daß Aussicht vorhanden ist, »s werde sich in dem neuen Reichstage, der ja an frühere Fraktionsbeschlüsse nicht gebunden ist, auch Über diesen Punkt leicht eine Einigung herbeiführen lassen, um so mehr, als Herr v. Forckenbeck ausdrücklich erklärt haben soll, er würde nur dann sich zur Annahme des Präsidiums bereit erklären, wenn seine Wahl mit sehr großer Majorität erfolgt- Nun, der Stimmen des Centrums ist Herr v. Forckenbeck sicher, wenn sich die nationalliberale Partei zu einer Concesston nach der erwähnten Richtung bereit erklärt, andererseits dürfte die Präsidenten­wahl diesmal leicht auf einige Hindernisse stoßen.

Berlin, 15. August. Abgesehen von Berlin und einigen anderen großen Städten ist die Zahl der bei den diesmaligen Wahlen abgegebenen socialdemo­kratischen Stimmen fast überall heruntergegangen, so daß im Allgemeinen für ganz Deutschland eine Abnahme zu conftatiren ist. Am 10. Januar 1877 wurden für die Socialdemokraten 493,288 Stimmen abgegeben, am 30. Jul, 1878, selbst nach der Berechnung der socialdemokratlschenBerl. Fr. Pr.", die unserer Ansicht nach zu hoch greift, höchstens 450,000. Das socialdemokratssche Blatt, welches den Rückgang erkennt, will denselben dadurch erklären, daß dies­mal nur in 29 greifenofficielle" Candidaturen aufgestellt worden seien, wäh­rend es im vorigen Jahre deren 41 gegeben hätte. Weiter wird dann die schöne, aber wenig saaende Phrase gebraucht:Während es sich bei den Wahlen am 10. Januar 1877 um die Constatirung unserer äußeren Macht handelte, konnte es sich bei den Wahlen am 30. Juli d. I. nur um die Erprobung unserer inneren Festigkeit hanteln."

Baden. DieKraichgauer Ztg." theilt ein heiteres Wahlcuriosum mit, nämlich eine für die Stichwahl im Wahlkreise Karlsruhe zwischen Freiherrn v. Marschall (deutsch confervatw) und Professor Eisenlohr (nat.-lib.)ganz ver­traulich" erlassene, bei I. I. Reiff in Karlsruhe gedruckteInstruction für die Vertrauensmänner der deutsch-conservativen Partei", welche u. A. folgende Wei­sungen enthält:Unsere Gegner sind vor und während der Wahl sorgfältig zu überwachen, alle Unzulässigkeiten genau durch sichere Zeugen festzustellen und aufzuzeichnen. In der Anlage erhalten Sie ferner eine Anzahl Flugblätter über die Tabakssteuer, welche Sie von Haus zu Haus verbreiten wollen. Fer­ner ein rothes Plakat, welches sofort, nachdem ein liberales gelbes Plakat für Herrn Eisenlohr angeschlagen wird, in unmittelbarer Nähe desselben angeheftet werden muß; es ist Sorge zu tragen, daß dasselbe nicht abgerissen und wenn dies geschehen, sofort ergänzt wird. Sollte in ihrem Orte von liberaler Seite auch noch ein weißes Plakat, welches für die Arbeiter berechnet ist, angeschlage-i werden, so bitten wir dringend, beifolgenden rothen StreifenGelogen!" wel­chen Sie auch bei sonstigen liberalen Plakaten getrost anwenden können, darüb r kleben zu lassen."

Lokal-Notiz.

Gießen, 17. August. (Sitzung der Stadtverordneten am 15. August.) Zufolge Rescripts Großh. Kreisamts werden in die Expropriatios-Commijsion für daS Gelände ves Lederhändlers Herrn Zöller die Stadtverordneten Hoch und Wortmann, sowie das Ortsgerichtsmitglied Fr Müller II., erwählt. In die Commission zur Feststellung der Jahrmärkte für 1880 werden die Herren Scheel und Grüneberg deputirt. Betreffend das Bau-Gesuch des Bierbrauers Herrn Chr. Lony wird ein Antrag der Bau Deputation angenommen wonach die Stadtverordneten die Ausführungen Großh. Ministeriums acceptiren und das betr. Baugesuch im Princip genehmigen, wenn für die Folge an beer. Stelle in fortlaufender Linie gebaut wird. Der Schoorgraben solle dann im Ganzen von der Stadt überbaut und von den Bauenden später der jeweilige Ersatz zurückerstattet werden. Das Baugesuch speciell anlangexd, so liegen die Pläne der Versammlung nicht vor. Es soll jedoch varauf gesehen werden, daß die zu er­richtenden Gebäude nicht zu unansehnlich seien. Da Herr P h. Kreiling die ihm von der Stadt auferlegte Baulinie acceptirt wird heute sein Baugesuch endgiltig erledigt. Herr Gärtner Georg will in seinem Garten ein Treibhaus erbauen und werden die Pläne genehmigt. Desgleichen wird ein Gesuch des Herrn Balth. Strauch gutgeheißen, welcher eine Einfahrt an seiner Scheune anlegen will. Der neu gegründeten Schützengesellschaft konnte heute der Schießplatz der alten, verloren gegangenen, noch nicht überlassen werden, indem erst die Bau- Deputation über verschiedene Anstände Augenschein nehmen will. Die Oktroierheberstelle am Seltersthor ist durch die Räumung des Thorhauses einigermaßen beschwerlich geworden. Der betr. Octroterheber machte in einem Schreiben geltend, daß es nicht gut möglich sei in dem Provisorium Tag und Nacht zuzubringen, zumal in demselben kein Raum für ein Bett vorge­sehen sei. HerrOctroi-ControleurJost schlägt in einem Gutachten vor, eine öffentliche Bekannt­machung zu erlaffen, wonach alles nach 10 Uhr etnzuführende Vieh rc. auf der Wachtstube im alten Rathhaus anzumelden und der Octroischcin folgenden Tag zu sei. Die Versammlung beschließt jedoch mit Rücksicht darauf, daß dem Octroierheber in aller Kürze erst 500 JL für Logis und Stellvertretung per anno verwilligt worden sei, auf das Gesuch nicht einzugehen sondern dem Octroierheber zu bedeuten, daß er, resp. sein Stellvertreter verpflichtet sei auch zur Nachtzeit in dem Erhebungslokal anwesend zu sein. Die Feier des 2. September anlangend, beschließt die Versammlung, daß dieselbe wie im Jahre 1876, also ohne Jugendfest, abzuhalten sei, daß einer Vereinigung mit der Jahnfeier, welche der Turnverein arrangiren will nickts im Wege steht und daß die Stabt die üblichen Kosten für die Sedanfeter übernimmt. Verschieben? kleinere Kostendecreturen werden gebilligt, sowie kleinere Baugesuche bewilligt. Betreffend die neue Brücke über die Wieseck an der Reichensand-Bahnhofstraße liegt ein Bericht des Stadtbaumeisters vor und werden die einzelnen nicht weiter interessirenden Vorschläge deffelben gutgeheißen. Die noch nothwendige Erwerbung von 100 ^Mtr. Gelände von Frau Müller wurde dem Bau- Ausschuß zur definitiven Erledigung übertragen. Betreffend Feststellung der Hoheitsgrenze zwischen Preußen und Heffen, werden jedenfalls durch die Manipulationen von Bewohnern von

W, Näch­ste.

lmern zu vnmielha ^rzagt, GarW.

I< <nb, Qn ein umhkli und al-ilt M A. Nr. 115|SJ islrahe B. 170,12. M zu vimW d- Äktienbraunei.

Löhnung u. üaalt: 'ttmielhm.

^br. Horeyseck.

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zeichneter BtM ehülfe, der in §anbfd)rift dch Le/öringen tamv, tu w

llczust 1878. eisanit Gießen. Imann.

rgesellen u. HM Chr. Petri,V. erbringet eines en!- Hühnerhundes r 'ohnung In der W

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