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Donnerstag, den 18. Juli

Mo. 16*

1878.

Hictzener Williger

Meise- nih AmtsM fit te» Kreis Gießen.

RedactionSbureanr Gartenstraße 8. 165.

ExpeditionSbureairr Schulstraße 8. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montag-.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Aokitisch

Deutschland.

Berlin, 13. Juli. Heute Nachmittag 2*/, Uhr sand die feierliche Schlußsitzung des Congreffes statt Die Mitglieder des Bureaus waren bereits um 1 Uhr erschienen, um die letzten Arbeiten abzuschließen. Von den Bevoll­mächtigten erschienen die Türken zuletzt, und als sie eingetreten waren, ergab sich, daß sie das Siegel vergesten hatten, welches erst herbeigeschafft werden mußte. Die Sitzung wurde dadurch etwas verzögert. Fürst Bismarck eröffnete dieselbe, indem er die Bevollmächtigten aufforderte, nun, da das Friedenswerk beendet sei, zur Unterzeichnung des Vertrages zu schreiten, indem er zugleich seiner Freude über das Gelingen des Werkes und der Anerkennung Ausdruck gab, welche alle Mächte zur Herbeiführung und Befestigung des europäischen Friedens an den Tag gelegt und freudig jedes Opfer gebracht hätten, um zum Ziele zu gelangen. Nachdem die Unterzeichnung vollzogen war, erhob sich Graf Andraffy, um folgende Ansprache an die Mitglieder des Congreffes zu halten:

Meine Herren! In dem Augenblicke, wo unsere Bemühungen zu einem allgemeinen Einvernehmen gelangt sind, würde es unmöglich sein, nicht dem her­vorragenden Staatsmanne, der unsere Arbeiten leitete, Dank zu sagen. Er hat unwandelbar im Auge gehabt, den Frieden zu sichern und zu befestigen; zu diesem Zwecke hat er alle seine Anstrengungen darauf verwendet, die Met' nungsverschiedenheiten auszugleichen und so schnell wie möglich der Unsicherheit ein Ende zu machen, die so schwer auf Europa lastete. Dank der Weisheit, der unermüdlichen Energie, womit unser Präsident unsere Arbeiten leitete, trug er in hohem Grade zum raschen Gelingen des Werkes der Friedensstiftung bet, das wir gemeinschaftlich unternommen haben. Ich bin daher überzeugt, die einhellige Zustimmung dieser hohen Versammlung zu finden, wenn ich Ihnen vorschlage, Sr. Durch!, dem Fürsten Bismarck unsern wärmsten Dank darzu­bringen. Im Begriff, uns zu trennen, glaube ich noch bester Ihren Gefühlen zu entsprechen, wenn ich unsere achtungsvolle Dankbarkeit für die liebenswür­dige Gastlichkeit bezeuge, deren Gegenstand wir von Seiten Sr. Majestät des Deutschen Kaiser- und der erhabenen kaiserlichen Familie waren.

Sämmtliche Mitglieder erhoben sich zum Zeichen des Dankes für den Fürsten Bismarck von ihren Plätzen. Fürst Bismarck dankte darauf für die ihm gewordene Anerkennung und betonte das verdienstvolle Entgegenkommen, welches er bei allen Bevollmächtigten in dem Bestreben gesunden habe, das Friedenswerk zu fördern, für dessen Erreichung Deutschland mit ganz besonderer Genugthuung seine Kraft eingestellt habe. Darauf schloß der Präsident den Congreß gegen 4 Uhr Nachmittags.

Der Wortlaut des vom Kronprinzen bei dem heutigen Galadiner ausge­brachten Toastes ist folgender:

Die Hoffnungen, mit denen ich vor einem Monat tm Namen des Kaisers die erlauchten Staatsmänner, welche aus dem Congreste vereinigt waren, be­grüßt habe, sind glücklich in Erfüllung gegangen. Das Werk des von Europa so sehr ersehnten Friedens hat ihre Anstrengungen gekrönt. Den Gefühlen meines erhabenen Vaters Ausdruck gebend, spreche ich mit Freuden der Weis­heit und dem versöhnlichen Geiste, die diesen großen Erfolg herbeigesührt haben, meine Anerkennung aus. Das erzielte Einvernehmen wird eine neue Bürgschaft des Friedens und des allgemeinen Wohlergehens sein. Die Unterstützung Deutschlands ist im Voraus für alles das gesichert, was die Sicherung und Bewahrung dieser hohen Wohlthaten zum Ziele hat. Im Namen Sr. Majestät trinke ich auf das Wohl der Fürsten und Regierungen, deren Vertreter an dem heutigen denkwürdigen Tage den Vertrag von Berlin unterzeichnet haben.

Die Berufung der Tabaks-Enquete-Commission dürste sich, wie der Weser-Ztg." gemeldet wird, über den ursprünglich in Aussicht genommenen Termin 15. d. Mts. hinaus verzögern, da noch einige Vorschläge wegen Ernennung der Mitglieder der Commission im Rückstände find.Man dars sehr gespannt sein, ob die bayerische Regierung geneigt ist, den Regierungsrath Mayr, den bekannten Vorkämpfer für das Monopol, in die Commission zu delegiren. Es wird vermuthet, der Reichskanzler werde den Vorsitz in der C Mission dem General-Director im Finanzministerium, Geh. Oberfinanzrath Burghardt übertragen."

DiePost" vertheidigt die Regierung gegen den Vorwurf, daß sie trotz der gegen das Tabaksmonopol abgeneigten Haltung des früheren Reichs­tages diese Maßregel nicht endgültig fallen laste. Das war eben, sagt sie mit Bedeutung, deraufgelöste" Reichstag. Von dem neuen erwartet man also auch in dieser Hinsicht eine freundlichere Haltung. Auch des Tabaksmonopols halber ist der Reichstag aufgelöst.

Berlin, 15. Juli. Cs wird derVolks-Ztg." geschrieben: Die vom Kronprinzen übernommene Stellvertretung des Kaisers und Königs im Reiche und in Preußen wird jedenfalls bis nach der gänzlich vollendeten Reconvalescenz des Kaisers andauern. Es wird daher für wahrscheinlich gehalten, daß der Kronprinz Namens des Kaisers den neuen, Anfangs Septeniber zusammentre­tenden Reichstag in Person eröffnen wird. Mit großem Eifer liegt der Kron­prinz allen Reichs- und Staatsgeschäften ob, und läßt sich über alle Vorkomm­nisse eingehenden Bericht erstatten. Der Kronprinz wird nach Lage der Sache auch dazu berufen sein, die dem Reichstage vorzulegenden Gesetze, die sich fast

er Theit.

ausschließlich gegen die socialdemokratische Bewegung richten zu unterzeichnen Im Uebrigen verlautet auf das Bestimmteste, daß dersKronprtnz die seit einiger Zeit von den Officiösen in Scene gesetzte Hetze gegen verehrungswürdige Mit­glieder der liberalen Partei, die sich des besonderen Vertrauens des Kronprin­zen seit Jahren erfreuen, durchaus nicht billigt. Es fällt übrigens auf, daß seit einigen Tagen die Officiösen eine minder heftige Sprache gegen die liberale Partei führen. Man scheint an maßgebender Stelle eingesehen zu haben, daß diese Hetzereien der liberalen Sache, die man damit zu bekämpfen glaubt, mehr genützt als geschadet haben.

Kesterreich.

Debreezin, 15. Juli. In einer vor seinen Wählern gehaltenen Rede zur Rechenschaft über sein politisches Wirken besprach Ministerpräsident Tisza die günstige Erledigung des Ausgleiches und zählte die Agenden des künftigen Reichstages auf. Auf die orientalische Frage übergehend, erklärte sich Redner gegen diejenigen, welche die Meinung vertraten, daß man sich mit Oesterreich nicht ausgleicken und Rußland den Krieg erklären solle, und wies auf seine früheren Erklärungen hin, daß von einem Ausgleiche mit Rußland und einer Parallel-Action keine Rede gewesen sei. Oesterreichs orientalische Politik sei darauf gerichtet gewesen, daß seine Interessen auf friedlichem Wege gewahrt würden und Gejammt-Europa über das Schicksal des Orients entscheide. Dies sei erfolgt. Der Congreß hätte mehr thun und energischer auftreten kön­nen, aber Niemand könne den großen moralischen Triumph leugnen, daß Ruß­land einem beträchtlichen Theile der durch den Frieden von San Stefano erpreßten Friedevsbedingungen aus das Machtwort Europas hin zu entsagen gezwungen wurde. Hierin liege ein Triumph moralischer Kraft und sei damit die Basis einer gesunderen europäischen Lage geschaffen. TlSza wies nunmehr nach, daß die Punktationen des Vertrages von San Stefano wesentlich und entgegen den Wünschen Rußlands durch den Congreß modificirt worden seien. Die Occupation Bosniens und der Herzegowina sei nothwendig, um dem fort­währenden und in erster Linie Ungarn bedrohenden Wachöthum des Panslavis- mus entgegenzutreten. Die Abwendung dieser sicheren Gefahr dürfte aus Furcht vor etwaigen durch die Occupation möglicher Weise entstehenden Verwickelungen nicht unterlaßen werden. Die Rede des Ministers wurde sehr beifällig ausgenommen.

England.

London. DieTimes" berichtet über den türkisch-englischen Vertrag, einer der britischen Bevollmächtigten habe sich folgendermaßen geäußert: Nach dem Vertrage von 1856 hätten Frankreich, Oesterreich und England die In­tegrität des osmanischen Reiches zu wahren gehabt. In dieser Beziehung jedoch habe England allein gestanden und die beiden anderen Mächte entweder nicht mitwirken wollen oder nicht mitwirken können. Da seien dann für England vier Wege gewesen: entweder Egypten besetzen oder die beiden Enden des Suez- canals, oder die Dardanellen, oder Cypern. Mit Besetzung der Dardanellen würde England ganz Europa verletzt haben, mit der Egyptens oder des Suez- canals Frankreich, so blieb nur Cypern übrig, und indem England dieses in Besitz nahm, zeigte es die größte Rücksicht auf die ihm so werthvolle Sympa­thie Frankreichs. Demselben Blatte zufolge ist der britisch-türkische Vertrag kurz vor der Bekanntmachung den unterzeichnenden Mächten von England ver­traulich mitgetheilt worden.

Türkei.

Konstantinopel, 15. Juli. Gestern sand unter dem Vorsitze des Sultans ein großer Conseil statt, welcher sich mit der Frage wegen des Epirus und Theffaliens beschäftigte und gewisse Maßnahmen in Betreff Griechenlands beschloß. Der Conseil beschäftigte sich ferner mit den Details der englischen Convention. Die Concession zum Baue einer Eisenbahn Mersina-Diarbekir- Erzerum wurde einer englischen Gesellschaft verliehen. In Betreff verschiedener anderer öffentlichen Bauten sind Verhandlungen im Zuge. Der englische Bot­schafter Loyard hat fast täglich Unterredungen mit dem Sultan, um alle auf die Fiuanzen und öffentlichen Arbeiten bezüglichen Projekte sestzustellen.

telegraphische Depeschen.

Wagner'- telegr. Eorrespondenz - vurea«.

Berlin, 16. Juli. Bulletin von 10 Uhr Vorm. Das Befinden des Kaisers ist, abgesehen von leichten durch das ungünstige Wetter herbeigeführten, zur Zeit jedoch schon wieder beseitigten rheumatischen Beschwerden, unverändert gut. Die Zunahme der Körperkräfte erfolgt indeffen sehr langsam.

(Unterz.) v. Lauer, v. Langenbeck. Wilms.

London, 16. Juli. Die conservativen Vereine treffen Vorbereitungen, um Beaconsfield bei feiner Ankunft auf dem Bahnhose Charing-Croß eine große Ovation darzubringen. Das ministerielle Banket, an welchem Beaconsfield theilnimmt, findet am 3. August im Manstonhouse statt.

Wien, 16. Juli. Die internationale Commission des Wiener Saaten­marktes beschloß im Einvernehmen mit der Wiener Frachtbörse, den diesjährigen