2. Bekanntmachung Großherzoglichen Kreisamts Worms, die für das Jahr 1878 zur Bestreitung der Communal-Bedürfniffe der Stadt Worms zu erhebenden Umlagen betreffend.
3. Bekanntmachung Großherzoglichen Kreisamts Offenbach, die Nichterhebung eines Theils der im Voranschlag der Gemeinde Klein-Krotzenburg für 1878 vorgesehenen Umlagen betreffend.
4. Bekanntmachung Großherzoglichen Kreisamts Alsfeld, die für das Jahr 1878 zur Bestreitung von Communal-Bedürfniffen der Gemeinde Zell zu erhebende Umlage betreffend.
5. Ueberstcht der für das Jahr 1878 von Großherzoglichem Ministerium des Innern genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal-Bedürfniffen in den Gemeinden des Kreises Erbach.
6. Ordensverleihung.
7. Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen eines fremden Ordens.
8. Namensveränderungen.
9. Charaktererthetlung.
10. Dienstenthebung.
11. Sterbefälle. Gestorben sind: am 15. April der Obergerichtsrath Hermann Fitting zu Mainz; am 19. April der Oberappellations- und Caffa- tionsgerichtS Kanzlei-Jnspector i. P. Friedrich Müller zu Darmstadt.
Irankreich.
Paris, 11. Mai. Fürst Hohenlohe eröffnete heute die deutsche Kunstausstellung im Ausstellungspalaste. Er wurde von der deutschen Ausstellungs- Commission und von dem Handelsminister Teifferenc de Bort empfangen. Diesem gegenüber dankte er Namens der deutschen Künstler für die wohlwollende Aufnahme derselben. — Der „Liberi" zufolge erwiderte der Handelsminister, er schätze sich glücklich über die Theilnahme Deutschlands an der Ausstellung. Dieser glückliche Umstand sei ein Pfand der herzlichen Beziehungen, welche zwischen beiden Völkern bestehen müßten. Der Fürst und der Minister drückten einander die Hand.
Ausland.
London, 13. Mai. Sämmtltche Morgenlätter besprechen das Attentat auf den deutschen Kaiser und brandmarken dasselbe als ein abscheuliches Verbrechen, beglückwünschen auch das deutsche Volk zu der glücklichen Erhaltung des Kaisers in den wärmsten Ausdrücken. — „Times" schreibt: Wir drücken nur das allgemeine Gefühl aller Volksschichten Englands aus, indem wir den Kaiser wie das deutsche Volk anläßlich der glücklichen Errettung aus großer Gefahr herzlich beglückwünschen. Wir theilen die Hochachtung und würdigen die Zuneigung der Deutschen zu dem Monarchen, der ihre Einheit begründet hat Der deutsche Kaiser ist das lebende Symbol des großen nationalen Strebens, das Er zu befriedigen verstanden hat. Wir erblicken in Ihm den Patrioten, Krieger und Staatsmann, der die Dankbarkeit seiner Unterthanen geerntet hat. In der gegenwärtigen Krisis wäre das Htnscheiden des Kaisers ein großes politisches Eretgniß, deffen Folgen kaum hoch genug angeschlagen
werden könnten. Der Einfluß des Kaisers aus die jetzt Europa bewegende Frage ist stets ein großer gewesen und dürste jetzt, wo die Unterhandlungen eine hoffnungsvolle Wendung genommen zu haben scheinen, eher zu- als abnehmen. Europa kann das Leben des Kaisers in diesem Augenblicke nicht wohl misten.
Rußland.
Petersburg, 11. Mai. In dem Befinden des Fürsten Gortschakoff ist in Folge eines neuen Gichtanfalles ein größerer Schwächezustand einzetreten. — Die „Agence Rüste" erklärt formell die Nachricht, daß die russischen Truppen den Rückzug aus den Positionen in der Umgebung von Konstantinopel begonnen oder vorbereitet hätten, formell für unbegründet. Obgleich die russische Regierung wünsche, die Truppen zurückziehen zu können, werde sie dieselben doch nur zurückziehen, nachdem die Türken nach den von ihnen eingegangenen Verpflichtungen die Festungen ausgeliefert und sobald gleichmäßig die englische Flotte ihren gegenwärtigen Ankerplatz verlasten werde.
Rumänien.
Bukarest, 11. Mai. Die parlamentarische Session ist bis 31. Mai verlängert worden. Die Kammer votirte die Verlängerung der Anwendung des Zolltarifs für England, Frankreich, Belgien und Holland.
huldvoll zu gewähren; tm Namen des Reichstages erlaubte ich mir in derselben auszu - 'prechen, daß die am Schluß der vorgestrigen Reichsiagssitzung erst in unbestimmten Gerüchten verlautende Nachricht von der ruchlosen Thal alle Gemüther im Reichstage aufs tiefste erschütterte, und zwar um so tiefer, schmerzlicher und furchtbarer, al8 wir Vertreter des deutschen Volkes wissen, mit welchem tiefen Dankgefühl, mit welcher innigen Liebe und Verehrung das deutsche Volk seinem Kaiser ergeben ist, daß gleichzeitig aber unser Aller Herzen von innigstem Dar.kgefühl gegen Gott den Allmächtigen, der Se. Maj. wiederum so sichtbar beschützte, erfüllt waren. Ich sprach sodann e>r- Maj Namens des Reichstages im Einklänge mit dem ganzen deutschen Volke die ehrfurchtsoollsten herzlichsten Glückwünsche zu der glücklichen Errettung aus Lebensgefahr aus Se. Maj. geruhten diese Worte huldvollst entgegenzunehmen und beauf- tragten mich ausdrücklich, Seinen herzlichsten Dank für diese Kundgebung der Theilnahme des Reichstages auszusprechen. Ueberzeugt, daß ich im vollen Einklänge mit dem Reichstage in dessen Vertretung gehandelt, ersuche ich Sie, sich von den Platzen zu erheben und mit mir etnzustimmen in den Ruf der Treue und Ehrerbietung: Se. Maj. der deutsche Kaiser, König Wilhelm von Preußen lebe hoch! Abgeordnete und Tribünen stimmten dreimal begeistert in diesen Rus ein. — Der Präsident fuhr fort: Nach dem Beschlüsse des Reichstags sollte ich heute in Kiel anwesend sein; unter den obwaltenden Umständen ersuchte ich den Vicepräsidenten v. Stauffenberg, statt meiner an der Spitze der Deputation nach Kiel zu reifen (lebhafter Beifall) und halte mich verpflichtet, dies dem Reich-tage anzuzeigen, o. Stauffenberg kam bereitwilligst meinem Ersuchen nach und erbot sich, die Deputation zunächst nach Lübeck, dann nach Kiel zu führen. Bei Fortsetzung der zweiten Lesung der Rechtsanwaltsordnung wurde nach längerer Debatte ein von Thilo zu 8 95 (Zulassung und Zurücknahme der Zulassung zur Rechtsanwaltschaft beim Reichsgericht) gestelltes, auf Wiederherstellung der Regierungsvorlage ad- zielendes Amendement mit großer Majorität abgelehnt. Darauf nahm das HauS öiefen Paragraphen in der Commisstonsfassung mit unwesentlichen A-nderungen an Alle übrigen Paragraphen wurden den Commissionsoorschlägen gemäß nach wenig erheblicher Debatte genehmigt-
Nächste Sitzung morgen.
Wien, 13. Mat. Die „Poltt. Correfp." berichtet aus Ragufa: Sämmtliche vor Den Montenegrinern nach Oesterreich geflüchtete Türken sind gestern in Curzola auf einem Lloydfchiff nach Medua eingeschifft; die Beförderungskosten werden von dem türkischen Generalconsul in Ragusa bestritten.
Kiel, 13. Mai. Die Feierlichkeit des Stapellaufes der neuen Panzer- Coroette nahm einen glänzenden Verlauf und ging unter dem Jubel der nach Taufenden zählenden Zuschauer sehr gut von Statten. Der Vicepräsident des Reichstags, v. Stauffenberg, vollzog die Taufe des Schiffes, welches den Namen „Bayern" erhielt.
Petersburg, 13. Mai. Gras Schuwaloff ist gestern hier eingetroffen. — Der „Regierungsbote" veröffentlicht einen Aufruf in Betreff der Darbringung von Geldern für Organisation einer freiwilligen Flotte, um die ehrliche Sache zu Vertheidigen, falls ein Gegner den Krieg Hervorrufen sollte. Die Beiträg.' werden entgegengenommen in Petersburg durch den Thronfolger, sowie ui Moskau und allen andern Städten.
Petersburg, 13. Mai. Schuwaloff ist heute vom Kaiser empfangen worden und besuchte Morgens Gortschakoff; Letzterer befindet sich im Zustand großer Schwäche und vermag sich mit Geschäften nicht zu befaffen. Auf der deutschen Botschaft laufen fortwährend zahlreiche Sympathie-Kundgebungen anläßlich der Errettung des Kaisers Wilhelm ein, wobei alle Claffen und Stände vertreten sind.
— Die gesammte russische Preffe bespricht das gegen den Kaiser Wilhelm verübte Attentat in für letzteren höchst sympathischen Ausdrücken. „Golos" chließt den bezüglichen Artikel folgendermaßen: Von allen auswärtigen Herrschern ist der Name des Kaisers Wilhelm den Herzen des russischen Volkes am tiefsten eingeprägt als eines wahren Freundes Rußlands, sowohl seines Herrschers wie seines Volkes und der russischen Armee, welche denselben mit Stolz ihren ersten Krieger und Helden nennt.
Wien, 13. Mai. Zur gestrigen Gratulation fand sich auch der Nuntius Jacobini persönlich im deutschen Botschaftspalais ein und sandte durch seinen Secretär dem Botschafter seine Karte. Wie es heißt, wird auf kaiserliche Ordre eine aus drei Osficieren des 34. Linien-Jnfanterie-Regiments „Kaiser Wilhelm" bestehende Deputation sich nach Berlin begeben, um dem deutschen Kaiser die Glückwünsche des Regiments zu überbringen.
London, 13. Mai. Die „Times" meldet aus Konstantinopel vom 12. d.: Die Pforte beschloß auf peremptorisches Verlangen des Generals Totleben die Festungen sofort zu räumen, Schumla zuerst, dann Varna und zuletzt Datum. General Totlebeu gab hiergegen die Zusicherung, daß die russischen Truppen sich nach Adrianopel, Dedeagatsch zurückziehen und Erzerum räumen würden, sobald die obengenannten Festungen von den Türken geräumt seien. — „Daily News" meldet weiter, General Totleben habe gedroht, Konstantinopel zu occupiren, wenn die Festungen nicht sofort übergeben würden. Dem hierauf abgehaltenen Ministerrathe habe Osman Pascha berichtet, daß
Seröien.
Belgrad, 11. Mai. Das Amtsblatt dementirt alle auf eine angeb liche neue Mobilisirung der Miliz bezüglichen Meldungen.
Türkei.
Konstantinopel, 11. Mai. Die Verhandlungen wegen des gleichzeitigen Rückzuges der russischen Armee und der englischen Flotte und über die Rällmung der Festungen Seitens der Türken dauern fort; es ist noch Nichts Definitives festgestellt.
Konstantinopel, 12. Mai. Zu dem gestern von dem Sultan zu Ebren des britischen Botschafters gegebenen Diner waren die Minister und die Corps-Commandanten ebenfalls eingeladen. — Die Ruffen haben den Tschuruksu in der Nähe von Datum trotz dem Proteste Derwisch Paschas und dem Widerstände der Bevölkerung besetzt. Gewiß ist, daß die Türken die Räumung von Schumla vorbereiten; in Betreff Varnas und Datums ist aber noch nichts ent- sckieden. Das russische Hauptquartier bleibt noch in San Stefano. Das Personal der russischen Botschaft und ein türkischer Functionär sind dem neuen russischen Botschafter Labanoff, welcher beute hier erwartet wird, bis zur Ein- fabrt in das Schwarze Meer.entgegengefahren.
Telegraphische Depeschen.
Privat - Depesche des Gießener Anzeigers.
London, 14. Mai. „Reuter's Bureau" meldet aus Konstantinopel vom 13. d.: Der österreichische Botschafter Graf Zichy bezeichnete der Pforte die temporäre Occupatio» Bosniens als für Oesterreich erforderlich.
Wagner'S telrgr» Torrespvntzenz-Bureau.
Berlin, 13. Mai. Präsident v. Forckenbeck eröffnete die Sitzung des Reichstags mit folgender Ansprache: Meine Herren! Sogleich nach Bestätigung der Nachricht von dem entsetzlichen Attentat auf Se. Maj. den Kaiser suchte das Präsidium des Reichstags Audienz beim Kaiser nach. Se. Moj. geruhten mir gestern Nachmittag die Audienz
die türkische Armee nicht in der Verfaffung sei, einer Occupatioa Widerstand zu leisten.
Wien, 13. Mai. Die „Wiener Abendpost" schreibt an der Spitze ihres Blattes: Eine frevelhafte Hand hat gewagt, sich zu einem Mordversuch auf den Deutschen Kaiser zu erheben. Der Bestürzung, welche diese Kunde nicht blos in Deutschland, sondern überall hervorrief, wohin sie gebruhgen, entsprach die Freude, daß die ruchlose That weder für das Leben, noch die Ge sundheit Sr. Majestät nachtheilige Folgen beklagen ließ. Die deutsche Preffe gibt dem gerechten Abscheu über das verbrecherische Unternehmen und der patriotischen Befriedigung über deffen Mißlingen beredtesten Ausdruck. In warmer Weise beglückwünschen die österreichischen Blätter das deutsche Volk zur Errettung des Monarchen aus schwerer Gefahr, und leihen der tiefen Theilnahme Worte, »welche sich in allen Kreisen Oesterreichs aus diesem Anlaffe zu erkennen gab.
Lokal'Notiz.
Gießen, 14. Mai. Wir lassen nachstebend die Tagesordnung für die Stadtverordneten - Sitzung am Donnerstag den 16. Mai 1878, -kachmittags 4 Uhr, tm alten Realsckulgebäude folgen:
1. Die Reorganisation der Executiv-Polizei.
2. DaS Schlachthaus betreffend.
3. Die Verpachtung eines städtischen Platzes.
4. Den Frauen-Verein für Frauen-Bildung und Erwerb betreffend.
5. Die Bleichstraße betreffend.
6. Gesuch des Bautechnikers Ludwig Huhn wegen Geländeaustausch und wegen Anlegung eines Wegs.
7. Die Denunciations-Gebühren von Octroi-Defraudattonen.
8. Gesuch des Kaufmanns Georg Wilhelm Weidig um Erlaubniß zur Vornahme von Bauoeränderungen.
9. Gesuch des Kupferschmieds Christian Zimmer um Erlaubnis zur Errichtung von Nebengebäuden.
10. Gesuch des Kaspar Schomber um Erlaubniß zur Herrichtung einer Einstiedigung.
11. Die Theilung der 7. Classe der Stadtmädchen-Schule betreffend.
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