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M». 11». Mittwoch, den 15. Mai 1878.
Meßmer Miyeiger
APkize- unb Amtsblatt für ben Kreis Gießen.
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Amtlicher HHeil. Bekanntmachung, betreffend den Remonte Ankauf pro 1878.
Zum Ankauf von Remonten im Alter von vorzugsweise drei und ausnahmsweise Mer und fünf Jahren sind im Bereich des Großherzogthums Heffen-Darmstadt für dteses Jahr nachstehende Morgens um 8 beginnende Märkte anberaumt worden, und zwar am
21. Juni in Alsfeld,
29. „ „ Nidda,
4. Juli „ Nieder-Wöllstadt,
5. „ „ Bieberau,
6. „ „ Bickenbach,
8. „ „ Groß-Gerau,
9. „ „ Goddelau,
10. „ „ Gernsheim.
Die von der Militär-Commission erkauften Pferde werden zur Stelle abgenommen und gegen Quittung sofort baar bezahlt.
. c. Pferde mit solchen Fehlern, welche nach den Landesgesetzen den Kauf rückgängig machen, find vom Verkäufer gegen Erstattung des Kaufpreises unb '"vivltltchen Unkosten zuruckzunehmen, auch sind Krtppensetzer vom Kaufe ausgeschlosien. Die Verkäufer sind ferner verpflichtet jedem verkauften Pferde eine neue starke nndlederne Trense mit starkem Gebiß und Ringen versehen, eine starke Kopfhalfter von Leder oder Hanf mit zwei mindestens zwei Meter langen starken Hanfstricken ohne besondere Vergütung mitzugeben.
Berlin, den 1. März 1878. • Kriegs - Ministerium
Abtheilung für das Remonte - Wesen.
__(gez-) von Rauch. von Uslar.___________________
cn x C£ v cm " "L 7"^ " - Gießen, am 11. Mar 1878.
Betreffend: Dre Marle Goldbach von Finkenhain.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Großh. Bürgermeistereien, beziehungsweise die Brtspolizeibehörben und die Gendarmerie des Kreises.
Wenn Sie die Marie Goldbach aus Finkenhain (dermalen 37 Jahre alt), welche sich in der hiesigen Gegend umhertreibt, betreffen sollten, daß sie voupiegelt, an Fallsucht zu leiten, wollen Sie dieselbe festnehmen und uns zuführen lassen, da sie durch dergleichen betrügerische Verstellungen schon mehrere Armenverbände in Schaden gebracht hat. 1
__________ Dr. Boekmann.
Aolilisch
Die Tabaks-Enquete im Reichstage.
Die Vorlage über die Ermittelung der Tabaksindustrie, die sog. Tabaks- Enquete, ist im Reichstage berathen worden, doch hat bei derselben die Retchs- regierung ein indtrectes Tadelsootum vom Reichstage erfahren müssen. Bezeichnend genug für die Entstehung der Tabaks-Enquete, wurde die Berathung derselben vom Präsidenten des Reichskanzleramtes, Hofmann, eingeleitet und das in den Reichsfinanzen kompetent sein sollende Bundesrathsmitglied, der preußische Finanzminister Hobrecht, spielte bei der Berathung fast nur eine passive Rolle. Keine einzige Partei des Reichstages sprach sich unbedingt für die Regierungsvorlage aus, selbst die Conservativen hatten zu mäkeln, wohl konnte man aber am Bundesrathstische in Erfahrung bringen, daß die Mehrzahl des Reichstages gegen eine auf das Tabaksmonopol oder eine hochgeschraubte Fabrikatsteuer gerichtete Enquete ist. So verlockend auch die vergrößerten Einnahmen des Reiches sind, so haben sich die Volksvertreter doch überzeugen müssen, daß die in Deutschland blühende Tabaksindustrie, sowie der ebenfalls blühende Tabakshandel mit dem Auslande mehr Werth für die deutsche Nation haben, als bessere Reichsfinanzen. Kann ja auch das Tabaksmonopol keine Steuerverminderung, sondern nur bessere Steuerbeträge schaffen. In diesem Sinne sprechen sich fast sämmtliche Abgeordnete zur Tabakssteuer aus. Es kann jedoch nicht unsere Aufgabe fein, nur die ablehnende Haltung des Reichstags zur Tabaks- Enquete zu constatiren, es darf auch nicht unterlassen werden, hervorzuheben, wie einzelne hervorragende liberale Führer des deutschen Parlaments ausführten, wie eine Verständigung in der Steuerfrage zwischen Regierung und Steuerfrage dergestellt werden könne. Die Abgg. v. Bennigsen und v. Stauffenberg haben der Reichsregierung in dieser Beziehung klaren Wein eingeschenkt, ohne dabei ür die scharfe Oppositionsstellung der Führer der Fortschrittspartei und der Ultramontanen zu gerathen. Die Abgg. v. Bennigsen und v. Stauffenberg erklärten sich entschieden gegen das Tabaksmonopol und alle dahin führenden Bestrebungen. Ferner führte aber Herr v. Bennigsen aus, daß seine Partei durchaus mit der Regierung übereinstimme, die directen Steuern zur Entlastung der einzelnen Personen zu vermindern und die intirecten Steuern zur Beseitt- gung der Matrikularbeiträge zu vermehren. Ein vorzüglicher Besteuerungs- Gegenstand sei auch ohne Zweifel der Tabak, aber deshalb dürfe der Tabak nicht allein mit einer enorm hohen Steuer belegt werden, sondern neben einer entsprechenden Erhöhung der Tabakssteuer könnten auch andere Verbrauchs Gegenstnäde mit Steuern belegt und so eine allmählige Steuerreform angebahni werden. Bemerkenswerth ist auch in dieser Parlamentsrede des Herrn v. Bennigsen das Capitel über die constitutionellen Garantien, die der Reichstag fordert. Dieselben sind durchaus nicht auf eine Verfaflungsumärrderung gerichtet, sondern sie sollen lediglich dem Reichstage, wenn die Matrikularbeiträge besei- kigt sind, bezüglich der intirecten Steuern das Recht der successiven Bewilligung gewähren. In den früheren Finanzdebatten hat ter Reichskanzler einmal ten
er HHeil.
Ausspruch gethan, daß das Votum des Reichstages ter Leuchtthurm für die Haltung ter Regierung sein müsse, aus diesem Grunde glauben wir, daß die Regierung, ihren einseitigen Standpunkt in der Steuerfrage verlassen und mehr den thatsächlichen Verhältnissen entsprechende Vorlagen zur Steuerfrage dem Reichstage vorlegen wird.________________________________________
Deutschland.
Darmstadt, 12. Mai. Um, wie es im bezüglichen Divisionsbefehl ausgesprochen war, Gott zu danken, daß Seine Hand Unseren Allergnädigsten Kaiser aus großer Lebensgefahr errettet hat, in welche eine ruchlose Mörder- Hand Allerhöchst denselben gebracht, fand heute Mittag 12 Uhr aus dem Jnfan- terie-Exercierplatz eine große Parade statt. Zu diesem Zweck war die disponible Mannschaft der gesommten Garnison in zwei Treffen sormirt, so daß das erste Großh. Jnfanterie-(Leibgarde-)Regiment Nr. 115 mit 10 Compagnien das erste Treffen, die fünf hier garnisonirenden Escadrons der Großh. Dragoner-Regimenter Nr. 23 und 24, die fünf Fußbatterien des Großh. Fcldartillerie-Regi- ments Nr. 25 und die Großh. Traincompagnie das zweite Treffen bildeten; die Kavallerie, Artillerie und ter Train waren zu Pferte, resp. mit bespannten Geschützen unt Fahrzeugen ausgerückt. Die Parade-Aufstellung tourte von tem Generalmajor unt Commandeur ter 49. Jnfanteriebrigade, v. Förster, commantirt, toährent tas gleichzeitige Prüsenttren ter in Parate aufgestellten Truppentheile auf tas Commanto Sr. Excellenz tes Generallieutenants und Divisionscommandeurs v. Wichmann erfolgte, welcher auch in einer kurzen Ansprache ein dreimaliges Hurrah auf Se. Maj. ten Deutschen Kaiser ausbrachte; tie Muflkcorps intonirten tie Nationalhymne.
Se. König!. Hoheit der Großherzog, in Generals-Uniform unt mit tem Bant tes Schwarzen Atlerortens, nahmen hierauf, während bataillonsweise präsentirt wurde, die Parade ab, die des zweiten Treffens vom linken Flügel aus.
Demnächst formirten sich die Truppen zum Feldgottesdienst, tem auch Se. König!. Hoheit ter Großherzog mit zahlreicher Suite beiwohnten.
Nach Beendigung des Feldgottesdienst erfolgte vor Sr. König!. Hoheit tem Großherzog ter Vorbeimarsch, ter für sämmtliche Waffen einmal, und zwar in Zügen und im Schritt, stattsand.
— Nach Empfang ter Depesche über tas auf Se. Majestät ten Kaiser verübte Attentat fantte Oberbürgermeister Ohly sofort ein Telegramm mit den Glückwünschen ter Stadt Darmstadt zu ter turch Gottes Hant geschehenen Rettung an Se. Majestät ab.
Darmstadt, 12. Mai. Das Großherzogliche Regierungsblatt, Beil. Nr. 14, enthält:
1. Bekanntmachung Großherzoglicher Provinzial - Direktion Rheinhessen, den Ausschlag des Gehalts des Rabbinen zu Bingen für das Jahr 1878 betreffend.


