Oesterreich.
Wien, 14. April. Die Meldung des „Reuter'schen Bureaus" aus Konstantinopel, wonach Zichy die Zustimmung der Pforte zu einer österreichischen Occupation Bosniens und der Herzegowina, welche er für gewisse Eventualitäten alS nothwendig darstellte, zu erlangen gesucht hätte, wird von dem hiesigen „Telegr.-Corresp.-Bureau" nach guten Informationen für unbegründet erklärt.
Nutzland.
Petersburg, 14. April. Die „Agence Russe" schreibt: Der Artikel des „Standard", wonach die Bemühungen Deutschlands, die Ansichten Rußlands und Englands zu versöhnen, in London gut ausgenommen worden sind, und die Aeußerung der „Nordd. Allg. Ztg.", die Vermittlung Deutschlands sei nur möglich, wenn beide Parteien mit dem aufrichtigen Wunsche nach einem Einverständnisse Concesstonen machten, riefen hier einen günstigen Eindruck hervor. Hier besteht der reelle Wunsch, ein Einverständniß zu erzielen. — Das Blatt meldet ferner von Verhandlungen mit Rumänien, um den durch den Frieden erloschenen Vertrag wegen des Durchzuzsrechts der Russen durch eine neue Convention zu ersetzen.
Gerüchtweise verlautet von der Einführung von Modificationen für die über politische Verbrechen erkennenden Gerichte aus Aul iß der vorgestern statt- gesundenen Freisprechung der Vera Laffulitsch. Der bei dem Conflict mit der Polizei um's Leben gekommene Student war der Schwager der Angeklagten. Derselbe schoß zweimal auf die Polizeiagenten und tödtete dann sich selbst.
Türkei.
Konstantinopel, 14. April. Großfürst Nikolaus ist gestern sammt seinem Generalstabe den Bosporus hinaufgefahren und besichtigte die durch die Türken besetzten Positionen. — Der griechische Patriarch überreichte der Pforte, dem Großfürsten Nikolaus und den Botschaftern einen Protest in Betreff der in mehreren Städten Bulgariens erfolgten Besitznahme griechischer Kirchen durch die Bulgaren. — Prinz §affan wird Ende dieser Woche nach Egypten zurückkehren. — Die Russen haben alle Maßregeln ergriffen, um im Falle eines Bruches mit England auf das erste Signal sich Konstantinopels und des oberen Bosporus zu bemächtigen.
früheren Haltung fest und citirt Gortschakoff's Promemorta als Beweis dafür, daß es bereit sei, selbst die wichtigsten Bestimmungen des Vertrages zu discutiren.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'- telegr» Eorrespondenz-Bureau.
London, 15. April. Der „Times" zufolge hat die Situation eine weitere Klärung und Förderung nicht erfahren. Wenn die Abgenetgtheit Rußlands, den Friedensertraz den Mächten zu unterbreiten, nichts im Hintergründe verberge, wenn der Streit sich wirklich nur um Formen bewege, so seien die Schwierigkeiten der Lösung nicht unüberwindlich. Aber Rußland müsse vorbereitet sein, mehr zu thun, als den Vertrag unterbreiten; man werde es auffordern, den Vertrag zu modificiren und seine Bedingungen mit den Wünschen und Interessen der Nachbarn Rußlands in Einklang zu bringen.
Wien, 15. April. Der „Polit. Corresp." zufolge wurden, entgegengesetzt allen anderweitig lautenden Versionen, die von Jgnatieff überbrachten Bemerkungen des Wiener Cabinets betreffs des Vertrages von San Stefano Seitens des Petersburger Cabinets bis jetzt noch nicht beantwortet.
Berlin, 15. April. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Die hiesige diplomatlsche Agentur Rumäniens ist ermächtigt, in bündiger Form der Zet- tungsmeldung zu widersprechen, wonach der rumänische Minister des Auswärtigen, Cogalniceano, bei dem Fürsten von Rumänien die Absetzung des rumänischen Agenten in Wien, Balaceano, nachgesucht haben sollte; weder Gortschakoff noch einer seiner Angestellten habe sich jemals direct oder indirect an die rumänische Regierung gewendet, um die Abberufung Balaceano's zu verlangen.
Wien, 15. April. Die „Polit. Corresp." meldet aus Bukarest von heute: Die Regierung erhielt die Mittheilung, daß 120,000 Russen zur Occu- pation Rumäniens bestimmt sind. Täglich rücken neue russische Abtheilungen ein, welche sich wie in Feindesland benehmen und alle Gebäude zu ihren Zwecken mit Beschlag belegen.
Berlin, 15. April. Der „Reichs-Anz." theilt mit, daß am 12. d. am Hofe von Karlsruhe das Eheversprechen der Prinzessin Marie von Preußen mit dem Prinzen Heinrich der Niederlande erfolgt ist.
Paris, 15. April. Das „Journal des D6bats" bespricht die europäische Situation und appelltrt an die deutsche Vermittlung zur Abwendung der Gefahr eines Krieges.
Wien, 15. April, Abends. Die „Presse" meldet aus Bukarest: der größte Theil der rumänischen Armee ist in der kleinen Wallachei zwischen Turnseverm und der Aluta concentrirt. In der großen Wallachei stehen 150,000 Russen und 3 rumänische Regimenter, in der Umgebung von Bukarest 40,000 Russen. Der Rücktritt des Ministers des Auswärtigen Cogalniceano ist wahrscheinlich. Demeter Ghika wird als sein Nachfolger angesehen.
Bukarest, 15. April. Der Senat hat den Handelsvertrag mit Deutschland genehmigt.
London, 16. April. Die zuletzt dem Parlamente mitgethetlte diplomatische Correspondenz enthält außer dem Circularschreiben Gortschakoff's und den dazu gehörigen Annexen, welche Salisbury am 13. April zugestellt wurden, nur noch eine Depesche Salisbury's an den Botschafter in Petersburg, Loftus, vom 11. April, in welcher Loftus ein Telegramm Gortschakoff's an Schuwaloff mttgetbeilt wird; Gortschakoff erklärt darin Folgendes: Nachdem der vollständige Text des Präliminarvertrages den Mächten mit voller Freiheit der Beur- tbeiluug mttgetheilt, könne die Nachricht Elliot's, daß Gortschakoff dem rumänischen Agenten erklärt habe, Rußland werde sich der Erörterung des die beffarabische Frage betr. Artikels des Friedensvertrages eventuell widersetzen, nur auf einem Mißverständnisse beruhen. Eine derartige Erklärung wäre ohnehin durchaus unlogisch, weil kein Mitglied des Congresses würde verhindert werden können, die mit dem Friedensvertrage in Beziehung stehenden Fragen zur Verhandlung zu bringen.
— „Times" meldet aus Petersburg vom 15. d.: Heute fand ein freundschaftlicher officiöser Austausch der Ansichten zwischen den Cabineten von London und Petersburg statt. Ersteres erklärte: es wünsche aufrichtig eine friedliche Lösung und beabsichtige nicht, den Unterhandlungen unnöthige Hindernisse zu bereiten, sondern wünsche lediglich, daß der ganze Vertrag von San Stefano dem Congreffe vorgelegt werde. Das russische Cabinet hält ebenfalls an seiner
Vermischtes.
BreSlau. Der Central-Ausschuß für das 5. deutsche Turnfest hat folgende herzliche Einladung erlassen:
Einladung zum 5. Allgemeinen deutschen Turnfest in Breslau am 28. 29. und 30. Juli 1878. Der Beschluß der beutfajen Turnerschaft, das fünfte allgemeine deutsche Turnfest und die hundertjährige Gedenkfeier des Turnvaters Friedrich Ludwig Jahn tn Breslau begehen zu wollen, gereicht unterer Stadl zu ho^er crhie und et füll: uns mit Stotz und Freude. Das Vertrauen, welches uns damit entgegengetragen werd, werden wir zu rechtfertigen suchen, indem wir die zu einer würdigen Gestaltung des nationalen Festes nöthigen Vorbereitungen mit hingebendem Eifer in's Werk setzen.
Die Zeit deS Festes ist in die letzte Woche der schlesischen Schulferien (28. bi« 30. Juli) gelegt; diese durch äußere Rücksichten gebotene Feftzsit erhält durch ein be- merkenswerthes Zusammentreffen eine tiefere Bedeutung. Genau sechzig Jahre werden UMtte dieses Sommers seit jenen Tagen verflossen sein, in denen Jahn und seine Sache einst schon einmal zu Breslau glänzend gefeiert wurden. Sonntag, den 2 August des Jahres 1818, war es, da zog Jahn an der Spitze von etwa 50 Turnern, welche der Turngemeinde Berlins und verschiedenen schlesischen Turnvereinen anzehö ten, tn die Hauptstadt Schlesiens ein: die Mehrz,hl der Einwohnerschaft war ihnen erwartungsvoll entgegengezogen, um sie festlich zu empfangen; gastlich wurden dieselben von angesehenen Bürgern in die Behausungen ausgenommen. Am nächsten Tage aber wurde unter allgemeiner Betheiligung der Breslauer ein Festturnen ve anstaltet und ein Turnfest gefeiert, welches durch die für jene Zeit große Zahl der Tyetlnehm ^r und mchr noch durch die geistige Bedeutung vieler der Festgenossen eine hervorragende Stelle in der deutschen Turngeschtchte beanspruch m darf.
Als Festturnp atz ist uns durch die Zuvorkommenheit der Behörden ein Platz gesichert, wie er für die Zwecke des Festes kaum paffender und bebeutfanrr gewählt werden konnte. Mitten im Herzen der Stadt gelegen, von stattlichen Gebäuden und einer Promenadenallee begrenzt, bietet er R tum genug für Tausende ooa Turnern und Zuschauern. Und auch an ihn knüpfen sich geschichtliche Erinnerungen, die fü' jeden deutschen Turner und Vaterlandsfreund theuer sein müssen. Ist es doch derselbe P atz, auf dem die todteSmuthige Schaar der Lützower, in deren Reihen Jahn m t allen wehrfähigen Turnern der Hasenhaide eingetreten war, zusammentrat, um in den Kampf für Freiheit und Vaterland hinauszuziehen. Und über ihn herein ragt jmes Königshaus, aus welchem Friedrich Wilhelm der Dritte 1813 den Aufruf an seinVilk erließ, dem Jahn und die von ihm für das Vaterland begeisterte Turnjugend unter den Ersten bereitwillig folgten.
An Euch, Turner, ist es nun, zum schönen, nationalen Feste, das durch Z-st und Ort eine höhere Weihe erhält, recht zahlreich zu erscheinen. Wie vor zwei Menschen altern, so sehen auch in diesem Jahre die Bewohner Breslau's Eurem Einzüge voll Erwartung entgegen: vor allem die zahlreich: Turnerschaft, der viele Jünglinge und Männer aus allen Lebenskretsen und Altersstufen bis zu den höchsten hinauf thätig angehören; nicht minder die Behörden der Stadt, welche dem Turnen feit langer Zeit, eine werkthätige Förderung angedeihen lassen, u id der weitaus größte Theil der Bürgerschaft, welche den Werth der Leibesübungen für leibliche u ib sittlich' Hebung bes Volkes wohl zu würdigen weiß. Ihr werdet die Häuser und Herzen bei uns offen fiaden! Mit reger Theilnahme wird man bei uns den Liedern und Worten lauschen, die Ihr dem Andenken des volksthümltchen Erneuerers der Turnkunst weihen wollt, den Musterleistungen und Wettkämpfen zuschauen, welche von der Blüthe der deutshen Turnerfchaft ausgesührt werden sollen, und sich nach Kräften an den letzteren beteiligen. Fürsorglich wird man darauf Bedacht nehmen, daß es Euch bei den turnerischen Anstrengungen nicht an des Lebens Nahrung und Nothdurft gebreche, daß Ihr nach den Mühen des Tages eine Stätte findet, wo Ihr Euer müdes Haupt niederlegen könnt.
Darum auf, du deutsche Turnerschaft aus dem Reich und aaS Ost erreich und Ihr turnerischen Freunde unter den anderen Völkern! Rüstet Euch bei Zstten zur Turnfahrt nach der gemüthlichen Hauptstadt Schlesiens und in's herrlich-R.esengebirge! Sorget dafür, daß zum fünften allgemeinen deutschen Turnfeste 1878 mindestens eben so viele Hunderte von Turnern in Breslau erscheinen, als einst im Jahre 1818 unter Jahn's Führung Einzelne eingezagen sind! Breslau's Behörden, Bürger un> Turner sind bereit, Euch hrrzlich zu empfangen!
** Die Frankfurter Zeitung schreibt unter dem 9. c. in Betreff des Ausschreibens zur General-Versammlung der Landwirthschaftlichen Kreditbank tn Frankfurt a. M. wie folgt:
„Auf der Tagesordnung der am 25. d. M. stattfindenden Generalversammlung steht neben den gewöhnlichen Berathungsqeqenstänben auch ein Antrag „$ 35 po8. 3 betreffend". Man sieht wohl, daß $ 35 der Statuten gemeint ist, es handelt sich aber, wie wir erfahren, nicht um einen Antrag auf Abänderung des Paragraphen sondern um den Antrag eines ActionärS auf Liquidation des Unternehmens."
Wir glauben um so mehr unfern Lesern diese Notiz nicht vorenthalten zu sollen, da es ja notorisch ist, daß eine sehr große Zahl von Setten dieser Bank an Bewohner hiesiger Gegend untergebracht sind, welche ohne genaue Kenntniß dieses Punktes 6 jener Tagesordnung gewiß nicht v-rmuihen konnten, daß in jener General Versammlung über ihr Vermögen solch wichtige Discufsionen bevorstänben.
Es ist denselben nur zu empfehlen, sich von der Sachlage Kenntniß zu verschaffen, um ihre Interessen vertheidtgen zu können.
— Der Segen neuer Erfindungen macht sich bereits auf dem Lande geltend. Ein Städter besucht einen alten Freund auf seinem Landsitz und bemerkt in dessen Schlafzimmer die Drücker zweier elektrischer Leitungen.
Wozu zwei Leitungen? fragte der Städter.
Nun, mit der einen Glocke rufe ich den Bedienten.
Und apo befindet sich die zweite?
Im Hundestall, antwortet mit schlauem Lächeln der Landbewohner. SobaldZich des Nachts einen Dieb verspüre allarmtre ich die Hofhunde.
Handel und Verkehr.
Gießen, 16. April. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter, per Pfd JL 1—1.10, Hühnereier, per Stück 5 (Sänfeeier per St. 11 H, Enteneier, per St. 6 H, Käse, per Stück 5—9 H, Käsematte, per Stück 3 H, Erbsen, 1 Liter 20 Linsen, 1 Liter 22 H, Tauben, das Paar 90 H, Hühner, per Stück JL 1.50, Hahnen, per St. JL 1.60, Enten, p. Stücke 3.50, Kartoffeln, 100 Kilo 7 20 H. Ochsenfleisch
70 $ per Pfd., Kuh- u. Rindfleisch 56—60 Schweinefleisch 64 Kalbfleisch 50 bis 56
Frankfurt, 15. April. Der heutige Viehmarkt war bei hohen Preisen gut befahren. Angetrieben waren 370 Ochsen, 210 Kühe, 220 Kälber und 300 Hämmel. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. Jt 68—70, 2. Qual. JL 64—66, Kühe und Rinder 1. Qual. JL 60-62, 2. Qualität 52—54, Kälber 1. Qualität JC 63—65, 2 Qual, je 58—60, Hämmel 1. Qual. je. 64—66, 2. Qual. JC. 56—60.
Frankfurt, 15. April. (Fruchtbericht) Die Prachtwitterung und die bevorstehenden Festtage haben die Umsätze am heutigen Markte beeinträchtigt. Weizen ab unserer Umgegend sehr ruhig, JL 24 Cours; fremder je nach Qualität und Herkunft von Jl. 23.75—25. Roggen flauer. Prima norddeutscher mit JL 18 bezahlt, französischer aus zweiter Hand 18.20 genommen. Gerste kaum genannt, taxiren nur (Sourfe. Hafer ist wieder in seinem alten flauen Geleise von JL 14.50—16 50 je nach Qualität. Am Mehlmarkt keine Aenderung. Käufer abwartend. Futterstoffe fest.
Mehl Nr. 1 JL 42, Nr. 2 38, Nr. 3 34, Nr. 4 jl 38, Nr. 5 jl 24, Roggenmehl % (Berliner Marke) 25, do. II. (Berliner Marke) 21, Weizen, effect. hies. JL —, ab Bahnhof hier JL 24—25, ab unserer Umgegend 23.75—24, do. fremder le noch Qualität JL 23.75-25.—, Roggen je nach Qualität JL 17.75-18.25, Gerste JL 19 bis 23 —, Hafer 14—16.50, Kohlfamen JL —, Erbsen JL 19—23, Wicken JL 15 bi8 17.—, ßinfen 19—23, Rüböl, detail, JL 78. Stimmung matt. Hauptsächlich gefragt war: —; dringend offerirt: — (Die Preise verstehen sich sämmtlich per 200 Pfund Zollgewicht — 100 Kilo )
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