Mo. 41. ' Sonntag, den 17. Februar 1878.
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politisch
Deutschland.
München, 14. Februar. Die Abgeordnetenkammer nahm den Art. 10 des Finanzgesetzes, betr. die Einführung des Malzaufschlages in der Pfalz, fast einstimmig an, ebenso den dazu gestellten Antrag Vaillant's: das über den Betrag von 1,500,000 Mark aufkommende Plus des Malzaufschlages solle den pfälzischen Kreisgemeinden zufallen. — Der Antrag Haucks auf Revision des Notariatsgesetzes wurde wegen Behinderung des Justizministers auf morgen vertagt.
Hesteneich.
Wien, 14. Februar. Im Abgeordnetenhause befürwortete der Handelsminister bei Berathung der Zollvorlage das Eingehen aus die Specialdebatte; derselbe hob dabei hervor, daß der vorgeschlagene Tarif nicht einen so arg pro- tectionistischen Charakter habe, wie man ihm vorwerfe. Die Regierung habe an ihrem anfänglichen Programme festgehalten, nämlich: Aushebung des englischen Nachtragsvertrages, thunlichstes Festhalten an dem Conventional-Taris und Offenhaltung der Möglichkeit günstiger Verträge. Der Vertrag mit Deutschland sei gescheitert, weil letzteres augenblicklich keine dringende Ursache habe, den Vertrag fertigzustellen, während Oesterreich wegen des Ausgleiches an eine bestimmte Frist gebunden sei. „Die Regierung wollte den Vertrag, will ihn noch und hofft auf deffen Zustandekommen. Die Regierung wollte nicht die Schutzzollpartei um den Preis des Tarifes für den Ausgleich gewinnen, sondern die Industrie kräftigen und fördern."
Rußland.
Petersburg, 14. Febr. Russische Blätter erinnern an die vorjährigen Worte des Fürsten Bismarck, daß Deutschland bei der OrtentkrisiS für die Aufrechterhaltung des allgemeinen Friedens wirken werde, und fügen hinzu, daß die Rolle eines Schiedsrichters Deutschland um so mehr zukomme, als es durch sein militärisches Uebergewicht und durch das Nichtinteressirtsein an der Orientsrage die einzige Macht sei, welche diese Rolle wirksam durchführen könne, indem es sich gegen Denjenigen entscheide, welcher jetzt den ersten Kanonenschuß abgeben würde.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr» Eorrespondeuz-Brrreau»
Konstantinopel, 14. Februar. Die britische Flotte hat (wie bereits wiederholt gemeldet) die Dardanellen passirt und wird Abends bet Prinkipos erwartet. Zwei Panzerschiffe sind bei Gallipoli zurückgelaffen, vier werden bet den Prinzentnseln stationirt. Der „Flamingo" wird nach dem Bosporus segeln, um die Verbindung mit Layard zu unterhalten. Das britische Consulat hat die freie Einfuhr von 3000 Tonnen Kohlen nachgesucht.
— Die Botschaft, mit welcher vom Sultan die Auflösung des Parlamentes begleitet wurde, motivtrt die Maßregel durch die gegenwärtige Lage der Dinge, enthält den Ausdruck des Dankes für die erwiesenen Dienste und spricht die Hoffnung aus, daß das neue Parlament bald einberusen werden könne.
London, 14. Februar. Das beabsichtigte Meeting der Conservativen im Karlton-Club wurde abbestellt in Folge einer von der Regierung ausgehenden Mcttheilung, daß es bei der gegenwärtigen ernsten Lage der Dinge nicht rathsam sei, die Agitation gegen Derby fortzusetzen.
Petersburg, 14. Februar. Eine Depesche des „Golos" meldet: Die türkischen Bevollmächtigten aus Erzerum trafen bet dem Commandeur des russischen Corps ein, um wegen der Räumung Erzerums binnen 7 Tagen in Verhandlung zu treten. Wie verlautet, werden die Russen Erzerum am 17. Febr. besetzen.
London, 15. Februar, Abends. Im Unterhause erwiederte Unterstaats- secretär Bourke auf eine Anfrage von Lewis: die Regierung habe Berichte erhalten, wonach die Ruffen einige Polen hätten aushängen lassen. Die Vorlegung der Berichte sei vor Einholung weiterer Informationen unthunlich. Die Polen in Konstantinopel hätten Layard's Schutz nachgesucht; die Regierung Hobe Layard wtffen lasten, daß der britische Schutz Ausländern nicht gewährt werden könne, wohl aber sei es statthaft, Nothleidenden gute Dienste zu leisten, um ihnen die Erreichung sicheren Lebensunterhaltes zu ermöglichen.
— Auf Anfrage Gladstone's erklärte Northcote: Ueber die speciellen österreichischen Interessen, aus welche Gortschakoff von Andraffy am 30. Januar hingewtesen worden, sei er nicht unterrichtet. Auf wettere Erkundigungen erklärte derselbe: Er habe gehört, daß 1400 russische Matrosen nach der Donau gesendet seien; ob dieselben die Donau passirt hätten, Wiste er nicht. Deutschland habe erklärt, daß es unter den jetzigen Umständen ein Firma» für das Einlaufen deutscher Kriegsschiffe in die Dardanellen nicht nachzusuchen beabsichtige. Aus den britischen Protest betreffs der Besetzung Konstantinopels sei noch keine Antwort Rußlands eingelaufen. — Im Oberhause erfolgte keine wichtige Erklärung von Seiten der Regierung.
Wien, 15. Febr. Die „N. Fr. Preste" verzeichnet das Gerücht, der
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Reichs-Finavzmtnister Baron Hofmann gehe nächster Tage in besonderer Mission nach London.
— Das Abgeordnetenhaus beendigte die Generaldebatte über den Zolltarif; zu Generalrednern wurden gewählt Auspttz gegen und Skene für die Vorlage. Corveini beantragte die Einsetzung einer Commission von 18 Mitgliedern behufs Herbeiführung von Ersparungen im Staatshaushalte.
Wien, 15. Februar. Die „Polit. Corresp." meldet aus Konstantinopel von gestern Abend: In diplomatischen Kreisen wird der Einmarsch der Rusten momentan für weniger wahrscheinlich betrachtet als in den letzen Tagen; ebenso trägt der Umstand, daß die britische Flotte ohne Collission ihre Einfahrt bewirkte, zu einer ruhigeren Anschauung über die Entwicklung des englisch-russischen Verhältntstes bei. Daß die Passage der britischen Flotte lediglich von einem Protest der Türkei begleitet worden ist, wird mit der angeblichen Entblößung der meisten Dardanellenforts von Geschützen erklärt; letztere seien nach Tscha- taldja transportirt gewesen.
Berlin, 15. Febr. Fürst Bismarck begab sich heute Nachmittag 4 Uhr zu Sr. Maj. dem Kaiser in das Palais, wo er bis gegen 5 Uhr verweilte. Die aus heute angesetzt gewesene Sitzung des Bundesraths-Ausschufles sür den Gesetzentwurf, betr. die Stellvertretung des Reichskanzlers ist auf Sonntag vertagt.
Petersburg, 15. Februar. Die „Agence Rüste" sieht übereinstimmend mit dem „Journal de St. Petersb." und anderen Journalen in der trotz des Protestes des Sultans erfolgten Einfahrt der britischen Flöte in den Bosporus eine Verletzung des Pariser Vertrages von 1856.
London, 15. Februar. „Reuter's Büreau" meldet aus Konstantinopel vom heutigen: Die Panzerschiffe „Alexandra", „Termeraire", „Sultan" und „Achilles" sind Morgens 8 Uhr bei den Prinzeninseln vor Anker gegangen, „Agincourt" und „Swistsure" sind bet Gallipoli, „Raletgh", „Hotspur" und „Ruby" in der Besika-Bai geblieben.
London, 15. Februar. „Reuter's Bureau" meldet aus Konstantinopel, Layard habe Lord Derby mitgetheilt, daß der Kaiser von Rußland an den Sultan telegraphirt habe, er werde, falls die britische Flotte vor Konstantinopel erscheine, die Umgebung der Stadt in freundschaftlicher Absicht besetzen. — Es soll unrichtig sein, daß der türkische Ministerrath die Abreise des Sultans nach Bruffa für den Fall des Einmarsches der Rusten in Aussicht genommen habe, der Sultan werde vielmehr in diesem Falle in Konstantinopel bleiben.
— Die Regierung hat in Sheffield eine große Anzahl stählerne Kanonenrohre und eine erhebliche Quantität Gewehrläuse bestellt. — Die Behörde in Malta wurde angewiesen, über den disponiblen Barackenraum zu berichten, da es wünschenswerth erscheine, in Malta Reserve-Mannschaften zur schleunigen Verstärkung der Orientflotte zu stattoniren.
— Die Note Derby's an das russische Cabtnet bezüglich der Besetzung Konstantinopels ist „Daily News" zufolge in gemäßigtem Tone gehalten. Derby drücke seine Befriedigung darüber aus, daß Rußland keine feindseligen Pläne verfolge und die Besetzung Konstantinopels den Schutz der Christen aller Nationen bezwecke. Der Unterschied zwischen dem Vordringen der Rusten und der Bewegung der britischen Flotte sei der, daß Rußland bis vor Kurzem eine feindliche Macht gewesen, während die Flotte einer befreundeten Macht angehöre ; es sei zu befürchten, das russische Vorrücken werde in Konstantinopel große Aufregung Hervorrufen.
Wien, 15. Februar. Das von der „Neuen Fr. Pr." gemeldete Gerücht, der Reichs-Finanzmintster Hofmann begebe sich nächster Tage in besonderer Mission nach London, wird von anderer sonst wohl unterrichteter Seite als gänzlich unbegründet bezeichnet.
Madrid, 15. Februar. Bei Eröffnung der Cortes stellte der König denselben die Königin vor und verlas eine Rede, in welcher es heißt: er habe mit Genugthuung gesehen, wie seine Wahl, die durch die Vorzüge der Königin bestimmt worden sei, von der Nation und den fremden Mächten ausgenommen worden sei; er und die Königin würden ihre begrenzten Kräfte dem Glücke Spaniens weihen. Der König sprach hierauf allen Souveränen und Staats- Oberhäuptern die ihm bet Gelegenheit seiner Verheirathung ihre Sympathie bezeugten, seinen Dank aus und erwähnte des betrübenden Hintrittes des Papstes; er hoffe, die Vorsehung werde das Conclave erleuchten, daß es einen neuen Papst wähle, der die Eintracht zwischen Kirche und Staat sichere. Der König schloß mit dem Wunsche, die herzlichen Beziehungen zu den Mächten aufrechtzuerhalten.
Stuttgart, 15. Februar. Die Majestäten haben San Remo ver- laflen; die Königin ist vorerst nach Nizza übergesiedelt, während der König morgen nach Stuttgart zurückkehrt. __
Sctiirfsberlciit. Mttgelheill von Dem feinen oeS ’RoroDeuncOcn Lloyd E. W. Dietz in Gießen.
Southampton, 13. Febr. Das Pofidampfscb<ff Oder, Capt. C. Leist, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welches am 2. b. Mts. von Newport abgegongen war, ist heute 11 Uhr Vormittags wohlbehalten hier ongekommen und hat nach Landung der für Southampton bestimmten Passagiere, Post und Ladung 1 Uhr Nach mittags die Reise nach Bremen fortgesetzt. Die Oder überbringt 76 Passagiere und volle Ladung.


