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1878.

Samstag, den 16. November

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Lietzener "Anzeiger

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* Jur allgemeinen politischen Lage.

Der Stillstand, in welchem sich die Aussühru,lg des Berliner Friesens- Beitrages befindet, dauert augenblicklich noch fort. Nicht nur, daß die Pforte Bch immer keine Anstalten trifft, um die vom Congreß geforderten Gebieti-- «diretungen in's Werk zu setzen, auch der in Rumelien und Macedonien aus- «etrochene Aufstand, welcher die Trennung Nordbulgariens vom Süden zu Hintertreiben bezweckt, macht unleugbare Fortschritte. Trotzdem ist die gegenwärtige Lage der Dinge keineswegs so gefahrdrohend, wie es den An-

Wien, 13. November. DiePolit. Corresp." meldet aus PererSburg vom 13. d.: In den mit dem kaiserlichen Hoflager in steter Fühlung befind­lichen Kreisen glaubt man, Graf Schuwaloff hätte Instruction erhalten zu ge­legentlichem Meinungsaustausch bet der Reife nach Wien mit den maßgebenden Factoren der österreichisch-ungarischen Politik, ^ürde fich die Gelegenheit ergeben, so sei Gras Sckuwaloff ermächtigt, die ernsten Absichten Rußlands zu betonen, den Berliner Vertrag in allen Theilen durchzusühren, und dabei au diejenigen Momente der gegenwärtigen Situation auf der Balkan-Halbinsel hinzuweisen, welche die aufrichtigen Absichten Rußlands lähmend beeinflussen. Rußland könnte seinen aus endgültige Durchführung des Berliner Vertrages gerichteten Absichten nicht kräftigeren Impuls geben, so lange die Pforte den Bestimmungen des Berliner Vertrages bezüglich Montenegros und Griechen­lands nicht gerecht werde, und so lange man in Konstantinopel auswetche, die Punkte zu bereinigen, die für die unmittelbare Vereinbarung mit Rußland tm Berliner Vertrage offen gelaffen worden. Die in Petersburg verbreitere Version, Graf Schuwaloff sei der Üeberbrtnger eines Handschreibens des Kaisers Alexanders an den Kaiser Franz Joseph bedarf der Bestätigung.

DasTelegr.-Corresp.-Bureau" meldet aus Rom von heute: Die aus Deutschland ausgewiesenen Bischöfe haben an den Vatican ein Memoran­dum gerichtet, worin sie in Folge erhaltener Aufforderung ihre Anschauungen in Betreff einiger Punkte der Unterhandlungen darlegen. Die Bischöfe sprechen in dem Memorandum auch den Wunsch aus, daß man zu einem billigen Ueber- einkommen gelangen möchte.

Portugal.

Lissabon, 9. November. Der Zeitung£) Primeiro de Janeiro" ent-

----------i Lilrsichermigen, daß es auf Kem Boden des Berliner Vertrags zu bleiben ge- . -teufe, nicht fehlen.

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AranKreich.

Paris. Nach kurzer Pause, welche die Eröffnung der französischen Kammern mit sich brachte, wird Gambetta demnächst wieder mit feinen großen öffentlichen Reden fortfahren. Man kann nicht leugnen , daß bei der Auswahl der zu besprechenden Themata eine große Geschicklichkeit vorwaltet. Zuerst fvrach der Führer der Republikaner über die innere Politik Frankreichs, dann über seine Beziehungen zum Auslande, es folgten die den Eulturkampf vmbe- reitenden Angriffe aus die Klerikalen, darauf in besonverer Rede die Forderun- aen bezüglich der Organisation des Schulwesens und nunmehr wird -ine am 17. Novbr. stattfindcnde Festlichkeit Gambetta Gelegenheit geben, sich über die in den sranzösischen Colonien, namentlich in Algier, nothwendigen Reformen auszusprechen. Es wird das Fest am 17. Novbr. unter dem Vorsitz des Sena­tors Schölcher von der Insel Martinique zu Ehren der Abschaffung der Scla- verei in den französischen Colonien veranstalten. Gambetta aber wird dann mit fast allen Punkten feines Programms hervorgetreten fein, und die thatsach- liche Vorbereitung seiner Candidatur für die Präsidentschaft in Angriff nehmen können.

England.

London, 13. Novbr. Eine Meldung desDaily Telegr." aus Pera will wissen, die Pforte hätte die Rectifictrung der griechischen Grenze im Prn'- cipe angenommen und dem griechischen Gesandten die Ernennung vom Delega­ten vorgeschlagen.

icfOTmtten. M @Ta|en Schuwaloff, des Friedensvermittlers vom vort-

aea Frühjahr, hat um so günstigere Aussichten, als alle Mächte, England nicht ausgenommen, den Frieden brauchen, um den wirthschaftlichen Aufschwung ihrer Völker nicht länger zu hemmen. Zudem steht last not least im Hm- le^arunde der Action noch immer wachsam und mit allen Kräften aus die Er- bJLm des Weltfriedens bedacht die deutsche Reichsregirung, deren Einfluß sich im entscheidenden Augenblick mit gewohnter Energie und Weisheit geltend Dicken wird. Wir glauben daher, aller Wolken, die annoch den politischen Horizont verdunkeln, ungeachtet, einer fortschreitenden Klärung und Beruhigung rr allgemein en Lage entgegensehen zu dürfen.

Die Frage der griechischen Grenzberichtigung scheint durch einen Vorschlag der französischen Regierung, zur Erledigung derselben gemeinsame ernste Vor- fl stellungen der Mächte in Konstantinopel zu machen, in Fluß kommen zu sollen. England hat zwar diesen Vorschlag unter Hinweisung auf die in den betr Grenzbezirken herrschende Aufregung als für den gegenwärtigen Augenvua inopportun bezeichnet, sich aber doch damit einverstanden erklärt, daß die Mächte einzeln cs noch einmal versuchen möchten, die Pforte zur Erfüllung der vertragsmäßig von ihr übernommenen Verbindlichkeiten zu bewegen. Die Griechen werden daher trotz aller begreiflichen Ungeduld für's Erste den Erfolg des bevorstehenden diplomatischen Feldzugs abwarten müssen. Überhaupt lautet die Loosung jetzt allgemein: Aufrechterhaltung des Berliner Friedens! Lord Beaconsfield besonders hat soeben in seiner Rede bei dem Lord-Mayors> Fest die nachdrückliche Erklärung abgegeben, daß die englische Regierung aus der Durchführung der Vertragsbestimmungen fest bestehen werde, und den Ver­dacht, als gehe irgend eine Macht daraus aus, sich von diesen Bestimmungen kiüsetttg loszusagen, entschieden zurückgewtesen. Selbst Rußland läßt es an

d im=£o|i n jhsWw. ISSEN sei, Plante- den ersten^!

Deutschland.

Frankfurt, 13. November. Die seit 1871 geplante Nidda- Regu- rung ist durch die Ausarbeitung der Detail-Pläne und die zu Anfang nächster Woche stattfindenden Consercnzen wieder einen Schritt weiter gerückt. Große Hoffnung scheint man auf eine rasche Durchführung in den maßgebenden Kreisen nickt zu hegen, obschon sie im landwirthschaftltchen Interesse geboten ist; gleich- wohl dürste die Ausführung einzelner Bauten nicht ausbletben. Um ^htere ohne Benachthetligung der Angrenzer Herstellen zu können, mußte in der Gestalt eines allgemeinen Projects ein Rahmen geschaffen werden, in den sich die spo­radischen Ausführungen einzufügen haben. Zur Ueberwachung derselben ist pro- ponirt, von hessischer und preußischer Seit« je einen Commiffar zu ernennen. Die Regulirung und Melioration soll bei Gronau anfangen und bis zur Mün­dung der Nidda in den Main geführt werden; 17 preußisch- und 5 hessische Ortschaften sind davon berührt. Die Regulirung des Fluffes geschieht zum Zweck, das Fiußthal von unzeitigen Ueberfluthungen zu befreien unb bag Fluß­bett unb seine Bauwerke derart anzulegen, daß sie die rasche Abführung des Wassers gestatten. Die Kosten sollen chie einzelnen Gemeinden trägem

Magdeburg, 13. November. DieMagd. Ztg." veröffentlicht eine Erklärung des Viceadmirals a. D-, Werner, aus Wiesbaden, laut welcher er nur für das Brockhaus'sche Conversations-Lexikon die die Marine betreffenden Artikel verfaßte und außerdem in seiner amtlichen Stellung derKieler Ztg. osfictelle Marine-Nachrichten zugehen ließ.

Hesterreich.

PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerloh^

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montags. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

------- Es fraßt fick freilich sehr, ob diese Versicherungen ernst gemeint sind und ' ob nicht die Verhältnisse eine vollständige Durchführung des Friedens unmog«

MM lieh machen. Die Ansichten und Absichten der russischen Regierung sind aller Welt bekannt. Schon ist Graf Schuwaloff, nachdem er in Apadia Mi dem ! , ae freier Alkrcmder Berathungen gepflogen, unterwegs, UM mit den nachstbetheiligten

dvem* ®Ä"en einer durch die Umstände gebotenen Modistcation,

reip. Erweiterung des Berliner Vertrags zu unterhandeln. In Pesth, wo er augenblicklich aushält, wird er aller Voraussicht nach für seine Vorschläge ein geneigtes Ohr finden. Nicht ohne Grund hat Kaffer Franz Joseph dle Delegationen aufgefordert, ihre Bemühungen mit denen der Regierung zu ver­einen, um das begonnene Occupationswerk zum Ruhme der M«)narchie und zur Befestigung der innern und äußern Verhältnisse einem glücklichen Ende^ zuzu- slhren. Bedeutsam ist auch, daß die osficiösen Organe der öfterretchffchen Negierung gerade jetzt so viel von den alten Traditionen des Kaiserstaates üben und daran erinnern, wie schon zwischen Joseph II. und der.C^rm Katha- tma abgemacht worden sei, daß bet einer Ausdehnung der russffchen Macht- srbäre über den Osten der Balkan-Halbinsel Oesterreich aus Rücksichten des pllittschen Gleichgewichts für sich die Lmie Belgrad - Salonichi fordernmüsse.

gewiß Oesterreich sich vor der Hand auf die Organisation der^Verwaltung Bosniens und der Herzegowina beschränken wird, so gewiß wird es spater och weiter nach Süden vordringen, wenn es zur Gründung eines großbulga- ',d *68erf b"rm2aufOlbeCr Ding- schließlich auch Englaub zwingen wirb, las Unabwendbare geschehen zu lassen, wenn es dabei nur sur sich^die erfor- i.riiche Entschädigung herausschlagen kann, lehrt dessen bisherige HaUung zu tkutlich, als daß man noch daran zweifeln könnte. Lord Beaconsfield selbst tat in seiner neulichen Rede gesagt, die gegenwärtige Lage ber ®inge sei zwar nij,t aber aefahrvoll. Die Ziele, welche er für bte Sicherung bes iudi- sz-en'Re^es ausgestellt hat, werben auf russischer Seite keine Mißbilligung finden. Hat sich boch Rußland schon zu einer Vermittlung bei dem Emir von tlsahanistau erboten unb zur Feststellung einer für beibe M^e Passenden Grenzlinie des Einflusses in Asien bereit erklärt, wenn sich England dafür zu einer neuen Verständigung über die Ordnung d-r Dinge in Europa herbeilassen wolle. )n Beaconsfield's Rede ist nicht das geringste Anzeichen vorhanden, daß er eine solche freundschaftliche Vereinbarung von vornherein zurückweisen sollte, im Gegen« . Ml deutlich genug zwischen den Zeilen zu lesen daß ec nicht zaudern «erde | thun, was ihm zur Sicherung der englischen Interessen nothwend g schemt, sobald sich die" Unmöglichkeit herausstellt, die türk,sch- Verwaltung zu

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