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Mr. 215. Sonntag, den 15 September 1878.
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NrdarttoaAbmeeaur Gartenstraße B. 165.
Grpe-ttivn-dvrea«r Schulstraße 8. 18.
Erscheint täglich mit «uSnahm» des Montag-.
Preis vierteljährlich 2 Mar? 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Amtlicher HyeiL Bekanntmachung.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Großherzogliches Ministerium des Innern der Deutschen Feuerverficherungs-Actiengesellschaft zu Berlin die Erlaubniß zur Wiederaufnahme des Geschäftsbetriebs im Großherzogthum erthetlt hat.
Gießen, den 13. September 1878. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. D.:
Dr. Hoffmann, Regierungsrath.
Bekanntmachung.
Großherzogliches Ministerium des Innern hat dem katholischen Kirchenvorstand zu Engelthal, im Kreise Büdingen, zur Aufbringung der Kosten noth- wendiger Wtederherstellungsarbetten an der dortigen katholischen Kirche die Veranstaltung einer Ausspielung einer Anzahl zu diesem Zweck geschenkter Gegenstände unter der Bedingung gestattet, daß nicht mehr als 3000 Loose ä 50 ausgegeben werden und der Gesammtwerth der Gewinngegenstände wenigstens 60% des Brutto-Ertrags der Loose zu betragen hat.
Der Vertrieb der betreffenden Loose im Großherzogthum ist gestattet worden.
Gießen, am 12. September 1878. Großherzogltches Kretsamt Gießen.
I. V.:
Dr. H offmann, Regierungsrath.
N o r i t i s ch e r T h e i l.
JeutfHkand.
Darmstadt, 13. September. Von der Tabak-Er.quete-Commtssion in Berlin ist behufs Vornahme örtlicher Erhebungen im Gebiete des Tabakbaues, der Tabakfabrikation und des Tabakhandels für das Großherzogthum die Ein- sttzuug einer Bezirks-Commission mit dem Sitze in Darmstadt beschlossen worden.
Auf Vorschlag der Großherzogltchen Regierung sind:
1) der Großh. Obersteuerrath Herr Friedrich Hahn zum Vorsitzenden; 2) der Gutsbesitzer Herr Peter Ehatt zu Virnheim, 3) der Gutsbesitzer Herr Martin Boxheimer IV. zu Lampertheim, 4) der Fabrikant Herr Adolf Noll zu Gießen, 5) der Fabrikant Herr Heinrich Schirmer zu Gießen, 6) der Fabrikant Herr Fritz Stroh (in Firma Gebrüder Bernard) zu Offenbach, 7) der Tabakhändler Herr Grau sen. (in Firma Gebrüder Grau) zu Offenbach, 8) der Bürgermeister Herr Schönherr zu Lorsch zu Mitgliedern der erwähnten Bezirks- Lommission bestellt worden.
Man bringt dies unter dem Anfügen zur öffentlichen Kenntniß, daß die Bezirks-Commission ihre Thätigkett demnächst ausnehmen wird.
Berlin, 11. Septbr. Die Interpellation Mosle wegen des Unterganges des „Großen Kurfürsten", welche bereits eingebracht worden ist, wird vor- ousfichtlich noch vor der ersten Lesung des Socialistengesetzes auf die Tagesordnung gestellt werden. (Siehe den telegr. Bericht der Reichstagsverhandlungen vom 13. d. D. Red.). Die Fassung der Interpellation, welche nicht nur nach den Ursachen des „Unfalls" fragt, sondern auch nach den etwa schon ergriffenen Maßnahmen, um der Wiederholung solcher Unfälle nach Möglichkeit vorzubeugen, läßt durchbltcken, daß auch nach der Ansicht der Interpellation der Untergang des „Großen Kurfürsten" nicht lediglich die Folge eines Unglück lichen Zufalles ist. Auf die Antwort des Chefs der Admiralität und mehr ; noch auf die voraussichtlich an dieselbe geknüpfte Besprechung darf man mit Recht gespannt sein. Es ist nicht anzunehmen, daß die Einleitung des kriegsgerichtlichen Verfahrens gegen die zunächst bethetligten Osficiere den Chef der Admiralität abhalten wird, die Interpellation annähernd zu beantworten. Die Interpellation selbst wie die Thatsache, daß dieselbe in erster Reihe »on den hervorragendsten Mitgliedern der national-liberalen Fraktion, v. Bennigsen, Lasker, sodann Richter u. s. w. unterstützt ist, scheint jede ausweichende Erklärung unmöglich zu machen.
Kaffel, 11. Septbr. Der während der Anwesenheit des Kaisers in Aussicht genommene große Zapfenstreich wird, wie ich höre, am 19. d. Mts., jrdoch nicht auf Wilhelmshöhe, sondern in Kassel stattfinden, und zwar unter Leitung des Musikdirectors Adam vom 115. Regiment. Die Musik« und Tambour-Corps der sämmtlichen manövrirenden Truppen werden an diesem Tage in der Stärke von etwa 900 Mann per Extrazug nach Kassel befördert.
Italien.
Rom, 12. Septbr. In Folge mehrerer Fälle der Niedermetzelung von Katholiken auf der Balkan-Halbinsel hat der Papst den Cardinal Nina beauftragt, die Aufmerksamkeit der Mächte hierauf zu lenken und um ihren Schutz für die Katholiken nachzusuchen.
Rußland.
Petersburg. Der „Vorstadt-Ztg." wird aus Petersburg telegraphirt: Am Sonnabend, während der Krönungsfeier in der Jsaakkirche, sand man plötzlich unter den Füßen des Publikums Hunderte von Druckschriften. Oben war auif denselben ein schwarzer Todtenkopf, darunter roth gedruckt: „Betet nicht im das Leben des Tyrannen, denn er ist so gut wie tobt; diesem Schicksale ^Seht er nicht, dafür bürgen wir mit Allem, was hoch und heilig ist. Das
Revolutions'Comite." Der Vorfall erregte gewaltigen Eindruck unter dem Publikum, welches meist aus Generalen, Officieren und Beamten bestand.
■■■i»— Telegraphische Depeschen.
Wagner'- telegr. Torresvoudeuz ■ iBxrearr.
Berlin, 13. September. Beim Beginn der Reichstagssitzung ersuchte Präsident v. Forckenbeck das- Haus, die Genehmigung zu ertheilen zum Erlaß einer Beglückwünfchungs- adreffe an Se. Majestät den Kaiser zur glücklichen Genesung und fortschreitenden Besserung und event. das Bureau mit der Ausführnng der Adresse zu beauftragen. (Bravo.) Die Zustimmung des Hauses erfolgte durch Acclamation. Das Haus ging zu der Interpellation Mosle bezüglich des Zusammenstoßes des „König Wilhelm" mit dem „Großen Kurfürsten" über. Auf Befragen des Präsidenten erklärte sich Minister v. Stosch zur sofortigen Beantwortung derselben bereit. Mosle begründete hierauf seine Interpellation, theilte den Hergang bei dem Unglücksfalle mit und fuhr dann fort: ähnliche Unfälle seien nicht zu vermeiden, doch sei nicht zu verkennen, daß im vorliegenden Falle Versehen gemacht sein müßten, da die Verhältnisse aus See normal gewesen. Das Unglück scheine durch falsch verstandene Commandos herbeigeführt worden zu sein. Bedauerlich sei, daß die Klarstellung der näheren Umstände so lange vorenthalten worden, daß in Folge des Schweigens der Admiralität den gravirendsten Behauptungen in der Presse Raum gegeben sei und das in der Admiralität herrschende System für den Unglücksfall verantwortllck gemacht werde. Er eigne sich nicht diese Vorwürfe an und hoffe, der Chef der Admiralität werde dieselben widerlegen; das sei der Zweck der Interpellation. Er hoffe, das Material über die kriegsgerichtliche Untersuchung werde später dem Reichstage vorgelegt. — Minister v. Stosch dankte dem Interpellanten, daß er ihm Gelegenheit gebe, über das von ihm am tiefsten beklagte Unglück vor dem Reichstage zu sprechen. Während der Untersuchung habe ihm kein Recht zugestanden, die Thatsachen zu veröffentlichen. Die Anklageschrift sei abgeschlossen. Daraus vor der Verhandlung Mittheilungen zu machen, verbiete schon das Preßgesetz; er sei in dieser Beziehung außer Stande, Mittheilungen zu machen. Betreffs der Fluth von Vorwürfen, welche die Presse gegen ihn erhoben, bemerkte er, daß die Marine, wie sie jetzt bestehe, auf die von ihm ergangenen Anordnungen sich stütze; welche seiner Anordnungen aber Schuld an dem Unglücksfalle tragen solle, habe er bisher nicht erfahren. Die Ursachen des Unglücks, soweit dieselben ergründbar, seien festgestellt, darüber aber könne er während schwebender Untersuchung sich nicht «ussprechen. Die Frage, ob Vorsichtsmaßregeln gegen die Wiederholung solcher Unglücksfälle getroffen seien, beantwortete er dahin, daß die vorhandenen Maßnahmen vollständig ausreichten. Die Entwickelung der Marine könne nur langsam sein; die Ansprüche dagegen seien große. Er habe während seiner Amtsführung die größten Anstrengungen gemacht, die Marine für den Reichsdienst ausreichend auszubilden. Der Minister ging darauf auf die Ausbildung der Mannschaften, Unteroffiziere und Offiziere der Marine seit 1871 ein und wies nach, daß tüchtigeres Material al8 vor 1871 ausgebildet worden sei. Besonders die Steuerleute der jetzigen Marine erfreuten sich allgemeiner Anerkennung; sie treffe gar kein Vorwurf; sie hätten nur dem Commanvo der Offiziere zu folgen; wenn diese den Kopf verlieren, so könne der Steuermann dagegen nicht ankämpfen. Es sei leicht gesagt: wir hätten keine Erfahrung, mit den großen Dampftoloffen, welche die Neuzeit geschaffen, zu operiren; dazu fehle in allen Marinen die Erfahrung. Der Admiralttätschef betonte schließlich: weder das System noch das Geschwader-Commando treffe ein Vorwurf. Bet der Untersuchung werde jedem sein Recht werden. Das Gesetz, wonach zu verfahren sei, könne von jedem Kriegsgericht gehandhabt werden; dieses könne und werde ihn nicht schonen, wenn ihn eine Schuld treffe. — Auf den Antrag Hänel's beschloß das Haus eine Besprechung der Interpellation. Hänel führte aus: nicht die Person des Admiralitätschefs, sondern eine ganz bestimmte Art und Weise seiner Administration sei Gegenstand der Angriffe in der Presse gewesen, v. Stosch dehnte die Maxime der Verwaltung auch auf den technischen Theil der Marine aus; cs fehle der technische Beirath. Der Solvatismus verdränge das maritime Element. Auch den Vorwurf zu naher Dtstanctrung habe v. Stosch nicht beantwortet. — Der Minister erwiderte hierauf: „Als ich die Leitung der Marine übernahm, unterließ ich es allerdings, den Admiralitätsrath zu berufen. Es handelte sich um ein bestimmtes, wesentlich Neues und in solchem Falle bin ich kein Freund zweifelhafter Majoritäten." Wenn gegen ihn vorgebracht werde, daß er ein Freund der engen Formation sei, so habe er sich allerdings unter Bezugnahme auf kriegerische Operationen so geäußert. Unsere Marine sei so klein, daß sie im Augenblicke der Gefahr auf geschloffenes Operiren angewiesen sei. Die Schiffsleitung sei dann allerdings schwieriger; aber auch das sei zu lernen; je schwieriger die Aufgabe, um so besser die Schulung. Was die Vorlage der Acten anbelange, so gehörten ihm dieselben nicht, doch verspreche er, für Vorlegung der Acten einzutreten. — Nach einer weiteren Aeußerung des Abgeordneten Meier über die nautische Ausbildung der Marine, auf welche v. Stosch replicirte, wurde die Besprechung geschlossen. — Der Antrag Schröder auf Aufhebung der gegen Stützet schwebenden Untersuchung wurde angenommen. - Nächste Sitzung Montag; Tagesordnung: Soctalistengesetz.
Paris, 13. Septbr. Nach Berichten aus Neu - Caledonten, die im Marine-Ministerium eintrafen, hatten am 1. September die französischen Truppen, in 4 Colonnen getheilt, eine Bande aufständischer Kanälen, welche sich im


