— Die Regierung hat den Mächten officielle Mittheilung von den grausamen Acten der Tscherkeffen und Baschi-Bozuks in Thessalien gemacht und energische Beschwerde erhoben anläßlich des gefahrbringenden Zustandes der griechischen Provinzen der Türkei, welcher die Intervention der griechischen Truppen nothwendig zu machen scheine. — 700 Aufständische haben sich im Dorf Vacrinitza bei Dolo verschanzt; 4500 Mann türkische Truppen einschließlich 2000 Egypter bereiten sich zum Angriff auf dieselben vor.
Rom, 13. Februar. Von der Congregatioon der Cardinäle wurden die zur Dienstleistung bestimmten Personen bezeichnet, welche mit den Cardinälen im Conclave eingeschlosien sein sollen. Die Doctoren Antonini und Ceccarelli sind zu Aerzten des Conclaves gewählt worden. Die öffentliche Ausstellung der Leiche des Papstes ist heute um 3 Ühr beendigt. Das Journal „Voce della Verita" äußert sich tadelnd darüber, daß gewiffe klerikale Journale den Namen des künftigen Papstes zu wisien vorgeben. — Der Ministerrath hat sich in seiner Majorität für die Hinausschiebung der Parlamentseröffnung bis nach dem Conclave ausgesprochen.
London, 13. Februar. Die „Morning Post" hört, die conservativen Mitglieder des Parlaments wollen Lord Derby ihr Vertrauen entziehen, im Falle er sich nicht unbedingt der Politik Lord Beaconsfield's anschließen sollte.
Wien, 13. Februar. Die in einem hiesigen Blatte veröffentlichte Analyse einer angeblich neuerdings nach Petersburg gerichteten österreichischen Note wird von zuständiger Sette als apokryph bezeichnet und hinzugefügt, daß bis heute noch keine weitere österreichische Note von Wien nach Petersburg abgegangen ist. Die angebliche Analyse der nicht existirenden Note spiegelt nur die Anschauungen eines Leitartikels des „Pesther Lloyd" wieder.
— Die Generalversammlung der Creditanstalt findet am 30. März statt. Auf der Tagesordnung stehen die üblichen Gegenstände.
London, 14. Febr., Morgens. Der „Moruing Avertiser" hat Grund zu glauben, daß die englische Flotte die Dardanellen passirt hat und nun im Marmora-Meer ist. Es verlautet, daß die Pforte sich mit einem formellen Protest begnügt habe. „Standard" und „Morning Post" bestätigen die Nachricht; letztere meldet, daß 6 Kriegsschiffe die Dardanellen passirt haben und heute Abend wahrscheinlich bei Seraglio-Point (der Spitze des Serail) ankern werden.
— Morgens. „Daily Telegraph" meldet: Die britische Flotte ist Mittwoch bei Tagesanbruch in die Dardanellen eingelaufen. Ihre Ankunft in Stambul wird spätestens heute Morgen erwartet.
Rom, 13. Februar. Gegenwärtig sind 50 Cardinäle anwesend. — Die „Liberia" meldet: Im Schooße des heiligen Collegiums haben sich drei Parteien gebildet: Die Unversönnlichen, die Versöhnlichen und die Partei des Status quo. Erstere mit Manntng an der Spitze, zählt etwa 12 Stimmen, die zweite hat den Cardinal Moretti, die dritte und zahlreichste Partei den Cardinal Canossa als Candidaten aufgestellt.
Konstantinopel, 11. Febr. (Indirekt.) In der Kammer erklärte Vefik Pascha, er werde ihr innerhalb vier Tagen die Friedensbedingungen mittheilen. Theffalten sei von den griechischen Truppen geräumt worden. Im Falle die britische Flöte in die Dardanellen einlaufe, werde die Regierung dagegen protesttren und die ganze Verantwortung des Schrittes England zuschieben. — Anläßlich der Steuererhebung in der Provinz Damaskus sind Unruhen ausgebrochen. Mehrere Notabeln von Damaskus wurden nach dem Innern des Landes verbannt. — Der neue Gouverneur von Syrien geht morgen auf seinen Posten ab. Die Lage in Syrien wird als eine kritische angesehen. Der russtche Dragoman Onou ist hier eingetroffen.
* Wien, 13. Febr. Es verlautet, der Kaiser habe ein Handschreiben an den Zaren gerichtet. Die Situation wird allseitig als höchst ernst dargestellt. Andraffy hatte gestern eine lange Audienz beim Kaiser. Erzherzog Albrecht wurde telegraphisch nach Wien berufen. Beides wird mit den ernstesten Entschlüflen in Zusammenhang gebracht. Die ungarischen Blätter drängen stürmisch nach einer entscheidenden Action. Der „Pester Llyod" bringt einen Leit- Artikel mit osficiösem Zeichen, worin erklärt wird, Konstantinopel sei unantastbar. Oesterreich werde eine dauernde Besetzung Bulgariens und die räumliche Ausdehnung deffelben niemals zugeben. Die „N. Fr. Pr." glaubt, Deutschland würde nicht neutral bleiben, daher wäre Oesterreichs jetzige Action purer Wahnsinn. Die europäische Flotten-Sendung nach Konstantinopel wird als gescheitert betrachtet. Da Deutschland sich nicht angeschloffen, seien die anderen Mächte zurückgetreten.
Rom, 12. Februar. Das Telegramm der „Daily Telegraph", nach welchem die Cardinäle mit 30 gegen 10 Stimmen jeden Gedanken einer Versöhnung mit Italien verworfen hatte, ist pure Erfindung. Diese Frage steht nur dem Papste zu. Auch heute fand ein ungeheurer Zudrang zu St. Peter statt. Die Beisetzung der Leiche ist bis morgen Abend verschoben. Das Scrutinium des Conclaves wird in der sixtinischen Capelle stattfinden. Die Cardinäle Simor, Mihailovic, Kutschker und Schwarzenberg sind bereits eingetroffen.
London, 13. Februar. Im Arsenal von Sheerneß fangen heute alle Arbeiter über die gewöhnliche Arbeitszeit hinaus zu arbeiten an. Maffenhafte Arbeitskräfte sind engagirt, um die Vollendung von 4 neuen Kanonenbooten zu beschleunigen. Eine für die türkische -Marine gebaute Panzer-Corvette ist heute aus den Docks nach Sheerneß gebracht worden. Vorbereitungen werden getroffen, die Garnison im Point-Fort in der Themse völlig auszurüsten. Auch in Portsmouth arbeiten mehr als 3000 Arsenalarbeiter über die Arbeitszeit hinaus an der Vollendung der Kriegsschiffe. Eine Menge neuer Kräfte ist engagirt worden.
— Gestern fand ein Cabtnetsrath statt. Der „Morning-Post" zufolge gestern 20 bjs 30 konservative Deputtrte eine Versammlung im Carlton-Club, um ein Meeting vorzubereiten, worin der Regierung Unterstützung in einer ein- beitlichen, festen Politik zugesagt und unbegrenztes Vertrauen zu Lord Beaconsfield ausgesprochen werden soll. Die vorgeschlagene Resolution erhielt später im Unterhause gegen 60 Unterschriften.
Paris, 13. Febr. Der Minister des Innern hat das von der vorigen Regierung gegen einige auswärtige Blätter erlaffene Verbot der Zulaffung in Frankreich aufgehoben.
Konstantinopel, 13. Februar, 5 Uhr Abends. Es ist bis diesen Augenblick nichts Positives über das Erscheinen der englischen Flotte bekannt.
Kopenhagen, 13. Febr. Die officiöse „Berlingske Tidende" erklärt die Mittheilung des Kopenhagener Correspondenten der „Pall-Mall-Gazette",
wonach Dänemark die Absicht habe, die Nord Schleswig-Frage anzuregen, für vollkommen erdichtet und unwahr.
Papst Pius IX.
ui.
Alle Klagen über die Mißwirtschaft, das System der Ausbeutung, dessen Träger hauptsächlich Antonelli war, machten keinen Eindruck auf Pius. Er sagte nur: „Sie waren unzufrieden mit Pius IX., nun mögen sie sich des Kardinals erfreuen.*
Kein Gesetz gewährleistete dem päpstlichen Untcrtban persönliche Freiheit und Etgenthum, völlig rechtlos stand er der Willkürherrschaft gegenüver. Oy»e Verhör, ohne Prozeß, selbst ohne bestimmten Verdacht wurden Personen jahrelang in die Kerker geworfen — zur Vorsicht. Und wie waren bt<fe römischen Kerker beschaffen! Verwesungshöhlen für Lebendige, hat ihr Anblick, a s sie endlich nach dem Sturze der Papstherrschaft geöffnet wurden, die Befreier mit Schauder erfüllt. Wie im päpstlichen Rom die Rechtspflege gehandhabt wurde, zeigt uns eine Verfügung des Staalssecre- tärs Bernetti, nach welcher ein Mann bet der ersten Uebertretung, die er sich zu Schulden kommen lassen würde, nicht nur zur gesetzlichen Strafe, sondern außer dieser noch zu fünf Jahren Zwrngsarbett verurtheilt werden sollte.
Uno zu allen unerträglichen Lasten, unter welchen die Untertanen des PapsteS seufzten, kam auch noch die Inquisition, dieses „Glaubensgerlcht" mit seinen geheimen Anklägern, das mit seiner Spionage dis in die Familie drang, um dem intimen Gespräch zwischen Eltern und Kindern aufzulauern, um einer Bibel oder einem anderen auf dem Index stehenden Buche nachzuipüren, um das kirchliche Leben im Hause zu erforschen.
Ein Edikt des Inquisitors Airaldi vorn Jahre 1856 drohte schwere Strafen an für Jedermann, der um kirchliche und religiöse Vergehen Anderer wußte und sie nicht beim „heiligen Offizium" denutrzirte.
Unter solchen Zuständen wurde die Lage immer unhaltbarer. Auswärtige Diplomaten sagten in ihren Berichten: die päpstliche Regierung könne sich auf keine einzige Klasse der Bevölkerung stützen, tm Falle des Angriffs würde sich keine einzige Hand tür sie erheben. Bald sollte sich diese Prophezeiung ersüllen. Der Ausbruch M Krieges zwischen Oesterreich und Piemont war für die päpstlichen Provinzen das «Signal der Befreiung. Ganz; Abthellungen päpstlicher Truppen desertirten nach Piemont und Sammlungen für die Freiwilligen, die den Krieg mitmachen wollten, wurden veranstaltet. Die Legationen fielen alsbald ab und erklärten den Anschluß an Sardinien, und als Viktor Emanuel auch die Marken und Umbrien Dem Königreich Italien ein- verleibte, ward er dort als Befreier begrüßt. Nur das alte Patrimonium Petri stand jetzt noch unter der Regierung des Papstes. Al« dieses im Dezember 1866 von den Franzosen geräumt wurde, fühlte Pius wohl, daß ohne die fremden Bajonnette auch hier seine Macht nicht aufrecht zu erhalten sei. Er gab dieser Ueberzeugung den französischen Offizieren gegenüber Ausdruck, die er in einer Abschleosaudienz empfangen hatte. Aber merkwürdigerweise sah Pius hierin nicht die gerechte Fügung Der Vorsehung, sondern das Werk der Revolution, „die nicht raste, bis Italien vollständig sei." „Italien würde aber nicht vollendet fehl“, sagte er, „wenn es hier noch einen Winkel Erde gebe, wo Ordnung, Gerechtigkeit und Ruhe herrschen."
Welcher Kontrast zwischen diesen Worten und der Wirklichkeit! In welche Anarchie hatte diesen ..Winkel @m" die päpstliche Gewalt gestürzt! Wo in Europa war noch ein Staatswesen, in welchem jedes menschliche und bürgerliche Recht so verhöhnt wurde, eine gesetzlose Willkürherrschaft in so brutaler Weise das Staats wo hl verletzte wie tm Kirchenstaat? (Schlechter als in der Türket ist die Regierung tm päpstlichen Staat, war das Urteil Lord Rüssels. Wie ganz anders als Pius IX. Worte lautet der Ausjpruch des großen Papstes Clemens XIV. über die weltliche Papstherrschaft: „Niemals wird Petrt's Stuhl rein oder geachtet dastehen, wenn nicht seine Inhaber mit Güte oder Gewalt dahin gebracht werden, das gebrechliche Scepter dieses Lande« ntederzulegen, das als ein unschickliche- und unpassendes Attribut der Würde eines Statthalters Christi widerspricht. Um das, was ihr nach göttlichem Rechte zuftehe, zu behalten, werde die Kirche schließlich abgeben, was weltliche Herrscher ihr verliehen; durch diesen Verlust aber werde Alles beseitigt werden, was bisher die Ursache so vieler Klagen, Mißhelligkeiten, Belästigungen, sowie der mannigfachsten scandale und Zwistigkeiten unter den Gläubigen gewesen."
Pius IX. konnte sich nicht zu dieser rein geistigen Auffassung seiner Stellung aufschwingen, und als endlich der Sturz der französischen Schutzmacht das unvermeidliche Geschick des Kirchenstaates entschied und Italien Besitz von seiner Hauptstadt nahm, da nannte Pius dieses Gericht dec Weltgeschichte eine „Beraubung G»ttes", und bannte die Mitglieder der italienischen Regierung. Und welches Bild bot indessen Rom! ,
Während der Herrscher die „Räuber" seines Landes verfluchte, ergingen sich seine Untertanen in leidenschaftlichen FreudenauSbrüchen ob dieses Raubes und zeigte es sich, welch tiefen und allgemeinen Huß dieses Priesterregiment auf sich geladen hatte. Ganz Rom schwamm in einem Glücksrausch, als die ttalienischen Truppen einzogen und mit ihnen die Verbannten — 15,000 an der Zahl — die endlich wieder die Hei- math sahen, viele nach 20 Jahren des Exils.
Als wenige Tage später die Bevölkerung über den Anschluß an Italien abstimmte, ergaben sich 133,681 Stimmen für, 1507 Stimmen gegen diesen Anschluß, also sogar weniger als die Zahl der päpstlichen Beamten betrug.____________________
Landwirthfchaftlicher Locai-Verein zu Gießen.
Sitzung vom 18. Februar.
Tagesordnung:
Weitere Besprechung der Milchfrage.
Herr Prof. T h a e r legte in längerem Vortrage dar, worauf sich die heute übliche polizeiliche Untersuchung der Milch stütze. Es wird das fpecif. Gewicht der Milch verglichen mit dem des Wassers. Ein Liter Waffer oder 1000 Cbc. wiegen bei 4° 0. 1000 Gr.; das gleiche Ouantum Milch 1030 Gr. Durch Versuche hat man gefunden, daß unverfälschte Milch 1027 bis 1032 und mehr Gramm wiegen kann bei einer Temperatur von 17,50 C. — 14° R.; fette Oele haben em geringeres spec. Gewicht als Wasier. Es kann deßhalb dem Unerfahrenen leicht paffiren, daß er sehr fettreiche Milch als schlechte bei oberflächlicher Untersuchung erkennt und daß weiter entfettete d. i. abgerahmte Milch, die deßhalb gerade ein hohes spec. Gewicht haben kann, als vorzüglich angesehen wird. Es würde deßhalb, um ein entscheidendes Urtheil über die Qualität einer gegebenen Milchprobe abgeben zu können nicht allein nöthig fein die Milch mit der Milchwage sonder« auch mit dem Rahmmeffer zu untersuchen. Würde die Milch z. B. weniger als 1027 Gr. wiegen, so wäre das verdächtig, setzte die Milch im Rahmmeffer auch wenigs Rahm ab, weniger als sonst gute Milch abzusetzen pflegt, so würde die schlechte Qualität der Milch anerkannt werden müssen. Die Untersuchung der abgerahmten Milch mit der Milchwage könnte das Unheil für oder wider bestätigen.
Die chem. Untersuchung der Milch ist für Zwecke der Marktpolizei zu zeitraubend und kostspielig. Es würde sich dabei um Feststellung der Menge des in der Milch enthaltenen Waffers, des Zuckers, des Fettes, des Käsestoffs und der Asche handeln. Jeder dieser verschiedenen Stoffe erfordert eine sorgfältige Untersuchung für sich. Die Quantität des Waffers würde durch äußerst langsames Eindampfen der Milch ermittelt werden müffen. Der Gehalt an Zucker durch den Polarisationsapparat, das Fett durch Abrahmen und Herausziehen mit Schwefelkohlenstoff, der Käseftoff durch Ausscheiden deffelben aus der Milch durch Essigsäure, der Asche durch vorsichtiges Verkohlen der Milch und weitere Analyse der Asche selbst.
Gute Milch enthält in 100 Theilen 88 Theile Waffer, 3-5 Zucker, 3-5 Fett, 3-4 Käsestoff und 0,5 Theile Asche. Schl.


