Ausgabe 
14.3.1878
 
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Irankrcich.

Versailles, 11. März. Die Deputirtenkammer genehmigte den Gesetz­entwurf wegen Ermäßigung der Gebühren für den internen Postoerkehr. Der Senat stimmte der Vorlage wegen Herabsetzung der Telegraphen-Taxen für den inländischen Verkehr zu.

England.

London, H. März, Abends. Im Unterhause zeigte Peel an, er werde heute Abend die Frage zur Erörterung stellen, ob es nicht wünschenswerth fei, daß England auf der Conferenz durch den Minister des Auswärtigen vertreten werde, da dieser bester dazu qualificirt erscheine und den Ansichten der Regierung bester Ausdruck geben könne. Schatzkanzler Northcote erwiderte auf Befragen Montague's: er habe noch keine Kenntniß von den Friedensbedingungen. Auf Anfrage Wolffs bestätigte derselbe, daß England die Zulaffung Griechenlands zum Congreste vorschlage. Onsloff wird morgen die Frage stellen, ob die Re­gierung die Anzahl der vor Gallipoli und den Befestigungslinien von Konstan­tinopel aufgestellten russischen Truppen und überhaupt deren Gesammtstärke süd­lich des "Balkans kenne, und ob sie die Conferenz beschicken werde, so lange sie nicht osficielle Kenntniß von den FctedenSbebingungen habe und so lange die Rasten die überwältigende Stellung vor den Linien von Konstantinopel und Gallipoli innehätten. Lenisan (?) meldete für Donnerstag folgende Anfragen an: ob für den Congreß jedem Theilnehmer die Freiheit vorbehalten sei, zurück­zutreten, wenn die nationale Ehre und Würde dies erheische; ob die Entschei düng der Majorität die Minorität binde; ob sich die Regierung das Recht des Protestes gegen jedwede den Verträgen von 1856 und 1871 widersprechende Spoliatton der Türkei vorbehalte.

Belgien.

Brüssel, 11. März, Abends. Das Appellatonsgericht verurtheilte Erlecke, unter Abänderung des freisprechenden Erkenntnistes der ersten Instanz, wegen des Versuches der Erpreffung gegen die deutsche Regierung zu 18 Monat Gefängniß und Erstattung der Prozeßkosten.___________________________________

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr« Eorrespondenz-Bureau.

Berlin, 12. März. Reichstag. Zweite Lesung des von der Budget-Commission vorberathenen Theiles des Etats. Zu dem Elnnahme-Capttel 1 (Zölle, Verbrauchs steuern, Aversen) wurde der CommUsionHantrag, mit Rücksicht auf ote Zunahme der Bevölkerung die Anschläge um 4,868,540 x zu erhöhen, angenommen. Der weitere Antrag, den Reichskanzler zu ersuchen, bet dem nächsten Etat in Erwägung zu ziehen, ob nicht bet Berechnung der Aoersa für die Zollausschlüsse statt der Netto-Einnahmen d e Brutto-Einnahmen von den betreffenden Abgaben zu Grunde zu legen und ob nicht eine erh.bliche Erhöhung des sogen. Zuschlags pro Kopf der städtischen Bevölkerung Hamburgs, Bremens und Altonas zu fordern sei, wurde ungeachtet des Wtde spruchs der Abgeordneten für Hamburg und Bremen gleichfalls genehmigt. Der Präsident des Reichskanzleramts hatte sich mit dem Anträge einverstanden erklärt und bemerkt, daß der Bundesraty ein gleiches Ersuchen an den Reichskanzler gerichtet habe.

Das Eap. 11 der einmaligen Ausgaben, die Etats der Etsenbahnoerwaltung, der Etat dcs allgemeinen Pensionsfonds weroen unverändert genehmigt. Zu den der Budgetcommission überwiesenen Thetlen des Marine.Etats ist eine Reihe Streichungen bei den Ausgaben und eine Verkürzung der aus der Anleihe angesetzten Einnahme von de Commission beantragt. Im Laufe der Debatte bemerkte der Chef der Admiralität, General v. Stosch, gegenüber Richter, es sei richtig, daß die Marine uno das dazu gehörige Personal stärker in Thätigkett erhalten werde als wünschenswerth sei; das habe aber auch die gute Sette, daß durch unausgesetzte Hebung eine tüchtige Ausbil düng erzielt werde, die gerade jetzt in den ersten Zähren des Bestehens der Marine erforderlich sei. Das bemängelte Flottenmaterial, welches durch starke Indienststellung an ikbltch noch mehr angegriffen werde, vertrage mehr als bet der Aufstellung des Flotlenplanes zu berechnen gewesen. Die Ausgaben für die Flotte würden deßhalb auch in den nächsten Jahren gegenüber den ersten Jahren sich niedriger stellen als varauszufehen gewesen.

Im weiteren Verlaufe der Debatte ergriff der Chef der Admiralität wiederholt das Wort, um den verlangten Ausgabeposten für den Bau neuer Kriegsschiffe zu recht fertigen. Er wies namentlich auf die Erfahrungen des letzten Krieges hin, welche die Nvthwendigkett nahe legten, Panzerschiffe herzustellen, die den Torpedos gegenüber widerstandsfähiger feien. Es wurden schließlich fämmtltche Positionen nach den An­trägen der Commission bewilligt und eine Resolution angenommen, worin der Reicbs- kanzler aufgeforden wird, zum nächsten Etat eine Ueberstcht über die seit 1873 im Ex- Iraordtnartum verw-ndeten und zur Durchführung des Flotten-Gründungs Planes noch erforderlichen Summen unter Vergleichung der Gesammtkosten mit dem Anschläge nach bim Flotten-Gründungsplane von 1873 vorzulegen. Das Haus erledigte hierauf Wahlprüfungen. Nächste Sitzung morgen.

Berlin, 12. März. DieNordd. Allg. Ztg." dementirt alle über Veränderungen im Personalbestände des Staatsmintsteriums verbreiteten Mit- tbeUungen und bemerkt, es sei in diesem Augenblicke von Personalveränderungen überhaupt nicht die Rede, so lange nicht die Reichstagsoorlagen über das Stell­vertretungsgesetz, die Errichtung eines Reichs-Finanzamtes und die Tabakssteuer zum Abschlüsse gelangt seien. Auch dieNat.-Ztg." erfährt, daß den ver­breiteten bezüglichen Gerüchten positive Thatsachen nicht zu Grunde lägen und eine Entscheidung in der Personenfrage in den nächsten Wochen überhaupt nicht zu erwarten sei.

DerReichs-Anz." veröffentlicht die Verleihung des Kronenordens I. Clasie an den Freiherrn v. Rothschild in Frankfurt a. M.

TVien, H. März, Abends. Die vereinigten Subcommissionen der un garischen Delegationen haben sich mit dem neuerlichen dreimonatlichen Proviso­rium einverstanden erklärt; darauf traten die einzelnen Subcommisstonen für sich zusammen und bewilligten die Subcommissionen für die Marine und die auswärtigen Angelegenheiten je die für die bez. Refforts verlangten Nachtrags- Credite.

Wien, 12. März. Die vereinigten Subcommissionen der ungarischen Delegationen nahmen in ihrer heutigen Berathung einstimmig den Antrag Falk's, betr. tie Bewilligung des 60-Millionen-Credits, an.

London, 12. März. WieStandard" wiffen will, hätten die Behör- den von Malta die Weisung erhalten, alle hetmkehrenden Kriegsschiffe behufs Verstärkung der britischen Flotte in den Orientgewäffern dort zurückzuhalten.

«onfiantinopel, 12. März. General Dondukoff-Korsakoff wird das ^ccupattonecorps in Bulgarien commandiren. Die DachtLtvadia" wird «JTr ^^wsttwn des Großfürsten Nikolaus morgen hier erwartet. Ueber den Besuch des Großfürsten beim Sultan ist noch Nichts festgesetzt.

12 März. DieAgenzia Stefani" hält gegenüber dem De- mentt desObservatore romano" die Meldungen vom 8. März bezüglich des Rundschreibens Franchi's an die päpstlichen Nuntien und daß der König dem Papst feine Glückwünsche dargebracht habe, für welche der Letztere dankte, auf recht. DieAgenzia Stefani" fügt hinzu: Der mit der Beglückwünschung betraute Prälat war der Erzbischof von Turin. Die Dementis erfloffen nicht

vom Vatikan, sondern Seitens der unversöhnlichen Partei, welche sich von jeder dem Papste zug^schriebenen Mäßigungsidee beunruhigt zeigt. Zur Mi.uster- krisis verlautet, daß die Wahl des Ministers des Auswärtigen und des Kriegs- Ministers die meisten Schwierigkeiten verursache. Voraussichtlich aber werde das neue Ctöinet in kurzer Zeit gebildet sein.

Paris, 12. März. DieAgence Havas" meldet aus Athen: Die russische Regierung ließ durch ihren Gesandten, Staatsrath Saburow, der griechischen Regierung mittheilen, daß sie den Antrag Griechenlands, auf dem Congreffe vertreten zu jein, annehme.

Wien, 12. März. DerPolit. Corresp." wird aus Konstantinopel vom 11. d. gemeldet: Großfürst Nikolaus erhielt keine Einladung des Sul­tans, sondern gab spontan das Verlangen kund, den Sultan zu besuchen. Der Sultan scheint diesem Wunsche gegenüber es ziemlich lange an Entgegenkommen haben fehlen zu lassen. Erst in den letzten Tagen gelang eine Vereinbarung über das Begegnunzs-Ceremoniel. Neuestens wurde der Besuch des Großfür­sten durch Unwohlsein des Sultans wieder verzögert.

* Rom, 12. März Die Encyklica, welche die Thronbesteigung Leo's XIII. dem Epiöcopat und der katholischen Welt anzeigen soll, ist in Arbeit. Wie ich höre, würde der Inhalt maßvoll und frei von politischen Klagen und Auf­reizungen sein. Das erste Consistorium wird gegen den 20. d. stattfinden. Die Jesuiten und Jesuitengenoffen äußern bereits unverhohlen ihre Unzufrieden­heit mit dem neuen Papst.

Wien, 13. März. DiePresse" meldet aus Obbrowizza in Dalma­tien : In Süd-Bosnien beginnen Baschi-Bozuks neue Maffacres gegen Christen. Die Insurgenten beschloffen den Kampf fortzusetzen und wählten den herzego- winischen Woiwoden Bozidarooic Wesclika zu ihrem Agenten beim Congreffe. Heute findet bei dem Gcenzort Trubar ein Kamps zwischen Türken und Insur­genten statt; der Ausganz ist noch nicht bekannt.

Rom, 12. März. Erst nach der gestrigen Sitzung der Kammer be­gann Cairoli mit seinen Freunden in Betreff der Cabinetsbildung zu berathen. Bisher werden außer Cairoli Zanardelli und Farini als solche genannt, deren Eintritt in das Ciblnet als positiv gelte, Brin dürfte Marineminister bleiben. DieOpinione" dementirt die Meldung, daß Sella eine Unterredung mit Cairoli gehabt und daß das Finanzportefeuille Luzzati angetragen worden wäre. Gestern hatte Cairoli wieder zwei Unterredungen mit dem Könige.

Petersburg, 12. März. DasJournal de St. Petersbourg" be­spricht die Forderung dec englischen Zeitungen, wonach im Voraus festzustellen wäre, daß alle Punkte des Konstantinopler Friedensvertrages der Würdigung des Congresses unterbreitet werden und alle Machte dessen Entscheidung accep- tiren sollen, und läßt sich hierüber folgendermaßen aus: der Congreß sei kein schiedsrichterliches oder anderes Tribunal, sondern eine gemeinschaftliche Be­rathung über gemeinsame oder divergirende Interessen. Seine Entscheidungen würden um so mehr der allgemeinen Zustimmung sicher sein, als sie weniger von Eifersucht und Mißtrauen und mehr von den allgemeinen Interessen einge­geben würden. Die Entscheidungen des Congresses würden nicht mitStimnen Mehrheit gefaßt, also wäre die Forderung unlogisch, daß Jedermann seine Unter­werfung im Vocaus erkläre. Ebenso unhaltbar sei die Forderung, daß dem Congreß alle Punkte des Konstantinopler Friedens unterbreitet würden; wenn die Aufgabe des Congresses ein Friedenswerk sei, so müsse man von den Debatten jeden Gegenstand fernhalten, welcher keinen europäischen Charakter habe, also der Congreßentscheidunz nicht unterliege, und erregte academische Discussionen herbeiführen könnte.

Eine Depesche desGolos" aus Odessa vom heutigen meldet: Gestern Abend sind Jgnatieff und Reuf Pascha hier eingetroffen und heute Nachmittag 2 Uhr nach Petersburg weitergereist.

Wien, 12. März. DiePolit. Corr." meldet aus Bukarest: Die rumänische Regierung wurde davon tnformirt, daß in Kischeneff die für Ru­mänisch-Bessarabien bestimmte russische Civilverwaltung vollständig organisirt nur die Ordre erwartet, um die Administration dieses Landestheiles in die Hand zu nehmen.__________________________________________________________

Eingesandt.

Schon feit längerer Zeit ist eine Frage aufgetaucht, welche die dabei Jnteressirten in lebhafteste Bewegung versetzen muß, bei welcher aber wohl keine Stadt in Deutsch­land mehr beteiligt ist, als Gießen.

Es ist dies die von Seiten deS Reichskanzler- zur Sprache gebrachte Einführung des Tabaks Monopols. Obgleich es nach Lage der Sache nicht sehr wahrscheinlich ist, daß Der Reichstag eine Maßregel gutheißen würde, welche dem Wohle einer sehr bedeutenden Zahl von Fabrikanten, Händlern und Arbeitern die härtesten und oft wohl kaum heilbaren Wunden schlagen müßte, so ist es doch Pflicht der Betheiligten, dem Reichstage durch Petitionen rc. den Sachbestand klar darzuiegen und entschiedenen Pro­test gegen Einführung des Tabaks Monopols zu erheben.

Wo ist aber hier seither etwas Derartiges geschehen? Hohe Zett dazu ist eS!

Wäre es nicht Dache hiesiger hervorragender Tabaks- und Cigarrenfabrikanten, sämmtliche Interessenten also Fabrikanten, Händler, Comptoiristen, Arbeiter rc. zu einer Versammlung und zur Besprechung eine Petition zu berufen?

Wäre es nicht vielleicht vorzugsweise Berus des Herrn Commerzienraths Gail, welcher in TabakSfragen bereits in Frankfurt und Berlin alS Bevollmächtigter fungtrte, sich an die Spitze der Sache zu stellen?

Man warte nicht, bis es zu spät ist! Es handelt sich darum, von zahlreichen Bewohnern Gießens und feiner Umgegenb Rückgang und Verarmung abzuwenden. W.

Theater.

Die mit allgemeiner Spannung erwartete. Fattnitza hielt am Montag ihren Einzug und verfammelte ihre Verehrer in außerordentlich zahlreicher Weife um sich. Fatinitza ist wirklich eine Prachtover, hinter der alle Erzeugnisse der modernen Operettencultur weitaus zurückstehen. Textlich äußerst amüsant, überreich an komischen Situationen verläßt sie die breitgetretenen Bahnen des bisher in den Operetten gebotenen trivialen Elements. Die mustcalische Illustration ist eine wahrhaft vorzügliche und einzelne Nummern, wie das Traumlied, das Duett sowie das Quar­tett im 1. Acte, das prächtige Duett im 2. Acte sind Erzeugnisse einer echten musik: lischen Seele und von bedeutendem Werth. Herr Kurde hat mit der Vor­führung dieser neuesten Oper abermals gezeigt, daß er in feiner Directionsführung nach dem Besten strebt, daß er in schön genteßbarer Form uns auftischt was nur mög­lich ist. Herr Kurde ist nach allem, was er uns in den letzten beiden Saisons ge­boten hat. wohl berechtigt und befähigt, einen großen Wirkungsk eis zu finden, welchen wir ihm in Folge seiner Leistungen von Herzen gönnen. Die Aufführung der Fatinitza war im Allgemeinen und unter den obwaltenden Verhältnissen eine sehr schöne. Die Ca­pelle unter Krause's Leitung sehr gut und discret in der Begleitung. Frau Kurde er­hielt den Löwenantheil am Erfolge. Wir haben die geschätzte Sängerin noch nie so in ihrem eigenen Elemente wie am Montag gehört, denn gerade die ernsthaft fertöten Gesänge sagen ihrer schönen Stimme und ihrem seelenoollen Bortrage am meisten zu. Fräulein Weber war eine sehr liebe Vertreterin der Lydia, ebenso Herr Teile ein tüchtiger Reporter und Herr Kurde ein komischer Eisenfreffer. Mit besonderer Anerkennung müsien wir noch Herrn Bömly's gedenken. Da die Ausstattung ebenfalls eine sehr anständige und gelungene war, so war der Erfolg der Fatinitza ein allgemeiner, wozu wir Herrn Kurde nur gratuliren.?

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