Ausgabe 
13.8.1878
 
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Berlin. DieGermania" schreibt, daß im Centrum höchstens zwei oder drei für das Tabaks-Monopol sind, welches vom neuen Reichstag nicht bewilligt werden wird- Das Centrum wird die National-Liberalen und die Fortschrittspartei in ihrer constttutionellen Austastung der Steuerfragen unter­stützen, dagegen kann es in confessionellen Fragen zu einer erheblichen Majorität kommen, falls die Regierung eine Vorlage bringt, welche nicht die Souverä- netät des Staates in krichlichen Angelegenheiten enthält. Nach derGermania" ließe sich in kurzen Umrissen demnach die Physiognomie des neuen Reichstages also prognosticiren: Conseroattv wird er sein in allen religiösen Fragen; liberal in allen rein politischen und constttutionellen Fragen, und zwar deshalb, weil das den Ausschlag gebende Centrum dort conseroattv, hier liberal, d. h. wahr­haft liberal ist.

Berlin, 8. August. Wie es heißt, soll das Staatsmintsterium sich für Vollstreckung des gegen Hödel verhängten Todesurtheils ausgesprochen haben. Unter den Befürwortern einer Vollstreckung der Todesstrafe steht in erster Reihe Fürst Bismarck, von welchem Aeußerunqen über diese Frage gerade im gegen- wärtigen Augenblicke bekannt werden. Während des Congrestes weilte bekannt­lich General Grant auf einige Tage zum Besuche in Berlin. Er hatte u. A. auch einige Besprechungen mit dem Reichskanzler, der ihn äußerst zuvorkommend empfing. Ein Berliner Correspondent desNew-Jork Herald" war in der Lage, feinem Blatte einen Bericht über den Inhalt der Gespräche zwischen dem Fürsten Bismarck und dem ehemaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten mttzutheilen. Wir ersehen daraus, daß bet Erwähnung des Attentats auch die Nothwendigkeit einer Unterdrückung des Socialismus berührt wurde. General Grant sprach sich für Ergreifung der strengsten rücksichtslosesten Maßregeln gegen solche verbrecherische Subjekte aus, welche die Hand gegen das Staats­oberhaupt erhöben, und betonte, daß in solchen Fällen die Todesstrafe vollstreckt werden müffe. Er könne die Agitation gegen dieselbe nicht begreifen. Fürst Bismarck erklärte sich in gleichem Sinne gegen die Umwandlung von Todes­strafen in einfache Haft. Meine Ueberzeugung, sagte der Fürst, ist in dieser Hinsicht so stark, daß ich die Verantwortlichkeit für Die Verwaltung von Elsaß- Lothringen wegen der Frage der Begnadigung von zum Tode Verurtheilter ab­lehnte. Der Kaiser, desten Ermordung man soeben versucht hat, ist so herzens­gut, daß er ein Todesurthetl niemals bestätigen will. Kann man sich etwas Seltsameres vorstellen, als daß dieser gütige Monarch, desten Gnade die Todesstrafe zeitweilig tatsächlich abgeschafft hat, das Opfer eines Attentats oder versuchten Attentats wird? Ich habe, fuhr Bismarck fort, mit Sr. Majestät niemals über diesen Punkt mich einigen können; da ich als Reichs­kanzler an der Spitze der Verwaltung von Elsaß-Lothrtngen stand und mir die Pflicht oblag, die Umwandlung der Todesstrafe zu begutachten, was in Preußen durch den Justizminister geschieht, so ließ ich mich von den betr. Functionen entbinden. Ich fühlte, daß der Gerechtigkeit freier Lauf gelasten werden müffe und daß schwere Verbrechen, falls sie überhand nehmen, durch ebenso schwere Strafen zu sühnen sind.

Berlin, 9. August. Immer klarer stellt sich heraus, wie sehr auf das Ergebniß der Reichstagswahl die in conservattvem Sinne von amtlicher Seite geübten Wahlbeetnflustungen etngewirkt haben. Seitens derB. A. C." wird auf diesen Umstand in folgenden Sätzen hingewtesen:Die Verluste der nationalliberalen Partei, welche dieselbe bisher in den diesmaligen Reichstags­wahlen erlitten hat, beschränken sich im Wesentlichen auf diejenigen Gegenden, in welchen der amtliche Beeinflustungs-Apparat am wirksamsten fungirte. Das Material für die Proteste ist denn auch bereits ein recht ansehnliches und es darf in Betreff einer Reihe von Kreisen mit Bestimmtheit angenommen werden, daß der Reichstag, wenn er nicht seine bisherigen Grundsätze aufgibt, die Un­giltigkeit der Wahlen aussprtcht. Amtliche Bekanntmachung der conseroatioen Candidaten, Zettelaustheilen durch Gensd'armen, Polizeidiener, Kretssecretäre, Zettelaustheilen in der Kirche, Empfehlung Der Candidaten von der Kanzel herab: Alles dies ist geradezu epidemisch betrieben worden. So zeigt es sich denn in den östlichen Provinzen Preußens im Gegensatz zum Westen Deutsch­lands und auch zu den neuen Provinzen, wo jener junkerliche Apparat nicht von früher her Uebung und Gewandtheit hat, was sich mit solchen Mitteln erreichen läßt."

Münster, 7. August. Der Senat der hiesigen Akademie hat gestern Abend beschloffen, die katholische Studenten-VerbindungAlsatia" aufzulösen. Heute Morgen ist dieser Beschluß dem Vorstande durch den Rector, Professor Dr. Stahl, mitgetheilt und als Grund angegeben worden, dieAsatia" sei durch ihre Beziehungen zu Parteimännern in eine Strömung gerathen, die sie abhalte vom Studium; Excesse an und in der Verbindung hätten den Beweis geliefert, daß diese nicht aus sich jenes Äbhäugigkeits-Verhältniß zu lösen ver­möchte, und deshalb habe der Senat die Aufhebung beschloffen. DerWests. Merkur" bemerkt zur Aufklärung, daß auf dem Commerse derAlsatia" bei Gelegenheit ihres vor wenigen Tagen gefeierten Stiftungsfestes auch ein Toast auf das Centrum und auf die preußischen Bischöfe ausgebracht worden ist.

Kesterreich.

Wien, 10. August. DasFremdenblatt" meldet: Die serbische Regie­rung bat das Wiener Cabinet in loyalster Weise von der Aufstellung von Truppen an der bosnischen Grenze verständigt, um den Pflichten der Neutra­lität zu genügen und eine etwa beabsichtigte Verletzung derselben hintanzuhalten. Der Belgrader Correspondent derNeuen Fr. Pr." bestätigt gleichfalls, daß man diese Maßregel als einen Act dankbarer Pflichterfüllung Serbiens darstelle, welches der Intervention Oesterreichs die Zuthetlung des Vilajets Pirot verdanke.

Wien, 10. August. Nach einer derPolit. Correfp." aus Athen zu- kommenden Nachricht vom Heutigen sind in den letzten Tagen 400 Tscherkessen in Prevesa ausgeschifft worden, um nach Janina dirigirt zu werden. Kumun- duros, von der Thatsache unterrichtet, macht dieselbe zum Gegenstände einer energischen Reclamation bei dem türkischen Gesandten, Photiades Bey. Die Jnsurgenten-Corps auf Kreta halten ihre festen Stellungen fortwährend besetzt.

DerWiener Abendpost" zufolge sind von dem 13. Armee-Corps keine weiteren Nachrichten etngelangt.

Pefth, 10. August. Ministerpräsident Tisza ist in Sepsi-Szent-György einstimmig zum Abgeordneten gewählt worden.

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Zepce (Bosnien), 8. August. Gestern rückten zwei Brigaden der 6. Division auf überall gebirgigem Terrain von Maglaj gegen Zepce vor. Der Feind, an 6000 Mann stark mit 4 Geschützen, wurde aus zwei Positionen nach hartnäckigem Widerstande zurückgeworfen. Das 27. Jägerbataillon zwang durch einen Flankenangriff ein reguläres Nizam - Bataillon mit 7 Officieren zur Waffenstreckung und erbeutete 4 MumtionSwagen. General Philippovic aut Suite hat sich wiederholt dem feindlichen Geschützfeuer ausgesetzt. Unsere Ver­luste bestehen in 58 Todten und Verwundeten. Oberstlieutenant Kubin vom Reserveregtment Hartung gefallen.

Iranöreich.

Paris, 10. August. Die internationale Münzconferenz wurde heute hier eröffnet. Auf Vorschlag des Gouverneurs Fenton von New-Iork wurde der Finanzminister Leon Say zum Präsidenten ernannt. Fenton dankte im Namen der Vereinigten Staaten den Staaten, welche der Einladung Amerikas Folge geleistet und drückte die Hoffnung aus, daß die Mitglieder der Conferenz die Lösung einer Aufgabe erleichtern werden, welche den friedlichen Interessen der Welt zu dienen bestimmt sei. Die Conferenz vertagte sich sodann, um das Eintreffen der noch fehlenden Mitglieder abzuwarten.

tzngland.

London, 10. August. Das Unterhaus hat in zweiter Lesung die Vor­lage, welche die Kompetenz der britischen Gerichte auf eine Zone von 3 Meilen zur See ausdehnt, angenommen.

Italien.

Rom, 9. August. In Italien macht der Protestantismus ersichtlich Fortschritte. Den unwiderlegltchsten Beweis dafür bringt der klerikaleOster- oatore romano" in einem Aktenstück, welches der Vikar von Rom, Monaco la Valetta, am Mittwoch an die Parochianen in Rom gerichtet hat. Wie der römische Correspondent derVoff. Ztg." schreibt, wird darin offen die Aus­breitung des Protestantismus zugestanden und als ein Uebel bezeichnet, das der heilige Vater tief beklagt. Um ihm zu steuern, erinnert der Cardinal da­ran, daß mit dem großen Banne alle Die belegt werden, die nur aus äußeren Rücksichten zu den Protestanten sich halten, ohne deren Irrlehren zu bekennen; ferner Die, welche an nichtkatholischen Funktionen und kirchlichen Handlungen Theil nehmen, bann Die, welche den Predigten der Protestanten beiwohnen, um, wenn sie überzeugt werden sollten, überzutreten, vor Allem Die, welche zum Uebertritt verführen, oder auch nur Katholiken in protestantische Kirchen führen, aber auch Die, welche zu protestantischen Vorträgen öffentlich einladen und die Themata derselben veröffentlichen. Ebenso wird das Eintreten aus bloßer Neu gierde in die protestantischen Kirchen während des Gottesdienstes, sowie das Leisten von Diensten bet demselben, sei es durch Singen oder Spielen, bei Strafe der großen Excommunication verboten. Drucker und Setzer, die an Ketzerschriften arbeiten, verfallen derselben Strafe, ebenso Bauunternehmer imb Maurer, die den Bau protestantischer Kirchen übernommen oder an demselben Dienste thun. Den Eltern, die ihre Kinder in die übrigens hier trefflichen protestantischen Schulen schicken, soll das Abendmahl verweigert werden und die Kinder selbst sollen in die Kirchenstrafen verfallen. Verbrannt wird Nie­mand!! Auch ist diesmal kein deutsches Buch auf den Index gesetzt worden.

Das Hauptorgan der Jesuiten in Rom, die bekannte, in den Streiten fast der gesummten streng-katholischen Welt maßgebendeCivtlta cattolici" schreibt in ihrem Leitartikel vom 3. August folgenden anmuthigen Commen'ai zu den Kissinger Versuchen eines modus vivendi:Das wie durch einen Zauber aus den Schlachtfeldern erstandene und für unsterblich gehaltene deutsche Reich steht in Gefahr, durch die Socialdemokratie in den Abgrund alles Elends zu stürzen. Lächerlich fei es, diese Gefahr mit Polizeimaßregeln beschwören zu wollen, das könne mit Erfolg nur die Religion (d. h. die Kirche) mit ihrrn moralischen Mitteln. Man gebe daher die Kirche frei, anstatt sie zu festen, man hebe die Maigesetze auf, man laste Falk mit seinem Culturkampf vr- schwinden, man laste den Bischöfen und Priestern volle Freiheit, das Volk -u unterrichten und der studirenden Jugend die Grundlehren des Katechismus e n zuflößen und der Socialismus wird aushören, die öffentliche Ordnung und Sicherheit zu bedrohen .... Es giebt keine Hülfe für Deutschland, wenn ts sich nicht aufrichtig und vertrauensvoll in die Arme der Kirche wirft. Mm will dort allerdings um keinen Preis freiwillig nach Canoffa gehen; aber mau wird nothgedrungen früher oder später nach Canoffa gehen muffen, gezogen oou den wilden Rosten des Socialismus 1" Derartige Auslastungen zeigen tm Ver­ein mit der geradezu staatsfeindlichen Haltung der Ultramontanen bei den Stiä- wahlen wenig Lust, einen Kompromiß zu erzielen. Uebrigens wird gutem Ver­nehmen nach preußischerseits jede Verständigung mit der Kurie davon abhängig gemacht, daß die durch die Maigefetze vorgeschriebene Benennung der für en geistliches Amt in Aussicht genommenen Candidaten Seitens der geistliche Oberen erfolgt. Erst wenn diese Vorbedingung erfüllt ist, könnten Erörterin- gen über die zulässige Abänderung der Maigesetze eingeleitet werden.

Rom, 9. August. In klerikalen Kreisen sind hier folgende Angabn verbreitet:Der Papst ist einverstanden mit den Abmachungen für einen Fri'- densschluß zwischen Rom und Berlin, verschiebt aber eine dahin gehende Erkii- rung, bis der neue Staatssecretär ernannt ist. Die preußischen Bisthüm-r sollen vorläufig unter die Jurisdiction des Münchener Nuntius kommen. Leb- chowski ging den Papst darum an, nicht nach Posen zurückkehren, sondern v Rom verbleiben zu dürfen. Dieses Anliegen wurde ungünstig ausgenommen* (Wir glauben nicht, daß der Cardinal schon in die Verlegenheit gekommen l zwischen Rom und Posen sich zu entscheiden). Soeben verlautet, Cardinal Nuc fei zum Staatssecretär ernannt; derselbe würde vollkommen im Geiste Franch'i handeln. Der Papst trennte die Verwaltung der apostolischen Palastpräfekrm von dem Staatssecretariat.

Rom, 10. August. Cardinal Nina hat ein Circularschreiben an Ht päpstlichen Nuntien gerichtet und erklärt, daß er die von Franchi verfolgte M tung einhalten werde. Er empfiehlt Klugheit, um keine unnützen Verlegenheiler zu schaffen und den Mächten zu beweisen, daß der heilige Stuhl bestrebt ftti werde, mit denselben die Bande aufrichtiger Freundschaft aufrechtzuerhalten.

Spanien.

Madrid, 9. August. Officiell. In Naval-Moral, Provinz Cacerel

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