AZr. 264L Dienstag, den 12. November 1878.
Wchemr HtMger
Anzeige- und AmisM für Sen Kreis Gießen.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerloh» Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
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Expeditionsbureau- f 6^u,fira8e B' 18’
Amtlicher Htzeil. Bekanntmachung.
Nachdem nunmehr Seitens der betreffenden Veretnscommisfion die nöthi- gen Belege in unseren Händen sind, veröffentlichen wir hiermit folgende Abrechnung bezüglich des im September I. I. in der Schweiz angekauften und wiederum versteigerten Viehes Simmenthaler Race:
Der Ankaufspreis beträgt tncl. sonstiger Kosten 14,552 Frc.
25 C. — 11,641 «X 80 und Coursverlust ä Frc.
1 = 400 .X............ 12041 80^
Hierzu 5% Zinsen von dem bei Aron Heichelheim
in Gießen aufgenommenen Capital bis 10. Octbr. 1878 68 „ 33 „
Summe Ankaufspreis rc. 12110 „ 13 „
Von dieser Summe gehen ab, die von dem landwirthsch.
Verein von Oberhessen zu dem fr. Ankauf verwtlltgten 700 „ — „
Bleibt Rest 11410 „ 13 „
Der Erlös für das gesammte verkaufte Vieh beträgt nach
den vorliegenden Verstetgerungsprotokollen . . . . 14313 „ — „
Es sind demnach an die einzelnen Steigerer nach Verhält-
niß der Größe der Steigerungssumme zurück zu ver
güten ................ 2902 „ 87 „
und fällt hiernach auf jede einzelne Mark eine Rückvergütung
von 2O4027/b313
Laubach, den 31. October 1878.
Ord -Nr. ||
Der Steigerer
Kaufpreis
Rückvergütung
X
Rest- summe
Namen.
Wohnort.
X
4
X
L
1
Gemeinde
Langsdorf
715
—
144
97
570
3
2
Reichelsheim
821
—
166
55
654
45
3
Melbach
470
—
95
38
374
62
4
Großkarben
507
—
102
69
404
31
5
Bellersheim
522
—
105
94
416
6
6
Nieder-Ofieiden
1002
—
203
20
798
80
7
Gambach
601
—
121
90
479
10
8
Nieder-Florstadt
590
—
119
65
470
35
9
Affenheim
901
—
182
71
718
29
10
Bleidenrod
896
—
181
69
714
31
11
Nieder-Wöllstadt
601
—
121
85
479
15
12
Staufenberg
550
—
111
54
438
46
13
Kleinkarben
1001
—
203
1
797
99
14
Beienheim
393
—
79
65
313
35
15
Stammhetm
700
—
142
2
557
98
16
Kloppenheim
700
—
142
2
557
98
17
Freiherr v. Stein
Ständen
551
—
11t
80
439
20
18
Derselbe
562
—
113
92
448
8
19
I. Korell
Schwabenrod
546
—
HO
77
435
23
20
Heinr. Dörner VII.
Hochweisel
562
—
113
95
448
5
21
Johs. Wörner HI.
562
—
113
95
448
5
22
Joh. Göbel V.
Pohl-Göns
560
—
113
71
446
29
Summe
14313
—
2902
87
11410
n
Das Bureau des landwirthsch. Vereins von Oberhessen.
Das halbamtliche Blatt citirt nun die Rede des Fürsten Bismarck aus dem Jahre 1872, in welcher er auf die Gefahren hinwies, welche gerade jene sonderbare Vermischung der Interessen in sich barg, und schreibt weiter: „Die
Der kirchliche Friede und die Centrumspartei.
Unter diesem Titel bringt die letzte „Prov.-Corresp." folgende sehr wichtige Kundgebung. Wenn der Artikel über den Stand der Verhandlungen mit Rom auch keine positiven Angaben enthält, so läßt sich doch durch seinen ge- sammten Inhalt und Ton daraus mit Sicherheit schließen, daß von einem Abbruch der Verhandlungen nicht die Rede ist. Der Artikel lautet wörtlich:
„Seit den ersten Nachrichten aus Kissingen über die Besprechungen, welche der deutsche Reichskanzler dort mit dem päpstlichen Nuntius in München, Masella, gehabt hat und in welchen man allseitig einen ersten Versuch vertraulicher Verständigung über die möglichen Wege zur Anbahnung des kirchlichen Friedens erblickte, — ist Angesichts dieser Friedensaussicht die Haltung keiner anderen Partei so eigenthümlich und befremdlich gewesen, wie die des ultramontanen Centrums, in der Preffe sowohl wie im Parlament. Weder der Wunsch, noch die Hoffnung des Papstes auf kirchlichen Frieden schienen in der ultramontanen Partei in Deutschland irgend einen Wiederhall zu finden: ihre Wortführer ließen es sich vielmehr angelegen sein, den Glauben an die Möglichkeit eines Friedens mit der deutschen Regierung von vornherein zu ersticken. Um sich in dieser Beziehung nicht in offenen Widerspruch mit der Auffaffung und dem Urtheile Roms zu setzen, wurde in den ultramontanen Blättern mit allem Eifer bestritten, daß die Anregung zu den vertraulichen Besprechungen von päpstlicher Seite ausgegangen sei, — es wurde behauptet, Fürst Bismarck habe die Verhandlungen lediglich zur Erreichung augenblicklicher politischer Zwecke angeknüpft. Diese Behauptung wurde jedoch durch den Papst selber Lügen gestraft: in dem bekannten Schreiben an den Cardinal Nina sprach Leo XIII. aus, daß sein eigener Wunsch, Deutschland den religiösen Frieden wiedergegeben zu sehen, eine günstige Ausnahme auf Setten des deutschen Kaisers gefunden habe, und daß daran die weiteren freundschaftlichen Verhandlungen sich geknüpft haben. Der Papst bezeugte zugleich, daß die Wichtigkeit des Zieles von der Weisheit Derer, welche die Geschicke des deutschen Reiches in Händen haben, richtig gewürdigt werde. Er fügt hinzu: die Kirche würde glücklich sein, den Frieden in Deutschland wiederhergestellt zu sehen, — das deutsche Reich aber würde, nachdem die Gewiffen beruhigt worden, in den Söhnen der katholischen Kirche, wie in früherer Zeit, seine treuesten Unter thanen finden.
Nach dieser Kundgebung war es nicht mehr möglich, an dem Wunsche und Willen des Papstes selbst zu zweifeln, und seitdem find die uliramontanen Wortführer in der That bemüht, alle Friedensliebe und alles Verdienst um die Friedensverhandlungen dem Papst allein zuzuschreiben. Angesichts seiner
Akußerung im August, mehrere Wochen nach den Kissinger Besprechungen ge- than, hätte man erwarten dürfen, daß Katholiken, denen es mit der Ehrfurcht vor dem Papste und mit der Achtung vor seiner Erkenntniß und Weisheit Ernst ist, auch ihrerseits einiges Vertrauen zu dem redlichen Willen der deutschen Regierung gefaßt und die Hoffnung auf Wiedergewinnung des Friedens auf jede Weise gefördert hätten. Aber das Gegentheil ist in der ultramontanen Preffe aus Seiten der Führer des Cerurums im Reichstage eingetreten : statt der Anerkennung des ernsten Willens, täglich neue Verdächtigungen und Schmähungen des Strebens des Reichskanzlers, statt einer Förderung der Frie- denshoffnungen das immer erneute Bestreben, eine friedliche Lösung „mit dieser Regierung" als unmöglich darzustellen, — und zur Unterstützung dieser Behauptung die wiederholte Versicherung, daß die Verhandlungen thatsächlich abgebrochen seien. Und in demselben Augenblicke, wo zwischen der päpstlichen Curie und dem deutschen Reiche vertrauensvolle Verhandlungen schweben, welche nach der Erwartung des Papstes auch das Ergebniß haben sollen, die Katholiken zu erneuter Bewährung ihrer Treue für Kaiser und Reich zu führen, in demselben Augenblicke geben die Ultramontanen im Reichstage das merkwürdige Schauspiel, daß die angeblich zuverlässigsten Verthetdtger von Altar und Krone, im Verein mit den entschiedensten Gegnern ihrer Auffaffungen und Grundsätze, der Regierung den Arm zu lähmen suchen in dem unerläßlichen Kampfe gegen Bestrebungen, welche das Christenthum und die Kirche ebenso heftig anseinden und bedrohen, wie Staat und Thron und die bürgerliche Gesellschaft, und welche von dem päpstlichen Stuhle jeder Zeit aufts Schärfste ver- urtheilt worden sind. Dieses auffällige Verhalten ist nur erklärlich durch den Charakter, die Zusammensetzung und die Leitung der Centrumspartei, welche sich seit Jahren als Vertreterin der kirchlichen Jntereffen der deutschen Katholiken geberdet, in welcher aber in Wahrheit noch ganz andere rein politische Gefichtspunke maßgebend sind, die mit den wirklichen Jntereffen der römischen Kirche absolut nichts gemein haben, deren leidenschaftliche Geltendmachung aber von vornherein den kirchlichen Kampf erbittert und vergiftet und damit der katholischen Bevölkerung unsäglichen Schaden bereitet hat. Die schlaue und künstliche Vermischung der ultramontanen Jntereffen mit denen des früheren (streng lutherischen) welfischen Fürstenhauses, die Leitung der ganzen Par! i durch einen in allen Künsten und Wegen der Politik bewanderten uliramontanen Welfenführer hat die schweren und verhängnißvollen Verirrungen der Partei und das gehässige Treiben ihrer Preffe herbeigeführt."
Aeußerung über die richtige Würdigung seines Wunsches, die er auf Seiten ( . , u .
der deutschen Regierung gefunden, und Angesichts der Thatsache, daß er diesesCentrumspartei aber bat den ihr von der welfischen Führung von Anbeginn


