Ziehungen zu Oesterreich nach wie vor großes Gewicht legen. Der Vertreter der Pforte in Wien ist angewiesen worden, sich in diesem Sinne auszusprechen und ist dies, wie eine Redactionsbemerkunz der „Polit. Corresp." bestätigt, auch thatsächlich geschehen. Nichtsdestoweniger ist es Thatsache, daß gegen Oesterreich in Konstantinopel eine Agitation unterhalten wird, die nicht nur im Palais des Sultans zu suchen ist, sondern von dort aus verbreitet wird. Diese Agitation hat durch die politischen Vorgänge in Ungarn einen weiteren mächtigen Impuls erhalten und ist bereits auf dem Punkte angelangt, um sogar die Eventualitäten in Ungarn in den Bereich ihrer Hoffnungen und Wünsche zu ziehen, welche aus die Occupation Bosniens im Sinne der türkischen Wünsche reagiren könnten. Unter dem Einfluffe dieses Jdeenkreises entstand die Circularnote mit der notorischen Tendenz, der ungarischen Opposition eine neue Handhabe zur Agitation gegen die Occupation zu liefern. — In der Commission für Ost- rumelien wurde Seitens der russischen Delegirten in Folge des Verlangens Englands, daß die Pforte unverzüglich einen Gouverneur für Ostrumelien ernenne, die Competenzfrage gestellt. Die anderen Delegirten suchten Instructionen nach.
Die „Polit. Corresp." meldet aus London: Die letzte türkische Note ist dem britischen Cabinet bereits vorgestern rnitgetheilt worden. Letzteres, hiervon schon früher unterrichtet, ließ dec Pforte eindringlich von einem so unsinnigen Schritte abrathen. Es ist positiv, daß das britische Cabinet das in der türkischen Circularnote enthaltene Ansinnen entschiedenst zurückweisen wird. — Die „Polit. Corresp." meldet aus Bukarest: Die osficielle Besitznahme Beffarabiens von Seiten Rußlands ist auf den 13. Octbr- festgesetzt. Zum Nachfolger des russischen Militär - Commandanten in Rumänien, Baron Drentelen, welcher zum Chef der dritten Abtheilung der kaiserlichen Canzlei in Petersburg ernannt wurde, ist General Michtttn bestimmt worden.
«Holland.
Amsterdam, 9. October. Nach dem „Middelb. Courant" ist Prinz Alexander, der zweite Sohn des Königs, nach der Schweiz abgereist und begibt sich in freiwillige Verbannung nach Stuttgart wegen der Wiederverheirathung des Königs, welche im Februar stattfinden soll.
Schlüffel zu seiner eigenen Thür selbst behalte, muffe aber überlegen, was zu thun sei, wenn der Nachbar seinen Schlüffel einem Andern zu übergeben gedenke.
Konstantinopel, 10. ,October. Die Pforte will, nachdem sie die Convention nut Oesterreich zurückgewiesen hat, nur Verhandlungen pfl geu, deren Grundlage die Anerkennung ihres ungeschmälerten Souoeränitäksrechies m Bosnien ist. Sie kehrt gewissermaßen zu dem Standpunkt zurück, von dem cuj sie vor den Kongreß Beschlüssen mit Oesterreich »erhandelte.
Wien, 10. October. Meldungen der „Polit. Corresp." Aus Konstantinopel, 10. d. Der russische Botschafter ersuchte gestern in einer Audienz den Sultan um Ergreifung ausreichender Maßregeln zum Schutze der christliche» Bewohner gegen Ausschreitungen und Gewaltthätigkeiten der Mohamedaner in allen von den Russen geräumten Gebietstheilen. — Der Engländer Sinclair, der bis jctzt die Insurgenten im Rhodope-Gebirge befehligte, ist von diesen ver-' jagt worden und in Konstantinopel eingetroffen. Die Pforte erhielt Nachr cht, daß der Führer des Aufstandes in Kozan, Achrnet Pascha, sich unterworfen habe. — Von der Drinagrenze, 10. d. Trotz der Verstärkungen, welche die Insurgenten im Sandschak Novtbazar durch Arnautenschaaren von Ipek, Prischtina und Kalkandelen erhalten haben, ist doch in Folge der Fortschritte der kaiserlichen Truppen eine solche Panik in dem genannten Sandschak dngenffen, daß die Städte Plevlje, Prjepolje und Sienitza vollständig zur Unterwerfung bereit sind. Es geht die Kunde von fortwährendem Eintreffen regulärer türkischer Truppen und großer Kriegsmaterial-Sendungen in Mitrovitza, sowie von Verstärkung der türkischen Besatzung in Bjelopolje. — Aus Bukarest, 10. d. Nach einer am Sonntag abzuhaltenden Musterung werden die zur Besetzung der Dobrudscha bestimmten rumänischen Truppen den Marsch dahin antreten.
Berlin, 10. October. Für den § 1 der Socialistenvorlage fliaimten in der heutigen Reichstagssitzung: Geschloffen die nationalliberale und beib conservative Fractionen, außerdem die Gruppe Löwe, von der Fortschrittspartei Hilf, Müller (Gotha) und Baumgarten und die elsässischen Autouomistm Rack und Rorth.
Paris, 11. October. In einer gestern zu Gcenoble gehaltenen Rede betonte Gambetta die Nothwendigkeit der Wahl republikanischer Senatoren, um
Telegraphische Depeschen.
Wagner'» telegr. Eorrespoude»z-««reau
Berlin, 10. October. In der heutigen Reichstagssitzung wurde die zweite Lesung des Soeialistengesetzes fortgesetzt. Hasselmann erklärte, daß die Socialdemokraten den aufgenöthigten Kampf durchführen würden; er mache die Regierungen und die Reichstagsmajorität für etwaige künftige Gewaltthätigkeiten mit Blutvergießen verantwortlich. Redner verbreitete sich dann ausführlich über die Bestrebungen der Socialdemokratte und rechtfertigte die Pariser Commune, wobei er ebenso wie bei seiner vorhergehenden Entwickelung der socialistischen wirthschaftlichen Theorien die Aeußerungen des Fürsten Bismarck in seinem Sinne verwerthete. Am Schlüsse seines zweistündigen Vortrages sprach Hasielmann von der Eventualität einer offenen Erhebung der unterdrückten Arbeiterbevölkerung und wurde dafür unter dem lebhaften Beifall des Hauses zur Ordnung gerufen. Derselbe verließ die Tribüne darauf mit den Worten: Fürst Bismarck möge an den 18. März 1848 denken.
Löwe beleuchtete die Lage der Arbeiter sonst und jetzt, das Wesen der Productivaffociation und was Schulze-Delitzsch dafür gethan. Die Vorlage sei gegen die gewerbsmäßigen Agitatoren gerichtet, die den Klassenhaß schürten. Man befinde sich in einem Nothstande und dürfe der Regierung keine Mittel versagen. Die Arbeiten selbst stünden unter einem Terrorismus, der gebrochen werden müsse. Man möge das Gesetz nur so gestalten, daß das Genossenschaftswesen geschont werde.
Winterer bekämpfte das Gesetz als Ausnahmegesetz und bezweifelte dessen Wirksamkeit; er erachte eine internationale Bekämpfung des Soctalismus für nothwendig. Redner berührte auch beiläufig die Zustände in Elsaß-Lothringen. v. Bennigsen erklärt sich für die Vorlage nach
die Ruhe des Landes zu sichern. Die Republik fei keine Feindin der Religio?, welche man nicht mit der herrschsüchtigen Secte verwechseln dürfe. Er hoff-, die Wähler würden das Joch der Sakristei abschütteln. Die Wahlen vom 5. Januar würden neue sociale Schichten heranführen und mit diesen Gedeihen und Moralität. Redner rechne auf eine Majorität von 20 Stimmen.
Triest, 10. October. Seitens des Feldzeugmeisters, Herzogs v. Württemberg, wurde den Handelskammern von Triest und Spalato Mitthetlung von der Eröffnung einer gesicherten Verbindung zwischen Dalmatien und Travnik gemacht, mit der Aufforderung, Handelsverbindungen in den für die bosnischen Garnisonen nothwendigen Artikeln anzuknüpfen.
Odessa, 10. October. Heute Nacht wurde bet der Odessaer Bank ein Manko von 65,000 Rubel entdeckt; der Hauptcassirer war der Aneignung dieser : Summe und außerdem des Betrages von 90,000 Rubel Fonds geständig. Das . Publikum bestürmte das Banklocal und forderte seine Einlagen zurück; bis | 3 Uhr waren bereits 2 Millionen entnommen; nachher trat mehr Ruhe ein.
Wien, 10. October. Es heißt, daß Vorverhandlungen dem Abschlüsse nahe seien über einen dem österreichischen Staate Seitens der Banque de Paris und der österreichischen Bodeu Creditgesellschaft zu gewährenden Vorschuß von 30 Millionen Gulden gegen 61/2 pCt. Zinsen.
den Beschlüssen der Commission. (Während dieser Rede trat Fürst Bismarck ein.) Revner betonte die gründlichere Ausarbeitung der jetzigen Vorlage und wies darauf hin, wie durch die Vorlage nur eine genau gekennzeichnete Agitation getroffen werde, deren Treiben er erläuterte. Gerade auf die Arbeiter werde durch die Agitatoren am schädlichsten gewirkt, indem ihnen nur Hoffnungslosigkeit gepredigt, die Lust zum Arbeiten und Wetterstreben benommen werde. Man müsse den Gesundungsproceß vornehmen, ehe es zu spät sei, die Bewegung etndämmen und zu dtejem Zweck die Vorlage nach den Commissions-Beschlüssen annehmen. Der Reichskanzler habe sich dagegen verwahrt, reactionäre Politik zu treiben; für diese Erklärung sei er ihm dankbar. Wer so Großes für Deutschland geschaffen wie der Reichskanzler, könne nicht annehmen, daß er mit Elementen arbeiten könne, die ihm widerstreben. Der Reichskanzler habe gestern — das
Lokal-Nottz.
Gießen, 10. October. Der Schwurgerichtshof erkannte heute gegen Conrad Mattern von Heuchelheim bezüglich der auf Erpessung gerichteten Anklage, wegen welcher derselbe von den Geschwornen für „nicht schuldig- erklärt wurde, auf Freisprechung. Dagegen wurde Jener wegen Körperverletzung nachdem in dieser Beziehung ein „Schuldig" erklärt worden, in eine Gcfängnißstrafe von 7 Monaten, an welcher jedoch 2 Monate erlittene Untersuchungshaft in Abzug kommen, verurtheilt.
Ludwig Mattern von da, wurde wegen derselben Verbrechen von oen Geschwornen für „nicht schuldig" erklärt und in Folge hiervon, von dem Gerichtshof freigesprochen.
anerkannt. Wäre ernster Verdacht vorhanden, daß in reactionärem Sinne gewirthschaftet werden solle, dann müßte man jede Hoffnung auf eine gesunde Fortentwickelung aufgeben. Der Ausspruch des Reichskanzlers sei werthvoll mit Rücksicht auf die letzten und auf künftige Wahlkämpfe, v. Bennigsen schloß mit einem Appell an den Patriotismus der Parteien, die sich die Hand reichen müßten, überall wo es sich um das wahre Wohl des Vaterlandes handele. (Beifall.) — Hierauf wurde die Debatte geschlossen. § 1 wurde nack dem Commissionsbeschluß mit dem Amendement Ackermann (Einfügung der Worte: insbesondere die Eintracht der Bevölkerungsklassen gefährdender Weise) angenommen. Dagegen stimmten die Fortschrittspartei, das Centrum und die Socialdemokraten. Nächste Sitzung morgen.
Wien, 10. October. Die „Wiener Abendpost" veröffentlicht nach ter „Köln. Ztg." die neueste türkische Circular-Depesche und fügt hierzu die Bemerkung, daß dieses Actenstück sicherlich weder eines Commentars, noch einer Widerlegung bedürfe, sich vielmehr in jeder Beziehung selbst richte.
Prag, 10 October. Im Altstädter Mühlencomplex ist gestern eine große Feuersbrunst ausgebrochen. Die Kunstmühlen von Tonka, Mrkosch und Dworak sind eingeäschert und große Mehlvorräthe ein Raub der Flammen geworden.
— Bei dem gestrigen Brande der Altstädter Mühlen sind drei Getreidemühlen , eine Schlcifmühle und der städtische Wafferthurm ausgebrannt. Die Novotnys-Complexe wurden gerettet. Der Schaden, welcher enorm ist, war zumeist bei der städtischen Affecuranz versichert.
Madrid, 10. October. Marokkaner haben bet Tetuan einen Beamten beß spanischen Consulats und internationalen Delegirten der europäischen Con- si-late für die Errichtung eines Lazareths in Tetuan ermordet. Die spanische Regierung verlangt von Marokko Genugthuung.
Bukarest, 10. October. Die Commission des Senats hat die Motion angenommen, wonach die Regierung ermächtigt wird, sich dem Berliner Ver- trage zu fügen, von der Dobrudscha Bcsitz zu ergreifen und dieselbe bis zur E nberufung einer constituirenden Versammlung im Verordnungswege zu admi» mstriren. Die Motion fordert schließlich die Regierung auf, sowohl zur definitiven Lösung der Dobrudscha-Frage, wie der übrigen Fragen des Berliner Vertrages spätestens während der drei Monate der ordentlichen Session eine constituirende Versammlung einzuberufen. Von Seiten der Regierung wird die Erklärung abgegeben, daß sie die Motion annehme. Man glaubt, die Depu- tt-tenkammer werde eine identische Motion annehmen.
Loudon, 10. October. Bet der Eröffnung des conservativen Vereins in Blackpool hob Kriegsminister Stanley hervor, England wünsche weder Aggression noch Eroberungen und habe nichts dagegen, wenn der Nachbar den
Verwischte
— Die Darwinianer haben tm Inneren Afrikas Concurrenten gefunden, die den Ruhm, die Abstammung der Menschen vom Affen zuerst behauptet zu haben, für sich in Anspruch nehmen dürsten. Die Amakua nämlich erklären sich die Entstehung des Menschen so: Im Anfang machte der gute Gott Muluku zwei runde Löcher in die Erde. Aus dem einen entsproß ein Mann, aus dem anderen ein Weib- AuS zwei ferneren Löchern erwuchsen ein Affe und ein Affenweibchen. Den Affen wie« der gute Gott die öden und wilden Gebiete der Erde an, den Menschen gab er Werkzeuge und befahl ihnen den Acker zu bauen und sich ein Haus zu errichten. Aber das Menschenpaar war träge, zerbrach seine Geräthe und nährte sich nur von dem, waS die Erde selbst hervorbrachte. Da rief der gute Gott den Affen und fein Weibchen, gab ihnen Geräthe und als er sah, daß jene fleißig arbeiteten, schnitt er ihnen die Schwänze ab und setzte sie den Menschm an. Zu den Affen aber sagte er: Seiet Menschen, und zu den Menschen: Seiet Affen!
— In einigen Tagen wird in London der Nachlaß eines der excentrtschesten Köpfe in England, des Herrn Bethel 2B ilronb, zur Versteigerung gelangen, welcher die letzten zwanzig Jahre mit beständigem Processtren zubrachte. Er prooocirte die Processe, wie er selbst sagte, zu dem Zwecke, das Gerichtsverfahren in seiner Heimath aus dem Grunde kennen zu leinen und bk Gesetzgeber zu zwingen, Reformen einzuführen. Er beschäftigte zu einer gewissen Zeit nicht weniger altz vierzig Advocaten. Um sich von feinen tiefen Studien zu zerstreuen, hielt er zu Hause Hunderte von Hafen und Hunden. Für diese letzteren hegte er die größte Achtung, da er überzeugt war, daß die Seelen der Vn- storbenen in die Leiber von Hunden übergehen. Sobald einer der Hunde starb, veranstaltete er ein großes Letchenbegängniß und ließ ihm ein Mausoleum errichten. Alle anderen Hunde folgten, von den Wärtern an einer Leine geführt, dem Trauerzuge. Ist seinem Appartement hatte er den etnbalfamtrten Körper seiner verstorbenen Tochter ausgestellt, beren Seele, wie er glaubte, in ben Körper eines feiner Hunbe übergegangcn i war, welchen er an seinem Tische speisen ließ. Man konnte nur mit einem besonderen Erlaubnißschein in sein Haus gelangen, und der Emuang zu demselben wurde von zwei kleinen, stets geladenen Bronzegeschützen auf ihren Lasteten bewacht- Um sich mit der Idee des Todes vertraut zu machen, betrachtete er täglich eine Stunde lang die Hülle feiner Tochter und batte überdies drei Frauenskelette am Fuße seines Bettes aufgesleUl- Eine weitere Eigenthümlichkeit dieses Originals war, daß man ihm in allen an ihn gerichteten Documenten seinen Titel als Grand von Spanten geben und die verschiedene« eingebildeten Orden erwähnen wußte, welchen er angedörte. Dt'le solcher Eremplare hat wohl selbst das Land deS Spleen par excellence nicht aufzuweiscn.
— In Paris überraschte am Donnerstag der Akademiker Th. v. Moncet eine Gesellschaft geladener Gäste, bestehend au8 Gelehrten und Journalisten, durch eine Erfindung, welche ras Telephon und den Phonographen um einen bedeutsamen Schritt weiter führt Herr v. Moncet legt ein Heft von seinem Postpapier auf den Tisch, zwischen dessen Blätter er eine Lage Staniol schiebt, um, wie der Physiker sagt, einen Kondensator zu bilden. Das Heft verbindet er dann mit einem fernstehenden Telephon, wobei er darauf aufmerksam machte, daß eine Jnductionsrolle in den Kreis gebracht sei. Sobald nun Jemand in das Telephon hineinsang, fing zum Erstaunen der Gäste auch das fernstehende Heft an zu singen und zwar mit so lautet Stimme, daß ovt Leistung jedes Telephons dadurch weit in den Schatten gestellt wird. Das Experiment wurde


