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Samstag, den 12. October

1878.

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AMige- ui AMsbktt st ten Kreis Gießen.

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Schulstraße B. 18.

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Bekanntmachung.

Betreffend: Die Wahl der Mitglieder für Großh. Centralstelle für die Landwirthschaft pro 1879/81.

Der Unterzeichnete bringt hiermit zur Kenntniß der verehrltchen Ausschußmitglieder, daß in der auf den 19. d. Mts. anberaumten Ausschußsitzung auch die Vertreter des landwirthsch. Vereins von Oberheffen in der Centralstelle für die Landwirthschaft pro 1879/81 gewählt werden sollen.

Der Präsident des landwirthschaftlichen Vereins von Oberheffen. Adalbert Freiherr Nordeck zur Rabenau.

er Th eil.

Mililärwochenblatt" haben Se. Maj. der Deutsche Kaiser geruht, aus Anlaß der stattgchablen großen Herbstübungen des XI. Armee-Corps den nachbenann- ten Ofstcteren -c. der Großh. (25.) Division folgende Auszeichnungen zu »er-

Aolilisch

* Zur allgemeinen politischen Lage.

Ter politische Horizont hat sich in der letzten Zett wieder etwas mit Wolken überzogen. Der Krieg zwischen England und Afghanistan kann jeden Augenblick ausbrechen, er ist vielleicht gar schon ausgebrochen. Die Frage, welche Rückwirkung dieser Krieg aus das Verhältniß Englands zu Rußland aus­üben werde, beschäftigt daher alle Politiker in ernstester Weise. Nicht minder bedenklich gestaltet sich die Stellung Oesterreichs zur Türkei. In einem Augen­blick, wo die Magyaren Alles ausbieten, um das Occupationswerk in Bosnien rückgängig zu machen, wenigstens zum Stillstand zu bringen, und die leitenden Kreise des Katserstaates durch Finanzcalamität und Mtnisterkrtsts in der Pein lichsten Verlegenheit stecken, wirst die Pforte die Maske diplomatischer Freund­schaft, welche sie bisher Oesterreich gegenüber zur Schau getragen, plötzlich ab und tritt gegen den Nachbarstaat offen mit Anklagen hervor, wie sie schwerer und beleidigender selbst einem erklärten Feinde nicht in's Gesicht geschleudert werden können. Das Rundschreiben, welches die Pforte soeben den Mächten hat überreichen lassen und in welchem sie nicht nur die österreichische Armee der barbarischsten Greuelthaten beschuldigt, sondern auch die Mächte geradezu auf- sordert, der OccupationS-Armee ein Halt zuzurufen und dem Treiben der öfter retchischen Regierung ein Ende zu machen, kann das in seiner Ehre vor der ganzen Welt so hart angegriffene Oesterreich nur veranlasse, die gewonnene Stellung um so fester zu behaupten, ja noch weiter nach Süden vorzudringen. Bei der bekannten Hartnäckigkeit und Leidenschaftlichkeit der türkischen Staats­männer ist es daher nicht unmöglich, daß es demnächst zu einem sörmltchen Kriege zwischen Oesterreich und der Türket kommt.

Man darf sich indeß wegen einer derartigen Eventualität nicht allzu große Sorgen machen. Die einzige Macht, welche Oesterreich in einem Constict mit der Türkei erheblich schaden könnte, ist in ihrem eigenen Interesse wett mehr geneigt, ihm Vorschub zu leisten, als Hindernisse zu bereiten. Wenn Rußland, wie es heißt, neuerdings in Konstantinopel erklärt hat, es werde Adrianopel nicht eher räumen, als bis die Pforte alle Bestimmungen des Berliner Frie­dens ausgesührt habe, und gleichzeitig in Belgrad, es werde Rumelien so lange besetzt hallen, wie die österreichischen Truppen Bosnien und die Herzegowina, so dienen beide Aeußerungen nur zur Bestätigung der Annahme, daß zwischen den beiden Kaisermächten ein geheimes Einverständniß besteht, welches die wei- iere Zerstückelung der Türket ohne Störung des europäischen Friedens beför­dern wird.

Auch von der afghanischen Frage scheint, so viele Verwicklungen sie auch für eine spätere Zukunft in ihrem Schooße bergen mag, für jetzt keine ernstliche Bedrohung des Weltfriedens zu befürchten. Mittelasien ist allerdings das Feld, auf dem die Interessen der beiden großen astatischen Mächte aufeinander stoßen. Aber warum sollten stch England und Rußland aus diesem unermeßlichen Ge­biete, das Raum genug für beide hat, nicht ebenso gut friedlich vertragen fön* um, wie aus dem der Türkei? Zu nicht geringer Beruhigung der Gemüther dient die Nachricht, daß Fürst Bismarck, nachdem er auf dem Berliner Con- greß zwischen beiden Rivalen so glücklich eine freundschaftliche Auseinander- fetzung über die türkischen Angelegenheiten herbeigeführt, nunmehr auch stch bemühe, einem feindlichen Zusammenstoß derselben im fernen Asien vorzubeugen. Mr jetzt ist an eine acttve Betheiltgung Rußlands an dem afghanischen Kriege iemeöfalls zu denken höchstens, daß es eine Observations-Armee an seiner Südgrenze ausstellen wird.

Auch im Uebrigen deuten die Wetterzeichen mehr auf Versöhnung und Mieden, als auf Entzweiung und Krieg. England und Frankreich wünschen diirch die Verabredung, die sie über die Verwaltung Egyptens getroffen, das auf sein Ansehen im Orient eifersüchtige Italien so wenig vor den Kopf zu stoßen, daß sie stch zu dessen Beruhigung entschloffen haben, dieser Verwaltung durch Heranziehung italienischer Beamten einen internationalen Charakter zu geben. Zwischen Oesterreich und Italien ist das frühere Vertrauensverhältniß wieder vollständig hergestellt. Von den intimen Beziehungen Deutschlands zu Oesterreich gibt endlich die Ankunft einer österreichischen Regimes-Deputation ui Berlin zum 25jährigen Jubiläum des Deutschen Kronprinzen als Inhabers Ms Regiments ein erfreuliches Zeichen. Also nur nicht allzu ängstlich trotz Bosnien und Afghanistan!

Deutschland.

Darmstadt, 9. October. (Ordensverleihungen). Nach dem heutigen

leihen, und zwar haben erhalten:

Den Rothen Adlerorden 3. Kl. mit der Schleife: v. Westernhagen, Oberst und Commandeur des 2. Großh. Jnf.-Reg. (Großherzog) Nr. 116.

Den Rothen Adlerorden 4. Kl.: Kolbe, Major im 2. Großh. Inf.* Reg. (Großherzog) Nr. 116; Franck. Oberstlieutenant z. D. und Bezirks- Commandeur des 1. Bataillons (Gießen) 2. Großh. Landwehr-Regiments Nr. 116.

Den königlichen Kronenorden 4. Kl.: Kronbauer, Zahlmeister beim Großh. Jnf.-Reg. (Großherzog) Nr. 116.

Das Allgemeine Ehrenzeichen: Bruch Haus er, Feldwebel im 2. Großh. Jnf.-Reg. Nr. 116.

Aus dem Großherzogthuru Hessen, 8. Octbr. Nach dem Reichs­gesetze rom 26. Februar 1876 sollen durch die Landesgesetze die zur Befferung und Beaufsichtigung jugendlicher Verbrecher (unter 12 Jahren) geeigneten Maß- regeln, insbesondere Unterbringung in Erziehungs- und Befferungs-Anstallen, angeordnet werden. Zur Zeit fehlt in Heffen jede Bestimmung hierüber, und in der verstoffenen Landtagssession hat die Regierung auf eine Interpellation geantwortet, sie erkenne die Notbwendigkeit des Erlaffes eines solchen Gesetzes an und wolle nur den Erfolg des in Preußen vorgelegten Entwurfes abwarten. Nachdem in Preußen das Gesetz erlaffen worden und der Behörde die Befugniß gibt, von ihren Eltern verwahrloste jugendliche Verbrecher in Familien, Er- ziehungs- und Beffeiungs-Anstalten unterzubringen, dürfte auf dem bevorstehen­den Landtage die in Aussicht gestellte Vorlage erfolgen. Die Regierung hält nach ihrer früheren Erklärung daran fest, daß in erster Linie Familien zur Unter­bringung zu benutzen und staatliche Rettungshäuser vorerst nicht zu errichten seien. (Fr- Journ.)

Berlin, 8. October. Die socialdemokrattscheDresd. Volks-Ztg." theilt mit, daß der größte Theil der socialdemokratischen Vereinskaffen thells unter die Mitglieder vertheilt, theils in der Schweiz in Sicherheit gebracht worden sei. Beim Zustandekommen des Gesetzes werde die Polizei Nichts zu constsciren vorfinden. Auch die Allgemeine Deutsche Affociations-Buchdruckerei in Berlin, in dessen Verlag dieBerlmer Freie Presse" erscheint, geht mit der Absicht um, nach Erlaß dcs Socialistmgesetzes Alles in Sicherheit zu bringen. Ein Inserat in dem letztgenannten Blatte beruft die Mitglieder der Genoffen- schafr zu einer außerordentlichen Generalversammlung auf Sonntag, den 3. Novbr. d. Js. Aus der Tagesordnung derselben steht nur der Antrag des Vorstandes auf Liquidation des Geschäfts. Das socialdemokratischeHamburg-Altonaer Volksblatt" meint, daß die Regierung demnächst mit der Errichtung von Pro- ductiv-Aflociationen mit Staatscredit vorgehen werde. In diesem Falle wür­den die Socialdemokraten sichbis auf beffere Zeiten" diesen staatssocialistischen Vereinen anschließen

Berlin, 9. October. DieProv.-Corresp." weist bei Besprechung des Commissionsberichtes über das Socialistengesetz daraus hin, daß die Commissious- Mehrheit sich grundsätzlich aus den Boden der Vorlage gestellt habe. Jedoch sei eine Verständigung über die wirksame Gestaltung der einzelnen beabsichtigten Maßregeln, sowie über die Aussührungs- und Control-Behörden noch nicht er­zielt. Hierzu zählten namentlich die Bestimmungen über das Verbot periodischer Schriften, über bie Beschwerde-Instanz, über Ausweisungen und die Dauer des Gesetzes. So erheblich die noch bestehenden Streitpunkte in ihrer practischen Bedeutung erschienen, so sei doch die Summe deffen, worüber die Mehrheit sich bereits mit den Regierungen verständigt, von so überwiegender Bedeutung, daß die Zuversicht begründet erscheine, daß die Uebereinstimmung über Wesen und Ziel der großen Aufgabe auch die letzten Schwierigkeiten überwinden laffen werde. Die Regierung muffe auch noch bei den bevorstehenden D-rathungen die Beseitigung der Beschlüsse anstreben, in welchen sie eine bedenkliche Schwäch­ung und Abstumpfung der ihr zu gewährenden Vollmachten und Waffen erkenne.

Kesternich.

Wien, 9. October. DiePolit. Corresp." bringt aus Konstantinopel Mittheilungen über die Genesis der letzten türkischen Circularnote. Darnach bestätige es sich, daß die eigentlichen Pfortenkreise auf Erhaltung guter Be-