vorerwähnte Moment für die Getreidepreise auch für sich allein kein maßgeben des sein, so wollen wir den Hinweis darauf als einen kleinen Hoffnungsstrahl unseren Landwirthen nicht vorenthalten.
Paris, 7. Septbr. „Soir" theilt über die Affaire des Socialisten- Kongresses noch Folgendes mit: „Die erste Person, welche verhaftet wurde, war Finance, der bei Oeffnung der Saalthüre den Polizeicommiffär Fouque- teau an der Gurgel faßte. Nach ihm wurden Chabry, Deoille, Coneste und Maflard verhaftet. Deville, der die Polizei auf dem Laufenden erhalten haben soll, wurde nach dem ersten Verhör allein in Freiheit gesetzt. Die in den Wohnungen der Verhafteten mit Beschlag belegten Schriften führten zur Verhaftung von Hirsch. Die bei demselben auszefundenen Papiere sind sehr wichtig. Der ebenfalls verhaftete Däne, Schumann, gestand ein, der Internationale anzuze- hören. Bei allen Verhafteten fand man Briefschaften, welche ihre Beziehung mit dem Auslande seststellen. Zwei russische Frauen wurden ebenfalls nach der Polizei-Präfektur gebracht. Dec größte Thetl der Verhafteten wird unter der Anklage der unerlaubten Versammlung und der geheimen Verbindung vor Gericht gestellt." So der „Soir." Die Russinnen wurden in Folge von Angaben der russischen Agenten, welche der Versammlung anwohnten, verhaftet. Ein Qesterreicher, der auch anwesend war, soll ebenfalls verhaftet worden sein.
— Der officiöse „Soir" greift die Ruffen wegen ihres grausamen Auf- tretens in der Türkei sehr schars an. Nachdem derselbe einige Auszüge aus den Berichten über die Rhodope-Ereigntffe mitgetheilt, meint derselbe: „Man weiß, woran man sich zu halten hat. Man weiß, daß man sich angesichts der Apostel befindet, welche während beinahe eines Jahrhunderts unter Alexander L, Nicolaus und Alexander II. Polen pacifictrt haben. Angestchts seiner Eivilisa- toren, welche die Katholiken durch Bayonnetstiche, durch Knutenhiebe, dann Tod in Sibirien und durch die Beraubung zur Orthodoxie bekehrten. Es find die Nämlichen, welche drei Jahre lang Europa zur Msthülfe aufforderten, um der türkischen Barbarei ein Ziel zu setzen. Wer kann heute noch von der türkischen Barbarei sprechen? Im Orient gibt es nur noch eine Barbarei: es ist die der moskowitischen Ctvilisatton, des moskowtttschen Apostels, des moskowltischen Missionars."
Türkei.
Konstantinopel, 8. Septbr. Nach amtlichen Berichten wurde Mehe- med Alt Pascha in seiner Wohnung zu Ipek mit seiner Escorte, bestehend aus einem Officier und 20 Soldaten, ermordet und das betr. Haus sodann mit Petroleum in Brand gesteckt. — Ein weiteres Telegramm meldet: Auch der Muteffarif von Ipek, Abdallah Pascha, nebst 10 höheren Beamten wurden niedergemetzelt.
dabei zu erklären, Griechenland werde niemals auf die ihm vom Berliner Conzreffe zugesprochenen Rechte verzichten.
New-Orleans, 9. Septbr. Gestern sind hier 81 Personen gestorben und 223 als neu erkrankt gemeldet. In Memphis wurden gestern 100 Leichen beerdigt; die Zahl der Erkrankten ist auf 3000 gestiegen; unter den Gestorbenen befinden sich 8 Aerzte. Die Z istände in Memphis sind über alle Beschreibung traurig; es hat sich jetzt daselbst ein Comits gebildet, um den bisher vom Fieber Verschonten das Verlassen der Stadt möglich zu machen. Von Plaquemines (Louisiana) wird ebenfalls der Ausbruch des gelben Fiebers gemeldet. In Hickmann ließ dasselbe ein wenig nach. Der Verkehr auf den Eisenbahnen und Dampfbooten ist teilweise suspendirt. In den von der Epidemie heimgesuchten Bezirken hat der Geschäftsbetrieb vollständig aufgehücr; 90,000 Menschen sind arbeitslos. Es dürfte 1 Mill. Doll, erforderlich sein, um nur für die nähsten 50 Tage Lebensmittel für dieselben zu beschaffen.
Washington, 9. Septbr. Conzreß nitglieder aus den Südstaaten und eine Rech: anderer politischer Persönlichke.te.i erließen einen Aufruf, worin dieselben im H nblick auf die Hrnzersnoth, welche voraussichtlich der Epidem e des gelben F ebers folgt, zur sofortigen Organisirung einer systematisch geregelten nationalen Hülfe auffordern.
Berlin, 10. Septbr. Die National-Liberalen beschloffen in ihrer gestrigen Frakcionssitzung, auf Compromiß-Verhandlungen über die Wahl des Reichs- tagsprästdiums sich nicht einzulassen und an der Wahl v. Forckenbeck's zum Präsidenten festzuhalten; hinsichtlich der Personen der Viceprästdenten wurde der definitive Beschluß noch ausgesetzt.
Darmstadt, 10. Septbr. Der Großherzoz ist heure früh aus England wieder hier eingetroffen; die Großherzogin besucht heute die Kaiserin in Coblenz.
Paris, 9. Septbr., Abends. Eine Versammlung der radicalen Depu- tirten, welche heute die Vorfälle auf dem socialistischen Congreffe besprach, beantragte Louis Blanc, dem Minister des Innern, Marcöre, ihr Bedauern über die Haltung der Behörden gegenüber dem Vereins- und Versammlungsrechte auszudrücken. Gleichwohl liegt es durchaus nicht im Sinne dieser Deputation, fich den Doctrinen des Congreffes anzuschließen.
Paris, 10. September. Gestern fand in Boulogne anläßlich der Feier der Einsenkung des ersten Steines zu dem neuen Hafen ein Banket statt, an dem sich gegen 400 Personen betheiligten. In Erwiderung auf einen Trinkspruch ließ sich Minister Freycinet über die Thunltchkeit der Ausführung großer öffentlicher Arbeiten aus, die zur Befestigung der Republik beitragen würden. Minister Say zollte der französischen Sparsamkeit Lobsprüche, vertrat die Ausgabe der 3proc. tilgbaren Rente und schloß mit den Worten: die öffentlichen Arbeiten werden den Staatshaushalt nicht schwer belasten, da nichts ohne
Telegraphische Depeschen.
Wagner'» telegr. Torrespoudearz - Birreax.
Berlin, 9. Septbr. Die amtliche Feststellung des Resultates der Nachwahl im ersten Berliner Wahlbezirk fand gestern statt. Die Zahl der eingeschriebenen Wähler betrug 18429. Abgegeben 10772 Stimmen. Davon ungültig 54 St., es blieben somit 10718. Davon erhielten Fabrikbesitzer Ludwig Löwe (Fortschritt) 7465 St., Frhr. Schenk v. Stauffenberg (nat.-lib.) 1390 St., Redacteur Joh. Most (Soc.-Dem.) 1798 St.; es zersplitterten sich 65 St. Gewählt ist demnach Fabrikbesitzer Ludwig Löwe.
Die amtliche Feststellung des Wahlresultates im zweiten Berliner Wahlkreise ergab: Eingeschriebene Wähler 36815, abgegebene Stimmen 24710. Davon ungültig 44, bleiben 24666 Stimmen. Davon erhielten Stadtgerichtsrath Hoffmann (Fortschritt) 14148, Ober-Verwaltungsgertchtsrath Struckmann (nat.-lib.) 3063, Schriftsetzer Aug. Baumann (Soc.-Dem.) 7474 St. Die übrigen Stimmen zersplitterten sich. Stadtgerichtsrath Hoffmann ist mithin gewählt.
Berlin, 9. September. Die erste Sitzung des Reichstages wurde um 3Vi Uhr durch den Alterspräsidenten v. Bonin eröffnet; derselbe berief die Abgg. Graf Kleist, Weigel, Eysoldt und v. Sodon zu Schriftführern, gedachte darauf der Errettung Sr. Maj. des Kaisers aus Mörderhand und brachte ein dreifaches Hoch auf den Kaiser aus, in welches die Versammlung begeistert einsttmmte. Der Namensaufruf ergab 271 Anwesende, demnach die Beschlußfähigkeit des Hauses. Der Gesetzentwurf bezüglich der Bestrebungen der Social- demokratte ist eingegangen. Mit der Verloosung der Mitglieder in die Abthei- lungen wurde das Bureau beauftragt. — Nächste Sitzung Mittwoch 12 Uhr. Tagesordnung: Präsidentenwahl.
— Die deutsch-conseroativen Reickstagsabgeordneten hielten gestern Abend eine von etwa 50 Mitgliedern besuchte Fraktionssitzung; wie in den früheren Sessionen wurde dem Grafen Moltke das Ehrenpräsidium übertragen; in den provisorischen Vorstand wurden gewählt; v. Seydewitz, Ackermann, v. Helldorf und Graf Gleist. — Ueber die Wahl des Reichstags-Präsidenten sind von den Fraktionen noch keine definitiven Beschlüffe gefaßt; die National-Liberalen haben, falls das Centrum einen eigenen Candidaten aufstellen und v. Forckenbeck nur bei sehr großer Majorität die Wahl annehmen sollte, event. v. Bennigsen oder Stephani als Präsidenten in's Auge gefaßt.
Berlin, 9. Septbr. Die „Nationalztg." äußert in einer Besprechung der Thronrede: Der nationalliberalen Fraktion ist anscheinend in dem Gegensätze der Parteien die entscheidende Stimme Vorbehalten. Die nattonalliberale Wählerschaft hat — darüber ist kein Zweifel möglich — das Schuldig über die socialbemokratische Agitation ausgesprochen und ihren Abgeordneten die Aufgabe überlasten, das Urtheil zu sprechen, das darauf gebaut werden soll. Die in der Thronrede ausgesprochene Hoffnung, daß die Vertreter der Nation die geeignetsten Mittel zur Sicherstellung des Reiches nicht versagen würden, erscheint uns schon heute als eine wohlgegründete. Die Haltung des ganzen Actenstückes ist eine prägnante. Der Ton, in welchem die wenigen Sätze sich bewegen, nimmt nichts von der Reserve weg, welche die äußere Form der Eröffnung der ganzen Handlung schon von vornherein aufdrückt.
Wien, 9. Sept. Meldungen der „Polit. Corr." Konstantinopel. Die Ermordung Mehemed Äli's wirkte hier niederschmetternd. Die Pforte beschloß energische militärische Vorkehrungen gegen die altserbischen Meuterer. Auch nach Maccedonien, wo bedenkliche Anzeichen von Ruhestörungen heroortreten, sollen Verstärkungen abgehen. — Bisher sind 35,000 Rusten abgezogen. — Athen. Der Gesandte in Konstantinopel, Konduriotis, ist angewiesen, die Pforte von der vorgestern geschehenen Absendung des griechischen Rundschreibens an die Großmächte mit dem Ansuchen um deren Vermittelung zu verständigen und
Ueberlegung unternommen ist. Um den Erfolg zu sichern, bedürfen wir zweier Dinge: des äußeren Friedens und der inneren Stabilität.
Lokal-Notiz.
Gießen, H. September. (Vortrag.) Heute Mittwoch findet der bereits schon angekündtgte Vortrag des Herrn Prof. Engelhardt aus München über »Ton- und Stimmbildung" in der kleinen Aula der Unioerfität statt. Wir wollen nicht versäumen, nochmals auf diesen höchst interestanten Vortrag, al« ein vollständig neue« Gebiet der Wissenschaft in Betreff Kultivtrung der menschlichen Sprechstimme, wie fie ähnlich bet den alten Griechen in Anwendung kam, aufmerksam zu machen und glauben, daß sich der Besuch um so mehr lohnen wird, alS Herr Engelhardt von Seiten bekannter Capacitäten und Corporattonen auf das Glänzendste empfohlen wird.
Vermischte-.
Frankfurt, 1. September. Ein hiesiger Bürger, Meister auf der Jagd, ging, von seinem Watdmannsgefühl Betrieben, hinaus auf die Hühnerjagd, auf welcher ihm etwas ganz Eigenthümltch-S passtrte. Vor ihm stieg eine Kette Feldhühner in raschem Fluge auf, gleichzeitig machte ein Hase Männchen; statt die Hühner zu treffen, schoß er den Hasen und war eben tm Begriffe, dieses haarige Feldhuhn einzusacken, al« ihn der Feldschüh bei seiner Beute ertappte und festhtelt. Die« Jagdglück dürfte ihn 30 vor dem Ragegericht kosten. Die armen Hasen dürfen in Darmstadt schon geschaffen werden, in Frankfurt geht die Jagd erst am 16. September auf.
— ES liegen nun ausführlichere Berichte vor über das furchtbare Unglück, von welchem die Stadt Miskolcz (Ungarn, »diesseits der Theiß") Freitag NachtS ereilt wurde. Der Wolkenbruch begann um 11 Uhr Nachts und währte drei Stunden lang, die Flüßchen Szinoo und Pecze schwollen rapid zu mächtig überfluthenden Strömen an, den Bewohnern kaum Zeit zur Rettung lastend. Bisher wurden 131 Leichen ausgefunden, darunter 14 Mtlitäcpersonen, ein Oderlieutenant und noch viele Personen werden vermißt. Sämmtltche Brücken, das Straßmpstaster, die Trottoirs sind zerstört, in der Hauptstraße gähnen klaftertiefe Abgründe, der Verkehr mittelst Wagen ist absolut unmöglich. Die Stadt erleidet einen schaden von mehr als 100,000 fl., die Privaten verloren wohl eine halbe Million. Noth und Elend sind grenzenlos. — Andere Berichte schildern das Unglück noch furchtbarer, geben die Zahl Todten mit 400 an und erklären, die halbe Stadt sei rutnirt. Die durch die Staat fließende Szina und der font trockene Peczegraben waren mit jäher Schnelligkeit mit einer stets rascher anschwellmde» Fluth gefüllt, die brausend und tobend die Ufer überstieg und sich — Entsetzen und Verderben bereitend — auf den schönsten Theil der Stadt ergoß Ehe die Bewohner noch aus dem Schlafe erwacht waren, stand Miskolca bereits Meter und zwei Meter hoch unter Wasser. Das tosende Element riß Häuser mit sich deren E nwoh.aer größten- thetlö unter den Ruinen derselben begraben wurden. Tausende vermochten nichts, oll bas nackte Leben zu retten. Die Schreckensscenen spotten jeder Beschreibung.
— Der Häringsfang ist dieses Jahr allenthalben ungemein reich ausgefallen Seit einem Menschenalter ist der Fisch nicht in solchen Mengen ausgetreten, eine Thar« fache, welche der auf allen Gebieten immer mehr um sich greifenden katz en jämmerlich en Stimmung gegenüber als recht erfreulich bezeichnet werden kann.
Sehlffeberlebt, Mitgetheilt von dem Agentm bei Norddeutschen Lloyß rr. W. Dietz in Gießen.
Southampton, 4. September. DaS Postdampfschiff Mosel, Capt. £>.8-5* Neynaber, vom Norddeutschen Lloy) in Bremen, welches am 21. August von Newyock abgegangen war, ist gestern 11 Uhr AbendS wohlbehalten hier angenommen und hat nach Landung der für Southampton bestimmten Paffagiere, Post und Ladung heu^ 1 Uhr Morgens die Reise nach Bremen fortgesetzt. Die Mosel überbringt 140 Paffagiere und volle Ladung.
Newyork, 6 Septbr. (Per transatlantischen Telegraph.) Da« Postdamoffchia Rhein, Capt. H. C Franke, vom Narddeutschen Lloyd in Bremen, welches am 25. Augur von Bremen und am 27. August von Southampton abgegangen war, ist heute 8 Uhr Moraens wohlbehalten hier angekommen.
Literarisches.
Illustrirte Jagdzettung. Organ für Jagd, Fischerei und Naturkunde. Heran?- gegeben vom k. Oberförster H. Nttzsche. 3 Jahrgang. Nr. 23 enthält: DaS Aschenbrödel der heutigen Thierzucht, der Hund, von G- Lanze. — DeS Jäzer'S Jahreszeiten von Dr. Winckenbach mit Bild- — Falkenbeize inAmerika oonH. I:ml:r in San FranciSc). — Fuchshistorte, humoristisches Bild u. s. w. — Jagdüaladungskarten vom Thiel- maler Decker. 25 Stück l</4 Vaflag von Schrriot <fc Günther in Leipzig-
Al« Anhang dazu erscheint:
Bibliothek für Jäger und Jagdfreunde Von erfahrenen Fachmännern berauygegeben. Jährlich 12 Hefte, pro Halbjahr 3 JL Alle Buchhandlungen und ß) stanstalten nehmen Bestellungen an.
5417) Dir Rkl M lirgt auf dem
Zntrrchnten oße Gießen, den i Der Dorsiand
Betreffend: D
5416) Diejenige ifiben letzten Tage * Men in « \ Mts, Vormitt gl 6 Uhr, an ihren jnüftoit während d ^Übungen stattge
Gießen, am 10
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