Einzelbild herunterladen

n, in Itl «en, T chs« ' j (812 , ,

Ne. 211, Mittwoch, den 11. September 1878«

Meßmer "UnMger

AMige- nnb AmtsM fit Ku Kreis Gieße«.

iUbodieniMremit Sartenstraße B. 165.

Grpe-ittvn»d«reiMr Schulstraße B. 18.

Erscheint täglich mtt Ausnahme bei Vt-«tagO.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mtt Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Woci 1 ischer TheiL

enbauses.

»«rmlctj,, 1°' Akktknbrauna WunjFTK vmntethm. Chr. H oreysrL e9 Rimmer, paittni

k- Iutzi, GarW, mit LerkW7 sbald zu beziehen h armstäbter Hanl StöFmemeg HM ' am 1. Oktober,«' zu beziehen.

v«. Ploih. iienwohnung oon bn' ai Zugehör, SrsG Familie zu veriniklbe:

Weidmgossk 9K

Stock lFamtlimiisbr »auseS zu vermielhen.

Dr. Weder.

Die Eröffnung des Reichstags.

(Telegramm.)

Berlin, 9. Septbr. Der Reichstag ist mit folgender Thronrede eröffnet worden: Geehrte Herren! Im Allerhöchsten Auftrage haben Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz des Deutschen Reiches und von Preußen mich zu ermächtigen geruht, im Namen der verbündeten Regierungen die Sitz­ungen des Reichstages zu eröffnen. Als die letzte Sesston geschloffen wurde, befand sich das deutsche Volk noch unter dem Eindrücke der tiefen Erregung, welche ein gegen die Person Sr. Maj. des Kaisers gerichteter Mordversuch hervorgerufen hatte. Schon wenige Tage daraus hat sich abermals und mit unheilvollerem Erfolge die Hand eines Verbrechers gegen das Oberhaupt des Reiches erhoben. Gottes Gnade bewahrte zwar auch diesmal das Leben des Kaisers, aber die erlittenen schweren Verwundungen haben Se. Maj. genöthigt, bis zur völligen Genesung sich der Regierungsgeschäfte enthalten und die Wahrnehmung derselben Sr. Kaiserlichen Hoheit dem Kronprinzen zu übertragen. Schon nach dem ersten Mordansall waren die verbündeten Regierungen überzeugt, daß die Frevelthat unter dem Einflüsse der Gesinnungen entstanden sei, welche durch eine aüf Untergrabung der bestehenden Staats- und Gesell­schaftsordnung gerichtete Agitation in weiten Kreisen erzeugt und genährt werden. Sie haben deßhalb dem Reichstag den Entwurf eines Gesetzes vorgelegt, welches diesen gemeingefährlichen Bestrebungen ein Ziel zu setzen bestimmt war. Die Vorlage wurde abgelehnt. Jetzt, wo der Nation ein erneutes Verbrechen die

dem Reich und der ganzen bürgerlichen Gesellschaft drohende Gefahr mehr und mehr zum allgemeinen Bewußtsein gebracht hat, werden Sie, geehrte Herren, durch Neuwahlen zur Mitwirkung an der Gesetzgebung berufen, aufis Neue zu prüfen haben, ob das bestehende Recht genügende Handhaben zur Unschädlichkeit jener Bestrebungen bietet.

Die verbündeten Regierungen haben ihre Ueberzeugung nicht geändert. Sie find nach wie vor der Ansicht, daß es außerordentlicher Maßregeln bedarf, um der weiteren Ausbreitung des eingeriffenen Uebels Einhalt thun und den Boden für eine allmälige Heilung zu bereiten. Sie halten ebenso an der Auf- sastung fest, daß die zu wählenden Mittel die staatsbürgerliche Freiheit im Allgemeinen zu schonen und nur dem Mißbrauch derselben entgegenzuwirken haben, mit dem eine verderbliche Agitation die Grundlagen unseres staatlichen und Culturlebens bedroht. Ein von diesen Gesichtspunkten aus aufgestellter Gesetzentwurf wird ihnen unverzüglich vorgelegt werden. Die verbündeten Regierungen hegen die Zuversicht, daß die neugewählten Vertreter der Nation ihnen die Mittel nicht versagen werden, welche nothwendig sind, um die fried­liche Entwickelung des Reiches gegen innere Angriffe ebenso sicher zu stellen, wie gegen äußere. Sie geben sich der Hoffnung hin, daß, wenn erst der öffentlichen Ausbreitung der unheilvollen Bewegung ein Ziel gesetzt ist, die Zurückführung der Jrrgeleiteten auf den richtigen Weg gelingen wird. Auf Allerhöchsten Befehl erkläre ich im Namen der verbündeten Regierungen den Reichstag für eröffnet.

fittjtigtn.

ht von Samstag ai n neuen Anlage c ilb, eine W mir tf Met Püulutz unb r rebÜdie Finder wol t der Exped. b. M nft abyeben.

nicht

lche Wohnunz flk : ib zwei Eabinetö mb irt soM W mm-__J2

iiifbuB jaflt die ExoeN^ Spengleraeselltn

jnlich oder fdjrtfW

l»

einrichSch^ Alsfelds-

»eit 10. d> »n »iskegs Lah»s^; SSSg Ä cyte-

I \

'm

r"/flnl V X-

FeutsHkand.

Berlin, 7. Septbr. Die Directionen der deutschen Eisenbahn-Verwal­tungen haben im vorigen Jahre die Einführungen eines gemeinsamen Formulars für Reclamationen wegen verlorenen oder vermißten Handgepäcks beschlossen. Oaffekbe liegt jetzt nach Mittheilung der geschäftssührenden Direction des Ver­tins deutscher Eisenbahn-Verwaltungen auf sämmtlichen Stationen der Vereins­bahnen auS. Damit die Kenntniß von dem Bestehen dieser Einrichtung in den Kreisen des reisenden Publikums thunlichst verbreitet wird, haben viele Ver­waltungen in den Wartesälen und Restaurationen entsprechende Bekanntmachungen ausgehängt, während andere Verwaltungen derartige Bekanntmachungen in sämMltchen Coupss ihrer Personenwagen haben anbringen lasten. Wenn in Zukunft ein Reisender Gepäck im Wartesaal oder im Eisenbahnwagen liegen Selaffen oder verloren hat, wird er sich zum Zweck der Reclamation am ein­fachsten an den Bahnhofsvorstand (Bahnhofstnspector) der Stativn, wo er den Verlust bemerkt, mtt dem Ersuchen wenden, ihm ein Vereinsformular für Necla- mation von Reisegepäck zur Ausfüllung auszuhändigen. Dieses Formular kann er dann ausgefüllt an denselben Beamten oder auch an den Stationsvorstand riner andern Station zur weiteren Verfolgung der Reclamation abqeben.

Berlin, 7. Septbr. Die LaskerstcheBerl. Aut. Corresp." schreibt über denneuen Reichstag" u. A.:Am 9. September tritt der neue Reichs­tag zusammen; es ist die erste Session der vierten Legislaturperiode, zu welcher derselbe eröffnet wird. Ungewöhnlich wie die Zeit der Eröffnung sind die Um- sände, unter denen sie erfolgt. Nicht nach dem ruhigen Ablauf seiner drei­jährigen Mandatsdauer ist der vorige Reichstag heimgegangen; eine Auflösung bat ihm ein frühes Ende bereitet, und darauf haben die allgemeinen Wahlen jam neuen Reichstag unter einer stürmischen Aufregung der Bevölkerung und unter einer Verwirrung der Anschauungen stattgefunden, die bei uns noch nicht ttlrbt worden war. Der neugewählte Reichstag zeigt in seiner Zusammen- 'ktzung die Spuren davon; es kann nicht anders sein, als daß man sich kein rechtes Bild von dem Gange seiner Verhandlungen und dem Ausfall seiner Be-

schlüffe vorzustellen vermag. Als Grund der Auflösung wurde officiell angege­ben, daß bei den schweren Gefahren, die dem Gemeinwesen von den Aus­schreitungen der Socialdemokratie drohen, die Regierung suchen muffe, eine Reichstagsmehrheit um sich zu sammeln, die, aus denstaatöerhaltenden Ele­menten" bestehend, ihr die Mittel zu einer wirksamen Bekämpfung der Social- demokratie zu gewähren bereit sei. So ist denn der officiell verkündigte Zweck der Auflösung nicht erreicht worden ; die Regierung wird nach wie vor darauf ange­wiesen fein, mit derselben Partei sich in's Vernehmen zu setzen, welcher sie wegen des angeblichen Mangels an Entgegenkommen gegen ihre Absichten während der Wahlen den Krieg machen ließ, wenn sie im neuen Reichstage irgend ein Gesetz von Erheblichkeit, zunächst das Socialistengesetz, zu Stande bringen will. Obglcich der neue Reichstag eine Verstärkung der beiden conservativen Parteien um etwa 40 Mitglieder aufweist, wird er darum doch für die Regierung Wtbeque­mer" sein als der aufgelöste. Die conservativen Parteien sind zwar äußerlich gewachsen, sie sind darum aber keine stärkere Stütze für die Regierung gewor­den. Sie sind mehr noch als früher mtt Elementen durchsetzt, die gerade nicht als warme Freunde des Reichs und einer auf seine Stärkung gerichteten Politik gelten können; wohl aber werden sie auf die Regierung dahin einzuwirken suchen, daß die Wege, welche bisher zu den großen nationalen Zielen hin ein­geschlagen und verfolgt wordey sind, verlassen werden und eine Reaction eintrete. Die Regierung hat es an Vdrsicherungiti sticht fehlest laffm, daß Derartiges nicht in ihrer Absicht liege. Man muß dem Glauben schenken; dann afctr wird auch von einem Einvernehmen über die Ziele zwischen der Regierung und der äußersten Rechten nicht die Rede sein können. Der Regierung wird, wenn sie fortfährt, die Reichsinstitution auszubauen, von ihren deutsch-conservativen Freunden dabei mehr Hinderung als Förderung erfahren; sie wird genöthigt sein, wiederum zusammen zu gehen mit den liberalen Parteien. Dies Alles deutet daraus hin, daß der neugewählte Reichstag der Schauplatz vielfach ver­schlungener Bewegungen und Gruppirungen der Parteien unter sich und mit der Regierung sein wird. Wir können nur wünschen, daß auf allen Seiten die Lage mit richtigem Verständniß ersaßt und daß ohne Vorurtheil nach einer Ver­ständigung gesucht werden möge."

ImLiegn. Stadtblatt" veröffentlicht der national-liberale Abgeord­nete, Geh. Rath Jacobi, einen Artikel über das allgemeine Wahlrecht, von dem er behauptet, es fit eineQuelle der grenzenlosen Ueberhebung, Anmaßung und Macht- und Genußbegierlichkeit der niedrigsten Schichten" geworden, indem ei zugleich daran erinnert, daß nach Wagener's Andeutungen der eigentliche Zweck des gleichen und allgemeinen Wahlrechts sei, die Macht des libetalen Mittelstandes zu brechen. Er macht darin folgende Vorschläge zur Revision des Reichswahlgesetzes: 1) Eigener Haushalt und Zahlung wenigstens des niedrigsten Claffensteuersatzes in Preußen als Bedingung des Wahlrechts. Nach Ansicht des Verfaffers ist das wohl die mindeste Anforderung an die äußere Unabhängigkeit und wirthschaftliche Selbständigkeit der Wähler, da jeder tüch­tige Arbeiter so weit gelängen könne. 2) Lesens- und Schreibenskunde, als die unentbehrkichste geistige Vorbildung für die Gewinnung eines eigenen politischen Urtheils. 3) Ein Zeitraum der Seßhaftigkeit in der Gemeinde, welcher für die Solidität der Lebenshaltung (?) spricht. Nach Ansicht des Verfaffers ist diese Forderung schon durch die folgende Bedingung geboten: 4) Wahlen durch Wahlmänner, da der Gesichtskreis des größten Theils der Wähler nur so w?it reiche um aus eigener Ueberzeugung in der nächsten Umgebung einen für das Wahlgeschäft geeigneten Mann zu finden, während darüber hinaus lediglich fremder Einfluß bestimmettd sei. Außerdem verlangt er 5) Ausdehnung der Reichstagsperiode auf eine längere Zeit, etwa auf 5 oder 6 Jahre als nothwendiges Gegenmittel gegen die mit dem allgemeinen Wahlrechte verbun­dene tiefgreifende Aufregung der politischen Leidenschaften. Der Artikel schließt: Die Reform des allgemeinen Wahlrechts darf nicht von der Tagssvrvnuag verschwinden."

Ukankreich.

Paris. In Frankreich ist die Ernte weniger günstig ausgefallen, als es dem Anschein nach in den übrigen größeren Länderst des Kontinents und in Amerika der Fall gewesen ist; ipenigstenK ist vorläufig der Ppeis des Brodes in Paris gestiegen. Die französische Regierung pflegt sonst sehr vorsorglich in dieser Beziehung zu sein und unter dem Titel von Militär-Magazinirungen, namentlich in Zeiten billiger Getreidepreis^ solche Quantitäten sestzulegen, welche ihr gestatten, in Zeiten der Theüerung einen einigermaßen regulirenden Einfluß auf sehr hochgehende Preise des nächsten Jahres auSzuüben. Die Beibehaltung dieser Gewohnheit mag ihr in letzterer Zeit schwer geworden seist, ba: die ge­rühmte Ertragsfähigkeit des sranzöstschen Bodens schon seit mehreren Jahren unter dem Durchschnitt geblixben ist, und Frankreich in dieser Zeit stets mchr Getreide und Mehl ein- als" ausgeführt hat. Während man in Deutschland eine volle Mittelernte gewonnen, und in manchen Provinzen deist Landbau ein lange nicht dagewesener Segen zu Theil geworden ist, beginnt unter den Land- wirthen die Furcht Platz zu greifen, daß der Segen die Preise so drücken werde, daß er sich in einen klingenden nicht zu verwandeln vermöge. Sollte das