Ausgabe 
11.8.1878 Erstes Blatt
 
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Vermischte-.

(Blutvergtftunft durch Petroleum.) Der Volksglaube spricht gegen­wärtig dem Petroleum eine Heilwirkung bet allen möglichen Gebrechen iu. Um so mehr scheint eine Warnung zur Vorsicht am Platze. Folgende Thatsachen mögen diesem Zwecke dienen: Ein Bahnarbeiter in Thüringen hatte sich den Finger nur wenig ge­quetscht. Ein Mitarbeiter rieth ihm die Einreibung der Verletzung mit Petroleum. Kaum hatte der Arbeiter dieS Mittel angewendet, so schwoll die Hand, hierauf der Arm, zuletzt die ganze Körperseite bedeutend an. Nach einigen Tagen entsetzlicher Qual gab der Un­glückliche seinen Geist auf und zwar in Folge etngetretencr Blutvergiftung. Ein Jäger rieb seinen sehr werthoollen Jagdhund, um ihn von leichtfüßigen Blutsaugern zu be­freien, am Nacken stark mit Petroleum ein. Sofort verlor sich bet dcm Thiere die Freßlust, es zitterte am ganzen Leibe, winselte vor Schmerz und starb schon innerhalb acht Tagen. Ein Landmann rieb 19 Kühe und Kälber mit Petroleum ein, um sie von den Läusen zu befreien,. In Folge dessen starben zwei Kälber in den ersten Tagen und alle übrigen kränkelten. Das Haar verloren sie fast sämmtlich.

Vom Rhein erhält dieFranks.Ztg ' zum Kapitel der MajestätSbeleidtgungS. Prozesse folgenden Beitrag: In einer größeren Stadt wurde ein der gutsituirten Minderheit anqehörender, zu ZorneSauSbrüchen sehr geneigter Familienvater durch Ungezogenheit seines ISjährtgen Sohnes derartig gereizt, daß er denselben schlagen wollte, vielleicht auch geschlagen bat- Der Sohn eilt in unbegreiflich-r Verblendung zur Behörde, um seinen Vater wegen angeblicher Majestätsbeletdigung zu denunziren. Der Beamte war human genug, den Denunzianten abzuweisen, indem er ihm die ge­eigneten Vorstellungen machte. Schließlich glaubte er doch, dem wiederholten Verlangen entsprechen zu müssen, und nahm ein Protokoll auf. D^e U-tersuchung wurde einaeleitct. Angeblich, aber unglaublich, hätte man die Frau deS Angeschuldtgten und die jüngeren Kinder desielben zum Zeugnisse aufgefordert, waS aber verweigert worden sei. Eine im Zimmer anwesend gewesene Nähterin erklärte, Nichts gehört zu haben, und schließ lich sagte der unglückliche Sohn selbst, daß er sich verpflichtet fühle, die Denunziation zurückzunehmen. Damit war daS Verfahren gegen den Vater zu Ende. Jetzt wur^e aber von Amtswegcn gegen den Sohn die Anklage wegen willentlich falscher Denunziation erhoben (strafbar mit Gefänoniß von einem Monat btS zu 5 Jahren und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte). Der Vater ist ttoftloS, da die Verurtheilung unausbleiblich ist. Die Sache ist buchstäblich wahr.

Von einem langjährigen Beobachter der Zugvögel erhielt dieAachener Zeitung" die interessante Mlitheilung, daß seit 21 Jahren kestnsv früher Abzug der Schwalben, dieser so beliebten Sommervögel, bemerkt worden ist, wie in diesem Jabre. Bereits Anfangs der verflossenen Woche ließen große Ansammlungen der Thurm- und Mauerschwalben den bevorstehenden Abzug vermuthen, der denn auch Freitag den 26. Juli stattgefunden haben muß, da bereits am folgenden Sonnabend keine Tyurm- schwalben mehr flogen. Dieses schließt jedoch nicht aus, daß man noch bis Mitte

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mige Anzeigepflichtige nach Maßgabe des § 68 Absatz 3 des Reichsgesetzes mit Geldstrafen vorzugehen.

Bei Sterbefällen, welche sich in öffentlichen Anstalten ereignen, haben die Standesbeamten strenge darauf zu achten, daß die Anzeige von dem Vorsteher der Anstalt oder dem von der zuständigen Behörde ermächtigten Beamten erstattet wird.

Berlin. DerNat.-Ztg." wird von Wien gemeldet: Gegenüber der zweideutigen Haltung der Pforte, welche einerseits den Berliner Vertrag unter­zeichnete, andererseits aber durch geheime Einflüffe in Bosnien und der Herze­gowina der österreichischen Occupation die größten Schwierigkeiten zu bereiten sucht, steht ein entscheidender Schritt des Wiener Cabinets in Aussicht, um Klarheit in die Lage zu bringen. Eine unveränderte Haltung der Pforte würde die Eventualität eines Krieges nicht ausschließen.

Berlin, 6. August. Die Tabaksenquete-Commission hat nunmehr die Fragebogen .für den Tabaksbau und den Tabakshandel festgestellt und ist gestern in die Berathung der von der Unter-Commisffon ausgearbeiteten Fragebogen für die Tabaksfabrikation eingetreten. Neben diesen Berathungen gehen die Berathungen für das Arbettsprogramm ihren Gang. Festzustellen, in welchen Orten Special-Commissionen oder, wie der ofstctelle Titel lautet, Bezirks- Commissionen zu bilden und wie dieselben zusammenzusetzen sind, hat der Bundes rath der Enquete.Comryisston überlasten. Dieselbe hat nun die Einsetzung von 24 Commissionen beschlosten, von denen 11 in Preußen, und zwar in Danzig, Schwedt, Berlin, Breslau, Magdeburg, Erfurt, Minden, Osnabrück, Kastel, Köln, Altona, 2 in Baiern (Ludwigshafen und Nürnberg), 2 in Baden (Mann­heim und Lahr) und je 1 in Dresden, Stuttgart, Darmstadt, Schwerin, Olden bürg, Braunschweig, Bremen, Hamburg und Straßburg eingesetzt werden sollen Diese Bezirks-Commissionen sollen bestehen aus einem Landesbeamten als Vor sitzenden und in der Regel je 1 Sachverständigen für den Tabaksbau, den Tabakshandel und die Tabaksfabrikatton. Nach dem Beschlüsse der Commission sollen die Landesregierungen Vorschläge bezüglich der Zusammensetzung der Bezirks-Commission an die Enquete-Commission gelangen lasten, nachdem sie über die Wahl der Personen die landwirthschaftlichen und commerciellen Ver­bände gehört haben.

Hesterreich.

Wien, 8. August. DiePol. Corr." meldet aus Konstantinopel: Die Pforte erfuhr von Umtrieben eines panbulgarischen Comites in.Philippopel, das seine Action über ganz Rumelien erstreckt und die Vereinigung beider Bulgarien erstrebt. Die Pforte will dagegen umsomehr reclamiren, als sie Anhaltspunkte zu haben meint, daß Graf Dondukoff dem Wirken dieses Comites gegenüber eine allzu wohlwollende Neutralität beobachte. Bezüglich der österreichischen Occupation herrsche seit einigen Tagen in den Kreisen der Pforte eine der Verständigung mit Wien geneigtere Stimmung. Es wird mehrfach bedauert, daß die türkische Organe in Bosnien etwas verspätet angewiesen worden, die Bevölkerung von Renitenz abzuhalten. Doch von einem Wechsel in den principiellen Anschauungen der Pforte hinsichtlich der mit Oesterreich zu treffenden Arrangements ist noch keine Rede.

DerPol. Corr." wird aus Bukarest gemeldet: Ministerpräsident Brattano geht morgen nach Franzensbad. Bei der Pulverexploston in Fra- teschti sind 55 Menschen getödtet, 31 verwundet; außerdem ist vieles Bahn- material zerstört. Aus Ragusa meldet diePol. Corr.": Auf der Straße Ragusa-Trebinje hat sich eine kleine mohamedantsche Jnsurgentenbande gezeigt, die den Verkehr unsicher macht.

England.

London, 8. August. Im Unterhause betonte Fawcett die Nothwendtg- kett, in Betreff der Convention von Konstantinopel, sowie in Betreff der Reformen und der diesbezüglichen Bürgschaften das Parlament vorher zu be­fragen, weil der Fall eintreten könnte, wo vielleicht ein äußerer Zwang auf die Türket ausgeübt werden müffe. Jenkins unterstützt Fawcett. Northcote be­zweifelte die Nützlichkeit solcher Dtscussionen im gegenwärtigen Augenblicke. Die Regierung möge vielleicht diese Aufgabe nicht erfüllbar finden, jedenfalls würden wiederholte Diskussionen die Aufgabe nicht erleichtern. Die Regierung hoffe, mit der Pforte einen Vertrag über die Ausführung von Reformen, die für eine beffere Verwaltung nothwendtg seien, abzuschließen. Ein fertiges Pro­gramm könne nicht vorgelegt werden. Die Regierung sei entschloffen, specifische Reformen durchzuführen. Die Debatte ist damit erledigt. Es wurden darauf der Marine-Nachtragsetat, sowie die noch unerledigten Positionen des Marine- Budgets erledigt. Im Laufe der Debatte führte Marineminister Smith aus, es würden nunmehr nur 3, anstatt wie früher beabsichtigt, 4 neue Schiffe ge­baut. Behufs Feststellung der Nützlichkeit der Kauffahrteischiffe zu Kriegszwecken werde ein Kauffahrer mit Kanonen nnd Torpedo-Vorrichtungen ausgerüstet.

der auf Anregung Deutschlands festgesetzte Termin für die Aufnahme der deutsch - österreichischen Handelsvertrags-Verhandlungen sei, als unrichtig bezeichnen.

DiePost" will wiffen, der Reichskanzler würde nach beendeter Kissinger Kur noch auf einige Wochen nach Gastein sich begeben, um dann beim Beginn der Reichstagssession wieder in Berlin zu sein.

Die Conferenz in Heidelberg ist, nachdem volles Einvernehmen über ein Steuerreform-Programm erzielt worden, gestern geschloffen.

Solingen, 9. August. Die Wahl Melbeck's (nat.-lib.) gegenüber Rittinghausen (Soc.) ist gesichert.

Wien, 9. August. DieWiener Abendpost" schreibt: Nach heute hier eingetroffener telegraphischer Meldung hatte die 7. Truppen - Division am 5. August bei Varcar-Vrcuf und am 7. August bei Jaice Kämpfe gegen bedeu­tende Abteilungen Aufständischer. Die zähe Ausdauer und aufopfernde Tapfer­keit der Truppen und die geschickte und entschlossene Führung des Dioisions- Commandanten, Herzogs von Württemberg, gestalteten den Kampf über die an Zahl überlegenen Insurgenten bei Jaice zu einem entscheidenden Siege. Nach einem neunstündigen, blutigen Gefechte wurden die Aufständischen überall zurück- geworfen und die befestigte Stadt Jaice von der 7. Truppen-Dioision besetzt.

Offenbach, 9. August, Mittags 121/z Uhr. Nach den bis jetzt be­kannten Resultaten erscheint der Sieg Dernburg's mit mehreren hundert Stim­men nicht mehr zweifelhaft. Die Ultramontanen stimmten im ganzen Kreise fast ausnahmslos für Liebknecht.

Wien, 9. August. DiePolit. Corresp." meldet aus Konstantinopel von heute: General Totleben willigte in eine theilwüse Räumung der Stellun­gen vor Konstantinopel ein, sobald Varna.vollständig den Ruffen übergeben sei. Türkische Officiere sind nach Sebastopol abgereist, um die Heimbeförderung der tür­kischen Gefangenen zu leiten. Aus London wird derPolit. Corresp." unterm Heutigen gemeldet: In ernsten politischen Kreisen Londons wird die neuerdings aufgetauchte Version über einen bei der Königin Victoria gemachten Schritt des Sultans, um durch ihren Einfluß den Einmarsch der Oesterreicher in Bosnien abzuhalten, keineswegs als bloße Combination bezeichnet. Man fügt positiv hinzu, daß die fragliche türkische Insinuation von maßgeblicher englischer Seite eine den Congreßbeschlüffen entsprechende Zurückweisung erfah­ren habe.

London, 9. August. DerTimes" wird aus Konstantinopel gemeldet: Die Botschafter haben die Pforte bewogen, das Circular über die griechische Frage zurückzuziehen und daffelbe durch ein versöhnlicheres zu ersetzen. Standard" meldet aus Konstantinopel: Die Ruffen haben angefangen, Varna zu besetzen. Am 14. d. findet in Greenwich ein ministerielles Banket statt.

Petersburg, 9. August. Der Kaiser und die Kaiserin begeben sich in 14 Tagen nach Livadia. Geheimrath Hamburger wird den Kaiser begleiten. Der Reichskanzler Fürst Gortschakoff geht am Sonnabend nach Wildbad. Ge­heimrath Jomini hat einen einmonatlichen Urlaub genommen.

Berlin, 9. August. Der für Konstantinopel designirte Vertreter Deutsch­lands, Graf Hatzfeld, wurde gestern Abend telegraphisch nach Kissingen berufen und ist sofort dahin abgereist.

Nom, 9. August. Cardinal Nina nimmt den Posten des StaatssecretärS an. Man versickert, derselbe werde die Politik Franchi's adopttren.

Konstantinopel, 9. August. Das Kriegsgericht hat Sabri Pascha wegen der Uebergabe Ardahans degradirt und zn dreijährigem Gefängniß der- urtheilt.

Berlin, 9. August. Gerüchtweise verlautet, gestern Mittag habe der serbische Vertreter Zukics in Wien dem Grafen Andraffy die Erklärung abge­geben, die serbische Regierung sähe sich in Folge der Jnsurrection in Bosnien genöthtgt, das serbische Observationscorps an der Drina, welches jetzt 22,000 Mann stark ist, auf 40,000 Mann zu erhöhen.

Der Kaiser kann bereits dauernde Schreibversuche mit der rechten Hand aussühren. Dieser günstige Kur-Erfolg dürste den Verzicht auf alle Absichten veranlaffen, die eine vorzeitige Kur-Unterbrechung fördern würden, wie z. B. die Betheiligung am Hvchzeitsfeste des Prinzen der Niederlande mit der Tochter des Prinzen Friedrich Karl.

Rußland.

Petersburg, 8. August. DerRegierungsbote" veröffentlicht heute einen längeren Artikel bezüglich der Ratification des Berliner Vertrages. Der Artikel, welcher die Ursachen des letzten Krieges bespricht und die Politik deS russischen Cabinets seit den letzten zwanzig Jahren bespricht, hebt insbesondere die Uneigennützigkeit und die hohe Friedensliebe Rußlands hervor, welche schon durch die geringen materiellen Vortheile bewiesen seien, mit denen Rußland sich nach einem so sieg- und opferreichen Kriege zufrieden gegeben. Der Artikel constatirt die ungenügenden Grenzbestimmungen, welche der Congreß nur nach geographischen und politischen, nicht nach ethnographischen Gesichtspunkten fest­gesetzt habe. Die Schwierigkeiten einer richtigen Lösung der orientalischen Frage lägen nicht an der Türkei, sondern an der Uneinigkeit der europäischen Cabinete. Rußlands Aufgabe sei jetzt, dafür Sorge zu tragen, daß die errungenen Vor­theile bis in's Geringste genau ausgeführt würden. So lange die Pforte auf diesem Wege fortfchreite und die Bedingungen genau einhalte, werde Rußland ihr gern hüliretch zur Seite stehen, anderenfalls unterschreibe die Pforte selbst ihr Urtheil.

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Telegraphische Depeschen.

Waguer'S telegr. Torrespondeur-virreal».

Berlin, 9. August. DieNordd. Allg. Ztg." erklärt die Angaben der ^,Kreuz-Ztg." über den Inhalt der Kissinger Verhandlungen für vollständig aus ver Luft gegriffen. Dieselbe kann ferner die Nachricht, daß der 1. September