Adern rollt?"
cirt die Ausrufe.
zu werden.
— In dem Linden-Hotel des Herrn Holtfeuer läßt der Kaiser nach wie vor Erkundigungen über das Befinden seines „Leidensgefährten", wie er ihn zu bezeichnen pflegt, einziehen. Leider ist nach ärztlichem Bericht der letzten Tage, trotz des anfänglich günstig verlaufenen Heilungsprocefies, bei dem Patienten ein BesorgNiß erregender Schwächezustand eingetreten.
Berlin, 7. Juli. Gutem Vernehmen nach dürfte in der Batum-Frage, deren befriedigender Erledigung in der nächsten Sitzung entgegengesehen wird, die Freihafen-Stellung Datums wohl allseitig acceptirt werden.
Berlin, 7. Juli. Der Meuchelmörder Nobiling soll nunmehr nach einer Aeußerung des Geh. Medicinalraths Dr. Liman außer aller Gefahr
befiert hat.
London, 8. Juli, Abends. Ausführliche Meldung^ über die Unter» Haussitzung. Auf eine Anfrage Hartington's erklärte der Staatssecretär des Innern, Croß: in Hinblick aus den Umstand, daß Rußland einen Theil des asiatischen Gebietes des Sultans behalten würde, gingen die Kij.nigin^und der Sultan am 4. Juni eine Convention folgenden Inhaltes ein: Falls Rußland Batum, Ardahan, Kars oder einen von diesen Plätzen erhält und falls Rußland irgend zukünftig versucht, Besitz von einem weiteren Theile des asiatischen Gebietes des Sultans, als dem durch den definitiven Friedensvertrag festgesetzten, zu nehmen, so verpflichtet sich England , in der Ber- theidigung dem Sultan beizustehen. Der Sultan verpflichtet sich, die Besetzung Cpperns durch England zu gestatten. Falls Rußland je der Pforte das durch den jüngsten Krieg in Asien erworbene Gebiet zurückgibt, härt die
und lebhaft befürwortet.
Stimmzettel sollen alsbald gedruckt werden. Ihre Verthrilung hat auch diesmal Herr Hofger.-Advocat Bai st in Gießen übernommen. Man hofft, daß in allen Orten des Wahlkreises Vertrauensmänner austreten, die einmal geneigt sind, die Stimmzetttel an die einzelnen Wähler abzugeben, dann aber auch zur regen Betheiligung am Wahlgang selbst ihre Mitbürger veranlaffen.
Darmstadt, 6. Juli. Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 10 enthält:
1. Bekanntmachung Großherzoglichen Gesammtministeriums, die Signalordnung für die Eisenbahnen Deutschlands betreffend.
2. Bekanntmachung desselben Ministeriums, die Bahnordnung für Eisenbahnen untergeordneter Bedeutung betreffend.
Berlin, 6. Juli. Der Kaiser hat gestern zum erstenmale wieder seit der verhängnißvollen Nachmittagsstunde des 2. Juni Militär-Uniform angelegt. Es entsprach seinem sehnlichsten Wunsche, den Schlafrock, den er — zuerst in den 81 Ja^eu seines Lebens — einige Wochen hindurch getragen hatte, los
Feutschkand.
Gießen, 7. Juli. (Zur Reichstagswahl.) Heyte fanden wiederum Wahlversammlungen, veranstaltet von Bürgermeistern und Wählern vom Lande, dem Vernehmen nach in Lauter bet Grünberg und, nach einer Tags vorher ergangenen Einladung, in Gießen statt. Hier wurde mit Befriedigung das Resultat der Wähleroersammlung vom 5. Juli zur Kenntniß genommen und nur das Bedauern ausgesprochen, daß dieselbe auf eine späte Abendstunde verlegt worden war, weshalb sie auch von den ländlichen Wählern nur spärlich habe besucht werden können.
Nachdem Freiherr v. Rabenau, aus ergangene Einladung anwesend, das bekannte Programm verlesen und erläutert hatte, wurde er nach lebhafter Debatte einstimmig zur Wahl für den Reichstag in Vorschlag gebracht. Es fehlte nicht an begeistert aufgenommenen Hochs auf den deutschen Kaiser und den langjährigen Vertreter unseres Wahlbezirk-.
Eine größere Wahlversammlung soll je nach Wunsch der Wähler in Nidda und in Grünberg abgehalten werden.
Es wurde ferner der Wunsch ausgesprochen, daß der Vorstand des nationalen und liberalen Vereins in Gießen der Wahlbewegung durch entsprechenden Aufruf einen kräftigen Anstoß geben möge, um die Wähler zu erinnern, daß dem Wghlrechf typ* Wahlpflicht entspreche. Endlich wurde die Bildung von Octsvereinen zum Zwecke des Anschluffes an den Gießener Verein angeregt
Silbe." Er ißt jetzt mit großem Appetit und alle seine Wünsche nach besonderen Speisen finden aus selbstverständlichen Gründen Berücksichtigung. Wem wird ihm nach ärztlicher Verordnung nur löffelweise verabreicht. — «uö Magdeburg wird mitgetheilt, ein dortiger Einwohner habe an die philosophische Fakultät der Leipziger Universität das Ersuchen gerichtet, das dem Nobiling 1876 verliehene Doctordiplom zu annulliren.
— Die hiesige Polizei fahndet jetzt eifrig nach der socialdemokrattschen Wahlproclamation, welche seit einigen Tagen in den Morgenstunden ausgetragen unb in allen Häusern vom Keller bis zum Boden verbreitet wird. Die Polizei führt die Colpoiteure, wenn dieselben betroffen werden, zur Wache und confiö-
ordentlicher Mission beim Sultan.
— Die heutige (15.) Congreßsttzung schloß erst nach 6 Uhr.
Paris, 8. Juli. Das Handelstribunal hat den Gouverneur des Crödit foncier verurtheilt, an die Actionäre 11 Frcs. Dividende zu vertheilen, wie dies von der Versammlung der Actionäre beschloffen war. Der Gouverneur hatte sich dessen geweigert, indem er geltend machte, daß der Gewinn ander letzten Emission der Obligationen noch nicht als erworben anzusehen sei, !>evor diese Obligationen vollständig eingezahlt wären.
London, 8. Juli. Im Unterhause gab der Staatssecretär des Innern, Croß, auf Befragen Hartington's folgende Erklärung ab: Im Hinblick darauf, daß Rußland einen Theil der asiatischen Türkei behalte, wurde am 4. Juni(?) eine bedingungsweise Convention abgeschlossen, daß für diesen Fall E iglapd die Türkei gegen zukünftige Angriffe vertheidige. Zu diesem Zweck trete tne Pforte Cypern an England ab. England ergreift jetzt sofort Besitz von Cypern; Wolseley ist zum Administrator ernannt.
Kopenhagen, 8. Juli. General Grant ist gestern hier eingetroffen. Prinz Louis Napoleon hat seit seiner am 5. Juli erfolgten Ankunft täglich bei dem König oder dem Kronprinzen dinirt. Zum Dienst bei demselben ist der Gouverneur des Prinzen Waldemar commandirt.
Kulmbach, 8. Juli. In einer gestern gehaltenen Versammlung von Vertrauensmännern des ganzen Wahlkreises Kulmbach-Forchheim wurde Herz (Nürnberg) (Fortschrittspartei) fast einstimmig als Reichslazs-Candidat ausgestellt; derselbe hat die Candidatur auf dringendes Bitten angenommen.
Berlin, 8. Juli. Die hauptsächlichen Arbeiten des Congresses werden , als erledigt bezeichnet. Batum bleibt bei Rußland und wird Freihafen, wie ' bereits gemeldet. In der heutigen Congreßsttzung, welche unter Theilnahme sämmtlicher Delegirter um 21/» Uhr begann, sollen noch einige Detailfragen . bezüglich Datums geordnet werden. In der heutigen und der folgenden Sitzung Dürfte sich der Congreß mit den Detailarbeiten der Commissionen beschäftigen. Die Unterzeichnung des Vertrages und Schlußprotokolles wird Donnerstag oder
Offenbar hat letztere Absicht, die man merkt und welche verstimmt, dazu ! beigetragen, das nachstehende Programm durchzudrücken und alle weiteren । socialdemokratischen Ziele vorläufig unerwähnt zu lassen : „Keine Ausnahme- . aesetze; keine Vermehrung der Steuerlasten, sondern Minderung derselben; kein Monopol, wohl aber Hebung und Schutz der Industrie und Verbefferung des Looses der werkthätigen Klaffe; keine Erneuerung des Miiitär-Septennats, son. dern Wahrung des Budgetrechts des Reichstages und Minderung der Miltlar- lasten überhaupt: keine Verkümmerung des allgemeinen Wahlrechts, sondern Ausdehnung deffelben auf die Landtage und Gemeinden; keine Beschränkung-» der politischen Freiheiten, sondern Ausbau derselben nach den Prinetpien der ©ereditiafett." Man mag dieses Programm drehen und «enden, wie man TO(tI _ eg ist höchstens demokratisch, — von socialdemokratischen Ansichten findet sich nichts darin. Es ist ein neues und nicht das ungeschickteste Stück von Jesuitismus, was dieses Programm den Wählern bietet. Die ganze socta- listtsche ZukunftstrLumeret ist aus diesem Programm hinweggeblasen, — die Meisten Punkte können auch andere Parteien, ein süddeutscher Demokrat ober ein Mitglied der Frankfurter Volkspartei kann sie alle unterschreiben. Man laffe sich aber durch dieses neue Manöver nicht täuschen, an dessen Ende ,ur Eraäuzung der jesuitischen reservatio mentalis die Worte gehörten : „Ausgeschoben ist nicht ausgehoben!" Der Wähler, der sich durch ein so plumpes Waifl- manöver irre führen lassen könnte, soll das Programm der Soctaidemokratie von früher nicht vergeffen. Dieses lautet aber: „Allgemeine Arbeitspflicht und allgemeine Vertheilung des Arbeitsproductes, Verwandlung der Arbeitsmittel in Gemeingut der Gesellschaft, Abschaffung der Lohnarbeit (nicht etwa nur des Tagelohns, sondern aller Zeitlöhne, Gehalte, Accorbsätze) und Organisation der staatlichen genoffenschastlichen Production unter der demokratischen Controle der Arblller (Productiv - Genoffenschasien für die Industrie, Landwirthschaft, wie für das Kleingewerbe), internationaler Charakter dieser socialen Revolution, das directe allgemeine Wahlrecht pom zwanzigsten Jahre an für Staat und Gemeinde, das Stimmrecht der Frauen, die directe Gesetzgebung durch Volksabstimmungen, die Entscheidung über Krieg und Frieden durch das Volk, die Volkswehr an Stelle der stehenden Heere, allgemeine Wehrhaftigkeit, Abschaffung aller Preß-, Vereins- und Versammlungs-Gesetze, Rechtsprechung durch das Volk und unentgeltliche Rechtspflege, allgemeine und gleiche Volkserziehunz durch den G/aat, allgemeine Schulpflicht und unentgeltlicher Unterricht in allen BildMgsmMten, tzMruW der MiMy M Prioatsache, eine einzige progressive Einkommensteuer, unbeschränktes Coalitionsrecht, Normalarbeitstag, Verbot her Sonntags-, Kinder- und theilweise der Frauenarbeit, Ueberwachung der Industrie durch Arbeitercommiffare u. s. w."
PZte die Spcialdemokratie über die Form des Staates denkt, wie sie zur Dynastie steht, was sie von der Religion hält, wie sie den Eigenthumsbezriff auffaßt — Alles das ist oft erörtert. Die jüngsten Ereigniffe haben aber auch ohne dies dem deutschen Bürgerthum die Angen geöffnet.
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in den Augen dieser Partei malt, — «uv ,.....
nur ihre Partei, sondern auch die demokratischen Elemente überhaupt zu annec-
ßngland.
London, 7. Juli. „Reuter's Bureau" mcloet aus Konstantinopel vom 6. d.: Russische und türkische Commiffare, unter letzteren Kiamil^Pascha u ib Reschid Pascha, werden unverzüglich die Räumung Varnas und Schumlas bewerkstelligen. — Die türkischen Congreßdelegirten in Berlin erhielten die Weisung. mit den österreichischen Delegtrten die Modalitäten der Occupation Bosniens festzustellen. — In den Gewässern Cyperns kreuzen die englischen Panzerschiffe „Jnvincible" und „Raleigh." Das Geschwader des Admirals Hay steht bei Larnaka.
Telegraphische Bepeschen.
Wagner'S telegr. Eorrespondenz-Vurean.
Berlin, 8. Juli. Der „Retchs-Anz." meldet amtlich die Abberufung des Prinzen Reuß von dem bisher bekleideten Posten als Botschafter in außer-
Sonnabend erwartet.
Berlin, 8. Juli. Bulletin von 10 Uhr V»rm. Das Befinden Sr. Maß des Kaisers ist unverändert beftiedigend.
Straßburg, 8. Juli. Der Landes-Ausschuß für Elsaß-Lothringen wurde heute um 11 Uhr durch den Oberpcäsiventen mit einer Rede rein geschäftlichen Inhalts eröffnet, in welcher di- Theilung der diesjährigen Session motioirt und die bereits bekannten Vorlagen angekündigt wurden. Alterspräsident Goguel gedachte der gegen den Kaiser gerichteten Attentate mit folgenden Worten: Seit unferer letzten Zusammenkunft sind zwei verabscheuunzswürdize Attentate gegen die Person Sr. Maj. des Kaisers gerichtet worden; wie ganz Elsaß-Lothringen mit den Bezeugungen seiner tiefen Entrüstung nicht zurückge- halten hat, so will auch der Landes-Ausschuß die gebotene Gelegenheit nicht oorüber'gehen laffen, ohne bei Sr. Majestät seine Gefühle, welche in keiner Weise von denen des Landes sich unterscheiden, zum Ausdruck zu bringen. — Oie Bureauwahlen ergaben folgende Zusammensetzung: Schlumberger Präsident, Zorn von Bulach erster und Adam zweiter Viceprästdent.
Berlin, 8. Juli, Abends. Bei Behandlung der Frage bezüglich Datums in der Congreß-Sitzung trat die Ueberzeugung von der Nothwendigkeit hervor, den Jntereffen Rußlands, seiner Großmachtstellung und den von ihm gebrachten Opfern Rechnung zu tragen. Bezüglich der Dardanellenfrage ist die Aufrechterhaltung des Status quo nunmehr definitiv beschloffen. — Bei dem türkischen Botschafter fand heute ein Diner statt, an welchem der Krtegsminister v. Kameke und verschiedene Diplomaten theilnahmen.
Algier, 8. Juli. Die Nachricht von dem Tode des Kaisers von Marokko wird widerrufen, mit der Hinzufügung, daß sich fein Befinden ge-
tst jedenfalls^nterellanr zu wn wi W _ n(xt roirb geflissentlich vermieden, er selbst erwähnt dasselbe Lenfalls mit ke ner
t. uno ferner, wie unb nN- t-,'n- Wnnsckp nack belon-


