Sonntag, den 10. Februar
1878
Zweites Blatt.
Ko. SS
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
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die Dauer der Session ab. ,
Die Vorgänge in den übrigen deutschen Ländern hängen, soweit sie über-. Haupt von Bedeutung sind, mit dem Culturkampf zusammen. In Bayern hat die Partei der „Patrioten" dadurch, daß ihre gemäßigten Mitglieder mit den Liberalen sür das Gesetz über den Verwaltungsgerichtshof stimmten und so einen Majoritätsbeschluß von 104 gegen 47 Stimmen herbeiführten, ifyre Spaltung öffentlich besiegelt. Auch in Baden scheint sich die jüngst zu Tage getretene Meinungsverschiedenheit innerhalb der ultramontanen Partei zu verliefen : während nämlich die College» des Landtags-Abgeordneten Hansjacob, der sich bekanntlich sür die Nothwendigkeit des Nachgebens Seitens der päpstlichen Curie ausgesprochen, demselben erklärt haben, daß er sich durch seine Haltung mit dem Programm der katholischen Volkspartei in Widerspruch gesetzt habe, tritt ein katholischer Geistlicher in einem Frankfurter Blatte mit der Behauptung auf, daß Hunderte seiner Standesgenoffen ebenso dächten wie Hansjacob! n r
Die österreichische Ministerkrisis hat die von Anfang an erwartete Erledigung gefunden. Nachdem sich nämlich die Unmöglichkeit herausgestellt, ein neues Ministerium zu bilden, welches im Stande wäre, den zwischen beiden Regierungen vereinbarten Ausgleich durchzuführen, hat der Kaiser die bisherigen Minister von Neuem berufen und mit der möglichst raschen Beendigung der Ausgleichsverhandlungen beauftragt.
Das englische Volk horchte gespannt auf die Parlamentsverhandlungen über die Creditforderung, auf welcher die Regierung auch nach dem Abschluffe des Waffenstillstandes mit Energie bestand. Die Opposition richtete zwar scharfe Angriffe auf die Haltung des Cabinets, dieses scheint aber die öffentliche Meinung auf seiner Seite zu haben und rechnet mit Sicherheit auf eine ansehnliche Majorität für seinen Antrag. Lord Beaconsfield hat sich das Vergnügen gemacht, den ihm von der Königin angebotenen Hosenbandorden abzulehnen. t r .
Frankreich zeigt, nachdem es sich kurze Zeit der inneren Ruhe erfreut, neuerdings wieder bedenkliche Symptome einer bevorstehenden Krisis. Nicht nur, daß die Parteien innerhalb der Kammer, speciell die Bonapartisten und die Republikaner, aus Anlaß der Wahlprüfungen m leidenschaftlichster Weise an einander gerathen sind, auch zwischen dem Marschall-Präsidenten und seinen
Unser Kaiser empfing am 31. Januar den neuen französischen Botschafter, Grasen St. Vallter, in feierlicher Audienz zur Entgegennahme seines Beglaubigungsschreibens. Der Wunsch wechselseitiger Harmonie und herzlichen Einvernehmens, den der Botschafter bei dieser Gelegenheit aussprach, fand bei dem Kaiser den freundlichsten Anklang, indem dieser ihn mit dem Wunsche erwiderte, Frankreich unter die befreundeten Nachbarn Deutschlands zählen zu können, und den Botschafter des Zusammenwirkens der deutschen Regierung in Allem versicherte, was die Beziehungen guter Nachbarschaft zwischen beiden Ländern erhalten und befestigen könne.
Der Deutsche Reichstag wurde am 6. d. unter geringer Betheiligung der Reichstags-Mitglieder vom preußischen Finanzminister Camp Hansen eröffnet.
Der Rückkehr des Fürsten Bismarck nach Berlin sieht man bald nach der Eröffnung des Reichstages entgegen. Ter Gesetzentwurf über die Stellvertretung des Reichskanzlers hat bei der öffentlichen Meinung im Großen und Ganzen eine günstige Ausnahme gefunden, nur die fortschrittlichen und die ultramontanen Kreise verhielten sich schroff ablehnend gegen denselben.
Der Bundesralh ist Angesichts des demnächstigen Zusammentritts des Reichstages recht fleißig gewesen und hat u. A. nicht blos die Berathung des Etats erledigt, sondern auch den Gesetzentwurf wegen Erhebung einer Reichsstempelsteuer und den Antrag Preußens aus Besteuerung des Tobaks genehmigt. Unter den ihm neuerdings zugegangenen Vorlagen sind besonders zwei hervorzuheben : die eine betrifft die Aufnahme einer Anleihe von 77,504,465 Mark für Zwecke der Post- und Telegraphen-Verwaltung, der Marine, des Reichsheeres und der Münzresolm, die andere die Verwendung der Ersparniffe an den von Frankreich für die deutschen Occupationstruppen gezahlten Verpflegungsgeldern im Betrage von 26,763,900 Mark zu militärischen Zwecken.
Während das preußische Herrenhaus das Gesetz überden Sitz der Oberlandes- und Landgerichte erledigte, beschäftigte sich das Abgeordnetenhaus mit einigen kleineren, aber darum nicht minder wichtigen Gegenständen. Die Berathung des Gesetzentwurfs über die Unterbringung verwahrloster Kin- der gab der Centrumspartei erwünschte Gelegenheit, den Culturkampf wieder hereinzuziehen und ihrem Zorn über die Auflösung der katholischen Orden Luft zu machen, sie bewies damit aber nur, wie sehr sie durch die (von ihr selbst veranlaßte) neue Regierungsvorlage über die Besugniß der Staatscommiffare sür die bischöfliche Vermögensverwaltung gereizt war. Letztere sand natürlich bei der Mehrheit des Hauses vollen Beifall. Ob das Gesetz zur Ausführung des Gerichtsverfassung^ Gesetzes, deffen zweite Lesung am Schluffe der vorigen Woche begann, in der gegenwärtigen Session noch zu Stande kommen wird, wie die Mehrheit es wünscht, hängt von dem Beschluffe der Regierung über
Ministern droht ein neues Zerwürfniß auszubrechen: ersterer ist nämlich mit der Verschleppung der Budgetberathungen durch die Kammer in höchstem Grade unzufrieden, will gewiffe Decrete nicht unterzeichnen und soll jüngsthin sogar wieder einmal mit seiner Abdankung gedroht haben. Mittlerweile hielten die Arbeiter einen Congreß in Lyon und die Bischöfe eine Conserenz in Paris ab: an beiden Orten plante man im Geheimen den Sturz der gegenwärtigen Regierung.
Am 7. Februar endete der schon Jahrelang erwartete, aber dennoch urplötzlich eingetretene Tod Pius IX. deffen wechselvolles Leben nnd Regieren im 86. Lebensjahre. Wir werden im Laufe der nächsten Woche in einer Serie von Artikeln auf das Leben dieses „Kirchenfürsten" näher zurückkommen.
Spanien hat die Hochzeit seines Königs mit nicht weniger als drei Sttergesechten verherrlicht. Auf Befehl des Königs wurden fünf Köpfe der getödteten Stiere ausgestopst und den außerordentlichen Botschaftern der fremden Mächte zum Andenken der genoffenen Festlichkeiten, sowie zur Charak- terisirung des Bildungsgrades des heutigen Spaniens auf die Heimreise mitzugeben.
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Irankreich.
Versailles, 7. Februar. In der Deputirtenkammer legte der Finanzminister einen Gesetzentwurf Bor, betr. die Creirung von amortistrbaren Renten und die Eröffnung eines Kredits von 331 Mill. Frcs., zum Zwecke des Rück- kauss von Eisenbahnen. ,
— Im Senat fielen bei der erneuerten Abstimmung behuss Wahl^ eines Senators aus Lebenszeit 127 Stimmen auf Lefranc und 122 auf den Herzog Decazes; die Wahl blieb abermals ohne Resultat.
London, 8. Febr., Nachts. Unterhaus. Nachdem Schatzkanzler North- cote versprochen, daß, sobald das Haus sich als Comitö constituirt die wet- tere Debatte über die Bewilligung der Gelder am Freitag stattfinden weide, nahm das Haus mit 295 gegen 96 Stimmen die Constituirung als Comit6 an.
Deutschland.
Berlin, 6. Februar. Die Eröffnung des Reichstags hat selten oder nie zuvor unter einer gleich geringen Betheiligung der Mitglieder stattgefunden, wie heute Nachmittag im Weißen Saale des königlichen Schloffes. Kaum mehr als 45 Herren, darunter nur ein einziger Abgeordneter, Generallieutenant v. Lüderitz in Uniform, hatten sich eingesunden. Die Hofloge blieb leer und in der Diplomatenloge erschienen nur der österreichische Botschaftsrath Graf Wolkenstein, der türkische Botschafter und fein erster Rath, der chinesische Gesandte mit einem Begleiter, beide Herren in ihrer Landestracht, in dunklen Gewändern und mit bedecktem Haupte. Der Eröffnungsact selbst verlief ziemlich formlos. Gleich nach 2 Uhr traten die Bundesrathsmitglieder in den Saal und stellten sich links von dem verhüllten Kaisertbron auf, und zwar dem letztern zunächst der Staatsminister Camphausen, dann zur linken aufschließend der königl. sächsische Gesandte v. Nostiz-Wallwitz, der preußische Kriegsminlster General v. Ka- meke, der württemb. Gesandte v. Spitzenberg, der Handelsminister Dr. Achenbach u. s. w. Unter den Bundesrathsmitgliedern bemerkte man auch den Staatsminister Hosmann und den Staatssecretär v. Bülow. Die Thronrede wurde am Schluß mit Beifall begleitet. Der Minister Camphausen erklärte im Auftrage des Kaisers und im Namen der verbündeten Regierungen den Reichstag für eröffnet. Darauf brachte der Präsident des letzteren dem Kaiser ein dreifaches Lebehoch, und damit schloß der Eröffnungsact. In der ersten Sitzung des Reichstags fanden sich 216 Mitglieder ein; das Haus ist sonach beschlußfähig. Die Beschlußfähigkeit des Reichstages in der ersten Sitzung und die Einbringung des gesammten Etats beim Beginn der Arbeiten stnd so seltene Erscheinungen, daß der Beifall, womit sie ausgenommen wurden, ganz erklärlich erschien. Es ist ein vielversprechender Anfang. (Köln. Ztg.)
München, 7. Februar. In der heutigen Sitzung des Landtags wurde von den Abgg. Freitag und Kopp für nächsten Samstag eine Interpellation, betreffend den Gefetzentwurf über die Stellvertretung des Reichskanzlers, angekündigt.
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Vermischtes.
— Alles lätzt sich beweisen, wenn man nur will. Wer'S nicht glaubt, der höre Folgendes: Der englische Arzt Huply stellt die überraschende Behauptung auf, nur den alten Jungfern verdänke England seinen kräftigen und gesunden Menschenschlag. Er beweist eS auf folgende Weise: Der Engländer zieht seine Kraft aus dem tücht' -en Fleische, dem vorttefflichen Rindvieh. Dieses gedeiht zunächst durch den rochen Klee; der rothe Klee bedarf zur Samenbereitung des Besuches der Hummeln. Leider.wird den Hummeln von den Feldmäusen «ach dem Leben gestrebt. Wer aber vertilgt di Feldmäuse? Die Katze. — Und wer züchtet die Katze am besten, so datz sie sich zu Tausinden'fortpflanzt? - Die alte Jungfer. Auf diese unwiderlegliche Weise verdc nkt England den alten Jungfern seinen kräftigen Menschenschlag. Wir müssen überzeugt verstummen. bem Wunderschwindel und dessen Folgen erzählt die Nürnb.
Pr. folgende erbauliche Geschichte: In dem baierischen Marktflecken Abbach befindet sich ei: e kranke blödsinnige Schuhmachersfrau. Man war der Meinung, die Frau sei oom^Teufel^ besissen, und gegen den war im Gnadenorte Mettenbuch gewiß Hülfe zu
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