Helt der Leiter der Cabinete auf dem Congresse und der Geist, welcher voraussichtlich aus diesem walten werde, ließen hoffen, daß die orientalische Frage daselbst nicht nach kleinlichen Gesichtspunkten der Eifersucht, sondern in einer Welse behandelt werden würde, welche das allgemeine Einoerständniß und die Befestigung des europäischen Friedens zum Ziele habe. Es sei zu wünschen, daß das Befinden Gortschakoff's demselben gestatte, dem Congreffe beizuwoh- nen; der Congreß unter solchen Umständen fei stets das Ziel der Bestrebungen des Reichskanzlers gewesen. — Der Kaiser besuchte heute Gortschakoff.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr. Correspondenz- Bureau.
Berlin, 5. Juni. Bulletin von Abends 9 Uhr. Der bisherige fieber lose Zustand bei Sr. Mas. dem Kaiser besteht auch heute Abend fort. Im verletzten rechten Vorderarm etwas erhöhte Wärme, jedoch ohne L-chmerz.
v. Lauer, o Langenbeck. Wilms.
Berlin, 6. Juni. Bulletin. Morgens 7 Uhr. Dec Kaiser Hai während der Nacht gut geschlafen und hatte keine Schmerzen. Die gestern Abend vermehrte Wärme am rechten Vorderarm hat abgenommen, Fieber ist nicht vorhanden.
Berlin, 5. Juni. Fürst Bismarck verweilte gestern Abend längere Zeit bei dem Kronprinzen, zu welchem fich heute Vormittag auch der Chef des Ctvil-Cabinets v. Wilmowsky begab. Der russische Botschafter v. Oubril ist gestern Abend mit Schuwaloff abzereist und kehrt mit demselben am 11. Juni hierher zurück. _
— Es wird ein Erlaß behufs Anordnung einer Vertretung Sr. Majestät des Kaisers in der Wahrnehmung der Geschäfte durch den Kronprinzen erwartet. Heute findet wieder eine Sitzung des Staatsministeriums statt, an welcher der hier eingetroffene Graf Stolberg Thetl nimmt.
Berlin, 5. Juni. Nobiling befindet sich noch immer in bewußtlosem Zustande. Derselbe hatte im Restaurant „Jägerkeller" Verkehr mit einem Polen, der seit Freitag nicht mehr daselbst erschien. Mittwoch war Nobiling ebenda'von einem ziemlich gut deutsch sprechenden Engländer aufgesucht, aber nicht angetroffen worden. — Gestern Abend sind wieder verschiedene Personen wegen Majeftätsbeleidigung in öffentlichen Localen verhaftet worden.
Berlin, 5. Juni. Seitens der den Kaiser behandelnden Aerzte wird eine Publication erfolgen, in welcher das Publikum aus Anlaß der beunruhigenden und irrigen Gerüchten über das Befinden des Kaisers ersucht wird, keiner Nachricht Glauben zu schenken, außer den durch die osficiellen Bulletins erfolgenden Mittheilungen.
— Der Kaiser sah gestern seine Enkel, heute den Prinzen Karl zum ersten Mal und empfing gestern Nachmittag den Fürsten Bismarck. Die Kaiserin wird mit ihren Kindern dem heutigen Dankgottesdienste im Dom beiwohnen. Vom Kronprinzen wurde Fürst Bismarck gestern Abend 8 Ugr in längerer Audienz empfangen. Heute Nachmittag 2 Uhr verweilte der Kronprinz längere Zett in der Wohnung des Reichskanzlers.
Posen, 5. Juni. Buchdrucker Primasch, stellvertretender Vorfitzender des hiesigen socialdemokrattschen Lesevereins „Concordia", wurde Sonntag nach dem Bekanntwerden des Attentates wegen beleidigender Aeußerungen über den Kaiser verhaftet und ist heute vom Kreisgericht wegen Majestätsbeleidigung zu 4 Jahr Gefängniß oerurthetlt worden.
Berlin, 5. Juni. Das Aushängen von Porträts der Attentäter in Kunst- und Buchhandlungen, sowie in Schaufenstern überhaupt, und der Verkauf von Porträts im Wege des Hausirens ist untersagt.
Berlin, 5. Juni. Die „Prov.-Corresp." schreibt bei Besprechung des furchtbaren Verbrechens des zweiten Mordversuches gegen den Kaiser: Vergebens ist die Ausrede, daß die Socialdemokratie Attentate nicht begehen werde, weil sie zwecklos seien, indem au die Stelle der Gefallenen sofort andere Persönlichkeiten treten würden. Solche Ausrede ist vergeblich. Einmal handelt der aufs Aeußerste entstammte Haß nicht mehr nach Zwecken, sondern nach unbezähmbar erregtem Instinkt; zweitens liegt aber in dem scheinbar zwecklosen Attentate eine grauenvolle Zweckmäßigkeit, die auch, wo sie dem Frevler verborgen ble'.bt, doch denen bewußt ist, welche die Gesinnung des Frevels bereiten und umhertragen, die Zweckmäßigkeit nämlich, daß die Gesellschaft in der unentbehrlichsten Grundlage ihres Bestehens, dem Vertrauen Aller auf die allgemeine Sicherheit, auf die innere Schranke des Gewlffens und auf die äußere Schranke des Gesetze unheilbar erschüttert, rathlos bis zur Wehrlosigkeit werden könnte. Die Voraus setzung. welche solchen Berechnungen zu Grunde liegt, wird sich nicht bewahrheiten. Die Staatsregierung wird ihre Psticht thun, sich an das Gewissen der Nation wenden. Sie wird von den berufenen Vertretern derselben den Schutz für die bedrohte Gesellschaft verlangen, welchen die bestehenden Gesetze nicht genüge-.d gewähren. Sie vertraut aus die Entschloffenheit und Hingebung n elche sie bei Allen zu finden hofft, die Staat und Gesellschaft erhalten wollen.
— Die „Nordd. Allg. Ztg." erhält Folgendes zur Veröffentlichung^ Bei dem großen und tiefgehenden Jntereffe, daS die ganze Welt an dem Zustande des Kaisers und daran nimmt, ob derselbe sich verbessert ober verschlechtert, ist es begreiflich, caß gewiffe Zeitungen, entschieden in bester Absicht, sich darin gefallen, Betrachtungen darüber anzustellen, wie der Kcankheitsverlauf sein werde, ob der Zustand des Kaisers in einigen Tagen bedenklich oder nicht sein werde, und wann etwa Gefahr für das Leben des Kaisers eintreten würde. Es kann nicht genug vor solchen Betrachtungen gewarnt werden: Das Publikum ist bereits derartig aufgeregt, daß es nicht nöthig ist, noch neue Momente zur Erregung von Besorgniß entgegenzubringen. Das einzig Richtige bei jetziger Sachlage ist. sich lediglich darauf zu beschränken, die osficiellen Nachrichten über das Befinden des Kaisers wiederzugeben, zumal alle anderen Nachrichten der Aulhenticität entbehren. Dafielbe Blatt schreibt in einem anderen Entrefilet: den in Zeitungen und Extrablättern verbreiteten Gerüchten und positiv auftretenden Meldungen von einer Uebernahme der „Regentschaft" durch den Kronprinzen scheine ebensoviel Mißverständniß als Uebertreibung zu Grunde zu liegen; es dürfte sich auch in dieser Hinsicht empfehlen, nur den amtlichen Meldungen volles Vertrauen zuzuwenden. «
— Dem Londoner Telegramm, daß das dort verbreitete Gerücht, die Pforte habe sich gegen die Conserenz ausgesprochen, unrichtig sei, fügt der „Reichs-Anz." hinzu, daß die Einladung durch den deutschen Botschafter, Prinz Reuß, am 3. Juni der Pforte übergeben und sofort angenommen wurde.
— An der Börse war beute durch das Aeltesten-Collegium eine Lifte zur VeitragsAeichnung für die Hinterbliebenen der verunglückten Besatzung des „Großen Kurfürst" aufgelegt.
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Lokal-Notiz.
Gießen, 5. Juni. Die am verflossenen Montage stattgehabte General-Versammlung des Krtegerm'reins war, wie die Wichtigkeit der Tagesordnung vermuthen ließ, zahlreich besucht. — Es hatten sich seitens einiger Mttglieder Bedenken gegen daS Adhallen der Festlichkeiten dieses Jahres in den Wenzrl'schen Lokalitäten erhoben.
Vor Eröffnung der Versammlung gedachte der II. Präsident des. am vorhergehenden Tage ötrübten, Attentats aus unseren Kaiser, und kennzeichnete die ruchlose That als chas Ergebntß der verderblichen Lehren einer Umsturzpartet, die notbwendtger Weise Elemente heranbilden muß, welche dem bestehenden Recht und Gesetz Hohn bieten, und es selbst wagen, Hand cm u-seren Heldenkaiser zu legen, und welche den Versuch nicht scheuen, ein graues Haupt meuchlings zu morden. Rach den neuesten Nachrichten sei jedoch zu hoffm, das die bereits eingetretene Besserung auch fernerhin sortschreiten weroe und das Leben unseres obersten Kriegsherrn noch lange erhalten bleibe.
„Für uns aber" — schloß der Redende — „sollen die Namen Hödel und Nobiling die Bedeutung von Schuft und Schurke haben!"
Zur Tagesordnung übergegangen, entspann sich eine lebhafte Debatte mit den Losungen „Hie Wenzel's Garten" und „Hie Oswald'S Garten".
Das Somit* hatte in einer seiner letzten Sitzunzen den Beschluß gefaßt, ba8 erwähnte Fest in Anbetracht der ungleich höheren Ausgaben, welche ein Fest in Oswald'S Garten erheischen dürfte, in den Wenzel'schen Lokalitäten abzuhalten. — Dieser Beschluß wurde von einigen Mitgliedern angefochten, und sollte nun die heutige General- Versammlung den Ausschlag geb?”.
Es war jedoch seitens der Opposition nicht möglich, den B weis beizubringen, daß die fioften zur Deckung größerer Ausgaben sicher aufzubringen seien, zumal im Hinblick auf die gegenwärtige schlechte Geschäftslage eS geboten erscheint die gedachten Festlichkeiten möglichst billig herzurichten, um den Säckel des einzelnen Mitgliedes möglichst zu schöner..
Demgemäß wurde mit allen gegen 19 Stimmen der Beschluß gefaßt, den deutschen Kriegertag nebst Fahnenweihe in Wenzel's Garten abzuhalten.
SDi: Fahne ist, soviel uns bekannt, der Fahneufabrik C. Schulze hier zur Anfertigung in Auftrag gegeben und wird demgemäß m Hanau gestickt werden. Der Preis ist auf 600 je. normtet und läßt sich dafür jedenfalls eine vorzügliche Leistung erwarten.
Zu der nunmehr erfolgten Wahl des Festplatzes können wir dcn Betheiligten nur Gluck wünschen.
Mckn wolle nur von der Terasie genannten GartenS in die prächtigen Anlagen hinabschauen; dann gehe man nach Oswald'S Garten und denke sich denselben, sogar auf das geschmockoollste dekorirt. so wird immerhin der vorgenannte Platz auf Kosten deS Letzteren einen ungleich günstigeren Eindruck machen.
Auch hat Herr W. Wenzel seine Mithülfe und Beisteuer in einer Weise zugesagt, die uns hoffen läßt, daß von einem Deficit kaum wird die Rede sein können.
Ein ausführliches Programm wird, nach Berathung desselben, den Lesern mik- getheilt werden und wünschen wir daß die hiesige Einwohnerschaft sich wie sie bei anderen Gelegenheiten dies immer gethan, für dies ächt patriotische Fest recht erwärmen und eine möglichst rege Betheiligung in Aussicht stelle, damit die anwesenden Delegirten aus ganz Deutschland die Ueberzeugung von hier mitnehmen, daß hinter unS und der von uns vertretenen Sache nahezu die gesammte Bürgerschaft steht. — Anschließend an tiefen Bericht möchten wir den Wenzel'schen Garten dem Publikum für die Sommer- saiion recht lebhaft empfehlen. Durch die Einrichtung, daß man jetzt ein ausgezeichnetes GlaS Bier bekommt, hat daS Etablissement bedeutend an Popularität gewonnen un» man kann sich für den warmen Sommerabend keinen schöneren und angenehmeren Aufenthalt denken als wenn man dort mit der Familie ein „GlaS Lotz" ober „Heß" genießt.
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Berlin, 5. Juni. Die Vertretungs-Anordnung macht den allerbesten Eindruck, weil der Kronprinz hochgeliebt und populär im ganzen Reich ist. Die Publication erfolgt morgen. Die einfache Stellvertretung ist der Zustimmung des Landtags und des Reichstags nicht benöthigt. — Des Kaisers Appetit hat sich seit 2 Uhr gebessert.
Petersburg, 5. Juni. Graf Schuwaloff und Herr v. Oubril treffen morgen hier ein. Die Besserung des Fürsten Gortschakoff dauert fort. Seine Abreise nach Berlin ist für Sonntag, spätestens Montag festgesetzt. In Begleitung Gortschakoffs werden sich Baron Jomini und Baron Frederiks befinden. — Die „Agence russe" weist in einem den Congreß in Berlin betreffenden Artikel auf die beständigen Bemühungen Rußlands hin, ein Ein- verständniß Europas bezüglich der Orientfrage herbeizuführen und meint, daß das europäische Concert, welches nicht im Oriente, sondern im Schooße der europäischen Mächte durch Eifersüchteleien und durch Mißtrauen seit 1854 gestört worden, aus dem Berliner Congresse fich werde wiederherstellen können.
Paris, 5. Juni. Der Postcongreß hat heute seine Arbeiten beendigt Die von den Delegirten unterzeichneten Documente bilden die Conv.ntiou von Paris und bestehen in einer Vereinbarung über den Austausch von Postmandaten, einer Vereinbarung über dcn Austausch von Briesen nut declarirtcm Werth und einer Festsetzung der Taxe für Briefe bis zu 15 Gramm Gewicht aus 25 Centimens frankirt und 50 Centimes nicht frankirt. Die Convention tritt am 1. April 1879 in Kraft.
Wien, 5. Juni. Abgeordnetenhaus. Präsident Rechbauer theilt dem Hause mit, daß er der deutschen Botschaft die Gefühle des tiefsten Abscheues über das Attentat geaen den deutschen Kaiser und der Freude über dessen Rettung ausgedrückt habe Er erbittet die Ermächtigung, Namens der österreichischen Volksvertretung diese Gefühle dem deutschen Kaiserhofe zur Kenntniß zu bringen. Unter lautem Beifall erhoben sich die Mitglieder des Hauses von ihren Sitzen.
Petersburg, 5. Juni. Der Gesundheitszustand des Reichskanzlers Gortschakoff hat sich wesentlich gebessert und ist seine Reise nach Berlin zur persönlichen Theilnahme am Congreß in Aussicht genommen, auf welchem Rußland sonach durch Gortschakoff. Schuwaloff und Oubril vertreten wäre.
Petersburg, 5. Juni. Das „Journal de St. Pötersbourg" schreibt über den Congreß: Wenn man auch nicht behaupten könne, daß alle Details voraus vereinbart worden, so sei doch vorauszusehen, daß die leitenden Staatsmänner Europas Entscheidungen treffen würden, welche für alle Machte verbindlich wären. Es sei Zweck der Entscheidungen, einen Zustand des Orients zu schaffen, welcher geeignet sei, alle legitimen Ansprüche zu befriedigen und einem neuen Conflict vorzubeugen. — In der Petersburger deutsch-reformirten Kirche findet heute anläßlich des Attentats feierlicher Gottesdienst statt. Gestern hat solcher un allen Kirchen Kronstadts stattgefunden.
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Um dem Publikum entgegenzukommen ließen wir an unserem Expeditionslokal jede erhaltene Depesche, welche über-das Befinden unseres Kaisers Auskunft gab, sofort anschlagen. Heute früh wurden wir jedoch aufmerksam gemacht, daß sich auf den angeschlagenen Depeschen solche iiiiiläthige Bemerkungen mit Bleischrift geschrieben befänden, daß wir es vorriehen für die Folge von einer sofortigen Bekanntgebung der Depeschen auf diese Art abzusehen. Redaktion des „Gieß. Anzeigers."
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