Ausgabe 
9.6.1878
 
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Freitag, den 7. Juni

1878

Ko. 131

Kießmcr Anreiger

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AWge- und Amtsblatt für den Kreis Gießen

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Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.

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im Anzeiger Nr. 118 binnen acht Tagen.

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schloß mit einem dreimaligen stürmischen Hoch auf

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Standes sei.

Stellung

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zur Nachricht, bis Nach- der Bank eins

toOftCttoMtoroni: «»rtenstraße B. 165. M*t Schnlstraße B. 18.

voll eingezahlt Cafje unserer Beträge werden

des Einigers der Nation lenke. Die Versammlung den Kaiser.

Hesterreich.

Die Blätter beschäftigen sich mit Erörterung der

"Händen, die und Stallung ren dazu noch uisfionär,

Der zweite Mordversuch auf den Kaiser.

Ein Wuthschrei ging durch das deutsche Reich, ein Gesühl des Schreckens und gleichzeitig der innersten Entrüstung und des Ekels durchbebte jedes deutsche Herz, dem etwas an Ehre und Vaterland gelegen, als vor kaum 3 Wochen die Kunde von dem mörderischen Attentate eines verkommenen Subjectes kam;

Den Ball® fiter: Eicb^

Geschästsbilanz.

>e zu ertheilenbe

England.

London, 4. Juni. Lord Beaconsfield reist am 8. Juni und Lord Salisbury am 10. Juni nach Berlin ab. DerAdverttser" dementtrt, daß der Premierminister von einem Kriegsschiffe escortirt werde. DieTimes" billigt die Ernennung Lord Beaconsfield's. Das Gewicht der Beschlüffe des Congreffes würde dadurch erhöht. Der Versuch, den gleichzeitigen Rückzug der britischen Flotte und der russischen Truppen von Konstantinopel vor dem Zu­sammentritt des Congreffes herbeizuführen, ist aufgegeben, da die hiermit zusam­menhängende Frage der Räumung der türkischen Festungen den Congreß verzögern würde. Tie russisch-englische Verständigung macht die Regelung dieser Frage vor dem Congreffe weniger dringlich.

Rom, 4. Juni. Die osficielle Einladung Deutschlands zum Berliner Congreffe am 13. Juni ist heute der italienischen Regierung zugegangen. Gerüchtweise verlautet, der König wolle die Pariser Ausstellung besuchen.

Rußland.

Petersburg, 4. Juni. DieAgence Russe" schreibt: Die Anwesen-

Deutschlaud.

Berlin, 5. Juni. DiePost" bringt folgendes Privat-Telegramm aus Wien: Londoner Eocialisten haben offenbar vorher Kenntntß von dem Atten­tate auf Kaiser Wilhelm gehabt. Andraffy erzählte gestern einigen Delegations-

von der innigsten herzlichsten Theilnahme und Verehrung zeigte die Bewegung im deutschen Reiche, die Kundgebungen aus allen Theilen der Welt, dürfen wir sagen, und hoffen durfte man gewiß», daß trotz der That eines verlodder- , ten Menschen, angeregt durch das Treiben wüster Agitatoren, das gewohnte milde Unheil des schmählich Bedrohten, des greisen Kaisers, des Trägers einer von jedem Deutschen mit Sehnsucht heilig gehaltenen nationalen Idee drnch die Zeichen der allgemeinen Verehrung und Bewunderung ausrechterhalten werde. Aber heute! Starr vor Schrecken stehen wir da, kaum Worte findend, den Gefühlen Ausdruck zu geben. Sind wir denn wirklich schon vollständig.in den Händen der Anarchie, ist denn das Haupt des Fürsten, der wie selten einer, die Liebe seines Volkes besitzt, nicht mehr zu schützen? Soll denn wirklich der Lebensabend des greisen Kaisers durch ein Verbrechen nichtswürdigster Art seinen Abschluß finden, nachdem er aus den Gefahren so mancher Schlacht un­versehrt, mit Ruhm und Ehren heimgekehrt war in die Mitte seines Volks, das eins war in Liebe zu seinem Herrscher, welcher Partei die Einzelnen ange­hören mochten. Welcher Partei? Nein! es gibt eine Partei, welche vaterlandölos ist, eine Partei, die nicht Mitwirken will am Aufbau des Rechts­staats, eine Partei, welche sich selbst außerhalb des Gesetzes stellt; die nichts weiß von Reformen, nur vom Umsturz, vom Niederreißen alles Bestehenden. Da gilt nicht das Recht des Eigenthums, nicht die Heiligkeit der Ehe; wie sollte ihnen das Leben des Staatsoberhaupts heilig sein, ihnen, die frech und schamlos die schwärzesten Thaten der Pariser Commune preisen, und, wenn auch nicht direct, zur Nacheiferung auffordern. Es sind die Apostel des Evan­geliums der Faust, denen die heiligsten Güter des Menschen ein Spott, denen die Religion ein Märchen, denen das Recht der geistigen Arbeit eine abgestan­dene Phrase ist. Mögen sie sich nicht beklagen,. wenn ihnen mit demselben Maß gcmeffen, wenn Gewalt mit Gewalt unterdrückt wird. Aber nicht sie allein trifft der Vorwurf, er trifft das gesammte deutsche Volk, er trifft vor allen die Gebildeten, die es versäumt haben, nach den Errungenschaften eines glorreichen Krieges, nach der Errichtung des Reiches, die Mafien aufzuklären, sie politisch mündig zu machen. Er trifft alle Diejenigen, welche die Hände feig in den Schooß legten, im Vertrauensdusel alles Heil von Oben erwar I leien. Ja, der Trägheit der Gebildeten, der polittichen Indifferenz, bem| charakterlosen Phrasenthum ist es zuzuschreiben, daß die Irrlehren des Socta- lismus Boden gefunden haben, daß die Mafien für die ntchtswürdigsten Zweck, sanatisirt weiden konnten. Es ist die Gleichgültigkeit, welche unsere politischen Versammlungen oft zu einer wahren Farce herobsinken ließ. . Wahrend die Zahl der Vereine Legion ward und noch von Tag zu Tage wächst, schwinden jene, welche die politische Ausklärung zum Zweck haben, welche sür die Pflichten des Staatsbürgers erziehen und begeistern. Nur die Ultramontanen und die Rothen sind thätig gewesen die Früchte der Thätigkeit der Letzteren liegen vor. Sollen wir auch ferner in Unthätigkeit beharren, es einzig der Polizei und der Staatsanwaltschaft überlafien, den faulen Ast am Stamme unseres

Staatslebens abzuschneiden? Da sei Gott vor! Wollen wir die Mafien

erheben, so müssen wir ihnen etwas bieten, wir müssen zeigen, daß wir

ein Herz haben sür ihre Bedürfnisse, wir müssen unsere Liebe zum Vater­

lande bestätigen dadurch, daß wir unsere Pflichten als Staatsbürger auch thalsächlich ausüben damit nicht die rothe Anarchie abgelöst wird durch die rothe Reaction, die uns Alle zur Unthätigkeit verdammt. Dann kommt die Reue zu spät; «olle Gott, daß es nicht schon zu spät ist! Nur so beweisen wir wahre Liebe zum Kaiser. In ihm sind wir Alle getroffen, helfen wir Alle mit, daß solche Frevel unmöglich werden!(N.

Dr. Boekmann.

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Mitgliedern, er habe Meldung erhalten, daß englische Detectives einen Tag vorher die englische Regierung benachrichtigt haben, es herrsche unter den Socia- ltsten große Bewegung, ein wichtiges Ereigntß scheine bevorzustehen.

In Bezug auf die Untersuchung gegen Nobiling schreibt dieProo.- Corresp." : Die Untersuchung erleidet, was die Vernehmung des Verbrechers selbst betrifft, durch den Zustand desselben bis jetzt eine Unterbrechung; aber nach allen Seiten werden die Nachforschungen unermüdlich fortgesetzt und ge­währen reichhaltige Anhaltepunkte, welche auf verbrecherische Verbindungen deuten.

Nürnberg, 4. Juni. Die Gemeinde^Collegien Nürnbergs beschlossen, anläßlich des Attentats Adressen an den Kaiser und an den König Ludwig zu richten, worin sie die Nolhwendigkett betonen, nicht im Kampfe gegen die Zucht­losigkeit, Lüge und Niedertracht zu erlahmen.

Dresden, 4. Juni. Beide Kammern beschlossen, gemeinschaftliche Adressen an den Kaiser zu richten. Die Chemnitzer Gemeinde-Vertretung sandie ein Theilnahme-Telegramm an den Kaiser ab. In Leipzig findet morgen ein allgemeiner Fürbittegottesdienst statt.

Stuttgart, 4. Juni. DerSchw. Merkur" verzeichnet vielfache Kund­gebungen für den Kaiser aus einer ganzen Reihe von württembergischen Städten, meist von den officiellen Vertretern der Bürgerschaft ausgehend, so von Lud­wigsburg, Heilbronn, Ellwangen, Saulgau, Ravensburg. Die Stuttgarter

Gießen, am 4. Juni 1878.

Betreffend: Statistische Ermittlung der landwirthschaftlichen Bodenbenutzung und des Ernte-ErtragS im Deutschen Reich.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien.

Wir erinnern diejenigen von Ihnen, welche noch im Rückstände sind, an die Erledigung unserer Verfügung vom 18. Mai l. I.

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ufen.

Flächeninhalt

735 Meter hberampe.

Chaussir- finni gewinn-

Adrcsse liegt morgen in 15 Lokalen aus.

Hamburg, 4. Juni. Tie Bürgerschaft beschloß in einer außerordent­lichen Sitzung einstimmig eine Adresse an den Kaiser, worin die unwandelbare Ergebenheit der Bürgerschaft, sowie die hoffnungsvolle Zuversicht auf die Gene­sung des Kaisers ousgedrückt wird, auf daß noch lange die Weisheit und Milde die Geschicke des Vaterlandes mit starker Hand

Wien, 4. Juni. . , . ~

Ursachen, welche den Mörder zu seiner Frevelthat veranlaßt haben mögen, sowie mit den möglichen Folgen der letzteren. DiePresse" sagt: Man stehe vor dem Ungewissen hinsichtlich des Rückschlages des wahnwitzigen Attentates auf die innere Politik des deutschen Reiches. Es werde und müsse nunmehr ein großer Feldzug gegen die subversiven, nihilistisch-zerstörenden Wühlereien der deutschen Socialdemokratie inscenirt werden.' Die Gesellschaft in Deutschland treibe dem Abgrunde zu und werde davon verschlungen werden, wenn sie auch fernerhin die Hände sorglos in den Schooß lege. DieDeutsche Ztg." fordert ein energisches Eingreifen, um den städtischen und ländlichen Mittelstand zu kräftigen, welcher die beste Schutzwehr gegen die Suprematie des vierten

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