Vereine in Bath, Darlington, Petersborough, York und anderwärts faßten Beschlüsse gegen die Kriegspolitik der Regierung und zu Gunsten der Erhaltung des Friedens.
Loudon, 5. April. Aus der weiteren dem Parlamente zugegangenen diplomatischen Corespondenz sind folgende Schriftstücke hervorzuheben: In einer Depesche Rusiell's an Derby vom 13. März heißt es, Fürst Bismarck habe Russell ersucht, Derby mitzutheilen, daß Deutschland nicht ohne England an der Eonferenz theilnehmen werde; er (Bismarck) begreife nicht, wie ein Con- greß behufs Revision deS europäischen Rechtes ohne England al» einen der Hauptcontrahenten würde stattfinden können.
Eme Depesche Elliot'S an Derby vom 1. April bringt zur Kenntniß des Letzteren eine Depesche Eozalniceanu's an Bolutschano, in welcher es heißt: Ghika hatte auf Verlangen Cogalntceanu's eine Unterredung mit Gortschakoff über die beffarabtsche Fraxft und die betreffenden Absichten Rußlands; Gortschakoff erklärte hierbei: der bezügliche Entschluß Rußlands sei trotz alles rumänischer- seits im In- und Auslande erhobenen Geschreies ein unwiderruflicher. Rußland werde diese Frage nicht vor den Congreß bringen, weil dies eine Beleidigung deS Kaisers sein würde. Sollte eine andere Macht die Frage vor den Congreß bringen wollen, so werde Rußland nicht darauf eingehen, denn es sei nur Rumänien, mit welchem Rußland darüber verhandeln wolle. Wenn Rußland nicht dazu gelangen könne, Rumänien zu beugen, werde es Beffarabten gewaltsam nehmen; wenn Rumänien bewaffnet Widerstand leisten wolle, so könne das für Rumänien verhängnißvoll werden. Dieser Drohungen ungeachtet (so schließt die Depesche Cogalntceanu's) beharrt Rumänien auf Ablehnung von Verhandlungen über die Frage, sowie der Abtretung Beffarablens selbst.
Eine wettere Depesche Elliot's an Salisbury vom 3. April enthält folgende Mittheilungen des rumänischen Agenten in Petersburg: Heute Morgen lies mich Gortschakoff bitten, ihn zu besuchen, und fragte mich, ob es wahr sei, daß die rumänische Regierung gegen den Art. VIII des Vertrages von San Stefano, welcher Rußland ermächtigt, die Verbindung mit der russischen Armee in Bulgarien auf dem Wege über Rumänien aufrechtzuerhalten, protestiren wolle. Der Kaiser sei in Folge der Haltung Rumäniens in der beffarabischen Frage gegen Rumänien bereits übel gestimmt und würde die Geduld vollends verlieren, wenn ein solcher Protest erhoben werden sollte. Der Kaiser habe dem Reichskanzler befohlen, dem rumänischen Agenten zur Information für seine Regierung mitzutheilen, daß der Kaiser, wenn Rumänien gegen den Artikel VIII zu protestiren und sich demselben zu widersetzen beabsichtige, die Occupation lind Entwaffnung Rumäniens anbefehlen werde. Auf den Einwand des rumänischen Agenten: Rußland werde sich mit Rumänien und nicht mit der Türket über den Durchmarsch der russischen Truppen zu verständigen haben, erklärte Gort- schakoff: Rußland wolle mit Rumänien in Folge seines Verhaltens nichts mehr zu thun haben. Er lege Gewicht darauf, Rumänien wiffen zu lasten, daß Rußland auf freien Durchmarsch seiner Truppen durch Rumänien bestehe. Er möge seine Regierung von der Erklärung des Kaisers benachrichtigen; Rumänien müsse sich kategorisch aussprechen, ob es beabsichtige, sich gegenüber dem in Artikel VIII Rußland vorbehaltenen Rechte zu widersetzen oder nicht.
London, 6. April. Dem Vernehmen nach beabsichtigen die Radikalen im Unterhause bet der am Montag bevorstehenden Adreßdebatte durch Lawson eine Resolution zu beantragen, daß die Maßregel der Einberufung der Reserven nicht gerechtfertigt und unklug sei. Seitens der übrigen Opposition ist bis jetzt ein Amendement zur Adreste nicht in Aussicht genommen.
„Standard" erfährt, die Canalflotte würde in der Nähe von Malta bleiben, um für Truppentransporte von dort disponibel zu sein; die Anstalten seien danach getroffen, um innerhalb weniger Stunden 3000 bis 4000 Mann etnscktffen zu können.
— Bei Lloyds werden jetzt täglich Handelsschiffe gegen Wegnahme zur See versichert.
— Die „Times" meldet aus San Stefano vom 5. d.: Gestern und heute wurden 3000 Rusten nach Rußland eingeschifft. — Dasselbe Blatt meldet aus Bukarest: Die Rusten haben die Contracte für Lieferung von Provianttransportmitteln, welche nach der Unterzeichnung des Friedens annulltrt wurden, erneuert.
Italien.
Nom, 5. April. Das Journal „Avvenire" meldet; Der am Mittwoch abgehaltene außerordentliche Ministerrath befaßte sich mit der Erwägung der orientalischen Frage. Obgleich die Meinung vorwaltete, im Falle eines englisch - russischen Conflictes strenge Neutralität zu beobachten, erkannte die italiemsche Regierung dennoch die Nothwendizkett an, einige Vorsichtsmaßregeln im Kriegs- und Marine-Departement zu treffen.
Rom, 5. April. Es wird versichert, daß die britische Regierung auf eine indirecte Anfrage erklärt habe, sie würde keine Schwierigkeiten erheben, in Beziehungen zum Vatican zu treten, behalte sich aber vor, Grundlagen dafür vorzuschlagen. Ferner heißt es, die Curie habe den Bischöfen Deutschlands Weisungen zugehen lasten, eventuelle Unterhandlungen zur Wiederherstellung der Beziehungen zwischen Berlin und dem Vatican in keiner Weise zu behindern. Nach Berichten, welche dem Vatican zu gingen, solle Rußland als Grundlage für Wiederherstellung der Beziehungen mit Rom die Annahme des gegenwärtigen Standes der Dinge Vorschlägen; im Falle der Annahme dieser Basis Seitens des Papstes werde Rußland einen Botschafter zum Vatican entsenden.
Rom, 6. April. Cardinal Berardi ist gestorben. — Die Anwort des deutschen Kaiser an den Papst ist äußerst höflich gehalten. Derselbe dankt für die Mittheilung der Erwählung des Papstes und bekundet seinen guten Willen nach guten Beziehungen zu dem päpstlichen Stuhle. Das Schreiben enthält jedoch kein Wort, welches eine Basis zu Verhandlungen abgeben könnte.
Nutzland.
Petersburg, 6. April. Anläßlich der Londoner Nachricht, daß das britische Cabinet geneigt wäre, Unterhandlungen über eine Vorkonferenz wieder aufzunehmen, bemerkt das „Journal de St. Pötersbourg", das russische Cabinet könne den Schwankungen einer nervösen Politik ruhig entgegensehen, indem es unverändert in der von ihm eingenommenen Position verbleibe und bei voller Discussionsfreiheit zur Erzielung eines Einverständnistes für alle Wünsche unerschütterlich an dem Entschlüsse festhält, Rußlands Recht als kriegführende und europäische Macht zu vertheidtgen.
Türkei.
Konstantinopel, 6. April. Die zu San Stefano tagende gemischte russisch türkliche Commission beschloß, sofort Delegirte nach Bulgarien abzusen- den, um die Rückkehr der geflüchteten Familien in deren Heimath vorzubereiten. — Heute wurden Comm ffäre nach Oveffa und Bukarest wegen der Rückbeorderung der türkischen Gefangenen abgeschickt. — Die von San Stefano nach Odeffa zurückkehrenden Truppen bestanden bis jetzt aus Kranken und durch Strapazen dirnftunfähig gewordenen Soldaten; auß?r diesen ist heute Abend die aus etwa 800 Mann bestehende kaiserliche Eskorte mit einer Batterie nach Rußland abg gangen. Ein Linienregiment soll demnächst folgen. — Großfürst Nikolaus wird anläßlich des Festes von Mariä Verkündigung der kirchlichen Feier in der russischen Botschaftscapelle beiwohnen. — Admiral Hornby ist hier angekommen.
Amerika.
Washington, 6. April. Die Regierung befahl den Kriegsschiffen, Handelsfabrzeuge, welche Sclavenhandel treiben, mit Beschlag zu belegen.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr. Eorrespondenz-Bureau.
London, 6. April. Heute Nachmittag fand ein Cabinetsrath statt. — Die „Pall Mall Gazette" erfährt officiell, daß die Meldung des „Standard" in Betreff der Stationirung der Canalflotte in der Nähe Maltas unbegründet sei.
London, 7. April. „Reuter's Bureau" meldet aus Konstantinopel von gestern, Seitens Rußland sei von Neuem das Verlangen an die Pforte gestellt worden, die Einschiffung der russischen Truppen in. Bujukdere zu gestatten. Die Absicht, die russischen Truppen in San Stefano einzuschiffen, sei als «nausführbar aufgegeben. — Die türkischen Truppen im Umkreise von Gallipoli und Konstantinopel sollen 248 Bataillone betragen.
Konstantinopel, 6. April. Savfet Pascha hatte heute eine längere Eonferenz mit dem Sultan.
London, 7. April. „Reuter's Bureau" meldet aus Konstantinopel via Syra) vom 5. d.: Im Falle eines englisch-russischen Conflictes würde Vefik Pascha die Entfernung der türkischen Panzerschiffe aus dem Bosporus ür nothwendig erachten, um die Verpflichtung, die Einfahrt der britischen Flotte verhindern zu müssen, zu umgehen. Der Sultan würde auch nur gegen die Durchfahrt protestiren. Reuf Pascha dagegen sei der Ansicht, daß bie Durch- ahrt zu verhindern sei und wenn dies unmöglich sei, daß den Russen eine Compensation zu bewilligen sei und durch Einräumung irgend eines Punktes am Bosporus.
Portsmouth, 7. April. Die russische „Petersb. Ztg." erhielt eine Verwarnung wegen eines zum Kriege aufreizenden Artikels. Das Regiment Podolien bat über Odessa den Marsch nach der Heimath angetreten.
Konstantinopel, 7. April. In Folge Befehls des Sultans sind die Journale von Seiten der Regierung aufgefordert worden, sich kriegerischer Artikel zu enthalten und bei Besprechung der Beziehungen der Türkei zu England und Rußland eine neutrale Haltung zu beobachten.
Petersburg, 6. April. Der britische Botschafter. Lord Loftus, hat nunmehr der russischen Regierung die Circularnote Lord Salisbury's überreicht. Der österreichische Botschafter, Baron von Langenau, übergab die Antwort des österreichischen Kaisers auf ein eigenhändiges Schreiben des Kaisers von Rußland, sowie die Bemerkungen der österreichischen Regierung zu dem Vertrage von San Stefano. — Der Großfürst Michael wird morgen hier erwartet. — Die Petersburger und Moskauer Zeitungen wenden sich gegen die gemäßigte Haltung der „Agence ruffe" und des „Journal de St. P6tersbourg", und heben hervor, die britische Regierung versetzte Rußland, indem es dessen Würde engagire, in die Unmöglichkeit, sich ihren Forderungen zu fügen.
Wien, 7. April. Die „Montags-Revue" schreibt: „Die Chancen für eine friedliche Lösung der politischen Krisis sind in den jüngsten Tagen etwas kräftiger in den Vordergrund getreten. Deutschland anerkennt die Existenz und die Berechtigung der allgemeinen europäischen Interessen und neben dem Verhältnisse zu Rußland Freundschaftsbeziehungen mit anderen Staaten, welche es nicht einfach opfern kann. So wird Deutschland zu der Rolle einer mäßigenden und berichtigenden Macht gedrängt. Wenn ein Staat von solcher militärischen und politischen Bedeutung diese Aufgabe aufgreift, muß dies als die erste und vielleicht entscheidende Friedensbürgschaft betrachtet werden. Wie heute die Dinge liegen, ist eine friedliche Lösung fast untrennbar von dem Zustandekommen des Congresses. Die Petersburger Antwort auf die englischen Eröffnungen ist demnach für die nächste Zukunft unzweifelhaft entscheidend. Wenn dieselbe für die Congreßvorschläge die Thür offen läßt, so ist zu hoffen, daß die den politischen Horizont gegenwärtig verdüsternden Zeichen allmälig verschwinden und die Interessen Aller in dem gemeinsamen Friedensbedürfniß und der Thatsache eines allgemeinen Friedens einen versöhnenden Abschluß finden. Weder auf die englische Note noch auf die Auseinandersetzungen An- drassy's ist bisher eine Antwort erfolgt, doch gestatten alle Anzeichen die Hoffnung auf einen friedlichen Ausgang."
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Gießen, 8. April. Aus den Verhandlungen der Grobherzoglichen Handelskammer zu Gießen; Sitzung, Mittwoch den 20. März 1878.
Anwesend: Homberger, Noll, Georgi, Fritz Koch, F. E. B- Koch und Liebrich.
Ein Ctrcularschreiben des Vorstandes des Vereins zur Reform der deutschen Zahlung-weise soll nach dem Anträge des Präsidenten in dem Sinne seiner Ausführungen bei der Delegirten-Versammlung am 24. Januar in Frankfurt a. M. und gemäß der in dem Jahresbericht pro 1876 kundgegebenen Stellung der Sammer zu dieser Frage beantwortet und für die Bestreitung der Veretnskosten ein Beitrag von dreißig Mark für daS Jahr 1878 bewilligt werden.
Die Handelskammer zu Halle a. S- theilt eine Vorstellung au den zur Pflege der Fortentwicklung des deutschen Eisenbahntarifwesens ernannten Ausschuß von Ver- kehrStnterrssenten mit, worin dieser ersucht wird, in der voraussichtlich am 9. Mai d. I. statifindenden Sitzung der Tartfcommtsfion nachstehenden Antrag etnzubrtngen und zu befürworten.
„Nach den gegenwärtig bestehenden Besttmmunaen der allgemeinen Tarifvor- schrtften des Reformtarifsystems kommen die für 10000 Kg Ladungen geltenden billigen Frachtsätze (der Klasse 8 und der Specialtartfr) nur dann zur Anwendung, wenn die Aufgabe der Güter mit einem Frachtbriefe für einen Wagen erfolgt- Da sich nun der Mißstand fühlbar gemacht hat, daß auf einigen Eisenbahnstationen Wagen solcher Conftruction, welche die Verladung von Gütern der WagenladungSclaflen im Gewicht von 10,000 Kg auf einen Wagen ermöglicht,
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