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Dienstag den 9. April

1878.

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An;eize- uni A«isdl«N st btn Kreis Gieße«.

R,daetion»brrrearrr Gartenstraße 8, 165.

^rpeditiv«Sd«reaur Schulstraße 8. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS

PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher TKeit. Bekanntmachung.

Die Amtstage des Landgerichts Gießen werden Dienstag und Mittwoch abgehalten und zwar des Vormittags von 812 und des Nachmittags von 25 Uhr.

Gießen, den 3. April 1878. Großherzogliches Landgericht Gießen. Erd mann, Landrichter.

Uolilisch

Deutschland.

Darmstadt, 6. April. Se. König!. Hoheit der Großberzog haben allergnädigft geruht: am 3. April den Privatvocenten an der Universität Berlin, Dr. Heinrich Bose, zum ordentlichen Profesior in der medicinischen Fakultät der Landes-Universität und Vorstande der chirurgischen Klinik in Gießen, mit Wirkung vom 1. Mai 1878, zu ernennen und in der gedachten Eigenschaft zu berufen.

Berlin, 5. April. In der heutigen Sitzung des Ausschußes der Reichs­bank wurden die Wahlen bestätigt und ferner der Beschluß gefaßt, die Verzin­sung deponirter Gelder fortan einzuftellen.

Berlin, 5. April. DieNordd. Allg. Ztg." bezeichnet die Gerüchte, wonach die Berufung des Grafen Stolberg in das Ministerium zweifelhaft ge­worden fei, als vollständig grundlos. Stolberg bleibe mit Rücksicht auf die politischen Verhandlungen noch ungefähr bis Ostern in Wien, um dann zur Uebernahme seines neuen Amtes hierher zu kommen.

Berlin, 6. April. Der Reichstag setzte heute die zweite Lesung des Etats fort. Rach unwesentlicher Discussion wurden die Etats der Reichsschuld, die einmaligen Ausgaben für den Reichstag, der Eisenbahnverwaltung unver ändert und nach den Anträgen der Commission genehmigt. Die einmaligen Ausgaben der Militärverwaltung, das Anleihegesetz und die Matrikularbeiträge wurden gleichfalls nach den Commissions-Anträgen genehmigt. Im weiteren Fortgänge der Sitzung genehmigte der Reichstag das Etatsgesetz nach den An­trägen der Commission, nahm in zweiter Lesung unverändert den Gesetzentwurf über den Bau von Eisenbahnen in Lothringen an und genehmigte in dritter Lesung ohne Debatte den Gesetzentwurf Über Beglaubigung öffentlicher Urkunden. Den Schluß der Tagesordnung bildeten Wahlprüfungen, wobei die Wahlen von Eisenlohr und Bürklin für ungültig erklärt wurden. Nächste Sitzung Montag.

Die durch einige Zeitungen verbreitete Version, welche den Namen des Staatssecretärs v. Bülow mit der Veränderung im Botschafterposten in Wien in Zusammenhang bringt, entbehrt jedes thatsächlichen Anhalts.

Berlin, 6. April. Eine Londoner Correspondenz derNat.-Ztg." spricht den Glauben aus, eine friedliche Lösung der russisch-englischen Spannung wäre zuversichtlicher zu erwarten, wenn die Leitung der russischen Politik den Händen, die sie in die Sackgasse geschoben Härten, entzogen und einem Staats- manne anvertraut würde, der, mehr noch als durch ungewöhnliche Begabung, durch aufrichtige Friedensliebe das Vertrauen der englischen Staatsmänner sich zu erwerben gewußt. Die Zeitung fügt hinzu, in Petersburg richteten sich in­mitten der politischen Unbehaglichkeit die Blicke ebenfalls auf den Grasen Schuwaloff.

Hestcrreich.

Wie», 5. April. Mit Bezug auf die dem britischen Parlamente mit- getheilten neuesten, das Verhältniß zwischen Rußland und Rumänien betr. Dokumente veröffentlicht diePolit. Corresp." den Wortlaut der unter dem 28. März wirklich erlaffenen rumänischen Protest-Note gegen den Friedensvertrag von San Stefano, welche sich gegen die Stipulationen hinsichtlich Beffarabiens, der Art der Feststellung der Rumänien schuldigen türkischen Kriegsentschädigung und der Btstlmmung des Durchzuges der russischen Truppen durch rumänisches Gebiet wendet; die beffarab-.sche Frage sei keine locale, sondern eine in die Kompetenz ganz Europas fallende Angelegenheit, weil dieselbe eine Abänderung des europäischen Werkes von 1856 und eine Machtverschiebung in einer Gegend einschließe, wo ganz Europa constante Jntereffen habe.

Abends. Die Südbahn-Gesellschaft schreibt ihre Generalversammlung zum 15. Mai ans; auf der Tagesordnung steht außer den üblichen Gegen­ständen die Genehmigung der Verträge wegen der Betriebsführung der Jstria- ner und eventuell der Graz-Köstachen Bahn.

Die außerordentliche Generalversammlung der Staatsbahn wurde wegen ungenügender Actien-Deponirung vom 13. April auf den 17. Mai verschoben, an welchem Tage sie unmittelbar nach der ordentlichen Generalversammlung stattfinden wird.

Wien, 6. April. DiePresse", die Wichtigkeit der beffarabtschen Frage besprechend, bezeichnet den heutigen Stand der Frage so, daß die meisten

er Hheil.

Signatarmächte die Unterstützung Rumäniens zusagten. So einfach die prin- cipielle Position der Streitfrage sei, welche vor den europäischen Areopag ge­höre, so fei doch deren thatsächliche Entscheidung nicht so leicht, da dieselbe von , den Mächten nicht als bloße Herzensangelegenheit des Czars oder als Object des rumänischen Nationalstolzes aufzufaffen sein werde.

DasFremdenblatt" schreibt: Die Hoffnung auf eine friedliche Verständigung im Wege des Congreffes scheint sich zu erfüllen, wie auch der versöhnliche Ton der hochosficiösenAgence Ruffe" darthut, nachdem diese meh­rere Tage lang mit dem Säbel geraffelt hatte. Sollte der Congreß wirklich an den Prälensionen der Petersburger Regierung scheitern, so würde die Jsoli- rung Rußlands die unabweisltche Folge sein. Ebenso bezeichnet dasFremden­blatt" die beffarabische Frage als eine europäische, die hierauf bezügliche For­derung Rußlands sei von bedenklichster Art.

DieNeue Fr. Pr." bespricht in einem längeren Artikel die beffarabische Frage und drückt dabei das Bedauern aus, daß Oesterreich nicht durch eine kräftige Unterstützung der rumänischen Beschwerden einen Keil in den Frieden von San Stefano treibe. Nur das unmittelbar benachbarte, selbst betheiligte Oesterreich könne Rumänien gegen die russischen Anforderungen helfen.

DieDeutsche Ztg." verzeichnet die Besserung der Situation und wünscht dieselbe, ist aber nicht so sanguinisch, dies unbedingt zu glauben. Als den gefährlichsten Moment der Situation bezeichnet das Blatt den immer for- mibablere Dimensionen annehmenden russisch-rumänischen Conflict.

Wien, 6. April. Der bekannte Petersburger Correspondent derPolit. Corresp." entwickelt unter Betonung der Nothwendigkeit, daß die Initiative zur Anbahnung einer friedlichen Lösung der zwischen Rußland, England und Oester­reich schwebenden Fragen von dritter Seite zu ergreifen sei, ein Programm für diese Lösung, welches in der Anerkennung der gegenseitigen Bedürfniffe für Sicherung der betr. höheren und directen Jntereffen jeder dieser Mächte cul- mtnirt. Dies Programm lautet: England bedarf zur Sicherung feiner Wege nach Indien um jeden Preis einer, den Schlüffe! zu den westlichen türkischen Gewäffern liefernden Position; Rußland bedarf der östlichen Einfahrt aus den türkischen Gewäffern in das Schwarze Meer. Hierüber wäre eine Combination unschwer durch ein Uebereinkommen zwischen England und Rußland zu erzielen, welches den Bosporus und das Marmara-Meer der Türkei, von einem geroiffen Punkte ab frei, überläßt. Oesterreich bedarf der Erhaltung des angrenzenden Südslaventhums in feiner Machtsphäre, während die russische Machtsphäre sich auf die ostslavische, das Schwarze Meer begrenzende Bevölkerung erstrecken muß. Eine dieses Doppel-Interesse befriedigende Combination wäre durch die Oesterreich eingeräumte Freiheit zur Besetzung Bosniens und der Herzegowina zu realisiren. Diese Vertheilnng der strategischen Punkte müßte den Einfluß Englands auf die Hellenen, Oesterreichs auf die West- und Südslaven, Ruß- lands auf die Ostslaven sichern. Bei solcher Lösung könne Konstantinopel im Besitze der inoffensiv gewordenen Türkei bleiben.

DiePolit. Corresp." bemerkt: Vorstehende Correspondenz wird hier als Signalisirung der bevorstehenden Antworten des Petersburger Cabinets auf die Eröffnungen Oesterreichs an General Jgnatieff und auf das Circular Lord Salisbury's betrachtet.

Wien, 6. April. DiePolit. Corresp." erfährt von guter Seite aus Bukarest, daß die Drohungen des Fürsten Gortschakoff gegenüber Ghika den Fürsten von Rumänien zu folgender Antwort veranlaßt haben:Sagen £>ie dem Fürsten Gortschakoff, daß die rumänische Armee zermalmt werden kann; so lange ich aber am Leben, wird sie nicht entwaffnet werden." Die Haltung des Fürsten flöße dem Lande und der Armee den lebhaftesten Enthusiasmus ein. - Von anderer Seite meldet diePolitische Corresp." aus Bukarest: Die Berichte Bratianos über feine Wiener Mission lauten sehr befriedigend: Bratiano konnte in maßgebenden österreichisch-ungarischen Kreisen, nach deren Auffaffung die ruffo-rumänischen Streitfragen nur durch eine europäische Entscheidung be­glichen werden können, die aufrichtigsten und wärmsten Sympathien für Rumänien constatiren. Derselben Correspondenz wird aus Bukarest gemeldet: Die Russen begannen in Skulenia (bei Jassy) eiligst eine große solide Brücke über den Pruth zu bauen. In Jassy treffen neuerlich russische Truppen ein.

England.

London, 5. April. Die Edinburgher Handelskammer und die liberalen