Dienstag, den 8. October
Ur. 234
1878
Anzeize- und AmtsdiM für de« Kreis Gießen
Redactionsbureau r 1 ^xpeditionSbureau: J
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Schulstraße B. 18.
Gießen, am 4. October 1878.
Betreffend: Die Herbstübungen der Truppen in 1878.
Cassel, den 26. September 1878.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit BringerlohL Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
General-Commando des IX. Armee-Corps. Sect. la., J.-Nr. 7786.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Großherzoglichen Bürgermeistereien.
Diejenigen Großherzoglichen Bürgermeistereien, in deren Gemeinden bei den diesjährigen Herbstmannövern Einquartierungen stattgefunden haben, wollen nachstehendes Schreiben zur Kenntniß der Gemeinde-Angehörigen bringen.
Dr. Boekmann.
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Bet den diesjährigen großen Herbst-Uebungen vor Seiner Majestät dem Kaiser und König haben die Truppen des 11. Armee-Corps Seitens der Bevölkerung überall trotz der durch die Dichtigkeit der Einquartierung entstandenen Schwierigkeiten freundliche Aufnahme und herzliches Entgegenkommen gesunden.
Indem ich hierfür im Namen des mir unterstellten Armee-Corps meinen besonderen Dank ausspreche, ersuche ich das Großherzogliche Ministerium ganz ergebenst, den Ausdruck desselben zur Kenntniß der betreffenden Kreise und Ortschaften bringen zu wollen.
Der kommandirende General.
v. Bose.
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Bekanntmachung.
Der landwirthschaftliche Bezirksveretn des Kreises Gießen hat zu Unterstützungen an Solche, welche eine der Ackerbauschulen zu Friedberg oder kllöfeld, oder einen Lehrcursus für Wtesenwärter besuchen wollen, 300 «X verwilltgt, wobei jedoch vorausgesetzt wird, daß die Betreffenden, beziehungsweise deren Eltern zur Bestreitung der desfallstgen Kosten nicht im Stande sind. Bewerbungen um solche Unterstützungen können bet dem Unterzeichneten ein» gereicht werden.
Gießen, den 4. October 1878.
Der I. Dtrector des landwirthschaftltchen Bezirksvereins Gießen. __Dr. Boekmann._____________________
Bekanntmachung.
Droschkenbesttzer Johannes Christ hat unter dem Heutigen die Erlaubniß erhalten, eine Droschke mit der Nr. 3 nach Maßgabe des Droschkenreglements für die Provinzialhauptstadt Gießen vom 3. August 1878 dahier in Betrieb zu setzen.
Gießen, am 7. October 1878. Großherzogliche Poltzetverwaltung Gießen.
Fresenius.
FeütfHland.
Aus Hessen, 6. October. Das neueste „Regierungsblatt" publtctrt das Gesetz, wonach das landgräflich hessische Ausschreiben vom 22. Juni 1711 und alle landrechtlichen Bestimmungen, wonach ohne erlangte Dispensation Niemand vor Erreichung eines gewissen Lebensalters die Güter seinen Kindern übergeben darf, aufgehoben werden. Damit bat wieder ein Stück jener überlebten patriarchialischen Gesetzgebung Beseitigung gefunden, welche schließlich jnur noch die Bedeutung einer mit erheblischer Belästigung der Jntcreffenten verbundenen Finanzquelle des Staats hatte, da die Dispensation regelmäßig gegen die vorgeschrtebene Stempelgebühr ertheilt wurde. (Fr. Journ.)
Kesternich.
Wien, 5. October. Die „Polit. Corresp." meldet aus Konstantinopel, es bestätige sich, daß dieselben Einflüsse, welche den Sultan zu bestimmten wußten, der österreichisch-türkischen Convention seine Genehmigung vorzuenthalten, auch bemüht sind, die Annahme des astatischen Resormprojects Englands zu hintertreiben. — Im Schooße der Commission für Ostrumelien sind principtelle Differenzen entstanden. — Dieselbe Correspondenz meldet aus Belgrad, daß der österreichische Botschaftsrath in Konstantinopel, Baron Herbert, zum österreichischen Gesandten am serbischen Hofe destgnirt sei. — Die Pforte hat in dem Vilajet Koffowo 50,000 Mann regulärer Truppen concentrirt. — Aus Bukarest berichtet die „Polit. Corresp.", daß man in parlamentarischen Kreisen beabsichtige, den Antrag zu stellen, daß die bisherigen Deputirten Beffarabtens auch fernerhin Mitglieder der rumänischen Kammern bleiben sollen. Die Do-
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möchte, wo jener die Kluft zwischen Anmaßungen und Wirklichkeit immer jäher aufriß, daß Pius IX. sich gegen Leo XIII. mit den weltlichen Regierungen behaupten will. Behaupten natürlich als der Erste und Maßgebende, ohne einen jemals erworbenen Rechtstttel aufzuheben, einen der unzähligen Proteste zurückzuziehen, um wie alle Päpste des Jahrhunderts aus dem hilfsbedürftigen Werkzeug der Reaction deren Meister zu werden. Noch ist der Klerus überall aus dem absolut ablehnenden, negirenden Programm Pius IX. eingerichtet, er braucht Zeit, sich und seine Heerden in das neue Programm zu finden und das erfordert Zett. Es muß verschieden in Oesterreich und Italien, Deutschland und Frankreich, Rußland und England geschehen und darum sind die Urthetle so verschieden. Bet aller Kosmopolitik kann die Priesterschaft doch nicht von Land und Leuten abstrahtren, sie steht ihnen näher als der Vattcan und dieser muß ihr so viel Spielraum gewähren, daß sie local erst sich und dadurch die Kirche befestigen kann. Dazu geschehen jetzt erst die Einleitungen, der Erfolg liegt bet der Zukunft und wird in so verschiedenen Abständen erreicht werden, als die Staaten von einander und dem heil. Stuhl abstehen.
Leo XIII.
Mit einer gewissen Zähigkeit setzt der Papst seine Versuche fort, mit Deutschland in ein friedliches Verhältnis zu treten. Er scheint zu wiffen, daß
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War die Politik Pius IX. in großen Umrissen so zu bezeichnen, daß er leine geschichtlichen Acte der Vergangenheit und seiner Gegenwart anerkannte, ,5.3 die nicht nach seiner Auffaffung und mit seinem Willen die Beziehungen der 51? Staaten zum Papstthum geordnet hatten, war er gar mit den gewaltigen Umwälzungen während des eigenen Pontificats nicht einverstanden, die er als persönliche Verletzungen seiner bis zur Unfehlbarkeit gesteigerten Souveränität betrachtete, so empfindet Leo XIII. um so lebhafter, daß die katholische Kirche nicht blos von Protesten, Rechthaberei, Dogmen und anderem transcendentalem Kram leben kann, sondern ihre Existenz so einrichten muß, daß ihr bet den höchsten Anmaßungen doch immer eine sichere Stelle unter den weltlichen Din- gm zu bewahren ist. Wer auch der Nachfolger Pius IX. wurde, diese Er- lmntniß mußte sich ihm umsomehr aufdrängen, je länger der Vorgänger in snner Einseitigkeit regiert hatte. Sie ist schon im Conclave durchgedrungen, denn wäre sie das nicht, so hätten die Cardtnäle nicht einen gebildeten Priester wählen können. Leo XIII. hat in seinem „Programm", denn ein solches ist das Schreiben an den Cardinal Nina, wie die „Voff. Ztg." mit Recht henvorhebt, tm Gegensatz zu Pius IX. auf die einseitige Erhöhung der katholi-
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er tm Jesuttismus und in dem Ultramontanismus in Deutschland, der selbst Rom den Gehorsam zu kündigen bereit ist, schlimmere Feinde hat, als in den höchsten politischen Kreisen Deutschlands, welche gleich dem Papst die Uebel- stände eines lang dauernden Conflicts zwischen Staat und Kirche empfinden. Lev XIII. verfährt diplomatisch, wo er mit Staaten zu thun hat, — Schroffheit und Energie hat er bisher nur gezeigt, wo ihm in der Kirche Wider sicher entgegentraten. Er ist, wie daraus hervorgeht, ein grundsätzlicher Geg- nt§t®äu6butAÜ, ver der Regterungsweise seines Vorgängers.
w das heißt denjenigen der Lenkung der Völker nach dem Bedürfniß der Regier''- Oliven. Auf diesem stehen die Ketzer so gut wie die Rechtgläubigen, und darum
?ar a Kaiser von Deutschland nicht ausgenommen, womit zugegeben ist, daß dee ersten Annäherungen nicht von Berlin, sondern von Rom ausgegangen sind, auch in den Kissinger Unterhandlungen geblieben sein wird, denn wäre 3 anders, so hätte die diplomatische Sprache Roms feine Wendungen genug
gehabt, um es ohne Verletzung der zartesten Rücksichten empfinden zu laffen.
.l.--' r, D-r Unterschied zwischen Pius IX. und Leo XIII. ist, daß dieser weit- ^handeln will, wo jener fluchte, daß dieser auf dem Grunde der that- pchiich gewordenen Zustände dieselben einem veränderten Status quo anpaffen
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Ktycn Kirche aus ihren eigensten Lehren vorläufig Verzicht geleistet und den
3 l ausgesucht, der allen kirchlichen und weltlichen Regierungen gemeinsam
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