Ausgabe 
8.9.1878
 
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1878

Sonntag, den 8. September

Kr. 209

Kiekcner Anzeiger

A,M- bu) UmtsMatt fit den Kreis Gicßeil

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag».

Landes - Baugewerkschnle Darmstadt

Parlieren,

Winter.

Tageszeit Müller, Techniker

Telegraphische Depeschen.

Wagner'» telegr. Äorrefpondekr B»rea«

Berlin, 6. Septbr. In einem Aufruf des national, liberalen Wahl- Comit^s des Wahlbezirkes Langensalza-Mühlhausen wird mitgetheilt, daß Reu- leaux aus der Weigerung, eine eventuelle Wahl anzunehmen, beharre, und daran die Aufforderung an die nationalen Wähler knüpft, bei der Stichwahl zwischen

Die Landes-Baugewerkschule zu Darmstadt beginnt ihren dritten Zahres-Cursus am 15. November l. Ihrs., welcher 4 Monate, also

Bauaufschein rc. dienen.

Der Unterricht wird an den Werktagen während der ganzen ton folgenden Herren erthetlt: Architekt Profeffor Hermann Professor Dr. Nell, Architekt Kuhlmann, Ingenieur Reuter, k. W- Möser, Handelslehrer Peters und Bildhauer Fölix.

Zur allgemeinen politischen Lage.

Die allgemeine politische Lage hat sich noch keineswegs zum Befferen ge- mndet. Die Hauptschuld daran, daß die neue Verwickelung der Dinge eher ;u- als abzunehmen scheint, liegt an der Pforte. Die türkischen Rattfications- urkunden des Friedensvertrages sind zwar jüngsthin in Berlin ausgewechselt ©orten, die Pforte zeigt aber in der Ausführung der darin enthaltenen Be- ßimmungen nach wie vor die größte Saumseligkeit, ja Widerspenstigkeit. Alle Persuche, die Oesterreich macht, um zu einer vertragsmäßigen Verständigung über die Occupatton Bosniens zu gelangen, sind an der Hinterhältigkeit der Pforte gescheitert. Im Rhodopegebirge, wo ein Aufstand wüthet, der die russische Armee bedroht, ist die Haltung der Pforte ebenso zweideutig, wie in Bosnien. Die Verhandlungen über die zu Gunsten Griechenlands festgesetzte Krenzberichtigung haben noch immer nicht begonnen. Auch Batum ist noch

Prei» vierteljährlich 2 Mark 20 Ps. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 W-

Bedingungen zur Aufnahme find:

1) Für die untere Abteilung, die I. Klasse: In der Regel werden nur solche Schüler ausgenommen, welche eine mindestens einjährige Beschäftigung in einem technischen Gewerbe nachweisen können; Ausnahmen hiervon werden nur in besonderen Fällen gestattet. Dagegen wird von den Aufzunehmenden nur der Nachweis der Kenntnisse verlangt, welche den von der Oberklaffe einer Volksschule Entlassenen zukommen sollen, damit jedem strebsamen Handwerker die Anstalt zugäng­lich werde.

2) Für die obere Abtheilung, die II. Klaffe, muß außerdem der Nachweis ausreichender Kenntniß der niederen Arithmetik, einer angemeffenen Fertig­keit im Fretband- und geometrischen Zeichnen, sowie in der Lösung ein­facher Aufgaben der darstellenden Geometrie, und der Befähigung, sich im Deutschen gehörig schriftlich verständlich machen zu können, geliefert . werden.

Das Schulgeld beträgt für die ganze Unterrichtszeit = 30 und ist beim Beginn des Curses voraus zu bezahlen.

Anmeldungen zur Aufnahme wolle man möglichst frühzeitig und längstens bis zum 30. October l. Ihrs, schriftlich bei der unterzeichneten Stelle ober auch mündlich auf dem Bureau derselben Neckarstraße 3, im III. Stock bewirken, da die Zulassung der Schüler nur nach Maßgabe der vorhandenen UnterrichtsLocalitäten erfolgen kann.

Darmstadt, am 20. August 1878.

Großh. CentrMellc für die Gewerbe und den Landesgewerbverein.

Fink.

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Die Schule umfaßt vorerst 2 Klaffen mit folgenden Unterrichts Gegen­ständen : Freihand- und geometrisches Zeichnen, Darstellende Geometrie (ein* chließlich Schattenconstructionen und Perspective), Bauconstructionslehre (einschl. Ltabilitäts- und Festigkeits-Berechnungen), Elemente der Maschinen-Construc- Honcn, Fachzeichnen, Entwerfen von Bauanlagen, kunstgewerbliches Zeichnen, technisches Rechnen, Algebra, Geometrie, Feldmeßkunst (einschl. Trigonometrie und Planzeichnen), gewerbliche Buchführung, Theile der Bauführung, insbes. Materialienkunde und Ansertigen von Kostenvoranschlägen, Grundlehren der Physik und Mechanik, Modelliren in Thon, Holz rc.

Die Unterrichtslocale befinden sich Neckarstraße Nr. 3, unfern von den Areaulocalitäten, der Bibliothek und der technischen Mustersammlung des Gr. Tewerbveretns, so daß die letzteren von den Schülern besucht und geeignet benutzt werden können. _____

wahrscheinlichen, fast unvermeidlichen Sache zu sprechen anfängt und das Heran­nahen der kühleren, für die Kriegführung günstigeren Jahreszeit macht die Situation begreiflicher Weise nicht weniger bedenklich. Gleichzeitig wird aber auch die Ueberzeugung immer allgemeiner, daß die Türkei die Folgen ihres Eigensinns allein tragen werde. Warum sollten sich auch Rußland und Eng­land, nachdem sie sich über die erste Theilung der Türkei gütlich verständigt, bei einer weiteren Zerstückelung derselben in die Haare geratheu? Die Haupt­stütze für die Hoffnung einer ferneren erfolgreichen Vermittlung zwischen beiden Gegnern liegt nach tote vor in dem Vertrauensverhältniß, welches das deutsche Reich mit Oesterreich verknüpft, wie es jüngst noch in der Thatsache Ausdruck gesunden, daß der neue deutsche Botschafter in Konstantinopel, Graf Hatzfeld, vor seiner Abreise dorthin eine Audienz bei dem Kaiser Franz Joseph hatte. Durch die Verhinderung einer Entzweiung Oesterreichs und Rußlands wird auch dem Ausbruch von Feindseligkeiten zwischen Rußland und England vorge­beugt und somit die Erhaltung des Weltfriedens gesichert.

Rebadton»»ttre<mt Gartenstraße B. 165.

OxpevitjonSbirreanr Schulstraße B. 18.

Deutschland.

Darmstadt, 6. September. II. KK. HH. der Großherzog und die Großherzogin haben mit den Großherzoqlicheu Kindern Eastbourne verlassen; nach kurzem Aufenthalt in London werden Allerhöchstdieselben in Gravesend an Bord der Macht I. Maj. der KöniginAlberta" sich einschiffen zur Fahrt nach Antwerpen, von wo Ihre Königlichen Hoheiten einen Besuch in Brüssel bei Ihren Majestäten dem König und der Königin der Belgier machen werden. Die Rückkehr der Allerhöchsten Herrschaften nach Darmstadt wird voraussichtlich kommenden Montag stattfinden.

Kaffel, 5. Septbr. Gestern war ein höherer Beamter vom Berliner Hosmarschallamt in unserer Stadt und auf Wilhelmshöhe anwesend, um die für den Aufenthalt des Kaisers deffen Hierherkunst jetzt bestimmt in Aus­sicht genommen worden ist hergerichteten Räumlichkeiten im Wilhelmshoher Schloß und im Palais am Friedrichsplatz zu besichtigen. Die ständige Woh­nung wird der Kaiser in dem ruhigeren Wilhelmshöhe nehmen, während daK Palais Se. Majestät nur dann beherbergen wird^ -toenn die Anwesenheit des­selben in Kaffel sich auf mehrere Stunden erstreckt.- Allen Anzeichen nach wird Se. Majestät bereits am 12. September hier eintreffen und etwa 14 Tage hier verbleiben. ' Mrgztg.)

dis zum 15. März 1879, anbauert.

Dieselbe soll, zwischen Handwerkerschule und technischen Hochschule die Mitte haltend, insbesondere Bauhandwerkern, sowie Maschinen- und Mühlen- lauern, Gelegenheit bieten, sich die für einen selbstständigen Gewerbebetrieb chrderlichen theoretischen Kenntniffe und die notwendigen Fertigkeiten im Zeichnen und Entwerfen von Plänen für die praktische Ausführung zu erwerben. Äiich soll die Baugewerkschule zur Ausbildung von Werkmeistern, Parlieren,

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nicht geräumt.

Die Folgen dieses Mangels an Vertragstreue seitens der Türkei machen sich je länger in um so bedenklicherer Weise fühlbar. Die Beziehungen zwischen Oesterreich und der Pforte sind nachgerade so gespannt geworden, daß die Ver­handlungen über die Convention allgemein als abgebrochen betrachtet werden. Kür die Ausführung der Griechenland betreffenden Beschlüffe des Berliner Con- gresses steht ein ernster Schritt der Mächte in Aussicht, bei dem Frankreich und Italien, also diejenigen Mächte, welche nur auf eine paffende Gelegenheit warten, um mit ihren Ansprüchen auf die türkische Erbschaft offen hervorzutreten, die Kührung übernehmen sollen. Selbstverständlich bleibt die russische Armee bis auf Weiteres unter den Mauern von Konstantinopel. Leider wirkt tiefer Um­stand auch aus das Verhältniß zwischen Rußland und England in übler Weise zurück. Während nämlich ersteres seine Truppen nicht eher zurückberufen zu können erklärt, als bis die englische Flotte, in deren Verweilen es eine Er­munterung zur Widerspenstigkeit für die Pforte sieht, das Marmarameer ver­laffen, will England seine Flotte umgekehrt nicht zurückziehen, bevor die russische Ärmee ihre bisherige Stellung ausgegeben. Wie ernst es Rußland mit der Behauptung seiner gegenwärtigen Stellung nimmt, um auf alle Fälle vorbereitet zu sein, beweist die Thatsache, daß es die eingeschifften Garden durch frische Truppen ersetzt. Beide Mächte stehen sich also noch immer gerüstet gegenüber. Zur Herstellung sreundschaftlicherer Beziehungen zwischen beiden kann eine der­artige Situation unmöglich dienen? Das obwaltende Mißtrauen ist denn auch kürzlich aus Anlaß des Berichtes der internationalen Commission für das Rho­dopegebirge, den der russische Commiffar wegen seines Rußland beschimpfenden Inhalts zu unterzeichnen sich weigerte, offen zu Tage getreten. England glaubt seinerseits um so mehr Grund zum Argwohn gegen Rußland zu haben, da es in Centralasien, wo die russische Agitationen ungeschwächt fortdauern, die Frage von Konstantinopel in einer neuen Form auftauchen sieht.

So ist denn der politische Horizont im Südosten, obgleich nicht einmal Mi Monate nach dem Abschluß des Friedens verfloffen find, wieder so trübe ~~ geworden, daß man von einem zweiten orientalischen Kriege schon toie von einer lReuleaux und dem Grafen Bismarck stch der Wahl zu enty^ltcn.

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