Ausgabe 
8.5.1878
 
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der Socialdemokraten abgelehnt wird. Am Montag wirb die Berathung fortgesetzt. Auf der Tagesordnung für Dienstag steht die Tabaks Enquete.

DieNordd. Allg. Ztg." bestätigt, daß Kaiser Wilhelm den Orden pour le merite mit dem Bilbniß Friedrich des Großen an Kaiser Alexander verliehen habe. Der Erbgroßherzog von Mecklenburg habe den Orden, sowie ein eigenhändiges Schreiben des Kaisers Wilhelm in Petersburg überreicht, worin es heiße: Meine Armee wird mit Stolz diesen Orden aus der Brust Ew. Majestät sehen.

Königsberg i. Pr., 4. Mai. DerOstpreuß. Ztg." zufolge hätte der Reichskanzler Fürst Bismarck die Ausfuhr derjenigen Pferde gestattet, welche auf dem diesjährigen Königsberger Pserdemarkt (vom 25. bis 29. Mai) nach dem Auslande verkauft werden.

Stuttgart, 4. Mat. Der König ist nach Ouchy bei Lausanne abge- relst, wo er mit der aus Nizza zurückkehrenden Königin zusammentrifft. Am 14. d. treffen der König und die Königin hier wieder ein.

Hesterreich.

Wien, 3. Mai. DiePolit. Corresp." meldet aus Konstantinopel vom 2. Mai: Die mohamedanische Jnsurrection in Thracien ist im Zunehmen be­griffen; dieselbe recrutirt sich aus versprengten türkischen Soldaten, sowie aus solchen mohamedanischen Landesangehörtgen und Pomaken, welcher wegen ihrer Wildheit gefürchtet sind. Das Gebiet der Jnsurrection erstreckt sich vom Rho- dopegebirgc bis zum Marltzathal. Alle bisherigen Pacificattonsversuche waren vergeblich. Die Pforte scheint der Forderung Rußlands wegen Räumung von Varna und Schumla nachzugeben; nach Varna sind Transportschiffe zur Ab­holung -von Truppen entsendet- Auch die Räumung von Datum scheint in Aussicht. Aus Belgrad meldet dieselbe Correspondenz: in Folge erregter Stimmung der an der Demarkationslinie stehenden türkischen Irregulären behielt die serbische Regierung einen Theil der zur Beurlaubung bestimmten Milizen der ersten Klaffe unter den Fahnen zurück; anderweitige außerordentliche mili­tärische Verfügungen wurden von der Regierung nicht getroffen.

Wien, 4. Mai. Die Abendblätter melden, in Abgeordnetenkreisen verlaute mit Bestimmtheit, die Regierung beabsichtige demnächst im Abgeordne­tenhause eine Vorlage über die Deckung des von den Delegationen bewilligten 60-Milltonen-Credits etnzubringen.

Pesth, 4. Mai. DiePesther Corresp." meldet: In dem heutigen Kronrathe, welchem eine längere Berathung der beiderseitigen Minister bei dem Fürsten Auersperg voranging, wurden die schwebenden Ausgleichsdifferenzen durch gegenseitige Compromtsse endgiltig ausgeglichen. Das Emigungsresultat wird in Form einer Vorlage den Parlamenten in Wien und Pesth unverzüglich vorgelegt werden. Der Zeitpunkt für die Einberufung der Delegationen ist noch nicht festgesetzt. Die ungarischen Minister verweilen noch in Wien behufs endgtltigen Abschluffes des Etnigungswerkes bis Sonntag Nachmittag.

Araukreich.

Paris, 4. Mat. Gestern Abend fand im großen Saale des Hotel de Louvre ein großes Banket statt, welches die englischen Aussteller ni Ehren des Prinzen von Wales veranstalteten. Den Vorsitz führte Lord Granville. Dieser brachte einen Toast aus die Königin Victoria aus, welcher vom Mar­schall Mac Mahon erwidert wurde. Der Prinz von Wales sprach, nach der Agence Havas" folgende Worte in französischer Sprache:Mein ganzes Herz ist mit Frankreich. Meine Wünsche gelten dem Gedeihen und der Ehre der beiden ehemals getrennten und jetzt für immer vereinigten Nationen."

England.

London, 4. Mai. Das auswärtige Amt hat die diplomatische Corre­spondenz über die Angelegenheiten Cretas veröffentlicht. In derselben befindet sich eine Depesche Savfet Paschas an den türkischen Botschafter in London, Musurus Pascha, vom 2. März, worin derselbe beauftragt wird, die englische Regierung zu ersuchen, den Abgang bewaffneter Banden nach Creta zu verhin­dern. Wenn die griechische Regierung bezwecke, Reformen für die türkischen Grenzprovinzen zu erlangen, so sei die Pforte in dieser Beziehung durch die Friedenspräliminarien gebunden und bereite sie die sofortige Ausführung neuer Reformen vor.

DieTimes" läßt sich aus Petersburg von gestern telegraphiren, bie Unterhandlungen in der Abrüftungsfrage hätten einige Fortschritte gemacht. Es verlaute, daß das englische Cabinet im Principe die Rathsamkeit eines Ideen­austausches bezüglich der Quinteffenz, der Congreßsrage, anerkenne. Falls die formellen Schwierigkeiten, welche gegenwärtig den Zusammentritt des Congreffes verhindern, beseitigt würden, habe man Grund zu glauben, daß auch das russische Cabinet bereit sei, sich auf derartige Verhandlungen einzulaffen. Das Promemoria Gortschakoff's sei von Seiten Englands noch nicht beantwortet worden.

London, 4. Mai. DieTimes" meldet: Das Haus Moormann & Comp. in Batavia hat seine Zahlungen definitiv eingestellt. Die Passiven sollen mehrere Millionen Gulden betragen.Standard" erfährt, daß in Folge der Nachrichten über den Ausbruch von Unruhen in Nicaragua ein eng­lisches Kriegsschiff zum Schutze der englischen Jntereffen nach San Jose beordert sei.

London, 4. Mai, Abends. Eine Versammlung von 580 Arbeiterdele- gwten aus allen Theilen Englands nahm eine Resolution an, laut welcher gegen die Politik der Regierung protestirt wird, da diese, indem sie die Rege­lung der orientalischen Verwickelungen in die Länge ziehe, das Darniederliegen der Industrie verschulde und die Lage der Arbeiter verschlimmere. In einer zweiten Resolution erklären sich die Delegirten entschloffen, im Kriegsfälle ihren Euifluß dahin auszuüben, daß der Eintritt von Arbeitern in die Armee ver­hindert würde. Eine Conferenz von 300 Arbeiterdelegirten in Leeds protestirte ebenfalls gegen die Regierungspolittk und richtete an die Regierung die Auf­forderung, das Parlament auszulösen, bevor sie in der Kriegsfrage Entschei­dung treffe-

AtaNe«.

Nom, 4. Mai. Hier wird ein außerordentlicher türkischer Gesandter erwartet als Ueberbringer eines Schreibens des Sultans, in welchem dieser den Papst zu deffen Thronbesteigung beglückwünscht, und ferner eine- Vorschlages zur Lösung der Differenzen zwischen dem Vatican und der Türkei, wonach der von Haffun vorgeschlagene Ausgleich angenommen wird. Die Cardinals-

Congregation, welche beauftragt ist, die preußischen Maigesetze zu studiren, um darüber eine Meinung abzugeben, ob dieselben annehmbar sind oder gegen die Rechte der Kirche verstoßen/ soll Beschlüffe gefaßt haben, welche die Wiederher­stellung der Beziehungen zwischen dem Vatican und der deutschen Regierung ehr erleichtern würden. Es wird versichert, die Congregation sei der Ansicht, daß die Maigesetze theilweise schlecht rnterpretrrt wurden. Im Senate wird heute eine Interpellation über die orientalische Politik elnzebracht.

Nom, 4. Mai, Abends. Der Senat berieth heute Montezemolo's Interpellation über die auswärtige Politik Italiens. Minister Corti wieder­holte seine am Mittwoch in den Kammern abgegebenen Erklärungen und wres darauf hin, daß, indem Italien seine Großmachtstellung bewahrt habe, daffelbe keine Verpflichtungen eingezangen sei. Die Verhandlungen Italiens mit den Mächten bezweckten, den Krieg zu verhindern und das Zustandekommen des Congreffes zu fördern. Die seit zwei Tagen aus dem Auslände eingeg rngenen Nachrichten lauteten dem Frieden günstiger. Die Regierung werde demnächst ein Grünbuch diplomatischer Actenstücke vorlegen. Montezemolo und Mamiani brachten darauf folgende Tagesordnung ein: der Senat, von der Antwort des Ministers befriedigt, drückt volles Vertrauen aus und geht zur Tagesordnung über. Der Senat nahm diese Tagesordnung einstimmig an.

Außlaud.

Petersburg, 4. Mai. Es steht fest, daß die Thärizkeit der Geschwo­renen bei Proceffen, die politische Attentate gegen Personen in Ausübung ihrer Amtspflicht zum Gegenstand haben, aufhören wird. Die betr. Specialverhand­lungen sind in Aussicht; der Centralisation politischer Proceffe in der Hiupt- stadr wird e n Ende gemacht werden. Die Gesundheit des Generals Trepow erheischt seine Entlastung; derselbe soll durch einen jungen fähigen und energi­schen General ersetzt werden.

Der Ernennung Labanow's zum außerordentlichen russischen Bot­schafter in Konstantinopel wird hier politischer Werth beigemeffen; derselbe ist aus seiner früheren Gesandtenstellung angenehme Person in Konstantinopel, gilt als ein Freund der Beseitigung von Conflicten und für sehr gemäßigt in seinen Anschauungen. Hinsichtlich der Regulirung der schwebenden Angelegenheiten legt man Werth darauf, an Stelle des bisherigen russischen Geichaftsträzers zu Konstantinopel einen außerordentlichen Botschafter in Function treten zu sehen.

Petersburg, 4. Mai. Der Großfürst Nikolaus ist heute Nachmittag hier eingetroffen und wurde enthusiastisch begrüßt.

Petersburg, 4. Mai. Das JournalGolos" kritistrt die Reden des englischen Ministers Groß, indem es ausführt, nicht der Vertrag von £>an Stefano, welcher nur aus dem Papier exrstire, sondern die Einfahrt der britischen Flotte in die Dardanellen verletze thalsächlich die Convention von 1871. Eng- land setze sich über den Vertrag hinweg, welchen es für Rußland als obligatorisch erachte. Die unlogischen Forderungen des Londoner Cabinets zielten darauf ab, eine Weigerung Rußlands zu provociren, um den Krieg unvermeidlich zu machen.

Türkei.

Konstantinopel, 4. Mai. Die Räumung von San Stefano durch die Ruffen ist noch keineswegs beschloffen; ein Theil derselben besetzte wohl aus sanitären Gründen die Anhöhen der Umgebung, aber der größte Theil bleibt in San Stefano. Die Verhandlungen wegen des Rückzuges dec russischen Truppen und der britischen Flotte dauern fort. Die Nachricht, daß Totleben mit Hornby verhandele, ist unrichtig. In Batum wächst die Agitation gegen die russische Occupation. Der mohamedanische Ausstand in Thracien ist im Abnehmcn.

Amerika.

Washington, 4. Mai. Gestern fand ein Ministerrath wegen des mexikanischen Aufstandes statt, in Folge deffen General Ord die Anweisung erhielt, die größte Wachsamkeit zu beobachten, um die Invasion revolutionärer Schaaren aus Mexiko zu verhindern.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'« telegr. «orrespondenz-Bureau»

London, 5. Mai.Reuter's Bureau" meldet aus Konstantinopel: Sadyk Pascha erklärte, die Türkei werde die Neutralität auscechterhalten und dafür sorgen, daß ihr Gebiet respectirt werde. Auf die Anfrage Baker's, welche Vorkehrungen zu treffen seien für den Fall, daß die Ruffen auf Kon­stantinopel marschirten, erwiderte Mehemed Ali, er werde den Vormarsch zu hindern wiffen. Die russische Artillerie vor Konstantinopel ist verstärkt.

Petersburg, 5. Mai. DasJournal de St. P6tersb." erwähnt der Nachricht über die angeblich auf Layard's Veranlaffung erfolgte Einstellung von Tscherkeffen in den englischen Dienst und wendet sich entschieden gegen diese Maßregel. Daffelbe Journal bezeichnet die Gerüchte über die bevorstehende Occupation Bosniens und der Herzegowina durch Oesterreich als verfrüht.

Nom, 5. Mai, früh. Corti erklärte bei Beantwortung der Interpella­tion bezüglich der auswärtigen Politik im Senat noch weiter: Nachdem Deutsch« land seine guten Dienste angeboten, konnte Italien sicherlich keine gesonderte Verhandlung einleiten. Der Vertrag von. 1856 könne noch immer Ausgangs­punkt der Verhandlungen sein; allein diese hätten den Zweck, das öffentliche Recht mit der neuen durch die Ereigniffe geschaffenen Lage in Einklang zu bringen. Italien werde bei diesen Unterhandlungen weder die fundamentalen Principien seines nationalen Bestandes, nach die Freiheit des Handelsverkehrs vernachlässigen. Man werde ohne Zweifel Mittel finden, um Europa ernstere Calamitäten zu ersparen; die neuesten Nachrichten ermuthigten zu dieser Hoff­nung. Jedenfalls werde es die Regierung nicht am Schutze der Landes-Jntereffei fehlen lasten und, gewissenhafte Unparteilichkeit aufrechterhaltend, den Beweis liefern, daß Italien für Europa ein Element der Ordnung und Cwilisation geworden sei.

Konstantinopel, 4. Mai. Dem neuernannten Botschafter Schakir Bey ist gelegentlich seiner Ernennung zugleich der Räng eines Muschirs ver­liehen worden. Der Premierminister und der Minister des Auswärtigen haben sich beute nach San Stefano zur Conferenz mit Totleben begeben.

Paris, 5. Mai. DieAgence Havas" meldet aus Athen: Oberst Aljio hat im Namen der rumänischen Regierung das Großkreuz des rumänischen Sternes für König Georg und die Minister Kumunduros und Delyannis über­bracht. Die Preste der griechischen Hauptstadt betrachtet die Ankunft des

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