1 Unterstaatssecretär Herzog wie« den Vorwurf der Vorredner zurück, als ob die Regierung an den gegenwärtigen beklagenswerthen Zuständen der Optanten die Schuld lrage; dieselbe habe weder em Versprechen noch eine Bertragsbestimmung verletzt. Der ÄM-ag Grad sei im Interesse der Sicherheit des Landes und im Interesse der G-rech. ttgrett vollständig unannehmbar für die Regierung, welche denselben abzulehnen bitte. Der Antrag der Autonom,sten scheine von der Voraussetzung auszugehen, daß die Regierung nicht m l Brlligkttt verfahre; daö sei ein Zrrthum. Redner suchte dies in e>ner längeren Ausführung nachzuwetsen und ersuchte die Antragsteller, auf Grund seiner Darlegung den Antrag zurückzuztehen. — v. Stauffenberg sprach sich im Sinne oeß Ammoements der Autonomisten aus. Herzog rechtfertigte nochmals den Standpunkt der Regierung. Nachdem sich noch Reichensperger und Simonis für den Antrag Grad ausgesprochen hatten, wurde die Debatte geschlossen und der Antrag der Autonomisten
r Majorität angenommen. — Nächste Sitzung Freitag; auf der Tagesordnung steht die zpettc Lesung btr Stelloertretungsoorlage.
London, 6. März. „Reuter'S Bureau" meldet aus Konstantinopel vom 5. d.: Der authentische Friedensvertrag führt den Titel „Friedenspräliminarien" und enthält 29 Artikel, wovon die ersten Montenegro, Serbien, und Bulgarien behandeln. Die Kriegökostenentschädigunz beträgt 1410 Mill. Rubel, wovon 1100 auf die Gebietsabtretungen in Asten angerechnet werden. Ueber die Zahlung der verbletbenden 310 Mill. Rubel sind bezüglich der Zahlungstermine und Zinsen noch keine näheren Bestimmungen getroffen worden. Die russische und die türkische Regierung werden sich hierüber spater verständigen. Die Grenze Bulgarien- bildet das rechte Ufer des Karaffu- Fluffes, das ganze Littorale, im Osten eine Linie von Tschirmen bis Barna, im Norden Pirot, welches noch zu Bulgarien gehört. Serbien erhält Sjenrßa, Novibazar und Vranja. Montenegro erhält Antioari, Podgoritza und Spuz. Durch Bulgarien wird eine Militärstraße angelegt, welche auch dem Post- und TelegrapheN'Berkehr dienen soll. Truppen dürfen stch ohne besondere Ermächtigung nicht in Bulgarien aufhalten.
Paris, 6. März. Das „Journal officiel" meldet: Fürst Hohenlohe hat dem Minister des Äeußern, Waddington, mitzetheilt, daß der deutsche Kaiser die deutschen Künstler ermächtigt hat, sich an der Pariser Ausstellung zu betheiligen. Der Kaiser hibe gestern die Decrete, welche die Betheiligung regeln, unterschrieben und selber dem französischen Botschafter in Berlin diese Entschließung mitgetheilt.
Wien, 6. März. Die „Polit. Corresp." meldet: Die Eventualität des Zusammentretens des Congreffes in Berlin gewinnt stündlich an Wahr- scheinltchkeit.
Konstantinopel, 6. März. Savfet Pascha, welcher dem heutigen Minlsterrathe beiwohnte, sowie Jgnatieff, der Ende der Woche nach Petersburg abreisen wird, sind nach San Stefano zurückgekehrt. Die authentische Per- öffentlichung der gesammten Friedensbedingungeu erfolgt erst nach der Ratification des Vertrages. Bezüglich der Kriegskosten verlautet, daß von den baar zu entrichtenden 310 Mill. Rubel 10 Mill, für die durch den Krieg geschädigten russischen Unterthanen bestimmt sind. 300 Mill, sollen binnen 6 Jahren in Terminen von 4 Monaten gezahlt werden; die Garantien hierfür sind noch nicht endgültig specificirt. Die Einschiffung der russischen Truppen soll durch russische Transportschiffe von San Stefano aus erfolgen. Bezüglich des Gebietes des bulgarischen Staates liegen zuverlässige Mittheilungen noch nicht vor; doch scheint sicher zu sein, daß Salonichi und Seres nicht zu Bulgarien gezogen werden, während Kavala und Drama dem neuen Staate angehören, welcher stch bis gegen Monatzir erstrecken dürfte. Das bulgarische Küstengebiet am schwarzen Meere soll von Mangalia bis Midia reichen, und die Grenze gegen die Dobrudscha durch die Linie Mangalia Czernawoda gebildet werden.
Nom, 6. März. Die „Agenzia Stefani" bezeichnet das Gerücht von der Demission des Ministers des Innern, Crispi, und von einem im Quirinal stattgefundenen Familienrathe für unbegründet.
Petersburg, 6. März. Das „Journal de St. Petersbourg" meldet: Jgnatieff wird via Odessa nach Petersburg zurückreisen, um in Begleitung der türkischen Delegirten die Ratification des Friedensvertrages durch den Sultan hierher zu überbringen. Der Austausch der Ratificationen könnte dann in Petersburg erfolgen und würde alsdann die Publication des Friedensvertrages stattsinden. Das Journal glaubt von den bisherigen gerüchtweisen Meldungen über die Friedensbestlmmungen warnen zu sollen, und weist zugleich darauf hin, daß Rußland niemals das Vorhandensein europäischer Interessen übersetzen habe und nicht den Anspruch erhebe, über letztere allein zu entscheiden. Schließlich äußert das Blatt die feste Ueberzeugung, daß der Friedensvertrag kerne europäischen oder speciell englischen Interessen verletze.
— Die „Agence Russe" bestätigt, daß General Jgnatieff mit den türkischen Delegirten etwa in 8 Tagen hier eintreffe und sodann der Austausch der Ratificationen und die Publication des Frtedensoertrages stattfinde; unverzüg- lich erfolge alsdann (etwa um Ende März) der Zusammentritt des Congreffes. Es bestätige sich, daß der Congreß in Berlin unter der Therlnahme der leitenden Minister tagen werde. Die Berliner und Wiener Regierung hätten hierzu bereits zugestimmt. Die Zustimmung der andern Regierungen werde erwartet. — Fürst Gortjchakoff befindet sich besser und geht nach Berlin.
Wien, 6. März. Die „Presse" meldet: Graf Andraffy empfahl jüngst in einer Circularnote an die Mächte das Zusammentreten der leitenden Minister in Berlin, und ist die Abhaltung des Congreffes in Berlin bereits so gut wie entschieden.
Petersburg, 6. Mär,. Die „Agence ruffe" bestätigt, daß General Jgnatieff mit den türkischen Delegirten etwa in 8 Tagen hier eintreffe und sodann der Austausch der Ratificationen und die Publikationen des Friedens- Vertrages stattfinde; unverzüglich erfolge alsdann (etwa um Ende März) der ' Zusammentritt des Congreffes in Berlin unter der Theilnahme der leitenden Minister tagen werde. Die Berliner und Wiener Negierung hätten hierzu bereits zugestimmt. Die Zustimmung der anderen Regierungen werde erwartet. — Fürst Gortschakoff befindet sich besser und geht nach Berlin.
Berlin, 6. März. Hinsichtlich des Entlaffungsgesuches des Ministers Camphausen meldet die „Prov.-Corr.", daß Se. Maj. der Kaiser einstweilen Anstand genommen habe, demselben Folge zu geben.
— Bezüglich des Friedensabschlusses zwischen Rußland und der Türket mx „Prov.-Corr.": das Eine sei gewiß und dürfe als unwiderruflich feststehend gelten, daß Rußlands ausgesprochenes, von der Zustimmung Europas begleitetes -streben, den Druck der türkischen Herrschaft über die christliche Bevölkerung Bulgariens zu brechen, vollständig erreicht sei. Dieses Ergebniß werde durch keine weiteren Verwicklungen von neuem in Frage gestellt werden * können. Betreffs der weiteren Bedingungen, wodurch Rußland den Ersatz für die Kriegsopfer für sich und für die Staaten, die sich seinem Kampfe anschloffen, zu sichern bestrebt gewesen, sei anscheinend manches vermieden ober vermindert
Mtifirt die Vorlage in ben Detail- und bemängelt verschiedene Bestimmungen wegen tyrer Unklarheit.
Fürst Bismarck: Ich war überrascht, welches Maß von Befürchtungen einerseits und welche Wünsche und Forderungen andererseits an diese einfache, durch die Sachlage geforderte Vorlage geknüpft werden würden. Das Ausland muß von den heutigen Debatten den Eindruck ev.psangen, als ob zwischen dem Reichstag und dem Bundesrath und im Bundesrath selbst Uneinigkeit herrsche. Ich freue mich, daß An träge auf Revision unserer jungen Verfasiung nicht gestellt worden sind, Reden über das, was ist, nicht ist ober sein könnte, ist an sich ein ziemlich unschuldiges vergnügen Was heißt es denn, wenn dauernd in der Preffe gesagt wird, unser Zustand sei unerträglich und könnte nicht so bleiben? Theoretisch sind unsere Einrichtungen vielleicht angreifbar, indessen find wir damit doch weiter gekommen, als mit Allem, was oorher- gegar gen. Geht es uns denn schlimmer, als vor einem Jahre? Können wir etwa die ruhige Entwickelung nicht vertragen? Wie ist die Vorlage entstanden. Als die Norddeutsche Bundesverfassung entstand, hatte man von der Institution des Bundeskanzlers eine ganz andere Vorstellung. Wir gewannen bald die Ueberzeugung, daß der Bundeskanzler und der preußische Ministerpräsident ein und dieselbe fein müsse. (Der Bundeskanzler entwickelt den zunehmenden Umfang der Obliegenheiten seines Amtes und fährt dann fort:) Ich war niemals im Zweifel, daß ich befugt war, mir mit Genehmigung des Kaisers einen Stellvertreter zu substitutren, auf den dann auch die Eontrasignatur und die Verantwortlichkeit überging. Z oeifel entstanden bei meiner Beurlaubung im vorigen Jahre über die Stellvertretung. Ich hielt für gerathmer, diese Zweifel zu lösen, aber ich ahnte nicht, daß dadurch so umfangreiche Dtscussionen entstehen könnten. Die Stell- vertletung des Kanzlers durch einen Vtcekanzler wird als zweifellos anerkannt Ueber die Stellvertretung in den einzelnen Ressort- läßt sich streiten, doch denke ich, daß der Reichstag auch hierüber eine Verständigung erzielen wird. Ich kann beispielsweise auf die Dauer Minister für Elsaß Lothringen nicht mehr fein, das absorbirt meine Kräfte; ich muß also dafür einen Stellvertreter ernennen dürfen. Ebenso muß der Reichst rnzler Präsi ent des preußischen Staatsmtnisteriums fein. Die Beziehungen der Reichsfinanz- Verwaltung zu den Einzelstaaten sollen verbessert werden, dies wünschen Alle. Wird sich das durch Schaffung eines Reichs-Finanzamts erreichen lassen? Möglich, daß die bisherigen nicht erwünschten Resultate der Reichsfiranzen auf die bisherigen Verwal- tungseinrichtungen zurückzuführen sind. Die ReichS-Finanzoerwaltung und die preußische Finanzverwaltung befinden stch gegenwärtig, wie zwei Locsmotioen aus demselben Geleise, unfähig, sich auszuweichen; er denke sich das künftige Verhältntß beider Verwaltungen wie das des Reichskanzlers zum Kriegsmintster. Ersterer zeichne mit diesem gewisse @rL sse gemeinsam. Dies Verhältntß habe sich sehr gut bewährt. So solle auch der künftige Schatzsecretär der Retchsfinanzen mit dem preußischen Finanrminister stehen. < Reichsfinanzen müssen vor Allem geschaffen werden. Die Matricular Beiträge reichen nicht aus. Man muß allseitig bemüht fein, den Uebelständen zu steuern und sich daran gewöhnen, keine Gegensätze zwischen Regierung und Volksvertretung zu sehen, die denn doch das gemeinsame Interesse haben. Fürst Bismarck oertheidigt die Vorlage und bemerkt: Daß der Bundesrath sie für besser halte, als die Reichsmtnisterien. Das Veto auch des beurlaubten Kanzlers, wie e5 der Paragraph 3 enthalte, sei unentbehrlich. Man möge sich doch den Kanzler wie einen Premierminister denken, der habe überall ein solches Veto, auch in England. Man möge die Vorlage mit Gründlichkeit wohlwollend prüfen, aber doch nicht wesentlich amendtren, da die Verständigung über eine Abänderung mit großer Schwierigkeit verknüpft sein würde. Es solle mit der Vorlage kein Abschluß geschaffen, sondern die Fortbildung unserer Jnitituttonen, wenn auch nicht in der Richtung der Reichsministerien, geschaffen werden. Darauf wird der Schluß der Discussion angenommen. Das Haus beschließt, die Vorlage nicht an die Commission zu verweisen. Für die Verweisung stimmen das Centrum und der Fortschritt. Schluß der heutigen Sitzung 5</j Uhr. Die nächste Sitzung findet morgen statt.
Kassel, 5. März. Nach einem beim hiesigen Stadtrathe kürzlich einze- laufenen Schreiben wird der Kaiser zur Beiwohnung der Herbstmanöoer des 11. Armee-Corps am 8. September Abends spät in Wilhelmshöhe eintreffen und im dortigen Schlosse während der ersten beiden Tage Wohnung nehmen, alsdann aber bis zum 13. desselben Monats in Kassel residiren.
Metz, 4. März. Der Ausbau der hiesigen Festung geht nach angestrengter sechsjähriger Thätigkeit der Vollendung entgegen. Die im Jahre 1872 und 1873 in Angriff genommenen Befestigungen sind längst fertig, so daß gegenwärtig größere Arbeiten nur mehr an dem an der Linie Metz-Dieden- hosen gelegenen Fort Kameke stattsinden. Auch dieses Fort wird nunmehr kurze Zeit zu seiner Vollendung erfordern. Einen vorläufigen Abschluß werden die Arbeiten durch Ausstellung von zwei Panzerthürmen erhalten, zu denen die einzelnen Bestandtheile in den letzten Tagen eingetroffen sind. Die vollständige Fertigstellung des Forts Kameke wird voraussichtlich noch im Laufe d. Js. erfolgen.
Oesterreich.
Wien, 5. März. Mehrere Journale betonen, Rußland habe Grund, sich über den Friedensabschluß zu freuen. Das übrige Europa warte gelassen auf den authentischen Text des Friedensvertrags, in dem Gefühle, daß die schwerste Krise noch zu überwinden sei. — Das „Fremdenblatt" sagt, es fehle nunmehr jeglicher Vorwand für die Verschiebung der Conferenz; jetzt müsse es stch zeigen, ob Rußlands Wort ernst gemeint sei, den Traktatmächlen das letzte Wort einzuräumen. An dem großen Resultate des Krieges, der Befreiung der Christen, denke Niemand zu rütteln; Oesterreich verlange Nichts, was den wirk- lichen Interessen anderer Mächte zuwiderlaufe. — Die „Neue Fr. Presse" ersieht auS dem Friedensvertrage, daß Rußland alle Forderungen fallen gelassen habe, welche Conflicte mit England in ihrem Schooße trügen; sie findet jedoch kein Anzeichen von einer ähnlichen Rücksicht gegen Oesterreich. — Die „Presse" fagt: Graf Andraffy wird diese Woche in den Delegationen seine Orientpolitik vollständig entwickeln.
Wien, 5. März, Abds. Ein Telegramm der „Neuen Fr. Preffe" aus Rom will von einer außerordentlichen Intimität zwischen Wien und dem Vatikan wissen find davon, daß dem Papste in Oesterreich, speciell in Tyrol ein Asyl angeboten sei. In hiesigen gut unterrichteten Kreisen wird dagegen der Inhalt dieses Telegramms als ganz willkürlich erfunden bezeichnet mit der Bemerkung, daß von der behaupteten Jnlimität nirgends etwas bekannt sei. Die Thatsacke, daß Oesterreich gleich anderen Mächten die Wahl Leo's mit Genug- thuung begrüßt habe, sei in erster Linie der hier waltenden Ueberzeugung entsprungen, daß derselbe jener gemäßigten Richtung angehöre, welche das friedliche Einvernehmen der kirchlichen und staatlichen Factoren nicht zu beeinträchtigen bestrebt sei.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'- telrgr» «orrespondenz Bureau.
. ?■ März Der Reichstag erlebißte in der heutigen Sitzung ohne Debatte
einen Bericht überJßtfitionen unb bte Prüfung ber Wahl beS Grafen Schönborn. Hienrut fo gte die Berathung über ben Antrag von Grab u. Gen.: banach soll ber r auf,eforbert werben, bahin zu wirken, baß ben Optanten ber Aufenthalt
in Elsaß-Lothringen unter ben nämlichen Bebingungen wie ben fremden StaatSange- bodgen ßeftottet merke, foroie daß bk irn Alter von 23 bis 27 Jahren stehenden, durch zur Rückkehr genöthigten Optanten nicht zum actioen Militärdienste angehalten werben, um bie elsaß-lothringische Staatsangehörigkeit zu erlangen. Die autonom stifchen Abgeordneten Elfaß-Lothringens stellien hierzu ein Amenbe- k?«? e ^*tscheidung über bte Verhältnisse ber Optanten nach gleichmäßigen RechtSgrunbfätzen in einer allen Erfordernissen ber Billigkeit für ben einzelnen Fall . entsprechenden Weise erfolgen unb nötigenfalls hierüber eine Gesetzvorlage gemacht 1 werben soll. Grab begrünbete ben ersterwähnten Antrag, Nessel bas Amenbement. h
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