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Mo. 33

Freitug, den 8. Februar

1878,

Kichener Wrzeiger

AUl-k- iti Aiiiisd!«tt für iti Kreis Gießen

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

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Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

das Christenthum gegründet, bie Liebe Christi. 'Sie können viele Resolu- tlonen machen; dies Christenthum der Liebe bleibt doch Wahrheit."

Und wenn dies Christenthum der werkthätigen Liebe die Gotteslehre ist, welche dem Volke wieder in lauterer und reiner Form gepredigt wird, wenn sie abstreift den hochmüthigen Pfaffensinn utft das wilde Gezänk um Dogmen und unverstandene Formeln, dann werden die Lehrer der Kirche ihren Antheil mit genießen an der Erhebung unserer Volksmaffen aus dem Sumpf social- demokratischer Verworfenheit. Und es wird schwinden der Hohn und der ^Lpott gegen diePfaffen", wenn die protestantische Geistlichkeit weitere Kämpfer der Liebe entsendet, wie den Hosprediger Stöcker.

*DerCentralverein für Socialreforur" und Hof­prediger Stöcker.

Redaetionsbrrreaur Garten st raße B. 165.

Expeditiorrsbureanr Schulstraße B. 18.

Es folgt nunmehr die fortgesetzte zweite Berathung des Ausführunasae- setzes zum Genchtsverfaffungsgesetze. Die Berathung des § 14 wird auf M- quels Antrag bis zur definitiven Erklärung der Regierung darüber ausgesetzt, ob das Gesetz überhaupt noch in dieser Session zu Stande kommen solle. Die SS 15 bis 22 und 24 und 27 werden nach den Commissionsanträgen, § 23 intt einem unwesentlichen Amendement Windthorst's (Meppen) genehmigt. Zu S 28 wird der Antrag Dirichlet und Schnakenburg betr. die Gewährung von Diäten an Schöffen und Vertrauensmänner fast einstimmig abgelehnt, nachdem der Justizminister sich dagegen ausgesprochen hatte.

Die folgenden Paragraphen bis 41 werden nach den Anträgen der Com­mission angenommen. Eine längere Debatte findet über § 42 (Competenz des Oberlandesgertchts Berlin), den die Commission zu streichen beantragt, statt. Abg. Krech beantragt Wiederherstellung der Regierungsvorlage. Bei der Debatte über diesen Antrag hebt Miquel unter lebhaftem Beifall hervor, wie wenig Preußen bei der Justizorgantsation seine partikularen Jntereffen wahrgenommen habe. Mittelst Hammelsprungs wird der Krech'sche Antrag mit 141 gegen 141 Stimmen abgelebnt, worauf Vertagung der Berathung eintritt.

Der Präsident will eine Abendsitzung anberaumen. Wtndthorst (Meppen) fragt, ob der Präsident eine Mittheilung der Regierung über den Schluß der Session erhalten habe. Der Präsident verneint. Windthorst beantragt, unter diesen Umständen von der Abendsitzung abzusehen. Hänel beantragt, eine Er­klärung von der Regierung zu fordern. Lasker, Rauchhaupt und Aegtdi sprechen sich für eine Abendsltzung aus. Das Haus beschließt eine solche um 7i/2 Uhr

Hesterreich.

Wien. Man schreibt derPoltt. Corresp." aus Konstantinopel: Höchst interessant ist eine Aeußerung, die Prinz Reuß auf die auf einer Sotrse beim Botschafter Layard an ihn gerichtete Anfrage eines Collegen gethan haben soll. Befragt, ob er sich darauf gefaßt mache, die Ruffen hier zu sehen, soll Prinz Reuß gesagt haben, daß dies wohl der Fall sei; denn wenn sie nicht als Feinde kommen, werden sie als Freunde kommen. Und in der That, wenn Prinz Reuß, wie positiv versichert wird, sich so geäußert hätte, so würde er damit wohl das Nichtige an gedeutet haben. Die Ruffen werden, wenn der türkische Widerstand fortgesetzt wird, als Feinde hierher kommen, sie werden, wenn der Friede geschloffen wird, als Freunde hier einrücken, um sich im Bosporus zur Rückkehr nach Rußland einzuschiffen. Die russischen Militär-Autoritäten haben, unabhängig von der eventuellen Befriedigung ihrer Eigenliebe, sanitäre Gründe, um den Einmarsch in Konstantinopel der Pforte als Bedingung aufzuerlegen. Wozu sollten die Russen von Adrianopel den Rückweg über den Balkan, Bulgarien und Rumänien nach Rußland nehmen, wenn eS so einfach und naheliegend ist, sich auf der kürzesten Route nach Odessa einzuschiffen. Wie die Dinge heute

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Deutschland.

Berlin, 5. Februar. Abgeordnetenhaus. Dritte Lesung des Gesetz­entwurfs betr. Executtonsbefugniffe der Commiffarten für bischöfliche Vermögens- Verwaltungen. Schorlemer-Alst spricht gegen den Entwurf, der auch nach den in zweiter Lesung beschloffenen Berbefferungsanträgen Miquels und Laskers nicht zureichende Garantien biete. Nachdem in der Generaldtscussion noch Zedlitz für, Stablewski gegen den Entwurf gesprochen und Ministertal-Director Förster einige Behauptungen Schorlemers richtig gestellt hatte, trat das Haus in die ^-pecialberathung ein. Windthorst (Meppen) und Reichensperger sprachen gegen, Lasker für den Entwurf, der schließlich in der Fassung der zweiten Lesung ge­nehmigt wird. « v v

kiste.

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Einöde, 1 ß-x

^baum.

... Wir begegnen hier und da in liberalen Zeitungen Ausdrücken der Befrie­digung darüber, daß der von den Pastoren Todt und Stöcker in Berlin ge­gründeteCentralverein für Socialreform" auf dem besten Wege sei, Klägliches F«asco" zu machen. Es geht uns mit den Bestrebungen dieses Vereins für Socialreform genau wie den Profefforen Adolph Wagener und v. Scheel welche sich demselben nicht angeschloffen haben, weil sie glauben, daß die Monarchie der Stütze eines solchen Vereins nickt bedarf und daß weder die protestantische Geistlichkeit noch die Kirche im Stande ist, in die sociale Bewe­gung mit dauerndem Erfolg einzugreifen. Aber es ist doch noch ein weiter Lveg von diesem Nichtanschlteßen an die Bestrebungen des Vereins bis zur Be- mtheilung und Wegräumung derselben mit Hohn und Spott.

Man braucht weder Pietist noch Orthodoxer zu sein, um mit Scham und Trauer auf die furchtbaren Verwüstungen hinzublicken, welche die fortgesetzten wilden Angriffe der social-demokratischen Agitatoren gegen das Christentbum der Seele unseres Volkes zusügen. Tausende und aber Tausende unserer Arbet ter glauben ihren Geist tagtäglich an der Prosa und der Poesie von Leuten erheben zu muffen, die versunken in der allergemeinsten materialistischen Richtung ^^,.d°«^bewußtsein in ber Menschenbrust leugnen. Ein großer Theil unseres Volkes ist aus bem besten Wege, htnabzustnken auf ben Stanb des blöben Viehs. Unb bas innerhalb einer Nation, bie bem Christenthum, ber Lehre ber Liebe, mit einem so gläubigen, innigen Gemüthe entgegengekommen ist, wie keine an- bere. Wahrlich, wenn auch bie Lehrer unserer Religion nicht in ber Lage sein werben, mit bauernbem Erfolg in bie sociale Bewegung einzugreifen bas 'I °er Gesetzgebung unb ber Macht ber im Staate repräsentirten Gesell- schaft ihr Beruf unb ihre Pflicht ist es, wo es auch sei, sich ben Volksverfüh- rein unb Agitatoren welche unser Volk verpesten, entgegenzustellen mit ihrem Glauben, ihrem Wiffen unb ihrer Liebe.

Wir glauben bemnach nicht, baß bie Leiter desCentralvereins für L-octalreform mit ihrem aus einem gewisten unpraktischen Sinn für bie Be- burfmsse bes Lebens geschöpften weitschichtigen Programm für sociale Reformen »esonbere Erfolge haben werben. Wohl aber haben sie schon Erfolge nicht geringer Art errungen burch ihr energisches unb begeistertes Auftreten für bas, was ihnen heilig, was ihnen bie Wahrheit ist. Nur eine gewisse Sorte seichter Schwätzer kann es leugnen, welch' hoher sittlicher, bem ernsten Drängen bes Gewissens entsprungener Muth bazu gehört, in wüster unb lärmenber Volks-

ft "vH dazu inmitten ber in ihren untersten Schichten unenblich rohen Bevölkerung ber Reichshauptstabt, sein Panier bet Wahrheit zu entfalten, »k.Ik^./si?»7^er Stöcker schon zu mehreren Malen gethan. Der zurück k 8 Spottes übet bieses mannhafte Auftreten fliegt ba auf ben Schützen

und

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bie S-b^rfen h ? em1tr=atauf gehofft, daß, wie aus ben Kreisen ber Gelehrten ttaft8. de b,rf,in@Ci.a,-fien' m,ä Reihen ber Gewerbetreibenden bie Wirth- (751 1 IdüiiÄ atxPft ttotbtn stt'd, so auch aus ben Reihen ber Män- i. M ?uRhSn?' Leiste die Kämpfer erstehen würben, welche bie

ba«9 vetfübrte sn» .V 8e^IC, der Liebe unb ber Versöhnung zurückweisen unb haben »umeilen iw.2 beß Christenthums zurückführen würben. Wir ifdier Angesichts ber lieblosen Bekämpfung bogma-

er«StöckerfinF,n 'a^en. Das Auftreten bes Hofprebi- KK'LÜÄKt'ijen'T°n"treffen'°"btt"^chw°h"mag'er"n°ch^nich "ü?allen °Fäll1n d!n^ch-

,. tÄ Ä'L K.ÄÄ - "«- 10- Hosprediger Stöcker hat in seiner letzten Rede Worte aesaat die kilick in ; E eine gute Saite anklingen lassen wer-

< oen Vorwurf. brtfi hfiti CaU a nnn rx.V ." zw< «.

yuve, erwioerte er : -'V .«nteflWl« K("I'gen Gefängnißort. Auf ' ' «ÄÄ..S »*«-!>.«- N**>. verlo flentö J hannisstift, eine Stätte für verwahrloste Kinder. Alle diese Anstalten

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Betreffend: Das Ersatzgeschäft für 1878, Gießen, am 1. Februar 1878.

Das Großherzogliche Kmsamt Gießen

c M an die Großher^oqlichen Bürgermeistereien des Kreises.

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__________ Dr. Boekmann.

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