Ausgabe 
8.1.1878
 
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Großfürst Nikolaus

seine Pflicht gethan habe, auch unterbreitet würden, damit von Christen in Berathung gezogen Durchführung der Reformen.

Konstantinopel, 4.

Sitzung der Deputirtenkammer

beschließen: Das Ministerium habe militärisch und politisch nicht seine Pflicht gethan. Am Sonntag fanden in den griechischen Kirchen abermals Demon­strationen gegen den Patriarchen und den Militärdienst der Christen statt.

Telegraphische Depeschen. Wagner'S telegr» Eorrespondcnz-Bureau.

Konstantinopel, 5. Januar. DieAgence Havas" meldet: Die Rusten besetzten, ohne Widerstand zu finden, Sofia.

Italien.

Florenz, 5. Januar. General Lamarmora ist heute Vormittag 9i/2 Uhr gestorben.

Hanau, die Gewerbekammern in Leipzig und Hamburg, der Vereln zur Wah­rung der wirthschastlichen Interessen für Rheinland und Westfalen entgegen- . gekommen. Es ist Hoffnung vorhanden, daß auch diejenigen Handelskammern und Corporationen, welche ihre Theilnahme noch nicht angekündtgt haben, die Versammlung beschicken werden, um deren Beschlüste zu einem Gemeingut unse­res Gesammt-Handelsstandes zu machen, der das Bedürfniß einer Reform des deutschen Credltwesens längst als dringend anerkannt hat.

München, 4. Januar. In der heutigen Sitzung der Abgeordneten­kammer wurde der Gesetz Entwurf, betr. die provisorische Steuererhebung pro 1878 gegen die einzige Stimme des Abg. Twer v. Hafenbrädl angenommen. ' Bei der vorhergegangenen Debatte sprach sich Völk mißbilligend über das lang­same Arbeiten aus; die Hoffnung des Finanzministers, das Budget werde bis zum 31. März fertig sein, sei durchaus sanguinisch. Schels stimmte den Aus­führungen Völk's bei und schob die Verschleppung dem Staatsministerium zur Last, das aus keine Partei in der Kammer rechnen könne. Xaver v. Hasenbradl äußerte: Er glaube mehr Berechtigung zu haben, aus dem oppositionellen Standpunkt zu beharren, als die Oppositionspartei, von der m der letzten Zeu manches gethan sei, was das Volk tief verletzen müffe. Der Beschluß der Kammer der Reichsräthe bezüglich der Petition des unterfrankischen Forstschutz­personals wurde aus Antrag Frankenburger's an die Petitions-Commission ge­wiesen. Nächste Sitzung Dienstag.

Frankreich.

Paris, 5. Januar. Die Nachricht, daß General Borel das Kriegs Portefeuille abgeben wolle, wird als unbegründet bezeichnet und hinzugefügt, daß der General mit seinen Collegen über alle Fragen, welche das Cabinet bisher erörtert habe, vollkommen unverstanden sei.

England.

London, 5. Januar. DerStandard" bestätigt, daß die Regierung Rußland ersucht hat, seine Friedensbedingungen zu nennen, und fügt hinzu, wenn Rußland dem Gesuche mit der Behauptung, der Frieden zwischen ihm und der Pforte sei nicht Sache Englands, ausweichen und zur weiteren Nie­derwerfung der Türkei den Krieg fortsetzen sollte, so würde die englische Regie­rung antworten, sie könne weder den völligen Sturz der Türkei, noch einen Separatfrieden dulden.

Bukarest, 5. Januar. DerRomanul" erfährt, daß die Russen ^>ofia genommen haben. Details fehlen.

Petersburg, 5. Januar. DerAgence Ruffe" zufolge liegt keine officielle Bestätigung der Meldung auswärtiger Blätter vor, nach welcher die Pforte den deutschen Botschafter, Prinzen Reuß, ersucht habe, ihre Friedensbe­dingungen der russischen Regierung milzutheilen. DieAgence Rüste" wendet ich gegen die Behauptung der englischen ministeriellen Blätter, daß es Rußland zwar zustände, direct mit der Pforte einen Waffenstillstand, nicht aber den Frie­den abzuschließen und hebt hervor, ein Waffenstillstand sei niemals möglich ohne vorherige Friedenspräliminarien. Die Türkei habe aus gleichem Grunde den Abschluß des Waffenstillstandes mit Serbien und Montenegro verweigert. Ruß­land werde sich nicht von diesem Grundsätze der gemeinsamen Rechte entfernen.

Wien, 5. Januar, Abends. DiePreffe" meldet: Die Pforte hatte anläßlich des serbischen Krieges die Anordnung betreffs Einstellung der Donau- schlfffahrt auch auf die Strecke z vischen der Timok-Mündunz und Orsowa aus­gedehnt. Auf die Vorstellungen Oesterreichs-Ungarns wurde jedoch nachträglich Den österreichisch - ungarischen Schiffen das Recht der freien Schifffahrt wie­dergegeben.

Brüssel, 5. Jrnuar, Abends. Gegenüber den aus Konstantinopel ver­breiteten Mittheilungen, daß die Pforte bereit sei, wenn nöthig, zum Schaden Europas ihren Frieden mit Rußlan) zu machen und auf diese Weise sich vor- theilhast aus der gegenwärtigen Krisis ziehen zu können hoffe, hebt das Journal Nord" hervor, daß es vor Allem die im Jutereffe Europas liegende Frage der Emancipation der Rajahs fei, welche die Pforte am stärksten berühre, und daß gerade über diese Frage Rußland sich am wenigsten in Transactionen ein-

Wußlarrd.

Petersburg, 4. Januar. In einem Artikel desJournal de St. Petersbourg" wird zunächst constatirt, daß von der englischen Preffe mit Einer Ausnahme die friedliche, versöhnliche Tendenz der russischen Antwort auf die englische Anfrage anerkannt werde; dann heißt es weiter: Rußland konnte selbst im Interesse des Friedens nur jede Intervention ablehnen und zu ver­stehen geben, daß der Friede unter den Kriegführenden selbst discutirt werden muffe. Anknüpfend an die Bemerkung desPesther Lloyd", daß Englands seine eigenen Interessen vertrete, erinnert dasJournal de St. Petersbourg" an Die zwei Punkte, welche Lord Derby als Englands Jutereffen berührende be­zeichnet: den Suez Canal und die Besetzung Konstantinopels. Der erste stehe außer Frage; der zweite könne nicht in Frage kommen, wenn jetzt Friedens- Verhandlungen stattfänden. Nur die Verzögerung der Verhandlungen könne eine Annäherung der Truppen an Konstantinopel ermöglichen und eine Even­tualität in Aussicht stellen, die man vermeiden möchte. Es seien noch andere die englischen Interessen berührende Punkte vorhanden; dieselben müßten jedoch als solche von geringerer Bedeutung angesehen werden, und eine offene loyale Auseinandersetzung zwischen den Regierungen eine Verständigung darüber her­beiführen, ohne etwa eingeleitete Verhandlungen zu stören.

Petersburg, 5. Januar. DasJournal de St. Petersbourg" hebt den Widerspruch zwischen der Rede des Colonien-Ministers Carnarvon und den gestrigen heftigen Erklärungen desStandard" hervor und fügt hinzu, die besonderen neuen Interessen, wovon das Blatt spreche, seien noch immer.nidjt definirt. Es sei doch wünschenswerth, dieselben kennen zu lernen. Bezüglich der Nachricht derMorning Post", daß England beschlossen habe, die russische Regierung über die Bedingungen zu befragen, unter welchen die russischen Com- rnandanten der Pforte den Waffenstillstand bewilligen könnten, erklären mehrere hiesige Blätter, diese Einmischung würde nur ein Vorwand sein, um das eng­lische Publikum gegen Rußland aufzureizen, da Rußland dieselbe abweisen müffe.

Türkei.

Konstantinopel, 4. Januar. Die Deputirtenkammer hat den vor­gelegten Entwurf einer Adreffe angenommen. Derselbe enthält außer dem bereits mitgctheilten Paffus, daß das Ministerium militärisch und politisch nicht ' den Ausdruck der Erwartung, daß Vorlagen

tereffen berührt. r ,, f< .

Wien, 6 Januar. Das hiesigeTelegr. Corresv.-Bureau" meldet aus Konstantinopel vom 5. d.: Der Gcoßvezir Edhem Pascha hat seine Entlastung gegeben, die aber noch nicht angenommen ist. Mahmud Damat Pascha gab ebenfalls seine Demission; derselbe verlangte, persönlich in der Kammer auf die gegen ihn gerichteten Angriffe antworten zu dürfen.

Petersburg, 5. Januar, Abends. (Amtlich)

meldet an den Kaiser: Am 3. nach einem unbedeutenden Scharmützel bei dem Dorf Wcatschdewna nahmen die Ruffen Sofia ein; der dabei erlittene Verlust belief sich aus nur 24 Mann.

Rom, 6. Januar. Morgen findet das Leichenbegänzniß des Generals Lamarmora statt; der Leichnam wird nach Biella übergeführt.

Konstantinopel, 6. Januar. In der Deputirtenkammer erfahrt die Regierung, namentlich die Militärverwaltung, fortdauernd die entschiedensten Angriffe.' Die beantragte Bewilligung eines außerordentlichen Credttes von 50 Millionen Piaster gab zu sehr lebhaften Discussionen Veranlastung.

Bradford, 6. Januar. In einer Ansprache an seine hiesigen Wähler äußerte sich der liberale Unterhaus -Deputirte Forster folgendermaßen: Er zweifle noch an den Kriegsabsichten, welche man der Regierung beimesse. Er könne eine Vermittlung im Sinne Carnarvon's nur billigen; dagegen könne er nur tadeln, daß man die Türkei in der Hoffnung auf britische Hülfe bestärkte. Die Politik Derby's und Carnarvon's sei zu unterstützen, und wenn der Pre­mierminister mit derselben nicht einverstanden sei, so müffe an das Volk appel- lirt werden. Der Krieg sei nur zulässig, wenn es sich um die legitimen In­teressen Englands handle, andernfalls aber ein großes Verbrechen. Er (Forster) sei überzeugt, daß das Parlament dem Ansinnen eines Krieges widerstehen werde. Er seinerseits würde ein solches Ansinnen mit allen constitntionellen Mitteln bekämpfen. Was die Frrzrn bezüglich Konstantinopels und dec Dar­danellen angehe, so würden hierbei europäische, nicht ausschließlich englische Jn-

Darmftabt, 29. D c. (Bericht des Finanzausschusses zweiter Kammer über die Gesetzvorlage wegen Besteuerung der Händler im Umherzieyen mit vorüber- emätttat, bie gemalten Ausführungen Großh. Ministerium der Finanzen mitzutheilen, welches in einer Zu» Wr,ft Berichts über bie Regierungs­

vorlage, die Besteuerung der Händler tm Umderziehen mH vorübergehenden VerkausS- nteberlag-n betreffend, glaubt der erste Ausschuß zweiter Rammen baß eine Regelung des Gegenstandes aus dem im Königreich Preußen gewählten Wege der Besteuerung der betreffenden Industriellen als Haustrer vor dem von der Großh. Regierung vor- geschio^enenEdeNoVo^ug^verd^e^^ guf Entscheidung be» königlich preußischen Oderirwunals, wodurch der sragliche Gewerbsbetrieb ,ür Hausirhnndel erklärt wird, Bezug genommen, sodann die rya,fache hervorgehoden daß der preußische^«-st°ueruvgs- Modus Nils nahezu zwei Drittel der Bevölkerung des Deutschen Reiches Anwendung finde und sind endlich im Hinblick auf die Ausführung der Besteuerung nach Maßgabe der Regierungsvorlage einige Bedenken geltend gemacht. Der Ausschuß erblickt mimM, gegenüber der Freiheit, welche der Haustrer nach einmaliger Entrichtung der Staats 'teuer in Ausübung seines Gewerbsbetriebs genießt, in der Vorschnf: derElnmeldu A bei dem Besuche der Orte, wo das Wanderlager eröffnet werden soll und der Elnholu. g von Gewerbspatenten (ür je eine Woche eine Erschwerung des^^rbsbetriebs, be lästigcnd für den Gewecbtreibenden, welcher fortwährenden Bexationen ausgesetzt iei und zugleich für die Steuerbehörde, welcher eine Quelle von Unannehmlichkeiten daraus erwachse.^dl^ch ber Ausschuß die Besorgnitz, daß das in Aussicht genommene Ver­fahren die Umgehung der Steuer durch vorgebliche Errichtung eines gehenden Lade - dcmnächftige Einstellung des Betriebs mit Entfernung in benachbartes Bundesgebiet und darauffolgende Wiedereröffmrng des Geschäfts an einem anderen Orte des G B qerSO0^rS"ur^eÄ6be^eat«ung sind alle diese Punkte »»r *ung Gesetzesvorlage einer eingehenden Erwägung unterzogen ^iden, welche ich z Resultate geführt hat, daß es si-b am meisten empfehle, bie «Querung der Wander lager nach dem Vorgänge in Württemberg und Baden -inzusühren. Bet erneuerte Erwägung haben wir uns in dieser Ansicht nur bestärkt ^uden könne .

Dn in Preußen bestehende Modus der Besteuerung würde der Einführung tm

London, 5. Januar. WieReuter's Bureau" meldet, ist in unter­richteten Kreisen über die auswärts verbreitete Nachricht, wonach der Rücktritt des Colonienministers, Earl of Carnarvon, und des Ministers für Indien, Marquis of Salisbury, demnächst bevorstände, durchaus nichts bekannt, was einer solchen Nachricht irgend welchen Anhalt geben könnte.

London, 6. Januar. DerObseroer" glaubt, Frankreich habe vor Kurzem angefragt, ob England irgend welche Action in Egypten beabsichtige; England habe darauf verneinende Versicherungen gegeben.

Berlin, 6. Januar. Die von derPolit. Corresp. und anderen Blättern gebrachte Nachricht, daß die Pforte den deutschen Botschafter in Kon­stantinopel , Prinzen Reuß, ersucht habe, die Friedensbedingungen, auf welche sie eventuell eingehen würde, der russischen Regierung mitzutheilen, ist ganz

der Kammer die Frage des Militärdienstes der werde, und legt ferner Nachdruck auf sofortige Januar. In der am Montag stattgehabten griff ein mohamedanischer Deputirter anläßlich der Wegnahme eines türkischen Dampfers durch ein russisches Schiff lebhaft die Marineverwaltung an, indem er darauf hinwies, daß die türkische Flotte enorme Summen gekostet habe und doch von gar keinem Nutzen gewesen sei. Die Kammer beschloß darauf (wie bereits gemeldet), den Marineminister um Aufklärungen zu ersuchen. Auf Antrag eines anderen rnoharnedanischen Depu- tirten wurde beschlossen, vorn Ministerium Rechenschaft wegen der Einmischung in die Leistung der militärischen Operationen zu fordern. Heute soll die Kam­mer über den ein Mißtrauensvotum enthaltenden Paffus des Adreß-Entwurfs