London, 5. Juli. Die „Times" glaubt als wahrscheinlich bezeichnen zu dürfen, daß Datum Rußland zugesprochen werde unter der Bedingung, diesen Platz nie zu befestigen.
Berlin, 5 Juli. Nach Schluß des Congresies wird in nächster Woche am Mittwoch oder Donnerstag zu Ehren der Congreßdelegirten ein größeres Diner im Weißen Saale des königlichen Schlosses stattfinden. Für den folgenden Tag ist eine Fahrt nach Potsdam und Sanssouci, eine Fahrt auf der Havel und eine größere Festlichkeit bei dem kronprinzlichen Paar in Aussicht
genommen.
Berlin, 5. Juli. Die heutige Congreßsitzung beginnt um 3 Uhr. Vorher haben Vorberathungen stattgefunden. Heute wird sich das Plenum des Congresies mit der griechischen Angelegenheit beschäftigen, ohne daß die griechischen Vertreter anwesend sind. Die griechischen Wünsche finden vorzugsweise bei Frankreich und Italien warme Sympathieen- England hält sich mehr zu» rück. Im Ganzen tritt Niemand gegen die griechischen Wünsche auf, als die Pforte. Doch ist es schwer für die europäischen Mächte, über den Punkt der autonomen Gestaltung htnauszugehen. Die hierher telegraphirte Mittheilung Der „Times", wonach Karatheodori Pascha gestern erklärt hätte, er sei auf Grund eingegrngener Instructionen nunmehr in der Lage, die Occupation Bosniens und der Herzegowina im Princip zu acceptiren, ist dahin, zu berichtigen, daß die türkischen Vertreter nur erklärt haben, die Pforte wünsche in dieser Frage direct mit Oesterreich in Verhandlung zu treten. Ebenso unbegründet ist die von Wien verbreitete Nachricht, der türkische Botschafter in Wien sei bereits angewiesen, bei Ueberschreitung der Grenze durch die Oesterreicher die diplomatischen Beziehungen abzubrechen und Wien zu verlasien. — Ueber die nächste Woche hinaus dürfte derCongreß nicht währen, vielmehr ungefähr Donnerstag, wie man vernimmt, seine Endschaft erreichen. Die schwierig; Frage, Batum betr., wird gegenwärtig in Vorberathungen debattirt. Man hofft einen
Aeutschland.
Darmstadt, 4. Juli. Die Kriegervereine sind diesmal in Anbetracht der außerordentlichen Verhältnisie auch in die Wahlbewegung eingetreten, wenigstens der Deutsche Kriegerbund mit seinen 730 Vereinen und 65,000 Mitgliedern. Der Bundes-Vorstand hat an die dem Bunde angehorigen Ver- «lne einen Aufruf erlasien, in dem er im Allgemeinen den Mitgliedern des Bundes an's Herz legt: „Seien wir alle Mann — nicht Einer fehle am Wahltage auch auf unserem Platze- Eure Sorge, Eure Pflicht ist es, Kameraden, die ihr mit dem Vorsitz betraut seid, an der Wahlurne mit allen Euren br wen Mitgliedern zu erscheinen. Unsere Loosung aber sei an diesem Tage. Kein Vaterlandsfeind darf gewählt werden! Unsere Stimme erhält nyt ein Mann, dessen Liebe zu Thron und Vaterland unzweifelhaft feststeht! Aus den Motiven des Aufrufes geht hervor, daß sich die Spitze desselben gegen die Sxialdemokratie kehrt.g
Telegraphische Depeschen.
Wagner'- telegr. «orrespondenz-Bureau.
Berlin, 5. Juli. Die heutige (13.) Congreßsitzung schloß kurz vor 51/2 Uhr. Die Congreßdelegirten sind heute zum Diner bet Fürst Bismarck eingeladen. .
— Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Gegenüber den verschiedenen in der Presie auftauchenden Lesarten über den Stand der Dinge bezüglich der künftigen Haltung und Stellung des Herzogs von Cumberland kann versichert werden, daß bisher von keiner Seite ein amtlicher Schritt in dieser Angelegenheit unternommen wurde. Alle darüber umlaufenden Mittheilungen beruhen lediglich auf Muthmaßungen und Erfindungen.
Konstantinopel, 5. Juli. Das Journal „Vakit" äußert sich am Schluß eines Artikels, überschrieben: „Unsere Zukunft", folgendermaßen: Für uns Türken ist Rumelien die Vergangenheit, Anatolien die Zukunft.
Nom, 5. Juli. Die Regierung hat betreffs der Vorfälle in Venedig eine Untersuchung etngeleitet; demzufolge sind noch keinerlei Maßregeln bezüglich des Präfekten und der Polizeibehörden ergriffen worden.
Pari-, 5. Juli. Die abenteuerliche Nachricht des „Gaulois", daß die preußische Regierung einen marokkanischen Hasen erworben habe, entbehrt selbstverständlich jeder Begründung.
Petersburg, 5. Juli. Die von Berlin eingegangenen Nachrichten über die veränderte Stellung Englands zu der Frage, betr. Batum, erregen die öffentliche Meinung und die Presie. Ein allzugeharnischter Artikel des Journals „Rusi. Welt" hat demselben eine Repressivmaßregel zugezogen, indem ihm der Einzelverkauf aus der Straße untersagt wurde.
Berlin, 5. Juli. Bulletin von 10 Uhr Vorm. Der günstige Zu- stand im Befinden Sr. Maj. des Kaisers dauert an.
(Unterz.) v. Lauer, v. Langenbeck. Wilms.
Berlin, 5. Juli. Rußland tritt mit seinen Geldansprüchen, soweit dieielben nickt ausdrücklich durch Territorialabtretungen gedeckt sind, hinter diejenigen Gläubiger der Türkei zurück, welche hypothecirte Rechte haben.
München, 5. Juli. Seitens der reichstreuen Wähler wird als Reichstagsabgeordneter für den Wahlkreis München II Staatsrath v. Schloer in Vorschlag gebracht.
Oesterreich.
Wien, 4. Juli. Die „Polit. Corresp." läßt sich aus Berlin vom Heutigen melden: Die Kriegsentschädigungs-Frage ist derart geordntt, daß keine türkische Hypothek angetastet, auch die Kriegsentschädigung in keine Gebietsabtretung umgewandelt wird. Die Donauschifffahrts-Fragen sind tm Wesentlichen erledigt. Die Schwierigkeiten bezüglich der griechischen Frage sind groß, und ist kaum eine solche Erledigung zu erwarten, daß mit Sicherheit aus Anbahnung dauernder friedlicher Verhältnisie zwischen der Türkei und Griechenland gerechnet werden könnte. Die englisch-russischen Differenzen wegen Batums sind so ernst, daß Bismarck die Lösung dieser Frage späteren directen russi ch-
englischen Verhandlungen Vorbehalten wisien will. Falls diese Ansicht nicht durchdringt, könnte die Frage wegen Batums die Dimensionen eines Confl ctes annehmen. Die neuen Instructionen der türkischen Delegrrten in der bosnischen Occupations-Frage sind nicht darnach angethan, diese Frage zu vereinfachen. Der Congreß acceptirt die Bedingungen der Pforte nicht und ist dadurch gezwungen, von der Zustimmung derselben abzusehen.
der Tabaksteuer stimmen, jedoch immer nur in derjenigen Form, welche die Privatindustrie und Production am wenigsten belästigt mit absolutem Ausschluß ves Monopols und der Fabrikatsteuer. (Großer Beifall.)
Die Zoll- und Handelspolitik des deutschen Rcrches muß meines Erachtens darauf gerichtet fein, unter Festhaltung der seit Gründung veö Zollvereins stetig beobachteten unv bewährten Gesichtspunkte Cie thatsächlichen Interessen und Bedürfnisse des gesummten nationalen Verkehrs, der Production, des Handels unv der Consumtion Ml wahren. Die Zolltarife werden zu regeln sein nach dem Maße der zunehmenden Erstarkung der deutschen Gewerbthatigkert auf Grund von Gegenseitigkeitsoerträgen mit Staaten, imt welchen das Reich Handelsverträge abschließt und auf Grund autonomer Tarife mit Staaten, mit welchen das Reich in kein solches Vertrags-Ver-
hältniß tritt." , f f
Dies Programm hatte vollständigen, durchschlagenden Erfolg. Nachdem der Redner noch Mittheilungen über den letzten Reichstag qemacht und einige kurze Anfragen befriedigend beantwortet hatte, beschloß die Versammlung mit allen gegen eine verschwindende Zahl von Stimmen die endgiltige Aufstellung des Herrn v. Rabenau als Reichstagscandidaten der Wählerschaft unserer Stadt. Unter dreifachem stürmischen Hoch auf Kaiser Wilhelm ging die Versammlung auseinander. Die ganze Verhandlung hatte 3/4 Stunde gedauert.
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REVALESCIERE von London.
«eit 31 Jahren hat keine Krankheit dieser angenehmen «esundheit«- sveise widerstanvcn und b-wihrt sich dieselbe bei Erwachsenen und Kmdern -chn- M-dic ■ und ohne Kosten bei allen Magen-, Nerven-, Brust-, Lungen-, Leber-, Driam-, Echleimhau Athem-, Blasen- und Nierenleiden, Tuberkulose, Schwindsucht, Asthma, Husten, Unrerdauliä-cit, Verstopfung, Diarrhöen, Schlaflosigkeit, Schwäche, Hämorrhoiden, Waffsrsucht, Riebet, Schwindel, Blutaufsteigen, Ohrenbrausen, Uebelkett und Erbrechen selbst während der Schwangerschaft, Diabetes, Melancholie, Abmagerung, Rheumatismus, Gicht, Bleichsucht; auch ist sie als Nahrung für Säuglinge schon von der Geburt an selbst der Ammenmtlch vorzuziehcn. — Ein Auszug auS 80 000 Certificaten über Genesungen, die aller Medicin widerstanden, worunter Certificale von Professor Dr. Wurzer, Medicinalrath Dr. Angelstein, Dr. Sboreland, vx. Campbell, y-o-- fessor vr. D6dä, Dr. Ure, Gräfin Castlestuart, Marquise de BrLhan, und vielen anderen hoch» gestellten Personen, wird franco auf Verlangen eingesandt.
Abgekürzter Auszug au« 80,000 Eertific-te«.
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— Die rumänischen Minister Bratiano und Cogalniceano sind heute Nachmittag von hier abgeretst.
Berlin, 6. Juli. Se. Maj. der Kaiser haben während der Nacht anhaltend ruhig geschlafen.
Wien, 5. Juli, Abends. Der Schah von Persien ist heute Nachmittag 41/2 Uhr hier angekommen, am Bahnhofe vom Kaiser begrüßt worden und in ter Hofburg abgestiegen. Morgen und Dienstag finden zu Ehren des Schah Galadiners statt. ,
Rom, 5. Juli. In der Kammer sind Interpellationen angekundigt betreffs der Haltung der Regierung auf dem Congreß und hinsichtlich der Gebietsveränderungen im Orient.
London, 5. Juli. Die Truppen-Transportschiffe „Himalaya', „Oron- tes" und „Tamar" sind bereits unterwegs nach Malta; nunmehr erhielt auch das zu gleichem Zweck bestimmte Schiff „Simoom" Befehl, am 10. Juli nach Malta aufzubrechen.
Vermischte-.
Aus Nassau, 2. Juli. Eine der verderblichsten Pflanzen auf dem moralischen und socialen Felde ist die Denunctation. Sie gedeiht namentlich in Zeiten politischer Krisen. Wenn ein politischer Umschlag, sei es nach rechts oder nach links, errontd wird, giebt es stets auch feile Seelen, welche durch das Mittel der Denunctation entweder sich selbst heben, oder anderen in boshafter Weise schaden wollen. Letzteres geschieht namentlich durch anonyme Zuschriften. Schreiber dieses, der Schultnspector ist, muß bekennen, daß es einen moralischen Ekel in ihm erregt, wenn er der anony men Zuschriften gedenkt, mit welchen er den seiner Aufsicht unterstellten Lehrern gegenüber heimgesucht wird. Das ist eine giftige Pest, gegen welche Eonseroattoe wie Liberale mit gleichem Abscheu kämpfen müssen. . -------------------


