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stützten, um ihre schuldbeladenen Gewissen zu erleichtern. In einem der Stühle saß, den grünen Vorhang halb vorgezogen, ein Geistlicher, der den Gläubigen besonders eifrig mit der Hand winkte, just ihm ihr frommes Vertrauen zu schenken. Ein acht zehnjähriges Bauernmädchen trat denn auch in den Beichtstuhl und sagte unter großer Zerknirschung ihr Sündenregister her. Wie wurde aber der jungen und reuigen Sünderin zu Muthe, als der Geistliche ihr nun, anstatt salbungsvoll die Absolution zu sprechen, durch das Gitter ein Stück Zuckerwerk in den Mund steckte, sich gleichzeitig eine Eigarre anzündete und das Mädchen jovial fragte, wobin es Nachmittags zum Tanze gehen werde. Der Fall war so arg, daß die verblüffte Sünderin aus dem Beichtstühle stürzte und Lärm schlug. Man sah sich nun den seltsamen Geistlichen «twas näher an und fand, daß es — ein angeheiterter Bauernbursche war, der sich einen kleinen Sonntagsfpaß hatte machen wollen. Der falsche Geistliche ist dem hiesigen KretSgertchte etngeltefert worden, da wird nun er beichten müssen.
— (DeS Kaisers Feberhut) In der „Budw. Ztg." erzählt der Feuilletonist folgende hübsche Anekdote von dem österreichischen Kaiser: „Der Monarch pflegt zu weilen die von Maria Theresia anno 1762 gegründete Militär-Akademie zu Wiener- Neustadt zu besuchen und einer eingehenden Besichtigung zu unterziehen; sein Haupt augenmerk jedoch richtet der Kaiser auf den Unterricht, die wissenschaftliche Heranbildung der Zöglinge. Stundenlang verweilt der Monarch in den einzelnen Classensälen, die gehaltenen Vorträge aufmerksam verfolgend und Fragen einwerfend, die er sich von einem der Zöglinge beantworten läßt. Ich selbst war noch ein Zögling dieser Musteranstalt, als eines schönen Tages der Kaiser unangesagt in derselben erschien und in feiner gewohnten raschen Weise — plötzlich, ohne erst die Ankunft des herbeigerufenen Akademte-Dtrectors General Knoll abzuwarten — unfern Classensaal betrat. Professor Hauptmann Ebersberg (Bruder des brkannten Schriftstellers Berg) hielt gerade einen seiner vorzüglichen geschichtlichen Vorträge ab, als sich die Thür öffnete und Kaiser Franz Josef, gefolgt von seinem Flügeladjutanten und einem Jnsp ctions Officter der Anstalt, in unserer Mitte stand. Wie electrisirt fuhren wir von unseren Sitzen empor. Der Kaiser grüßte freundlich, schritt dann bis an den Katheder vor und sprach zu Hauptmann Edersberg: „Lasten Sie sich durch meine Gegenwart nicht stören, Herr Hauptmann; ich bitte, setzen Sie Ihren Vortrag fort " Der Kaiser stellte hierauf feinen Generalshut auf die erste Bank, gerade vor meinen Kameraden Julius B., und sich gegen die Bank lehnend, hörte er dem Vortrage unseres Geschichtsprofessors zu. Mein Blick, welcher unausgesetzt auf der hohen stattlichen Gestalt des Kaisers ruhte, fiel zufällig auf Julius B., und ich war nicht wenig erstaunt, ja erschrocken, als ich das frevle Beginnen desselben bemerkte. Julius B hatte soeben ganz sachte die linke Hand vorgestreckt und den Hut des Kaisers ergriffen, dann langsam mit der rechten vorlangend, erfaßte er eine der arünen Federn des prachtvollen Busches — ein Blick zur Seite, wo der Jnspectionsofficier straff wie eine Bildsäule stand, ein Ruck und — der Hut des Kaisers war um eine Feder ärmer, Julius B- aber um ein werthes An denken reicher. Ich war übrigens nicht der Einzige, der diese waghalsige Manipulation B-'s mit aufmerksamen Blicken verfolgte; rechts und links, vor und hinter mir wurde eine Bewegung sichtbar, Zeichen wurden gewechselt und alle, selbst die verzweifeltsten Mittel in Anwendung gebracht, um Julius B. zu vermögen, sein kühnes Werk fortzufetzen. Unser Kamerad hat begriffen und schritt mit heroischer Selbstaufopferung zum zweiten und rtenmale zum Sturme auf den kaiserlichen Hut, indetz sich in den hinteren Bankreihen nach und nach eine förmliche, doch nur dem Eingeweihten sichtbare Schlacht um die einzeln „Gtb's weiter" anlangenden Federn entspann. Doch das Unheil schreitet rasch!--Bet einem erneuerten Versuche B.'s, die in den Federbusch gerupfte Bresche
zu vervollständigen, entglitt ihm der Hut, schnellte vor, und — traf unsanft den Arm des Monarchen. Der Kaiser blickte sich um und bemerkte sofort den Uebelthäter, der, das corpus delicti in der Hand, bleich, zitternd dastand. Nie werde ich die komische Jammergestalt meines Kameraden vergessen. B- schien vor Entsetzen starr, die sofortige Entlassung aus bet Akademie stand ihm in Aussicht, doch es kam anders. „Was für Absichten haben Sie mit dieser Feder, mein Lieber?" frua der Kaiser den Knaben. —
„Ein Andenken, Majestät," gab Julius B., ermuthigt durch ded Kaisers Huld, zur Antwort. — „Und genügte Ihnen d e eine Feder?" — „Nein, Majestät," sprudelte es keck von B-'s L ppen, „meine Kameraden verlangten jeder eine." — „Nun, dann bleibt mir nichts übrig, als Ihnen den ganzen Busch zu lasten", sagte der Kaiser lächelnd, und er löste mit eigener Hand die Federn von seinem Hute und reichte sie dem c.lück- lichen B. — „Herr Hauptmann", sprach er dann gegen Professor Ebersberg gewendet, „Sie müssen die Güte haben, mir indetz Ihre Kappe zu leihen." Ein donnerdes Hoch begleitete den scheidenden Kaisers "
entschiedener Gegner aller sogenannten Geheimmittel, hatte in seinem KL Hl cCvtJb bedeutenden Wirkungskreise sehr oft Gelegenheit, die verschiedenartig- sttn Haus- und Heilmittel kennen zu lernen und darunter sehr viele, welche längst verschollen sind. In den letzten Jahren traf er häufiger, ja so häufig die wohl keinem Arzte dem Namen nach mehr unbekannten Dr. Airy'ichm Specialitäten an, datz er stutzig wurde. Anfangs glaubte er, die überraschend schnelle Aufnahme den Annoncen zuschretben zu müssen, sah aber bald ein, datz die meisten seiner den besseren Ständen angehörenden Putenten nicht in Folge der Annoncen, sondern auf Empfehlung von Bekannten hin, die Airy'schen Remedien in Gebrauch genommen hatten Dieser Umstand und die ihm entgegengetretenen überraschenden Resultate veranlatzten ihn, jene Specialitäten am Krankenbette selbst zu prüfen. In keinem einzigen Falle konnte er eine absolut schädliche Wirkung diesen Mitteln Schuld geben, in sehr vielen aber einen so enschtedenen Umschlag zur Besserung des Krankheitsfalles, daß der Arzt selbst in eigner Familie diese Atry'>chen Specialitäten als Hausmittel einführte und seither kein mitzbilltgendes Urtheil über dieselben mehr gelten laßt. Wer sich nähere Kenntnitz über die Naturheilmethode des Dr. Aiiy verschaffen will, beziehe das inftructive Buch welches klare Abhandlungen über die meisten Krankheiten, sogar mit belehrenden Illustrationen für den enorm billigen Preis von nur 1 X gewährt, direct aus Rtchter's Verlags-Anstalt in Leipzig.
Handel und Verkehr.
Gießen, 5. März. Auf dem heutigen Markte waren aufgetrieben: 1724 Stück Rindvieh und 520 Stück Schweine. Der nächst - Markt findet den 19. und 20. März statt ; an letzterem Tage auch Krämermarkt.
Frankfurt, 4. März. Der heutige Viehmarkt war ziemlich befahren. Angetrieben waren circa 330 Ochsen, 200 Kühe und Rinder, 180 Kälber und 200 Hämmel. Die Preise der letzteren sind, weil der Landwirth vor der Schur ungern ablätzt, für gute Waare erheblich in die Höhe gegangen. Ochsen sind im Preise gegen seither gewichen, auch Kühe guter Qualität. Schweine wurde das Pfund immer noch mit 60^ bezahlt. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. X 66—68, 2. Qual. X 62—64, Kühe und Rinder 1. Qual. X 58—60, 2. Qualität X 52—54, Kälber 1. Qualität X 60—62, 2. Qual. X 50—52, Hämmel 1 Qual. X 63—65, 2. Qual. X 52—54.
Frankfurt, 4. März. (Fruchtbericht.) Am hiesigen Markte bleibt es beim Alten. Wetzen ab Umgegend nicht mehr so dringend offerirt, X 22 50—75, fremder wenig gethan X 23.50—24 Roggen, hauptsächlich französischer zu X 17.40 gehandelt. Gerste ruhig. Hafer ohne Leben X 13—16.50. Am Mehlmarkt keine Aenderung. Futterstoffe fester. Wir nottren heute:
Mehl Nr. 1 X 41, Nr. 2 x 37, Nr. 3 X 33, Nr. 4 x 29, Nr. 5 X 23, Roggenmehl o/i (Berliner Marke) X 24, do. II. (Berliner Marke) X 20, Weizen, effect- hies., X —, ab Bahnhof hier X 23, ab unserer Umgegend X 22.50—22.75, do. fremder je nach Qualität X 23—24, Roggen je nach Qualität X 16—17.50, Gerste X 19—23, Hafer X 13—16 50, Kohlsamen X —, Erbsen X 19—,23, Wicken -/-L 17 —, Linsen X 19—23, Rüböl, detail, X 80. Stimmung unsicher. Hauptsächlich gefragt war nichts; bringend offerirt: sämmtliche Getreidesorten. (Die Preise verstehen sich sämmtlich per 200 Pfund Zollgewicht — 100 Kilo.)
Allgemeiner Anzeiger.
Ziehung am 29. Mai 1878
3.
4.
1394)
XXXXXXXXXXXXIXIXIXXXXXXXXXXX
Th. Dietrich 4* in Cassel.
3. eine elegante Equipage mit 1 geschirrten edlen Pferd, Werth: 3500 R-M;
2. eine elegante Equipage mit 2 geschirrten edlen Pferden,
Hauptgewinne:
1. eine elegante Equipage mit vier geschirrten edlen Pferden, Worth: 10,000 R.-Mark.
Werth: 6000 R.-M.;
eine elegante Equipage mit 2 geschirrten edlen Pferden, Werth: 5000 R--Ma
rine elegante Equipage mit 2 geschirrten leichten Pferden, Werth: 4000 R-M.;
Außerdem:
1000 Gewinne im Werth von 3—300 R.-M., bestehend in besten Reit und Fahr-Requisiten, Stall-Utensilien, Landwirthschaftltchen Maschinen und Geräthen, Uhren, Kunst-, HauS- und Wirthfchafts Gegenständen rc.
Loose ä 3 Mark
sind sowohl im Einzelnen wie in Partieen (Wiederverkäufer erhalten Rabatt) zu beziehen durch
xxxxxxxxxxxx\xm\xxxxxxxxxxx
i Casseler Pferdemarkt-Lolterie. 8
6. ein Paar Chaisenpferde,
Werth: 3000 R-M.;
7. ein Paar Arbeitspferde,
Wcrth: 2500 R-M.;
8. ein edles Reitpferd mit Sattel- u. Zaumzeug, Wrrth: 2000 R.-M ;
9—32. 44 einzelne Reit- und Wagenpferde, im Wetthe ron 600—1900 R- M.
Geschäfts - Eröffnung.
1371) Unterzeichneter erlaubt sich hiermit die ergebenste Anzeige, daß er seit dem 1. d. M. ein
Colonial- und Kurpvaarm - Geschäft
int Hause der L. Geißler Wittwe, Neichensandstraße, betreibt und macht besonders aufmerksam, daß er stets frische Butter, Eier, Kartoffeln re. auf Lager hält.
Indem er einem geehrten Publikum bei geneigtem Zuspruch die reellste und prompste Bedienung zusichert zeichnet Hochachtungsvoll
Louis Horrmann.
Zum Besten des unter dem Protektorat Seiner König!» Hoheit des Großherzogs Ludwig IV. von Hessen und bei Rhein stehenden patriotischen Unternehmens des
Ausbaues der Katharinen-Kirche Oppenheim, welches sowohl aus Mitteln des Großherzogthums Hessen als auch des deutschen Reiches unterstützt werden soll, wird mit Genehmigung des Großherzoglich Hessischen Ministeriums
eine Lotterie ohne Nieten
von Kunstwerken veranstaltet. Jedes Loos gewinnt. Zu obiger Verloosung sind Loose ä J/. 3 $u haben in der
Expedition des Gießener Anzeigers, Schulstraße 18.
Japanische Schreib - ri- Copir -Tiute
(Euere violette ä copier).
Dieselbe ist von violetter, dem Auge angenehmer Farbe, wird indeß beim Gebrauch nach kurzer Zeit schwarz, trocknet augenblicklich, greift weder Papier noch Feder an, ist leicht fließend, schimmelt selbst bei längerer Aufbewahrung nicht und ist unauslöschbar. Auch dann, wenn die Schrift bereits mehrere tage alt ist, liefert dieselbe noch makellose Copien und empfiehlt sich des schnellen Trocknens und der vorzüglichen Schwärze wegen ganz besonders zum Einträgen in Handels- und Geschäftsbücher.
Niederlage davon in 4 Flaschenfüllungen ä % Vifer Jl. 2, i/2 Liter X. 125, 1/4 Liter 75 Vs Liter 50 H, in Giessen bei der Expedition des Gießener Anzeigers.
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1350) Von mehreren Seiten aufgefordert, beabsichtigt die Unterzeichnete von Ostern an, im Anschluß an den Kindergarten, einen Privatunterricht in den Elementarfächern einzurichten, für Kinder, welche das schulpflichtige Alter erreicht und die nöthige Reife erlangt haben.
Der Unterricht wird von einem hier angestellten bewährten Lehrer ertheilt.
Das Nähere sagt ein Prospectus, welcher bei der ergebenst Unterzeichneten zu erhalten ist. H» Fritsch,


