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6.8.1878
 
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Dienstag, den 6. August

1878

Meßmer "Anzeiger

AiM- M Amkwtt fir bee Kreis Gieße«.

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montag».

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Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

^edactionSbureanr Gartenstraße B. 165.

<fxpeditionsburcanr Schulstraße B. 18.

Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Großherzogliches Ministerium des Innern dem Stadtvorstand zu Friedberg gestattet hat, bei Anlaß des im October l. I. daselbst stattfindenden Fohlen- und Pferdemarktes eine Verloosung von Fohlen und landwirthschaftlichen Gegenständen mittelst 12000 Loosen ä V/2 M. zu veranstalten und die Loose im Großherzogthum abzusetzen.

Gießen, am 2. August 1878. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. B o e k m a n n. ____________________________

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1870 1015, 1871 1961, 1872 4964, 1873 7968, 1874 11,971, 1875 18,488, 1876 25,005, 1877 31,522, 1878 56,336. Nach einem zwölfjährigen -Durchschnitt gewann also pro Jahr in Berlin die Socialdemokratie 4695 neue Anhänger, d. h. sie würde bet dieser mäßigen Steigerung gegenüber dem rapideren Fortschritt in den letzten Jahren bet einer Wählerschaft von 200.000 in ca. neun Jahren die Majorität haben, nach der durchschnittlichen Steigerung in den letzten sechs Jahren (8564 Köpfe pro Jahr), aber bereits in ca. fünf Jahren, nach der Steigerung in den letzten drei Jahren (12,682 Köpfe pro Jahr) in ca. 3% Jahren, endlich aber nach der Zunahme im verflossenen Jahre bereits in zwei Jahren. Daß das Verhältutß sich nach den einzelnen Wahlbezirken ändert, nimmt dem moralischen Effect dieser Zahlen absolut Nichts. Sie predigen laut, daß es mit der Abstimmung am Wahltage allein, so wichtig sie ist, nicht gethan ist. Tie Aufraffung zur Energie, welche Berlins Wähler diesmal bewiesen haben, darf nicht in ihr Nichts zurücksinken, wenn auch der Wahltag vorbei ist. Es bedarf neuer, angestrengter, täglicher Arbeit, um das Wachsthum der Social­demokratie zu beschränken, nur ein stetiger Kampf kann diese Hochfluth bannen, denn dieses Wachsthum existirt noch heute, wie uns die Wahlstattstik lehrt, trotz des anscheinenden Steges der liberalen Parteien vom 30. Juli 187 8. Nichts wäre falscher für den Berliner Liberalismus,

als auf diesen Lorbeeren auszuruhen.

Wie traurig die Zahlen sind, es gibt für uns eine andere tröstliche Seite. Die deutsche Socialdemokratie ist mit jedem Jahre ihres Bestehens geistig und sittlich zurückgegangen; sie steht heute hart an der Grenze des Menschenmöglichen; wenn ihre Früchte weiter reifen, wie bisher, so wird sie bald eine Reaction im eigenen Lager zu verzeichnen haben. Freilich wäre das immer erst der Anfang vom Ende; zu weit schon hat sie ihre verheerenden Wirkungen getragen und die Gemüther vieler Tausenden zu lange geschult, als daß ihr geistiger Bankerott mit ihrem politischen identisch sein würde. Aber sie gleicht, wie es in einerGeschichte der Socialdemokratie" richtig heißt, dem glimmenden Brande im Walde; nur dadurch besteht sie, daß sie sich immer weiter freffen kann; sind ihrer Ausbreitung feste Gräben gezogen, dann sinken die rauchenden Trümmer unschädlich in sich zusammen. Für eine Agitation dieses Kalibers ist der Stillstand gleichbedeutend mit reißendem und unaufhalt­samem Rückgänge. Wichtiger als ihren Besitzstand zu stören, ist es, seine Aus­breitung zu hindern. Mögen die liberalen Kreise Berlins, welche auch nach der Wahl Aufklärung und Volksbildung fördern, weder die deutliche Lehre der Zahlen, noch ihre an dieser Lehre anzuknüpfende stetige geistige Arbeit in der Preffe und in den Vereinen, in der Literatur und im Parlament, an

in bein Dause tw Zahnhofsfiraße

18771878 um 24,814 Köpfe. Vertheilen wir diese Ziffern nach einem Durch­schnitt auf die einzelnen Jahre von 1867 bis 1878 incl., so zählt man in Berlin socialdemokratische Wähler: 1867 69, 1868 384, 1869 700,

Deutschland.

Darmstadt, 3. August. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben

t Die Socialdemokratie in Berlin.

Das Berliner Wahlresultat liegt uns ziffermäßig vor und beweist denn Zahlen beweisen den eklatanten Sieg der vereinigten liberalen Parteien, der ihnen stets sicher sein wird, wenn sie sich überhaupt energisch aufraffen und ihren ärgsten Feind, den Jndifferentismus unter ihren eigenen Partetge- noffen, beseitigt haben. Die hohe Ziffer der Wahlbethetligu n g, der früher nie erreichte günstige Prozentsatz der Theilnehmer an der Abstimmung ist nicht nur freudig zu begrüßen, weil er das Wahlergebniß als treuen Ausdruck des Volksbewußtsetns, der Volksstimmung werthvoll macht, sondern weil er über­haupt Zeugniß ablegt von der wachsenden politischen Einsicht des Bürgerthums, von der staotspolitischen Erkenntniß der Wichtigkeit der Wahl. Dadurch hüben wir den Steg über die Socialdemokratie zu verzeichnen, neben welchen der Abfall der Conservativen, die Schwäche der Ultramontanen weniger auf­fallen, als die von uns stets vorausgesagte Blamage der Christlich-Socialen und der Handwerker-Interessengruppe. Die neueste Wahlstatistik reizt zu Ver- Vergletchen und wenn auch Schlußfolgerungen für die Zukunft, die man auf Zahlen basirt, deßhalb ungenau bleiben, weil politische Umstände und politische Arbeit auf diese Zahlen im Laufe der Zeit von anderem Einfluß sind, so behält doch eine Durchschnitts- und Wahrscheinlichkettsberechnung auch in politischer Beziehung iy.)n Werth.

Das Wahlresultai vom 30. Juli 1878 zeigt (ungefähr) von 161,762 abgegebenen Stimmen: 85,817 vereinigte Fortschritts- und liberale Partei, 56,336 Soctaldemokraten, 8,034 Ministerielle (Dr. Falk), 6251 Conservative (Moltke rc.), 2024 zersplitterte Stimmen, 1416 Christlich-Sociale, 1402 Ultra- r'^fnne und 482 Anhänger der Handwerkerpartei.

Vor Allem ersehen wir, daß die socialdemokratische Partei allein neben der liberalen (Fortschritts-)Partei einen hohen Procentsatz etnnimmt; die Liberalen absorbiren 53 %, die Socialdemokraten 34,8% der gesammten Wahl­betheiligung, während die nächststärksten Parteien kaum 5 uud 4%, die Christ-

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Bekanntmachung.

Betreffend: Den Deutsch-Italienischen Handelsvertrag, hier die Beifügung von Ursprungszeugniffen.

Großherzogliches Ministerium des Innern theilt uns eine Note des Königlich Italienischen General Konsulats zu Frankfurt a. M. vom 20. l. Mts., an Großh. Gesammtministertum gerichtet, mit, deren Inhalt wir in Nachstehendem zur Kenntniß des bethetligten Handelsstandes bringen.

In Folge Ablaufs des Handelsvertrags zwischen Frankreich und Italien muffen Maaren französischen Ursprungs vom 1. d. Mts. ab in Italien die durch den neuen Zolltarif festgesetzten Abgaben bezahlen und sieht sich die italienische Regierung deßhalb in die Notbwendigkeit versetzt, Veränderungen bezüg­lich der Bestimmungen des Zollwesens einzuführen, um auf die Maaren Deutschen Ursprungs den durch den Handelsvertrag festgesetzten günstigeren Tarif, der zwischen Italien und dem Deutschen Kaiserreich in Kraft war und bis zum 31. December l. I. verlängert wurde, in Anwendung bringen zu können. Es muß daher vom 1. August an jede Sendung von Natur- oder Kunstproducten des Kaiserreichs, welche für Italien bestimmt ist, mit einem Schein ver­sehen sein, der vom Magistrat des Ortes ausgestellt, von dem die Beförderung stattfand und in welchem erklärt ist, daß die darin bezeichneten Maaren Deutschen Ursprungs sind. Außerdem muß jeder dieser Beglaubigungsscheine noch von dem Königlich Italienischen General-Consulat in Frankfurt a. M.

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bestätigt sein.

...... Die Königlich Italienische Regierung bedauert zwar sehr, daß sie diese Scheine über den Ursprung hat einführen müssen, es werden sich jedoch die

öartiöpn Süfiit Italienischen Behörden bestreben, mit der Verordnung dieser Maßregel die Interessen der Staatsfinanzen nach Möglichkeit mit Erleichterungen für den Handel zu vereinigen und werden demgemäß Gegenstände in kleiner Menge, von Reisenden befördert, oder wohl ausschließlich und notorisch Deutschen Ursprungs von ter Verpflichtung der Beibringung des Ursprungszeugnisses ausgeschloffen sein.

Gießen, den 31. Juli 1878. Großherzogliche Handelskammer.

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lich-Socialen nicht einmal 1% erreichen.

Ueber das Wachsthum der Socialdemokratie in Berlin liegen uns folgende Ziffern vor: Wahl von 1867 69 Soctaldemokraten, 1871 1961, 1874 11,911, 1877 31,522, 1878 56,336; oder in Procenten (an der a Gesammtzahl der abgegebenen Stimmen): 1871 5%, 1874 28%, 1877 39%, 1878 34,08%. Wenn also auch der Procentsatz der Socialdemokratie bei der Wahl am 30. Juli 1878 etwas herabgegangen ist, die abermalige bedeutende Vergrößerung der Zahl der Anhänger der Umsturzpartei giebt doch zu denken. Wir ersehen folgende ziffermäßige Steigerung ... vct HUV

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