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gekauft. Aus Sheffield treffen größere Mengen Bayonnetstahl ein und es wer­den daselbst die Eisenstücke zu 600 F-ldambulanzen angefertlgt. Zur Beförbe- rung von Munition beschäftigt das Kriegsamt neben den gewöhnlichen Trans­portdampfern bereits geheuerte Privatdampfer- Es werden neue Geschütze an die Küstenforts und auch nach entfernten Stationen, wie Bermuda, versandt. In Woolwich werden zwei Feldeiseubahnen stückweise abgelteferl. Die eine ist eine Bahn, um aus offenem Felde benutzt zu werden, die andere ist für Grä­ben, zur Beförderung schwerer Geschütze bestimmt.

Italien.

Nom, 2. März. Seit gestern waren die sonderbarsten Gerüchte über die Gründe verbreitet, weshalb die Vorbereitungen zur päpstlichen Krönung und feierlichen Segensertheilung eingestellt wurden. Man behauptete, die päpstliche Curie habe aus Furcht vor unehrerbietigen Kundgebungen und Feindseligkeiten, welche die italienischen Behörden nicht verhindern zu können erklärt hätten, Gegenbefehle erlaffen. DieAgenzia Stesani" bezeichnet diese Gerüchte als böswillig ausgestreute und erklärt dieselben als unbegründet, hinzufügend, daß, wenn die angekündigten Feierlichkeiten stattgefunden hätten, die Ruhe innerhalb und außerhalb der Peterskirche sicherlich nicht gestört worden wäre; die Regie­rung habe keinerlei Anlaß gehabt, sich in dieser Beziehung Besorgnissen hin- zugeben.

Spanien.

Madrid, 2. März. Ein in der Sitzung der Cortes verlesenes Tele­gramm des General-Gouverneurs Martinez Campos bestätigt die Unterwerfung fast sämmtlicher Insurgenten auf Cuba, mitsammt dem Centralausschusse. Die Cortes votirten Glückwünsche an den König, die Regierung, die Generale und die Armee auf Cuba. Alle Mitglieder der Cortes und die Minister begaben sich darauf in das Palais, dem Könige die Glückwünsche iw corpore dar­zubringen.

Außland.

Petersburg, 2. März. DerRegierungsbote" veröffentlicht eine kaiserliche Verordnung, betr. die Bildung von 4 Reserve-Jnsanterie-Divisionen. Es sollen für dieselben 16 Reserve-Fußbatterien formirt und in 4 Artillerie- Brigaden zusammengezogen werden.

Telegraphische Depeschen.

Privat-Depesche des Gießener Anzeigers.

London, 5. März.Daily News" meldet: In dem zu St. Stefano abgeschlossenen Frtedensvertrag wurde bestimmt, daß der einzusehende Fürst von Bulgarien kein Mitglied einer regierenden Fürstensamilie von Europa sein darf. Die Summe des von Bulgarien zu entrichtenden Tributs wird erst in zwei Jahren fixirt. Bulgarien erhält einen Seehafen. Die Russen werden in Kawala etngeschifft um durch das Marmarameer und den Bosporus hetmzu- kehren. Dieselben rücken nicht in Konstantinopel ein. Alle bulgarischen Festungen werden geschleift und bleiben keine türkischen Truppen in Bulgarien. Diese Details rühren von Jgnatieff her.

Wagner'S telegr» Eorrespondenz-Bureau.

Berlin, 4. März. Der Reichstag verwies heute die Ueberftcht über die Ein­nahmen und Ausgaben der Rechnungsperiode vom 1. Januar 1876 bis 31. März 1877 in erster Lesung an die Rechnungs-Commission. Hierauf wurde die erste Berathung der Gesetzentwürfe über die Abänderung der Gewerbeordnung und die Gewerbegertchte fortgesetzt. Hirsch bemerkte, er finde in den Bestimmungen über die Arbeitsbücher den Ausdruck einer reactionären gegen die Arbeitnehmer gerichteten Strömung; Redner be- °?te die Verweisung der Vorlagen an eine Commission von 28 Mitgliedern. Auer l^octaldemokrat) wendete sich gegen die Einführung der Arbeitsbücher und die zwangs weise Zurückführung der Lehrlinge in die Lehre. Lasker, der sich im Allgemeinen mit 2k"c^Atzentwürfen erklärte, kritisirte einzelne Bestimmungen wie u. A. die auf die Beschäftigung jugendlicher Fabrikarbeiter bezüglichen und beantragte Verweisung an eine Commlsston von 21 Mitglieder.

_ . Minister Hofmann berichtigte einzelne bei der Debatte hervorgetretene Mißver­ständnisse und conftatirt^, daß alle Parteien darin einig seien, die Vorlagen als geeig­neten Ausgangspunkt zur definitiven Regelung der gewerb-gefetzlichen Fragen zu be- trachten. Nachdem hierauf noch Bauer die Vorlagen vom zünftlerifchen Standpunkte aus beleuchtet hatte, beschloß das Haus die Ueberweisung derselben an eine Commission von 21 Mitgliedern. Morgen kommt die Vorlage über die Stellvertretung des Reichskanzlers zur Berathung.

Die nächste Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses ist auf den 14. März anberaumt; auf die Tagesordnung sind gesetzt: die zweite Lesung der Gesetzentwürfe betr. den Forßdiebstahl und die schleswig-holsteinische evangelische Ktrchenoerfassung.

Konstantinopel, 4. März. Amtliche Meldung: Der Friedensver- trag ist gestern spät Abends in San Stefano unterzeichnet worden; die Be­dingungen werden unverweilt veröffentlicht werden.

rx ; ^ra, 4 März. Die hiesigeAgence Havas" meldet: Jgnatieff wird sich tn Begleitung eines türkischen Specialgesandten nach Petersburg begeben. Als Bedingungen des unterzeichneten Friedensvertrages werden genannt: Eine Kriegsentschädigung, welche zu 3/4 ihres Betrages durch die Abtretung von Datum, Kars, Ardahan und des Districtes Bajazid abgetragen wird; die Frage der Schifffahrt durch die Meerengen bleibt Vorbehalten; hinsichtlich der Donauschifffahrt bleibt ber Status *quo bestehen; zwischen Montenegro und Serbien soll der Türkei eine Zone bleiben behufs der Communication mit Bosnien und der Herzegowina; eine Abtretung von Kriegsschiffen an Rußland findet nicht statt.

London, 4. März.Reuter's Bureau" meldet aus Konstantinopel vom 3 b.: Vor der Unterzeichnung des Friedens habe Jgnatieff verlangt, daß Rußland und die Türkei dem Congreffe gegenüber für alle Punkte des Frie­densvertrages eintreten sollten; Savfet Pascha habe dies abgelehnt, und Jgnatieff darauf telegraphisch um, Instructionen gebeten. Wie schließlich die Frage geregelt worden, sei nicht bekannt.

. ~ Meldung derTimes" aus San Stefano vom 2. d. bestätigt,

daß die Friedenöbedingungen nicht die Abtretung der Flotte und des egyptischen .5 ,snV" sch^«' In Detteff der Entschädigung sei noch keine defini­tive Jestmnnung getroffen t:ub wird dieselbe hauptsächlich durch asiatisches Ge» met, mit Ausnah e Erzurum, beglichen werden. Die Grenze von Neu- Bulg.rten umfasse n.cht Salonicht und Adrtanopel.Times" meint, Rußland musst jetzt mit Europa abrechnen. Hoffentlich werde es nicht Bedingungen durchsetzen wollen, weiche England nicht sanctiontren könne.Standard" und Telcgnlph" drücken Angesichts der gegenwärtigen Phase in der Orient- rnse Besorgnisse aus und fragen, was jetzt zum Schutze der britischen In­teressen geschehen werde. w

Die Nachricht von dem Friedensschlüsse wird von den Blättern sehr kühl ausgenommen.Times" meint, es sei ein Jrrthum zu glauben, daß jede Gefahr vorüber sei.Standard" empfiehlt Blokirung der Dardanellen und Occupirung Egyptens.

Petersburg, 4. März. Die Nachricht von Wiener Blättern, daß Gortschakoff neuerdings eine Note an die russischen Vertreter im Auslände ge. richtet habe, in welcher er die eventuellen Concessionen Rußlands bezeichne und zugleich erkläre, Rußland müsse bezüglich ber bulgarischen Frage unnachgiebig bleiben, wird in hiesigen bestunterrichteten Kreisen für unbegründet erklärt.

DieAgence Russe" glaubt das europäische Publikum vor absichtlich ausgestreuten Gerüchten über übertriebene Forderungen Rußlands hinsichtlich der Kriegsentschädigung warnen zu müssen, Die russische Regierung sei im Gegentheil entschlossen, der finanziellen Lage ber Türkei unb ben Interessen ihrer europäischen Gläubiger Rechnung zu tragen. Die Verhandlungen be­züglich des Zusammentritts der Conferenz schreiten vor.

London, 4. März. Im Oberhause erklärte Derby auf Anfrage ®ratL vtlle's: Die Friedensbedingungen schließen nicht die Abtretung der türkischen Flotte in sich (Beifall) ; die Kriegsentschädigung ist von ursprünglich 40 auf 12 Mill. Pfund rebucirt; die egyptischen Revenuen bleiben davon unberührt. Sobald die Bedingungen vollständig bekannt find, werde ich dieselben mittheilen."

Im Fortgänge der Oberhaussitzung bemerkte Beaconsfield auf Befra. gen von St. Leonard's: Die Eventualität einer Verwendung von Freiwilligen für den Dienst im Auslande sei nicht eingetreten, auch sei der Einritt einer solchen unwahrscheinlich, daher habe man die Löhnungsfrage nicht in Erwägung gezogen.

Abends. Im Unterhause erklärte Northcote auf Veranlassung Har- tington's: Der Regierung sei von Layard und Loftus die gestern stattgehabte Unterzeichnung des Friedens gemeldet worden. Derselbe antwortete auf eine Anfrage Fraser's : Der Regierung seien zwar Mittheilungen über die Friedens- bedingungen zugegangen, jedoch so unvollkommen, daß solche augenblicklich nicht zur Kenntniß des Hauses gebracht werden könnten.

Petersburg, 4. März. DieAgence Russe" schreibt: Man könne annehmen, daß noch einige Tage vergehen, bis der Friedensvertrag in Peters­burg vorliegt; indeß glaube sie versichern zu können, daß, wenn die wirklichen Friedensbedingungen bekannt würden, sich die von den Feinden Rußlands dar­über gemachten Angaben als durchaus übertrieben Herausstellen würden. Rament« lich werde sich ergeben, daß (wie bereits gemeldet) die von Rußland geforderte Geldentschädigung eine sehr geringe sei, die Garantiesrage unberührt und jede hypothekarische Forderung auf bereits hypothekirte Revenuen ganz außer Frage geblieben sei.

* Wien, 4. März. General Nowikoff hat heute Andrafly den Frie­densschluß officiell notificirt. Baldigster Zusammentritt des Congresses wird erwartet. Als Congreß-Ort wird Berlin bezeichnet. Andrassy wird jeden­falls persönlich auf Ersterem erscheinen. Englische Blätter bringen kriegerische Artikel. In London geht das Gerücht, Rußland habe einem preußischen Prinzen die Herrschaft über Neubulgarien angeboten. Ungarische Blätter verlangen die Action Oesterreichs in der Richtung nach Serbien und Rumänien

Lokal-Notiz.

Gießen, 5. März. Wir lassen nachstehend die Tagesordnung für die Stc i verordneten-Sitzung am Donnerstag den 7. Marr 1878, Nachmittags 4 Uhr, im alten Realschulgebäude folgen:

1. Gesuch des Wilhelm Wagner II. um Bauerlaubnitz.

2. Gesuch des Gerbermctfters Karl Becker um Erlaubniß zur Herstellung einer Einfriedigung.

3. Gesuch des Friedrich Möhl um Bauerlaubniß.

4. Gesuch wegen Pflasterung des rechtsseitigen Trottoirs jenseits der Lahn- brücke.

5. Gesuch des Philipp Heger von Krofdorf um Erlaubniß zur Anlegung einer Brücke über den städtischen Graben am Krofdorfer Weg.

6. Die Unterhaltung der Schoorwege.

7. Die Realschulabtritte.

8. Die Gasbeleuchtung^ Commission betreffend.

9. Das Signaltstren der Stunden während der Nachtzeit vom Stadtthmm.

10- Die Vergebung der Zinsen aus den von Krugtschen und Lonyschen Stiftungen.

Vermischtes.

Das ,ReichS-Gesundhetlsamt" tn Berlin erläßt eine energ ische Warnung vor den sogen. Guyot'schen Theerkapseln, die, unrichtig angewendet, der G esundhelt, nanunb lich der Kinder, ernstlich Nachthetl bringen können. Im Anschluß an diese Warnu ig wollen wir bemerken, daß wir für die in unserem Blatte als Annoncen oder Reclamen veröffentlichten Anpreisungen solcher Heilmittel keinerlei Verantwortung übernehmen.

Frankfurt hat in seinen Annalen einen Schurkenstreich erster Classe zu ver­zeichnen. Das Börne-Denkmal wurde nämlich mit einer ätzenden Flüssigkeit zu Grunde gerichtet. Die herrliche Büste bietet einen jammervollen Anblick dar. Möchten die Thater entdeckt werden. Am Goethe-Denkmal fand ähnliches, aber nicht in so hohem Grade statt.

Angelo Seccht, der berühmte Astronom, auf welchen der römische CleruS so stolz war, ist PtuS IX. rasch ins Grab gefolgt. Nach längerem Leiden ist derselbe gestern tn Rom gestorben. Seccht erreichte ein Alter von 60 Jahren. Er war zu Reggio geboren und fand Aufnahme im Jesuiten-Seminar. Dem Orden Jesu an- gehörend wandte er sich dem Studium der Astronomie zu und wurde zuletzt Direktor des Collegio Romano in Rom. Seine meteorologischen und magnetischen Untersuchungen wurden in der Gelehrtenwelt sehr geschätzt, seine bedeutendnen Arbeiten aber find oit svektralanalyttschen Untersuchungen der Sonne und starkleuchtender Fixsterne. Neben Palmieri wandte auch Seccht den Eruptionen heS Vesuv und der damit verbundenen Erscheinungen eine größere Aufmerksamkeir zu. Angelo Seccht war wirklich ein lumen m coelo, ein Licht am Himmel der Gelehrtenwelt; wir bedauern, daß es erloschen ist, und wünschten, daß alle Jesuiten sich nur so unb nicht anders um den Himmel be­kümmerten, wie dieser berühmte Konfrater es that.

bl Parma- berichtet über ein schreckliches Unglück, welches sich nr $Laraia ereignet hat. Die Offiziere der dortigen Garnison nahmen verschiedene Versuche mit Dynamit vor, wovon einer in der Beseitigung der hundert­jährigen Rotzkaftantenbäume in den Alleen deS Corso bestand. Einer der Offiziere, Lieutenant Bonsignori, beging die Unvorsichtigkeit, den Dynamit auf eine Taffe mit veißer Asche zu legen, worauf unmittelbar eine fürchterliche Explosion erfolgte. Alle tn der Nahe liegenden Straßen wurden erschüttert, Lieutenant Bonstgnort fiel gräßlich DC k n öen aJn des BaumeS ausgehobenen Graben, mit ihm ein Fourier und sechs Sappeure der Cavallerie. Es war ein entsetzlicher Anblick, diese Unglück­lichen zerriffen verstümmelt, blutig mit zerfetzten Uniformen über einander liegen zu ieyen. um das Unglück noch größer zu machen, war der Corso um diese Stunde do» j e ner A^ahl Bürger besucht, von denen gleichfalls viele verwundet unb Nel ; zugerichttt würben. Bis jetzt sinb 8 Personen in das Mtlitärspital gebracht worden, "orultter Lieutenant Bonfignort und etn Soldat tobt, zwei liegen in ben letzten Zügen mundet <9WC*>CR n großer Gefahr. Vom Cioil wurden gegen zwanzig Personen oer-

^^???Ellt2rischeS Couriosum.) . Das Fürftenthum Waldeck besitzt heut zu Tage zwei verschiedene Arten von Orden und Ehrenzeichen; nach der Rangliste: w. v. 1. 2,

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